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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Pressemitteilung

Wolf in Südhessen genetisch identifiziert

Tier aus Alpenpopulation bisher in Deutschland unbekannt

Wiesbaden, 16.10.2020 - Der Wolf, der am 30. September bei Ober-Modau im Kreis Darmstadt-Dieburg ein Reh gerissen hat, stammt aus der Alpenpopulation und wurde bisher noch nie in Deutschland nachgewiesen. Dies ergab die Analyse einer DNA-Probe durch die Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Demzufolge gelang erstmals die Individualisierung dieses Tieres, es bekam die Labor-Kennung GW1835m zugewiesen. Ein Herkunftsrudel konnte nicht ermittelt werden.

Ob es sich um dasselbe Tier aus der Alpenpopulation handelt, das im Mai in Lautertal/ Kreis Bergstraße Schafe gerissen hatte, kann nicht mit abschließender Sicherheit geklärt werden: Die damals genommenen Proben konnten zwar ebenfalls dem in Deutschland seltenen Haplotyp 22 (Alpenpopulation) zugeordnet werden, individualisiert werden konnte das Tier im Frühjahr aber nicht (s. PM vom 3. Juni 2020).

Ebenfalls ungeklärt bleibt, ob GW1835m derselbe Wolf ist, der am 7. Oktober 2020 bei Fischbachtal mit einer Wildkamera aufgenommen wurde (siehe Tabelle „Hessische Wolfsnachweise 2020“ unter www.hlnug.de/wolf).

Wölfe in Hessen überwiegend aus Zentraleuropäischer Population

Es handelt sich um den dritten Nachweis eines Wolfs aus der Alpenpopulation in Hessen überhaupt. Bis auf einen 2011 im Raum Gießen überfahrenen Rüden sowie das Tier, das im Mai Schafe in Lautertal gerissen hatte, kamen alle bisher in Hessen nachgewiesenen Wölfe aus den nördlichen und östlichen Bundesländern (Haplotyp HW01/02, Mitteleuropäische Flachlandpopulation).

Wolfsterritorien und Monitoring in Hessen

Aktuell gibt es in Hessen zwei Wölfinnen, die seit dem Frühjahr 2020 als dauerhaft niedergelassen gelten: Die Ulrichsteiner Wölfin (GW1166f) hält sich in der Gegend um Ulrichstein im Vogelsberg auf. Die Stölzinger Wölfin (GW1409f) hat ihr Territorium im nordhessischen Bereich des „Stölzinger Gebirges“. Als sesshaft oder territorial gilt ein Wolf dann, wenn er über den Zeitraum von einem halben Jahr genetisch in diesem Gebiet nachgewiesen wurde.

Zuständig für das Wolfsmonitoring, also die Erfassung der Wölfe in Hessen, ist das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Bei Rissereignissen sind die ehrenamtlichen, sachkundigen Helfer in den Kreisen, die sogenannten Rissbegutachter, jederzeit ansprechbar. Wolfssichtungen oder Funde von Spuren sind dem HLNUG über den Meldebogen zu melden – alle Kontakte und Informationen finden sich auf der Homepage des HLNUG (Link unten).

Alle genetischen Proben im Rahmen des hessischen Wolfsmonitorings werden an das nationale Referenzzentrum für Wolfsgenetik der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung geschickt und dort ausgewertet. Jedes Tier erhält bei der genetischen Individualisierung eine Kennzeichnung durch ein Kürzel.

Weitere Informationen zum Wolf in Hessen auf der Homepage des HLNUG:

www.hlnug.de/wolf

Erste HLNUG-Pressemitteilung zum Alpenwolf in Südhessen (3. Juni 2020):

https://www.hlnug.de/presse/pressemitteilung/aus-den-alpen-an-die-bergstrasse

Karte der Wolfsvorkommen in Deutschland:

https://www.dbb-wolf.de/Wolfsvorkommen/territorien/karte-der-territorien


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