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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Zur Unwetter- und Hochwasserlage in Hessen

Hochwasserlage entspannt sich, Talsperren wirksamer Schutz

Wiesbaden, 16.07.2021 – Angesichts der verheerenden Unwetter in Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen erreichen das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) derzeit Anfragen zur Lage in Hessen – hierzu ist folgendes zu sagen: Insgesamt stellt sich die Hochwassersituation in Hessen relativ entspannt dar, sowohl hinsichtlich der Pegelstände als auch an den Talsperren. „Wir sind in Hessen diesmal verschont geblieben,“ so HLNUG-Präsident Prof. Dr. Thomas Schmid, „das heißt aber nicht, dass uns in Hessen nicht ein ähnliches Unwetter treffen kann – solche Ereignisse werden im Zuge des Klimawandels immer häufiger.“

Hochwasser

Die ergiebigen Niederschläge haben auch in Hessen zu Hochwasser geführt. Inzwischen hat sich die Situation im nordhessischen Eder-/Diemelgebiet sowie an der Wohra allerdings wieder entschärft. An den durch das Hochwasser vom Donnerstag betroffenen Gewässern in den Landkreisen Waldeck-Frankenberg und Kassel sind die Wasserstände wieder unter die Meldestufen gefallen, so dass heute Morgen keine Meldestufenüberschreitungen mehr an innerhessischen Pegeln registriert wurden.

Am hessischen Rheinabschnitt steigen die Pegelstände infolge der Zuflüsse aus Süddeutschland derzeit jedoch weiter: Seit gestern Nachmittag befindet sich neben dem Pegel Mainz nun auch der Pegel Worms in der hessischen Meldestufe I. Der Durchlauf des Scheitels am hessischen Abschnitt wird nach derzeitigen Prognosen zwischen Sonntagmittag und Montagvormittag im Bereich der hessischen Meldestufe II erwartet. Nur in Kaub wird bis jetzt weiterhin nur mit der Überschreitung der Meldestufe I gerechnet. An den hessischen Abschnitten von Main und Neckar sind aktuell keine Meldestufen­überschreitungen zu beobachten.

Weitere Aussichten: Wetterberuhigung

Mit der für das Wochenende angekündigten allgemeinen Wetterberuhigung sinken auch die Wasserstände in den hessischen Gewässern weiter, so dass im gesamten Land derzeit nicht mit einer erneuten Hochwassersituation zu rechnen ist. Davon ausgenommen ist der hessische Rheinabschnitt, wo es noch zu einer Verschärfung der Hochwasserlage am Wochenende kommen wird.

Hochwasserschutz – die Situation an Hessens Talsperren

In Nordhessen (v.a. Landkreise Waldeck-Frankenberg und Kassel) wurden nach Angaben des Regierungspräsidiums Kassel in Folge von Starkregenereignissen am 13. und 14. Juli 2021 folgende Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken (HRB) eingestaut:

  • Twistetalsperre: moderater Einstau um etwa 1,5 m
  • HRB Ehringen/Erpe: moderater Einstau um bis zu 4 m (ca. 100.000 m³)
  • HRB Hombressen/Lempe: sehr geringer Einstau (ca. 24 m³)
  • HRB Germete/Teichmühle (Ldkr. Höxter, NRW): geringer Einstau um bis zu 2,5 m

Derzeit wird das Wasser wieder abgelassen: Die Twistetalsperre wird langsam auf das Sommerdauerstauziel abgesenkt, die Hochwasserrückhaltebecken sind bereits wieder leer oder werden gerade abgestaut. Laut Angabe der jeweils zuständigen Regierungspräsidien gab es im angegebenen Zeitraum keinen nennenswerten Einstau an anderen Talsperren und HRB in Hessen. Lediglich die Marbachtalsperre im Odenwald (RP Darmstadt) wurde leicht eingestaut.

Laut Auskunft des RP Kassel ist der Edersee derzeit voll eingestaut, die Diemeltalsperre läuft kontrolliert über. Hinweis: Beide Talsperren stehen nicht unter der Aufsicht des HLNUG.

Hintergrund Talsperrenaufsicht

Eine wirksame technische Maßnahme zum nachhaltigen Hochwasserschutz ist der Bau von Talsperren, Hochwasserrückhaltebecken und Deichen, in denen das Wasser aus der fließenden Welle zwischengespeichert wird, bis es nach Abschluss des Hochwasserereignisses schadlos abgeführt werden kann. Durch die hessische Talsperrenaufsicht, die in einer Verwaltungsvorschrift des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) aus dem Jahr 2017 geregelt ist, werden größere Stauanlagen regelmäßig von den Regierungspräsidien und dem HLNUG überwacht und jährlich auf ihre Sicherheit begutachtet. In Hessen gibt es zurzeit 75 größere Talsperren und Hochwasserrückhaltebecken, die der staatlichen Talsperrenaufsicht unterliegen. Allein in den nächsten fünf Jahren plant das Land Hessen dutzende neue Hochwasserrückhaltebecken, um so einen nachhaltigen Schutz für Mensch und Umwelt vor Starkregen und erhöhten Abflüssen zu gewährleisten.

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