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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Pressemitteilung

Schäden durch Starkregen vorbeugen

HLNUG unterstützt hessische Kommunen durch KLIMPRAX-Projekt

Wiesbaden, 2. Oktober 2020 – Starkregen wird infolge des Klimawandels immer häufiger, er kann überall auftreten und erheblichen Schaden anrichten: So manche hessische Ortschaft hat das in der Vergangenheit schon leidvoll erfahren, etwa Wetzlar und Kirchhain (2018) oder der Kreis Offenbach im Sommer 2019.

Auch wenn Klimaschutz weiter vorangetrieben wird, vermeiden können wir Starkregen nicht. Deshalb gilt es, Schäden vorzubeugen und hessischen Kommunen dabei zu helfen, sich auf Starkregenereignisse einzustellen. Das ist das Ziel des Projekts „KLIMPRAX Starkregen“, welches das Fachzentrum Klimawandel und Anpassung im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) gemeinsam mit verschiedenen Partnern seit 2015 realisiert hat.

Die ursprünglich für den 18. März 2020 geplante Abschlussveranstaltung, die wegen der Corona-Beschränkungen abgesagt werden musste, wurde heute im Wiesbadener Schlachthof nachgeholt: Gemeinsam mit dem Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) haben die Projektverantwortlichen den 110 geladenen Vertretern hessischer Kommunen ihre Ergebnisse und Instrumente zur Schadensvorbeugung vorgestellt.

„Es ist wichtig und hilfreich,“ so Umweltministerin Priska Hinz in ihrer Begrüßung, „dass die durch KLIMPRAX Starkregen erarbeiteten Werkzeuge unsere hessischen Kommunen ab sofort dabei unterstützen, Schäden durch Starkregen abzumildern oder zu vermeiden. Die Klimakrise bringt immer häufiger extreme Wetterereignisse mit sich, an die wir uns auch in Hessen anpassen müssen. Daher investieren wir jährlich rund 20 Millionen Euro in den Hochwasserschutz und die Gewässerentwicklung.“

Zu den im Projekt erarbeiteten Instrumenten gehört eine Starkregen-Hinweiskarte, die besonders gefährdete Gebiete ausweist – in dieser Form ein Novum in den deutschen Bundesländern. Sie basiert auf Niederschlagsbeobachtungen, Topographie und Versiegelungsgrad und enthält darüber hinaus auch Daten zur Vulnerabilität der betreffenden Region (kritische Infrastrukturen, Bevölkerungsdichte und Erosionsgefahr). Anhand dieser Karte können besonders gefährdete Kommunen ihre eigene Situation besser einschätzen und Vorsorge treffen. Auch bei großräumigen Planungen kann die Starkregen-Hinweiskarte von großem praktischem Nutzen sein.

Außerdem wurden Daten und Methoden zur Erstellung von kommunalen Fließpfadkarten sowie hochaufgelösten kommunalen Starkregen-Gefahrenkarten erarbeitet, um Schwerpunkte der Starkregengefährdung innerhalb einer Kommune zu identifizieren. Diese Karten sollen Abflusswege, Abflusstiefen und Wasserstände in den betroffenen Bereichen visualisieren. Für die wasserwirtschaftliche Planung sind solche Erkenntnisse von besonderem Interesse. Stadtplaner, Straßenplaner, Grünflächenplaner, Gebäudeplaner und Grundstückseigentümer bekommen so konkrete Hinweise auf Gefahrenpunkte durch Sturzfluten. Auch für den Katastrophenschutz sind diese Informationen sehr nützlich. Mit den Pilotkommunen Schotten und Witzenhausen wurde im Rahmen des Projektes die neue Vorgehensweise zur Erstellung kommunaler Starkregen-Gefahrenkarten erprobt.

HLNUG-Präsident Prof. Dr. Thomas Schmid: „Mit der neuen Starkregen-Hinweiskarte ermöglichen wir den Kommunen eine erste Gefährdungseinschätzung. Die vom HLNUG auf Anfrage zur Verfügung gestellten kommunalen Fließpfadkarten geben dann einen ersten Eindruck, welche Wege das Wasser bei Starkregen nehmen kann. Mit den Starkregen-Gefahrenkarten lässt sich schließlich aufzeigen, wo es konkrete Gefahrenpunkte gibt und damit Handlungsbedarf besteht. Damit stellt das HLNUG den Kommunen ein Instrumentarium zur Verfügung, mit dem sie sich besser auf Starkregenereignisse vorbereiten können.“

Weitere Informationen zum Projekt „KLIMPRAX Starkregen“ finden Sie auf den Internetseiten des HLNUG (www.hlnug.de/?id=11199).

Projektgruppe KLIMPRAX Starkregen:

  • Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie – Fachzentrum Klimawandel und Anpassung (Projektleitung)
  • Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz
  • Deutscher Wetterdienst
  • Hessischer Städtetag
  • Hessischer Städte- und Gemeindebund
  • Hessisches Ministerium des Inneren und für Sport
  • Hochschule RheinMain
  • Leibniz Universität Hannover
  • Forschungszentrum Jülich
  • Ing. Büro Infrastruktur und Umwelt, Prof. Böhm & Partner

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