Logo Land Hessen

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Fließgewässer

Niedrigwasser an Fließgewässern entsteht durch Überlagerung von hydrologischen und meteorologischen Ereignissen. Ausschlaggegend für die Entwicklung von Niedrigwasser ist eine langandauernde Trockenperiode verbunden mit zurückgehendem grundwasserbürtigem Abfluss aus dem Einzugsgebiet. Die Ursachen von Niedrigwasser sind hauptsächlich in unterdurchschnittlichen oder gänzlich ausbleibenden Niederschlagsmengen oder hohem Rückhalt des Niederschlags als Schnee und Eis zu sehen.
Die deutsche DIN-Norm 4049 bezeichnet „Niedrigwasser“ als einen „Zustand in einem oberirdischen Gewässer, bei dem der Wasserstand oder der Durchfluss einen bestimmten Wert (Schwellenwert) erreicht oder unterschritten hat“.

In innerhessischen Gewässern tritt Niedrigwasser meist zwischen Juli und Oktober auf, Grund dafür ist sommerliche Trockenheit und erhöhte Verdunstung durch die Pflanzen, auch die im Sommerhalbjahr bis Ende Oktober i.d.R. zurückgehende Grundwasserstände liefern entsprechend immer weniger grundwasserbürtigen  „Basisabfluss“ in die Gewässer. Aber auch in ausgeprägten kalten Wintermonaten, in der gefallener Regen als Schnee zurückgehalten wird, kann Niedrigwasser insbesondere in kleineren Einzugsgebieten ohne großen Grundwasserzustrom auftreten.

Zunächst fallen bei zurückgehenden Abflüssen auch die Wasserstände. Dadurch wird der Lebensraum für aquatische Organismen eingeschränkt. In Schiffbaren Gewässern gehen die Transportkapazitäten durch zurückgehende Ablademöglichkeiten zurück bis hin zur Einstellung der Schifffahrt. Durch geringere Abflüsse werden Abwasseranteile und Schadstoffe in den Gewässern weniger verdünnt und treten in höheren Konzentrationen auf.
Im Zusammenhang mit sommerlich hohen Temperaturen geht die Sauerstofflöslichkeit in wärmeren Wasser zurück (insbesondere bei Temperaturen über 25 °), so das aquatische Organismen unter Stress gelangen oder absterben können. Wasserkraftwerke können entsprechend den geringeren Abflüssen oder Fallhöhen weniger Energie erzeugen. Thermische Kraftwerke müssen ggf. ihre Leistung verringern, um mit ihren Abwärmeeinleitungen die Gewässer nicht zu stark aufzuheizen.

Teilweise erfolgt unterhalb von Talsperren in Hessen eine Mindestwasserabgabe. Tritt ausgeprägtes Niedrigwasser an vielen Gewässern auf, so kann der Gemeingebrauch (also die Wasserentnahme mittels Gefäßen durch Anlieger) untersagt werden.
Gegebenenfalls können Fischbestände abgefischt und in größere wasserführende Gewässerabschnitte umgesetzt werden. Wassersparen und Einschränkung der Nutzung von Trinkwasser zur Garten/Rasenbewässerung sind weitere mögliche Maßnahmen.