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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Klimawandel

Die Lufttemperatur ist seit Beginn des 20. Jahrhunderts in Hessen in allen Monaten deutlich angestiegen, vor allem in den vergangenen 30 Jahren. So lag die mittlere Jahrestemperatur in Hessen bis Anfang der 1990er Jahre im (in der Klimaforschung üblichen) dreißigjährigen Mittel in allen Zeiträumen zwischen 8,1 und 8,3°C, während sie im Mittel der Jahre 1989–2018 bereits auf 9,2°C angestiegen war. Der Trend für den Gesamtzeitraum 1901–2018 betrug 1,4°C im Jahresmittel, wobei sich der August mit einer Temperaturerhöhung von 2,2°C am stärksten erwärmte, während der Anstieg im Mai mit einem Plus von 0,8°C am geringsten ausfiel. Die Veränderung der mittleren Verhältnisse wirkt sich über den Erwärmungshintergrund auch auf die beobachteten Extreme aus. So sank die Anzahl der Tage mit Dauerfrost (Temperaturmaximum <0°C) im Hessenmittel von 26 Tagen im Zeitraum 1951–1980 auf 19 Tage im Zeitraum 1989–2018, während sich die Anzahl heißer Tage (Temperaturmaximum 30°C) im zeitlichen Vergleich von 4 auf 9 erhöhte. Im Jahr 2018 wurde mit im Mittel 24 heißen Tagen ein neuer Rekordwert für Hessen aufgestellt. Zusätzlich stieg die Temperatur am 25. Juli 2019 zum ersten Mal überhaupt (und gleich an vier hessischen Stationen) auf über 40°C an.

Der Niederschlag ist deutlichen dekadischen Schwankungen natürlichen Ursprungs unterworfen, die mit der Verteilung der Wetterlagen einhergehen. Daher kann bisher kein eindeutiger Trend zu mehr oder weniger Niederschlag bestätigt werden, auch innerhalb der Jahreszeiten nicht. Mit steigenden Lufttemperaturen nimmt allerdings auch der Wasserdampfgehalt der Luft zu. Dies wirkt sich auch in Hessen aus und kann zu häufigeren und intensiveren (Stark-)niederschlägen führen, wobei auch hier weitere Einflussfaktoren wie die Verteilung der Wetterlagen regional unterschiedliche Auswirkungen zur Folge haben. Beobachtungsdaten deuten in vielen Regionen der Welt und Europas bereits eine Zunahme der extremsten Niederschläge an. Gleichzeitig verstärkt sich die Verweildauer von Wetterlagen, so dass niederschlagsarme und –reiche Perioden länger andauern. Auch in Hessen sind diese Tendenzen mit längeren trockenen Perioden, lokal unterbrochen durch intensive Starkniederschläge, erkennbar, müssen aber in den nächsten Jahren noch weiter verifiziert werden.

 

Für die Zukunft wird in Hessen mit weiter ansteigenden Temperaturen gerechnet. Im Klimaschutz-Szenario (RCP 2.6) – bei Einhaltung des globalen 2°C-Zieles –  würde Hessen im Jahresmittel im Vergleich zur Referenzperiode 1971–2000 um ca. 1,1°C wärmer (Bandbreite je nach Klimamodell: 0,6 bis 1,7°C). Im Weiter-wie-bisher-Szenario (RCP 8.5) läge die Erwärmung bei ca. 3,9°C (Bandbreite: 2,6 bis 5,1°C). Auch wenn die Temperaturzunahme je nach Modell unterschiedlich stark ausfällt, bleibt die eindeutige Grundaussage bestehen, dass die Temperatur weiter ansteigen wird und zwar umso stärker, je mehr Treibhausgase emittiert werden. Die Extreme werden sich weiterhin in den wärmeren Bereich verschieben – sehr kalte Tage also abnehmen, sehr warme zunehmen. Für heiße Tage (Temperaturmaximum ≥30°C) heißt das, dass diese im Klimaschutz-Szenario nur leicht ansteigen, während sie im Weiter-wie-bisher-Szenario sehr deutlich um über 20 Tage gegenüber der Referenzperiode 1971–2000 steigen würden.

Für den Niederschlag wird mit insgesamt trockeneren Sommer- und feuchteren Winterbedingungen gerechnet. Im Klimaschutz-Szenario zeigen alle Modelle nur geringe Änderungen von maximal +/-15%, was im Rahmen der bereits heute erlebten Klimavariabilität liegt. Im Weiter-wie-bisher-Szenario werden jedoch deutlich größere Veränderungen von den Klimamodellen simuliert. Unter diesem Szenario simulieren alle Modelle im Winter eine Niederschlagszunahme in der Spanne von ca. 10 bis ca. 40%. Da der Niederschlag wegen der Erwärmung häufiger als Regen und seltener als Schnee fallen wird, nimmt im Winter die Hochwassergefahr zu. Für den Sommer simulieren dagegen die meisten Modelle eine Niederschlagsabnahme von bis zu 55%, während einzelne Modelle auch geringe Niederschlagszunahmen bis 15% anzeigen. Dabei kann davon ausgegangen werden, dass Trockenphasen generell länger werden, konvektive Starkregenfälle – die häufig in Verbindung mit Sommergewittern auftreten – jedoch aufgrund des höheren Temperaturniveaus intensiver.