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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Pressemitteilung

Leicht verbesserte Ausgangslage für den Sommer

Grundwasserstände etwas höher als im letzten Frühjahr

Wiesbaden, 04.05.2020 – Auf einen nassen Winter folgt ein sehr trockenes Frühjahr, das macht nicht nur der Vegetation zu schaffen, sondern hat auch Folgen für das Grundwasser. Zwar liegen die Grundwasserstände in Hessen am Ende des so genannten hydrologischen Winterhalbjahres (November 2019 bis April 2020) derzeit niedriger als im Jahr 2018, aber immerhin etwas höher als vor einem Jahr. Dies stellt im Vergleich zum Frühjahr 2019 eine etwas günstigere Ausgangssituation für das kommende hydrologische Sommerhalbjahr dar, in dem jahreszeitlich bedingt in der Regel rückläufige Grundwasserverhältnisse zu erwarten sind. Gründe dafür sind das Pflanzenwachstum, die höheren Temperaturen und die zunehmende Verdunstung. Mit Beginn des hydrologischen Sommerhalbjahres wird es unwahrscheinlicher, dass Niederschlagsereignisse zur Grundwasserneubildung führen. Hierfür wären sehr langanhaltende und ergiebige Niederschläge notwendig.

„Die Grundwasserstände haben sich gegenüber dem Vergleichszeitraum 2019 ein wenig erholen können. Auch wenn es im Frühjahr bislang nicht so viel geregnet hat, wie wir uns das für die Land- und Forstwirtschaft erhofft haben. Die Grundwasserpegel werden ab jetzt wieder sinken – das ist ganz normal. Wichtig ist, dass wir alle in den kommenden Monaten sorgsam mit der Ressource Wasser umgehen und nachlässigen Umgang beim Wasserverbrauch vermeiden. Wenn die Trockenheit anhält oder sogar zunimmt, werden wir die Bevölkerung rechtzeitig informieren und zum zusätzlichen Wassersparen aufrufen“, erklärte Umweltministerin Priska Hinz.

„Der nachhaltige Umgang mit Wasser wird mit Blick auf die voranschreitende Klimakrise immer wichtiger – das gilt auch für die Forst- und Landwirtschaft: Wir werden auch in diesem Jahr damit beschäftigt sein, die Waldschäden aufgrund von Trockenheit, Borkenkäferbefall und Sturmschäden im letzten Jahr zu beseitigen. Gleichzeitig müssen wir einen klimafesten Mischwald aufbauen, der mit den trockenen Witterungsverhältnissen im Sommer zurechtkommt. Dafür investieren wir 200 Millionen Euro. Im Bereich der Landwirtschaft geht es einmal darum, die Betriebsweise an die Folgen der Klimakrise, wie z.B. lange Trockenheit im Sommer, anzupassen - aber auch gleichzeitig die Treibhausgase zu reduzieren, die in der Landwirtschaft produziert werden. Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen befasst sich intensiv mit diesen Themen und steht unseren Landwirtinnen und Landwirten beratend zur Seite. Außerdem stehen im Rahmen des Integrierten Klimaschutzplans (IKSP) und des Einzelbetrieblichen Förderprogramms Landwirtschaft (EFP) rund 13 Millionen Euro jährlich für klimarelevante Investitionen bereit“, ergänzte Hinz.

Die Wintermonate Dezember, Januar und vor allem der Februar waren in Hessen 22 % nasser als im langjährigen Mittel (1981-2010), der April hingegen war viel zu trocken. Bewegten sich die Grundwasserstände zu Beginn des Winters an 39 % der Messstellen auf überdurchschnittlichem und durchschnittlichem Niveau, stieg dieser Anteil durch den nassen Februar auf 71 %. Jetzt, am Ende des hydrologischen Winterhalbjahres sind es immerhin noch 55 %. Der Anteil an Messstellen auf einem unterdurchschnittlichen Niveau betrug dementsprechend zu Beginn des hydrologischen Winterhalbjahres 61 %. Im Lauf des Winters verringerte sich dieser Anteil auf 45 %. Sehr niedrige Grundwasserstände gibt es nur an sieben Prozent der Messstellen. Somit hat sich die Situation gegenüber dem letzten Jahr leicht entspannt. Dies sei jedoch kein Anlass für Optimismus, mahnt HLNUG-Präsident Prof. Dr. Thomas Schmid: „Die in den letzten Jahren gehäuft auftretenden Trockenphasen zeigen, dass der Klimawandel zunehmend auch in Hessen Folgen hat. Wir werden uns darauf einstellen und daran anpassen müssen.“

Für den Fall, dass nun erneut ein sehr trockener Sommer folgt, sind trotz der etwas günstigeren Ausgangslage ähnliche Auswirkungen wie im letzten Jahr zu erwarten: Während in der Metropolregion Rhein-Main nicht mit Versorgungsengpässen zu rechnen ist, weil im Hessischen Ried ausreichend Grundwasser zur Verfügung steht und die Infiltration von aufbereitetem Rheinwasser zur Versorgungssicherheit beiträgt, könnte es lokal in Mittelgebirgsregionen wie schon in den vergangenen Jahren zu Versorgungsengpässen kommen.

Regionale Grundwasserstände

In den zentralen und nordöstlichen Landesteilen wurden zu Beginn des vergangenen hydrologischen Winterhalbjahres vereinzelt sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet, die sich jedoch vielerorts regeneriert haben und am Ende des Winterhalbjahres örtlich über dem Niveau des Monatsmittels vom Vorjahr liegen.

In unmittelbarer Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier am Ende des Winterhalbjahres auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Auch im nördlichen Hessischen Ried und südlich des Mains wurden zu Beginn des hydrologischen Winterhalbjahres vereinzelt sehr niedrige Grundwasserstände registriert. Die Grundwasserstände in typischen vernässungsgefährdeten Gebieten (z.B. Hähnlein, Groß-Rohrheim, Worfelden, Wallerstädten) bewegen sich am Ende des Winterhalbjahres jedoch wieder im Bereich von durchschnittlichen Werten.

Niederschlag im Winterhalbjahr und Auswirkung auf Oberflächengewässer

Zwischen November und April fielen hessenweit insgesamt 384 mm Niederschlag. Damit entsprach die Niederschlagssumme in etwa dem langjährigen Mittelwert von 389 mm (1981 bis 2010). Der größte Teil dieser Regenmengen fiel im Februar, hier gab es mehr als doppelt so viel Regen wie im Mittel. Die übrigen Monate waren mehr oder weniger zu trocken. Extrem wenig Niederschlag fiel im April (18 mm).

Entsprechend sah es in den oberirdischen Gewässern in Hessen aus. Während im Februar und Anfang März Hochwasser herrschte, bahnt sich nun, sofern sich die Wetterlage nicht ändert, eine Niedrigwasserphase an. So lagen die mittleren monatlichen Durchflüsse bei nur 36 % der sonst im April zu erwartenden Wassermengen.

 

Informationen zum Grundwasser und aktuelle Grundwasserstände:

www.hlnug.de/themen/wasser/grundwasser/grundwasserstaende-und-quellschuettungen

www.hlnug.de/themen/wasser/grundwasser/aktuelles

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