Logo Land Hessen

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Ökotoxikologische Verfahren

Zur Überprüfung der von einem kontaminierten Standort ausgehenden Gefahren für die Umwelt werden üblicherweise chemische Analysen von Boden-, Grundwasser- oder Bodenluftproben herangezogen. In vielen Fällen liegen dabei Schadstoffgemische vor, deren genaue Zusammensetzung nicht bekannt ist oder für deren Bestandteile keine ausreichenden Beurteilungsgrundlagen vorliegen.

Diese Informationslücken bleiben deshalb häufig unberücksichtigt. Dies gilt auch für mögliche Wechselwirkungen der Stoffe untereinander oder nachteilige Auswirkungen der Abbauprodukte, die durch chemische und/oder biologische Prozesse entstanden sind.  In solchen Fällen kann eine Schadwirkung auf unterschiedliche Organismen (Tiere, Pflanzen, Pilze, Bakterien) und deren Lebensfunktionen wie z.B. Stoffwechsel, Fortpflanzung und Wachstum nicht ausgeschlossen werden.

Der auf chemisch-analytischem Wege erfolgte Nachweis der Gehalte einzelner Schadstoffe ist hinsichtlich der komplexen Schadwirkung von Gemischen auf die belebte Umwelt unter Umständen nur bedingt aussagekräftig. Hierzu bedarf es einer zusätzlichen integralen, wirkungsbezogenen Betrachtung möglicher Schadwirkungen von Stoffgemischen auf aquatische Systeme.

Im Bereich des Oberflächengewässers sind hierfür bereits standardisierte ökotoxikologische Testverfahren etabliert. In der vom HLNUG veröffentlichten Studie: „Ökotoxikologische Verfahren als Bewertungshilfe bei Altlastenverfahren“ wird untersucht, ob diese Testverfahren auch für die Beurteilung von Grundwasserkontaminationen geeignet sind.

Die Studie liefert einen Überblick über theoretische Grundlagen und führt einen Bewertungsansatz zur ökotoxikologischen Schadwirkung anhand einer sog. Testbatterie ein. Diese besteht aus ökotoxikologischen akut-Tests mit Mikroorganismen, Daphnien, Algen und Fischei sowie dem umu-Test zur Bestimmung des erbgut-verändernden Potentials der Probe.

Damit steht ein Instrumentarium zur Verfügung, um bei Einzelfällen mit unbekannten Stoffen oder Stoffgemischen ergänzend zur üblichen Vorgehensweise zusätzliche Informationen zu gewinnen und so weitere Aspekte in die Beurteilung einfließen zu lassen.