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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Nitratrückhaltevermögen des Bodens

MethodenbezeichnungNitratrückhaltevermögen des Bodens
Methoden-ID19
BearbeiterKlaus Friedrich & Thomas Vorderbrügge
EingangsdatenMineralisierungsgefährdung (20)
Trockenrissbildung (21)
FK-Horizont TRD (22)
FK-dB PD klassifiziert (44)
potenzieller Stauwassereinfluss (45)
KennwerteNRV (Stufe)
Stand25.9.2002, Version 2
QuellenAG Boden (1982): Bodenkundliche Kartieranleitung. 3. Auflage; Hannover.
AG Boden (1994): Bodenkundliche Kartieranleitung. 4. Auflage; Hannover.
HLUG (2003): Kennwerttabellen Boden
HLUG (2002): Erfassungsstandard Boden
ErläuterungDie Verlagerung von Nitrat mit dem Sickerwasser ist als ausschlaggebender Faktor einer Grundwassergefährdung anzusehen. Sie steigt mit der Sickerwasserrate, die sich vor allem aus dem jährlichen Wasserbilanzüberschuss ergibt und verringert sich mit der Verweildauer des Wassers im Boden sowie dem dadurch vermehrten Nitratentzug durch die Pflanzen. Die Verweildauer hängt vor allem von der Feldkapazität ab, die für den durchwurzelbaren Bodenraum ermittelt wird.
Die Austragsgefährdung wird bei stauwasserbeeinflussten Standorten durch potenzielle Denitrifikation, längere Verweilzeit des Stauwassers im Wurzelraum (erhöhter Entzug durch die Pflanzen) und einen nicht quantifizierbaren seitlichen Nitrateintrag bzw. -austrag durch Interflow besonders beeinflusst. Durch Stauwasser beeinflusste Standorte werden deshalb gesondert gekennzeichnet.
In tonreichen Böden, die zur Bildung von Trockenrissen neigen, kann es trotz hoher Feldkapazität bei Niederschlagsereignissen nach längeren Trockenzeiten zu einer Nitratverlagerung kommen. Derartige Böden (Pelosole, Terrae Fuscae) werden ebenfalls gekennzeichnet.
Böden aus organogenen Substraten zeichnen sich grundsätzlich durch ein hohes Rückhaltevermögen aus. Aufgrund ihres erhöhten Mineralisationspotenzials ist aber eine Gefährdung des Grundwassers (z.B. nach einer Melioration) nicht auszuschließen. Diese Standorte sind ebenfalls gesondert gekennzeichnet. Das erhöhte Mineralisationspotenzial wird aber bei der Einstufung nicht berücksichtigt.
Die Standorttypisierung erfolgt nach definierten Kriterien der Methodenbank des FIS Boden/Bodenschutz auf Basis der digitalen Bodenflächendaten 1:50.000. Weitere Informationen zur Methodik und Bewertung sind auf Anfrage erhältlich.
Je nach Ausgabezweck wird das Ergebnis als komplexe Karte mit überlagernden Teilthemen oder als einfache Klassifizierung dargestellt (siehe Karten und Legendenbeispiel unten).
Bemerkung  

Verfahrenssystematik:

1. Einstufung der Feldkapazität im Hauptwurzelraum (44)

Die Einstufung der Feldkapazität im Hauptwurzelraum erfolgt analog der Auswertung der Feldkapazität mit dem Unterschied, dass alle Horizonte bis zur Grenze der Einstufung des Hauptwurzelraumes in die Berechnung ggf. anteilig mit eingehen.

