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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Luft

Weniger Ultrafeinstaub durch Corona

Konzentrationen rund um den Flughafen während Pandemie gesunken

Wiesbaden, 20. Oktober 2020 – Kaum noch Flüge und weniger Betrieb auf dem Flughafen – die Corona-Pandemie hat Auswirkungen auch auf unsere Luft: Rund um den Frankfurter Flughafen ist die Belastung mit Ultrafeinstaub teilweise stark gesunken. Zu diesem Schluss kommt das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in seinem heute veröffentlichten „3. Bericht zur Untersuchung der regionalen Luftqualität auf ultrafeine Partikel (UFP) im Bereich des Flughafens Frankfurt“.

„Der Luftverkehr hat einen erheblichen Anteil an der Ultrafeinstaub-Belastung in der Umgebung des Frankfurter Flughafens: Wenn weniger oder kaum noch geflogen wird, gehen die Werte zurück, und mit zunehmender Entfernung vom Flughafen wird dieser Rückgang geringer – das bestätigt nochmal unsere bisherigen Ergebnisse,“ so HLNUG-Präsident Prof. Dr. Thomas Schmid.

„Die Corona-Pandemie – und die damit einhergehenden sinkenden Flugzahlen – hat dazu geführt, dass die Belastung durch Ultrafeinstaub deutlich zurückgegangen ist. Durch diesen unfreiwilligen Feldversuch sind die bisherigen Erkenntnisse zum Einfluss des Flugbetriebs auf die Konzentration ultrafeiner Partikel des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie bestätigt worden. Eine schnell wirkende Möglichkeit, den Schadstoffausstoß zu reduzieren, ist beispielsweise die Reduzierung des Schwefelanteils am Kerosin. Dazu brauchen wir klare europaweite Vorgaben. Außerdem müssen die Verbrennungsprozesse von Flugzeugen auf dem Flughafengelände so weit wie möglich vermieden werden. Dafür ist der stärkere Einsatz elektrobetriebener Fahrzeuge, beispielsweise, um die Flugzeuge zur Startbahn zu schleppen, unumgänglich“, erklärte Umweltministerin Hinz heute in Wiesbaden.

„Im Vergleich zu anderen Luftschadstoffen bestehen mit Blick auf Ultrafeinstaub noch große und grundsätzliche Wissenslücken", sagte Wirtschafts- und Verkehrsminister Tarek Al-Wazir. „Die Fortführung der Messreihen rund um den Frankfurter Flughafen verbessert die Datenlage und liefert so wertvolle Erkenntnisse über Belastungssituation, Quellen und Ausbreitung ultrafeiner Partikel. Aufbauend auf den Ergebnissen des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) wird das Forum Flughafen und Region (FFR) eine umfassende Untersuchung der Belastung und ihrer potenziell gesundheitlichen Wirkung in der Rhein-Main-Region durchführen. Der erste von mehreren Ausschreibungsschritten soll noch in diesem Jahr erfolgen."

Die Anzahl der Flugbewegungen am Frankfurter Flughafen ist seit März drastisch zurückgegangen und bewegt sich nach wie vor auf niedrigem Niveau – dadurch sank auch die UFP-Konzentration in der Umgebung des Flughafens, und zwar immer dann besonders deutlich, wenn der Wind zu den Betriebszeiten des Flughafens aus dessen Richtung wehte.

Weil sich die einzelnen Messstandorte je nach Lage und typischerweise vorherrschender Windrichtung unterschiedlich häufig in der Abluft des Flughafens befinden, messen manche Stationen einen höheren rein durch Flugbetrieb verursachten UFP-Beitrag als andere. Je höher dieser Zusatzbeitrag an UFP im Vergleich zur an der Station typischen Hintergrundkonzentration ist, desto deutlicher nahm die UFP-Konzentration infolge des Lockdowns ab.

Weil der Wind im Rhein-Main-Gebiet häufig aus Südwesten weht, profitieren in dieser Hinsicht vor allem diejenigen Standorte von den reduzierten Flugbewegungen, die nordöstlich des Flughafens liegen, also die südlichen Stadtteile Frankfurts: In Frankfurt-Sachsenhausen sind die mittleren UFP-Konzentrationen im Zeitraum 23. März bis 30. Juni 2020 gegenüber der Zeit vor der Pandemie um 18 Prozent zurückgegangen, in Frankfurt-Schwanheim sogar um 44 Prozent. In Frankfurt-Oberrad und Raunheim belief sich die Reduktion der UFP-Konzentration jedoch nur auf etwa sechs bis sieben Prozent.

Hintergrund Ultrafeinstaub:

Ultrafeine Partikel sind die kleinsten festen Partikel in der Luft – sie können aufgrund ihrer geringen Größe besonders tief in den menschlichen Körper eindringen. Welche Gefahr für die Gesundheit von Ultrafeinstaub ausgeht, kann jedoch noch nicht ausreichend beurteilt werden – bislang gibt es noch zu wenige epidemiologische Studien, die die Effekte der ultrafeinen Partikel untersuchen.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz Umwelt und Geologie (HLNUG) hat 2015 mit der Untersuchung von UFP begonnen und seitdem seine Messaktivitäten kontinuierlich ausgebaut. Nach anfänglichen Messungen der Gesamtpartikelanzahl an der Luftmessstation Raunheim (in Kooperation mit dem Umweltbundesamt) werden seit 2017 an inzwischen insgesamt neun Standorten Untersuchungen insbesondere auch zur Größenverteilung der ultrafeinen Partikel im Bereich 10 - 500 nm durchgeführt. Diese Untersuchungen werden teilweise vom Umwelt- und Nachbarschaftshaus finanziell unterstützt, zusätzlich betreut das HLNUG in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt zwei Messstellen in Frankfurt-Oberrad und Frankfurt-Sachsenhausen.

Den bisher durchgeführten Untersuchungen zufolge ist der Flughafen eine bedeutende Quelle für ultrafeine Partikel. Insbesondere sind erhöhte Konzentrationen festzustellen, wenn der Wind aus Richtung Flughafen weht und die Partikel entsprechend weit verfrachtet werden. Ein erster Bericht über die Untersuchungsergebnisse wurde bereits im Mai 2018 veröffentlicht, ein zweiter folgte im August 2019.


Weitere Informationen:

Dritter UFP-Bericht

Ultrafeine Partikel

Hintergrundinformationen ultrafeine Partikel


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Pressesprecherin Ira Spriestersbach
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Tel: 0611 815 1020
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