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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Stufenweise Altlastenbearbeitung

Altflächen werden aufgrund einer flächendeckenden systematischen Suche oder als Einzelfall ermittelt. Die von ihnen ausgehenden Gefahren oder Risiken werden in einem mehrstufigen Prozess erkundet und bewertet.

Mit jedem Erkundungsschritt nehmen das Informationsniveau und damit die Sicherheit in der Beurteilung eines Falls zu. Werden potentielle Altlasten frühzeitig erkannt, können z. B. bei einer Baumaßnahme von vornherein sorgfältige und kostengünstige Maßnahmen geplant und durchgeführt werden. Für ein größeres Planungsgebiet ergibt sich daraus der Vorteil, bereits in einem frühen Stadium mögliche Gefahrenbereiche kennzeichnen oder unbedenkliche Flächen aussondern zu können. Denn nicht alle Standorte oder Abfallablagerungen sind verunreinigt, nicht alle Verunreinigungen führen zu Aufsehen erregenden Schäden in der Umwelt. Dieses methodische Vorgehen versetzt Sanierungspflichtige oder Kostenträger in die Lage, den Aufwand der Erkundungen und den Umfang der Datenermittlung auf das notwendige Maß zu begrenzen sowie private und öffentliche Mittel gezielt einzusetzen.

Auf jeder Stufe wird entschieden, wie im Einzelfall weiter vorzugehen ist: Eine Fläche kann ausgeschieden, zurückgestuft, in derselben Stufe vertieft untersucht oder in der nächsten Stufe weiterbearbeitet werden.

Liegen Erkenntnisse über Umweltbelastungen in den verschiedenen Schutzgütern vor, die durch analytische Verfahren gewonnen wurden, bewerten die zuständigen Behörden die Messergebnisse mit Hilfe der Prüfwerte der Bundes-Bodenschutzverordnung und der Geringfügigkeitsschwellenwerte der hessischen Verwaltungsvorschrift zur Erfassung, Bewertung und Sanierung von Grundwasserverunreinigungen (GWS-VwV) .

Stufe 1: Erfassung 

Ziele der Stufe 1:

Möglichst vollständige Erfassung aller Altflächen. Die Erkundung in Stufe 1 beschränkt sich auf die Identifikation der Altflächen und erfordert nur eine begrenzte Anzahl einfacher Daten. Für die Erfassung der Altstandorte werden vorzugsweise die kommunalen Gewerberegister verwendet. Im zweiten Schritt werden im Rahmen der Standortprüfung die ermittelten Flächen validiert.

 

Stufe 2: Einzelfallrecherche und Orientierende Untersuchung

Ziele der Stufe 2:

  • Ermittlung altlastverdächtiger Flächen oder Verdachtsflächen
  • Ermittlung des Handlungsbedarfs
  • Frühzeitiges Ausscheiden von unverdächtigen Flächen

Die Bearbeitung erfolgt in zwei Teilschritten:

Stufe 2a: Einzelfallrecherche

Stufe 2b: Orientierende Untersuchung

 

Stufe 3: Detailuntersuchung 

Ziele der Stufe 3:

  • Ermittlung der Altlasten oder schädlichen Bodenveränderungen
  • Erhebung quantitativ bewertbarer Parameter
  • Bewertung des Gefährdungspotentials

Für den Nachweis einer wesentlichen Beeinträchtigung des Wohls der Allgemeinheit werden die bisher vorliegenden Informationen durch detaillierte technische Erkundungen vertieft.

 

Stufe 4: Sanierungsplanung

Ziele der Stufe 4:

  • Festlegung der Sanierungsziele
  • Festlegung geeigneter Sanierungsverfahren
  • Festlegung des erforderlichen Umfangs der Maßnahmen
  • Abschätzung der Sanierungskosten
  • Auswirkung der Maßnahmen auf die Umwelt

Die in Stufe 4 formulierten Ziele setzen vor allem planerische Tätigkeiten voraus. Einzelne technische Maßnahmen dienen der Absicherung oder Ergänzung des Planungs-Szenarios. 

 

Stufe 5: Sanierung

Ziele der Stufe 5:

  • Aufhebung der Altlastenfeststellung bzw. des Status als Altlast oder schädliche Bodenveränderung
  • Flächenrevitalisierung durch Sanierung (Dekontamination oder Sicherung)
  • Vermeidung einer Beeinträchtigung des Wohls der Allgemeinheit bei Durchführung der Sanierung.

Die Maßnahmen in der letzten Bearbeitungsstufe konzentrieren sich auf die Durchführung der Sanierung von Altlasten oder schädlichen Bodenveränderungen.

Bei der Durchführung von Sanierungen sind häufig begleitende Maßnahmen zur Überwachung und Nachsorge notwendig, um

  • die langfristige Wirksamkeit von technischen Sicherungsbauwerken zu überprüfen,
  • den Sanierungsverlauf bei in-situ Verfahren wie durchströmten Reinigungswänden oder biologischen in-situ Sanierungen zu kontrollieren,
  • den natürlichen Abbau und Rückhalt von Schadstoffen zu überwachen (Monitored Natural Attenuation).