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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Naturschutz

Anfang 2020 sesshafter Wolf in Hessen?

Zwei weibliche Tiere erneut mit Genproben nachgewiesen

Wiesbaden, 17. Dezember 2019 – Zwischen dem 27. Oktober und dem 2. November 2019 wurden sowohl im Vogelsberg als auch in den Landkreisen Hersfeld-Rotenburg, im Schwalm-Eder-Kreis und im Werra-Meißner-Kreis mehrere Tiere, vorwiegend Nutztiere, aber auch Wildtiere, von Wölfen gerissen. Dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) liegen nun die Ergebnisse der genommenen Genproben vor. In allen fünf Fällen gelang die Individualisierung – es handelt sich um die beiden Wölfinnen, die das HLNUG bereits mehrfach genetisch dokumentiert hat:

Die Wölfin mit dem Laborkürzel GW1166f wurde bei einem Rehriss im Vogelsberg am 27. Oktober erneut genetisch bestätigt. Nur zwei Tage später, am 29. Oktober, hinterließ dasselbe Tier beim Riss eines Angus-Kalbs im Vogelsberg seinen genetischen Fingerabdruck. Erstmals war GW1166f am 12. Juli 2019 anhand einer Losungsprobe (Wolfskot) identifiziert worden, sie hält sich seither im Gebiet um Ulrichstein im Vogelsberg auf. Nach wiederholtem Nachweis dieser „Ulrichsteiner Wölfin“ mittels DNA-Analyse über sechs Monate hinweg, würde GW1166f ab Mitte Januar 2020 als „territorial“ betrachtet (GW= Grauwolf, 1166= Labornummer, f= weiblich).

Das zweite Tier, das erstmals seit dem Rüden vom Reinhardtswald in Hessen als territorial bezeichnet werden könnte, trägt das Kürzel GW1409f und wurde erstmalig am 1. August 2019 bei Herlefeld im Schwalm-Eder-Kreis an einem Rotwild-Alttier nachgewiesen. Diese Wölfin war laut der jüngsten Analyseergebnisse verantwortlich für drei Rissvorfälle in drei verschiedenen Landkreisen. Sie würde bei weiteren Bestätigungen am 1. Februar 2020 als sesshaft bezeichnet werden.

Die Gennachweise im Einzelnen: 

02.11.2019     Sontra/Werra-Meißner-Kreis, Genetik Schafe, Wolf HW01, GW1409f
31.10.2019     Herlefeld/Schwalm-Eder-Kreis, Genetik Schaf, Wolf HW01, GW1409f
29.10.2019     Seifertshausen/Hersfeld-Rotenburg, Genetik Rotwild, Wolf HW01, GW1409f
29.10.2019     Unter-Seibertenrod/Vogelsbergkreis, Genetik Kalb, Wolf HW01, GW1166f
27.10.2019     Lardenbach/Vogelsbergkreis, Genetik Reh, Wolf HW01, GW1166f

Hintergrund:

Bei Rissvorfällen an Wild- und Nutztieren nehmen ehrenamtliche Helfer des HLNUG im Rahmen des Wolfsmonitorings an den Tierkadavern Genproben, die Aufschluss darüber geben sollen, ob ein Wolf das Tier getötet hat. Allerdings ist nicht jede Probe brauchbar, und es lässt sich auch nicht immer auf ein bestimmtes Individuum schließen.

Wenn dasselbe Individuum über einen Zeitraum von sechs Monaten in einer Region genetisch nachgewiesen wird, ist davon auszugehen, dass es dort sesshaft geworden ist. Wenn das Elternrudel eines in Hessen nachgewiesenen individualisierten Wolfs bereits genetisch bekannt ist, kann der abgewanderte Jungwolf seinem bekannten Ursprungs-Territorium zugewiesen werden.

Zuständig für das Wolfsmonitoring in Hessen ist das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Alle Proben im Rahmen des Wolfsmonitorings werden an das nationale Referenzzentrum für Wolfsgenetik, das „Senckenberg Forschungsinstitut für Wildtiergenetik“ in Gelnhausen, geschickt und dort ausgewertet.

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage des HLNUG: 
www.hlnug.de/themen/naturschutz/tiere-und-pflanzen/arten-melden/wolf
oder im FAQ des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz:
https://umwelt.hessen.de/sites/default/files/media/hmuelv/190717_faq-wolf_din-a4.pdf