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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Wasser

Trockenjahre wirken nach

Hessische Wasserstände haben sich noch nicht erholt

Wiesbaden, 12.11.2020 –  Sterbende Bäume, trockene Bäche und staubige Böden: Ein weiterer regenarmer Sommer hat Hessen getroffen. Dadurch litten Seen, Flüsse und Bäche im hydrologischen Sommerhalbjahr, das von Mai bis Oktober dauert, unter Niedrigwasser. Auch in den hessischen Böden war die Trockenheit zu spüren. Da es bereits im Frühjahr wenig geregnet hat und die Wasserstände im Sommer jahreszeitlich bedingt sanken, lagen die Grundwasserstände Ende Oktober etwas niedriger als im Vorjahr. Die niedrigen Grundwasserstände sind maßgeblich auf die zehnmonatige Trockenperiode im Jahr 2018 zurückzuführen, von der sich die Fließgewässer und die Grundwasserstände noch immer nicht erholt haben.

„Der Klimawandel wirkt sich zunehmend auch auf Hessen aus. Wir werden uns auf diese Veränderungen einstellen und daran anpassen müssen“, sagt der Präsident des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG), Professor Thomas Schmid.

„Wasser ist ein kostbares Gut, denn die gewohnte Verfügbarkeit wird durch den Klimawandel bedroht. Wir haben hier in Hessen bislang ausreichende Grundwasservorkommen und können die Versorgung der Bevölkerung aus diesen sicherstellen. Damit das auch langfristig so bleibt, erstellen wir einen Wasserwirtschaftlichen Fachplan, der den Rahmen für eine klimafeste Wasserversorgung setzen wird. Wir unterstützen die Kommunen dabei Wasser zu sparen und Maßnahmen zum Ersatz von Trinkwasser mit Brauchwasser umzusetzen. Wir fördern die Renaturierungen von Flüssen und Bäche und reduzieren damit die Gefahr, dass sie trockenfallen“, erklärte Umweltministerin Priska Hinz.

Auswirkungen auf die hessischen Flüsse und Bäche

Von Mai bis Oktober fielen hessenweit insgesamt nur 321 Millimeter Niederschlag, 97 Millimeter weniger als der langjährige Mittelwert des Zeitraums 1981 bis 2010. Während es im Juni, August und Oktober etwas mehr regnete als im langjährigen Durchschnitt, gab es im Mai, Juli und September nur sehr geringe Niederschlagsmengen. Daher waren die Abflüsse in den Flüssen und Bächen im gesamten hydrologischen Sommerhalbjahr unterdurchschnittlich. Die Trockenheit nahm im Verlauf des Sommers zu, dadurch lagen mehr als 80 Prozent der Abflusspegel unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss. Manche Fließgewässer fielen trocken, so führte etwa die Weil, ein Zufluss der Lahn, zeitweise zwischen Juli und September kein Wasser. Erst die Niederschläge Ende Oktober ließen die Wasserstände wieder etwas ansteigen, sodass die Wassermengen an mehr als 80 Prozent der Flüsse und Bäche dem langjährigen Mittel entsprachen. Für das Niedrigwasser sind nicht nur die geringen Niederschläge in diesem Sommer verantwortlich, sondern auch die Trockenheit der Vorjahre.

Auswirkungen in den Seen

In den hessischen Seen stand das Wasser diesen Sommer noch niedriger als in den beiden Vorjahren, was beim seenähnlichen Lampertheimer Altrhein und in der Edertalsperre besonders auffiel. Kleinere, aufgestaute Seen wie der Große Woog und das Arheiliger Mühlchen in Darmstadt waren durch trockengefallene Zuflüsse besonders vom Niedrigwasser betroffen.

