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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Mikroplastik und Fremdstoffe in Komposten

In Deutschland wurden im Jahr 2017 rund 12,6 Millionen Tonnen Kunststoffe aus Primärrohstoffen zu werkstofflichen Anwendungen, wie zum Beispiel Verpackungen, verarbeitet. Viele dieser Kunststoffe gelangen ungeplant in die Umwelt, sodass diese Verschmutzungen zunehmend in den öffentlichen Focus rücken. Beispiele sind Plastikinseln in Meeren, Kunststoffabfälle in Flüssen, Wäldern oder auf Straßen. Aufgrund ihrer hohen Persistenz verbleiben Kunststoffe über lange Zeiträume in der Umwelt. Nutzungen, Vermüllung (Littering), Abwehungen oder Abwaschungen von Böden verteilen die Kunststoffabfälle in der Umwelt und unterliegen dort weiteren Abbauprozessen. Durch die Fragmentierung von Kunststoffteilen in Makro- und Mikroplastik erhöhen sich die Partikelzahlen sowie die Reichweiten der Verteilung von Kunststoffen. Im Gegensatz zu den Bereichen Gewässer und Ozeane ist der Wissensstand zum Vorkommen von Kunststoffen im Boden deutlich geringer. Bislang gibt es nur wenige Untersuchungen oder Aussagen, die Einträge von Kunststoffen aus unterschiedlichen Quellen z. B. in Ackerboden oder Kompost quantifizieren bzw. abschätzen.

Eine international normierte Definition der Größe von Mikroplastik existiert zurzeit nicht. Eine gängige Definition in vielen Veröffentlichungen legt Mikroplastikpartikel als Partikel mit einem Größendurchmesser kleiner als 5 mm fest.

Im Rahmen der vorliegenden Arbeit wurde eine Methode zur Bestimmung von Fremdstoffen und MPP (Mikroplastikpartikeln) in Komposten entwickelt. Bei der weiteren Untersuchung von Pflanzenabfallkomposten wurden durchschnittlich 56 Partikel pro kg TS isoliert. Im Bioabfallkompost aus einer Bioabfallvergärungsanlage wurden im Mittel 391 ermittelt. Methodenbedingt wurden Partikel mit einer Größe zwischen ein und fünf Millimeter und größer quantitativ bestimmt, sodass die tatsächliche Zahl an MPP in Komposten wahrscheinlich höher als die ermittelten Ergebnisse ist. Bei einer maximalen Kompostaufbringung von 20 t in 3 Jahren und Hektar würde das bei einer Einarbeitungstiefe von 30 cm einem Eintrag von 0,5 Partikeln /kg Boden*a entsprechen.

In der vorliegenden Arbeit wurden orientierende Untersuchungen durchgeführt. Grundsätzlich müssen mehr Untersuchungen zur Belastung von Komposten durch MPP erfolgen, um gesicherte Erkenntnisse in Abhängigkeit der Einzugsgebiete, der Verfahrenstechnik oder auch der Rahmenbedingungen zu erhalten und mögliche Minderungsmaßnahmen besser abschätzen zu können. In Bezug auf die Verwendung des Komposts als Düngemittel sind zusätzliche Untersuchungen sinnvoll, um die Folgen der Belastung von Komposten mit Fremdstoffen und Mikroplastik beurteilen zu können. Eine mögliche Beeinträchtigung der Bodenqualität oder Auswirkungen auf Lebensformen im Boden kann Untersuchungsgegenstand zukünftiger Studien sein. Erst mit solchen Erkenntnissen kann eine Risikobewertung sinnvoll durchgeführt werden und eine ganzheitliche Betrachtung der Auswirkungen von MPP und Fremdstoffen erfolgen.

Unabhängig davon sollten bereits kurzfristig quellenbezogen verstärkt Maßnahmen zur Minimierung von Fremdstoffeinträgen ergriffen werden. Sowohl verstärkte Öffentlichkeitsarbeit als auch Kontrollen der Bioabfalltonnen führen zur Reduzierung von Fehlwürfen bei der Bio- und Pflanzenabfallerfassung. Bei Verstößen gegen die Sortenreinheit von Bioabfällen sind ggfs. auch Disziplinarmaßnahmen erforderlich.