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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Auffällige Linie: die Messel-Störungszone

Die Ölschiefer-Vorkommen Prinz von Hessen, Grube Messel und bei Eppertshausen liegen in auffälliger Weise auf einer Nordost-Südwest (mit ca. 45°) verlaufenden Linie. Auf ihr liegen auch einige eozänzeitliche Basalt-Vorkommen, der aus dem Grenzbereich Oberkreide/Alttertiär stammende Trachyt westlich von Thomashütte sowie die beiden negativen Schwereanomalien im Bereich der Neuwiese und Scheftheimer Wiesen. Selbst die mit quartärzeitlichen Sedimenten gefüllten Täler bzw. das heutige Entwässerungsnetz folgen insbesondere im Raum zwischen der Grube Messel und dem Ölschiefer-Vorkommen bei Eppertshausen teilweise dieser Richtung.


Die drei Ölschiefer-Vorkommen befinden sich auf einer nach Nordwesten abfallenden Flanke eines Schwerehochs mit Zentrum südwestlich von Roßdorf. Sie reihen sich parallel zu der von Roßdorf Richtung Eppertshausen laufenden Achse dieses Schwerehochs auf, dessen Nordwestflanke als "Messel-Störungszone" interpretiert wird. Sie stellt möglicherweise eine Abschiebungszone dar, an der der Sprendlinger Horst gegenüber dem kristallinen Odenwald abgesunken ist. Die nördlichsten Aufbrüche der für den kristallinen Odenwald typischen magmatischen und metamorphen Gesteine hoher Dichte treten noch unmittelbar an der Grube Messel zutage. Weiter nördlich werden sie von einer immer mächtiger werdenden Decke aus permzeitlichen Gesteinen geringerer Dichte überlagert.

Der Nordost-Südwest-Verlauf der Messel-Störungszone folgt einer für die varizkische Gebirgsbildung charakteristischen Richtung. Es wird daher vermutet, daß hier eine alte, schon während dieser Gebirgsbildung gegen Ende des Paläozoikums angelegte Grundgebirgsstörung vorliegt. Sie könnte im Zusammenhang mit der Bildung des Oberrheingrabens im Alttertiär reaktiviert worden sein. Es ist gut vorstellbar, daß sich dann entlang dieser tiefwurzelnden Störungszone sowohl kleine Pull-Apart-Becken grabenartig geöffnet haben als auch Aufstiegswege für Magmen vorhanden gewesen sind. Im Kontaktbereich zwischen Grundwasser und aufsteigendem Magma könnten durch Wasserdampfexplosionen, sogenannte "phreatomagmatische Eruptionen", Maare entstanden sein. Die aus den Pull-Apart-Becken bzw. Maaren hervorgehenden Hohlformen wurden von Süßwasserseen ausgefüllt, in denen dann die Gesteine der Messel-Formation zur Ablagerung kamen und bis heute erhalten blieben.