Bezeichnung des Intervalls
der Feldkapazität (Stufe)
FK im Hauptwurzelraum
sehr gering (1)0 - 100
gering (2)>100 - 200
mittel (3)>200 - 300
hoch (4)>300 - 400
sehr hoch (5)>400

 

2. Einstufung des potenziellen Stauwassereinflusses (45)

Bezeichnung des
Stauwassereinflusses
(Stufe)
Staunässestufe
sehr schwach bis mittel (0)S0 bis S3
stark (1)S4
stark bis sehr stark (2)S5 und S6

 

3. Neigung zur Bildung von Trockenrissen (21)

Es werden alle Böden der Klasse Pelosol und Terra Calcis als trockenrissgefährdet eingestuft
0 = nicht gefährdet
1 = gefährdet

 

4. Einstufung des erhöhten Mineralisierungspotenzials (20)

Es werden alle Böden der Klasse Moor als potenziell mineralisationsgefährdet eingestuft
0 = nicht gefährdet
1 = gefährdet

 

5. Einstufung des Nitratrückhaltevermögens von Böden

Der Einfluss von Stauwasser führt in Abhängigkeit von der Intensität der Staunässe zu einer Erhöhung des NRV um 0.5 bis 1 Stufe. Liegt eine Neigung zur Bildung von Trockenrissen vor, so wird diese Einstufung mit Minderungen des NRV um bis 1 Stufe verwendet, auch wenn Staunässe Einflüsse vorliegen. Das erhöhte Mineralisierungspotenzial wird nur als Übersignatur dargestellt und geht nicht in die direkte Einstufung ein. Dieses Potenzial kann somit entsprechend der Fragestellung gesondert interpretiert werden.

Stufen der Feldkapazität im durchwurzelbaren BodenraumNitratrückhaltevermögen in Abhängigkeit
des potenziellen Stauwassereinflusses
Nitratrückhaltevermögen
bei Neigung zur Bildung von Trockenrissen
ohneschwach bis mittelstark bis sehr stark
sehr gering (1)11 - 221
gering (2)22 - 331
mittel (3)33 - 442
hoch (4)44 - 553
sehr hoch (5)5554

6. Bildung der Grundstufen zum Nitratrückhaltevermögen

Das Ergebnis des Nitratrückhaltevermögens wird als zusammengesetzte 4-stellige Zahl ausgegeben. Die erste Ziffer repräsentiert die FKdB-Stufe, die zweite die Stauwassereinstufung, die dritte die Trockenrissgefährdung und die vierte die Mineralisationsgefährdung. Die Berechnung erfolgt nach folgender Formel:

FKdB-Stufe*1000 + Stauwasser-Stufe*100 + Trockenriss-Stufe*10 + Mineralisations-Stufe

 

7. Einstufungstabelle Grundstufe nach Stufe des NRV

Die Abgabe der Daten erfolgt in den unter 5. und 6. beschriebenen Grundstufen. In den Karten werden die 4 "Teilthemen" durch Farbe und Schraffuren getrennt dargestellt. Wenn eine Klassifikation der unter 6. beschriebenen Grundstufen hergestellt werden soll, kann die folgende Tabelle verwendet werden:

Grundstufe
Ermittelt nach 6.
Stufe
10001,0
10011,0
10101,0
10111,0
11001,5
11011,5
11101,0
11111,0
12002,0
12012,0
12101,0
12111,0
20002,0
20012,0
20101,0
20111,0
21002,5
21012,5
21101,0
21111,0
22003,0
22013,0
22101,0
22111,0
30003,0
30013,0
30102,0
30112,0
31003,5
31013,5
31102,0
31112,0
32004,0
32014,0
32102,0
32112,0
40004,0
40014,0
40103,0
40113,0
41004,5
41014,5
41103,0
41113,0
42005,0
42015,0
42103,0
42113,0
50005,0
50015,0
50104,0
50114,0
51005,0
51015,0
51104,0
51114,0
52005,0
52015,0
52104,0
52114,0

Einstufung des Nitratrückhaltevermögens

KlasseNitratrückhaltevermögen des Bodens
1sehr gering
1,5sehr gering bis gering
2gering
2,5gering bis mittel
3mittel
3,5mittel bis hoch
4hoch
4,5hoch bis sehr hoch
5sehr hoch

 

Beispielausgabe im BodenViewer mit einfacher Legende der Potenzialstufen:

 

Beispiel der differenzierten Kartenausgabe mit überlagernden Teilthemen:

 

Legende: