Logo Land Hessen

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Vorkommen der Messel-Formation

Das größte Vorkommen der Messel-Formation ist in der Grube Messel erschlossen. Schon in der Mitte des 19. Jh. wurde hier anfänglich Raseneisenstein und später Ölschiefer gewonnen, den man zunächst für Braunkohle hielt.

Bis 1962 wurde dann von der 1884 gegründeten Gewerkschaft Messel in den Feldern Messel I und II (verliehen 1885) und Messel Fortsetzung (verliehen 1908) Ölschiefer zur Rohölgewinnung abgebaut. Die im Jahr 1954 notwendig gewordene Ausweisung eines Ölschiefer-Konzessionsgebietes führte 1955 zur Verleihung der Felder Einsiedel I und II an die Gewerkschaft Messel. Zwischen 1971 und etwa 1990 bestanden Pläne, in dem stillgelegten Tagebau eine große Mülldeponie zu errichten. Heute steht die Grube unter Schutz und wird für die geowissenschaftliche Forschung erhalten bleiben. Formal wird die Grube Messel immer noch als Bergwerk betrieben. Hierzu wurde 1996 dem Land Hessen das Feld Grube Messel zur Gewinnung von Kohlenwasserstoffen verliehen. Es umfaßt das gesamte Tagebaugebiet sowie die im Nordosten und Westen der Grube anschließenden Haldengelände.

Das in der Grube Messel aufgeschlossene Ölschiefer-Vorkommen ist etwa 700 m breit und ca. 1000 m lang. Die Sedimentfüllung dürfte im Zentrum heute noch schätzungsweise 150 m mächtig sein. Die Basis der Tertiärsedimente liegt hier vermutlich bei ca. -50 m NN. Zuverlässige Informationen über die Gesteine im Liegenden der tertiären Schichtenfolge gibt es aus dem Zentrum der Grube bislang nicht. In den Randbereichen der Grube trafen einige Bohrungen auf Sedimentgesteine des Rotliegend und/oder auf paläozoische Magmatite. Die Darstellung der Umgrenzung des Vorkommens geht hauptsächlich auf Bohrunterlagen und Grubenrisse der Gewerkschaft Messel zurück.

Etwa 7 km nördlich der Grube Messel liegt ein weiteres Ölschiefer-Vorkommen unter der Ortschaft Offenthal (Stadt Dreieich). Es wurde bereits in der ersten Hälfte des 19. Jh. bergmännisch erkundet. Schon 1882 wurde das Feld Maria verliehen, das 1884 von der Gewerkschaft Messel übernommen und durch das Abteufen zahlreicher Bohrungen lagerstättenkundlich genauer untersucht wurde. Wegen der geringen Ausdehnung und Tiefe kam es allerdings nie zu einer nennenswerten wirtschaftlichen Nutzung des Vorkommens.

 

 

Eine 1998 im Zentrum niedergebrachte Forschungsbohrung (HLfB-Bohrarchiv-Nr. 6018/1100) traf im Liegenden der ca. 29 m mächtigen tertiären Seesedimente vulkanogene Gesteine an (s. Säulenprofil). Sie zeigen, daß der Ölschiefer hier in einem Vulkansee/Maar abgelagert wurde. Die Ausdehnung des Vorkommens wurde nach der "Mutungskarte I und II" aus den Unterlagen der Gewerkschaft Messel dargestellt. In den letzten drei Jahrzehnten wurde dieses Vorkommen fast vollständig überbaut.

Durch Erkundungsbohrungen der Gewerkschaft Messel wurde in der Erlenwiese bei Eppertshausen - etwa 5 km nordöstlich der Grube Messel - Gestein vom Typ des Messeler Ölschiefers entdeckt. Dies führte 1894 zur Verleihung der Felder Max und Eugen an die Gewerkschaft. Abbauversuche fanden später allerdings nicht statt. Mit zwei Forschungsbohrungen wurde 1976 dieses Vorkommen erkundet. Während eine Bohrung (HLfB-Bohrarchiv-Nr. 6018/117) bei einer Endteufe von 37,8 m die tertiäre Sedimentgesteinsfolge nicht durchteufte, traf die zweite Bohrung (HLfB-Bohrarchiv-Nr. 6018/128) unter der Basis der tertiären Seesedimente bei 42 m bis zur Endteufe von 45 m auf zersetzten Sandstein, der von den damaligen Bearbeitern ins Rotliegend gestellt wurde.

Auch das Auffinden des Ölschiefervorkommens bei Groß-Zimmern nördlich von Gundernhausen ging auf Erkundungsbohrungen der Gewerkschaft Messel zurück, worauf ihr 1884 das Feld Zimmern verliehen wurde. Abbauversuche gab es auch in diesem Vorkommen nicht. In einer 1997 abgeteuften Forschungsbohrung (HLfB-Bohrarchiv-Nr. 6118/1268) traten unterhalb der hier etwa 33 m mächtigen Ölschiefer-Ablagerungen vulkaniklastische Gesteine tertiären Alters auf (s. Säulenprofil). Sie belegen, daß der Ölschiefer auch hier in einem Vulkansee/Maar abgelagert wurde. Die Wiedergabe der flächenhaften Ausdehnung dieses Vorkommens geht - wie auch bei dem Vorkommen bei Eppertshausen - auf die Auswertung der Bohrunterlagen und geophysikalischen Vermessungen zurück.