Aufgrund reduzierter Zuflüsse sank der Wasseraustausch in den Stauseen stark, dadurch konnten sich Cyanobakterien, auch als „Blaualgen“ bekannt, stellenweise massenhaft vermehren. Cyanobakterien können für Menschen bei Kontakt ein Gesundheitsrisiko darstellen. Die hohen Wassertemperaturen und der daraus resultierende Sauerstoffmangel hatten auch ökologische Folgen: Der Bereich Heegwasser im Lampertheimer Altrhein musste ab Juli belüftet werden, um ein Fischsterben zu verhindern.

Mit der kühleren Witterung und einsetzenden Regenfällen hat sich auch in den Seen die Situation verbessert. In sehr ungünstigen Fällen können auch im Herbst noch Fischsterben auftreten, wenn die im Sommerhalbjahr produzierte Biomasse abstirbt und unter Sauerstoffverbrauch abgebaut wird. Bis sich die Wasserstände in den Seen normalisiert haben, dauert es selbst bei überdurchschnittlichen Regenfällen noch einige Monate.

Bodenfeuchte

Auch in den hessischen Böden sind die Folgen der Trockenjahre zu sehen, wie etwa Modellrechnungen des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung zeigen. Von Mai bis Oktober war die Situation in den Gesamtböden bis circa 1,8 Meter Tiefe von extrem trockenen Verhältnissen bis hin zu außergewöhnlicher Dürre gekennzeichnet. Dieser Zustand wirkt sich negativ auf das Bodenleben und das Pflanzenwachstum aus.

Im Gegensatz dazu hat sich Ende Oktober die Situation in den Oberböden bis 25 Zentimeter allgemein etwas entspannt, da diese schneller auf Niederschläge reagieren. Allerdings gab es auch hier noch stellenweise ungewöhnlich trockene Verhältnisse bis hin zu moderater Dürre.

Die Entwicklung des Grundwassers

Da in den Sommermonaten kaum noch etwas von den Niederschlägen im Grundwasser ankommt, sind die Grundwasserstände an den Messstellen des HLNUG seit Mai kontinuierlich gesunken. Ein Großteil des Wassers verdunstet wegen der höheren Temperaturen und wird von der Vegetation verbraucht. Ein weiterer Teil fließt oberflächlich ab und gelangt so in die Fließgewässer. Eine geringere Verfügbarkeit von Grundwasser stellen im hydrologischen Sommerhalbjahr daher selbst bei durchschnittlichen Niederschlagsmengen den Normalfall dar. Ende Oktober befanden sich 71 Prozent der Messstellen auf einem unterdurchschnittlichen, 21 Prozent auf einem durchschnittlichen und acht Prozent auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Erst durch den Regen im Oktober sind die Grundwasserstände zum Monatsende an einem Drittel gewässernaher und flacher Messstellen erstmals wieder leicht angestiegen.

Im hydrologischen Winterhalbjahr, wenn die Vegetation ruht und die Verdunstung wegen der niedrigen Temperaturen gering ausfällt, erfolgt in der Regel Grundwasserneubildung und das Grundwasser steigt üblicherweise wieder an. Allerdings kann nur ergiebiger Regen über einen längeren Zeitraum das Defizit aus den zuletzt gehäuft auftretenden Trockenjahren ausgleichen. Da seit 2003 keine ausgeprägten Nassjahre mehr auftraten, gibt es solche Schwankungen, wie sie früher bei den Jahreswerten für das Grundwasser typisch waren, nicht mehr. Gegenüber der Referenzperiode von 1971 bis 2000 fiel die Grundwasserneubildung in den letzten 17 Jahren in Hessen 26 Prozent niedriger aus. Das steht dem projizierten Klimatrend entgegen, der zunehmende Winterniederschläge vorhersagt. Es bleibt abzuwarten, ob sich der seit 2003 beobachtete Trend in Zukunft fortsetzt.

Mehr Informationen:

Wasserwirtschaftliche Monatsberichte

Aktuelle Wasserstände

Informationen zum Grundwasser

Informationen zum Thema Dürre

Informationen zur Bodenfeuchte