Vor dem ersten Weltkrieg wurden von der Gewerkschaft Messel erneut Anstrengungen zur Erschließung weiterer Ölschiefer-Vorkommen unternommen. Im Stadtwald von Darmstadt wurde man fündig und bekam 1909 das Feld Prinz von Hessen verliehen. Das Bergwerkeigentum ging 1916 von der Gewerkschaft Messel auf die neu gegründete Gewerkschaft Prinz von Hessen über. Sie unterhielt bis 1924 den kleinen Braunkohletagebau, die Grube Prinz von Hessen. Nach der Betriebseinstellung füllte sich der ehemalige Tagebau mit Grundwasser auf und wurde später zum heutigen Badesee umgestaltet. Im Jahr 1955 teufte die Gewerkschaft Messel hier nochmals Mutungsbohrungen (HLfB-Bohrarchiv-Nr. 6018/1099 und 6118/1269) im Zusammenhang mit der im gleichen Jahr erfolgten Ausweisung der Ölschiefer-Konzessionsgebiete Einsiedel I und II ab.

Im Zentrum des Vorkommens Prinz von Hessen wurde 1997 eine Forschungsbohrung niedergebracht (HLfB-Bohrarchiv-Nr. 6018/1098). Demnach werden die dem Messeler Ölschiefer vergleichbaren Gesteine hier 60,5 m mächtig (s. Säulenprofil). Sie zeigen allerdings besonders im unteren Teil mehrfach Einschaltungen von Braunkohle. Bis 98 m Tiefe traten Ton- und Mergelsteine im Wechsel mit Sand- und Feinkieslagen auf, die auch noch tertiärzeitliche Seesedimente dokumentieren.

Bis zur Endteufe von 150 m wurden Konglomeratlagen und Brekzien mit Sand- und Tonstein-Einschaltungen tertiären Alters angetroffen. Bislang konnte die Frage nach der Entstehung dieses Ablagerungsbeckens noch nicht abschließend geklärt werden. Die Umgrenzung des Vorkommens ergibt sich aus den alten Grubenrissen der ehemaligen Gewerkschaft Prinz von Hessen.

Weitere Vorkommen der Messel-Formation ließen sich bislang nicht eindeutig nachweisen. Im Jahr 1912 versuchte die Gewerkschaft Messel erfolglos im Raum Langstedt bei Babenhausen (Bl. 6019 Babenhausen) die Felder Harpert I und II zu erhalten. Die hier angetroffenen, geringmächtigen Kohleflöze sind aber in die pliopleistozäne Auffüllung der Hanau-Seligenstädter Senke zu stellen und gehören nicht in die Messel-Formation. Auch die in Gräfenhausen (Bl. 6117 Mörfelden), am Karlshof in Darmstadt (Bl. 6118 Darmstadt Ost) und im heutigen Stadtgebiet von Frankfurt (Bl. 5818 Frankfurt a.M. Ost) angetroffenen bituminösen Sedimente oder Braunkohlen gehören zu wesentlich jüngeren Gesteinsfolgen (Quartär bis Oligozän). Petrographisch mit dem Messeler Ölschiefer vergleichbare Sedimentgesteine wurden im Rheingraben in einer Erdölbohrung (HLfB-Bohrarchiv-Nr. 6217/30) bei Stockstadt (Bl. 6217 Zwingenberg) etwa 1700-1750 m unter der Erdoberfläche angetroffen.

 

 

Sie sind nach bislang unveröffentlichten biostratigraphischen Untersuchungen zwar eozänen Alters aber deutlich jünger als die mitteleozäne Messel-Formation und kein Äquivalent des Messeler Ölschiefers.

Eine vor 1936 im Gebiet "Zum Waldeck" nordöstlich von Groß-Zimmern niedergebrachte Bohrung (Bl. 6118 Darmstadt Ost) soll unter ca. 23 m Bedeckung Braunkohle angetroffen haben, die seinerzeit zur Messel-Formation gestellt wurde. Einzelheiten zu der Bohrung sind nicht überliefert. Schweremessungen in diesem Bereich lassen eine kleine negative Schwereanomalie erkennen, die allerdings etwas westlich der alten Bohrstelle liegt. Eine nur etwa 200 m nordöstlich davon stehende Bohrung aus dem Jahr 1975 (HLfB-Bohrarchiv-Nr. 6118/254) traf zwar bei ca. 27 m auf humose Einschaltungen, die nach Pollenuntersuchungen jedoch in das Pliopleistozän gestellt werden müssen. Nach dem heutigen Kenntnisstand kann allerdings nicht gänzlich ausgeschlossen werden, daß die Schwereanomalie bei "Zum Waldeck" auf ein weiteres Vorkommen der Messel-Formation zurückzuführen ist, ebenso zwei weitere negative Schwereanomalien im Bereich der Neuwiese zwischen Messel und Eppertshausen (Bl. 6018 Langen) und der Scheftheimer Wiesen östlich von Darmstadt (Bl. 6118 Darmstadt Ost).