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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Jahreszeiten – Geotope: Sommer 2009

Kegelkarst zwischen Runkel-Steeden und -Hofen (Lk. Limburg-Weilburg)

Im Eozän, einer Epoche im älteren Tertiär (53–37 Mio. Jahre), begann in Europa ein Zeitabschnitt mit subtropischem bis tropischem Klima. Palmen waren auf der Nordhalbkugel bis nach Grönland und Alaska verbreitet. Es war warm und meist auch feucht. In einem solchen Klima dominiert die chemische Verwitterung, physikalische Vewitterungsprozesse haben nur untergeordnete Bedeutung.

Ein schönes Relikt des subtropischen bis tropischen Klimas im Alttertiär wurde im Steinbruch Schneelsberg der Fa. Schäfer-Kalk zwischen Runkel-Steeden und -Hofen (Lk. Limburg-Weilburg) durch Baggerarbeiten im Zuge der Steinbrucherweiterung freigelegt.

Aufgeschlossen ist hier – in der Lahnmulde – mittel- bis oberdevonischer Massenkalk, ehemalige Riffkalke des Vorriffbereichs. Die Oberfläche des dickbankigen Kalksteins mit Stromatoporen und Korallen ist an seiner Oberfläche aufgrund intensiver tropischer Verwitterung als „Kegelkarst“ ausgebildet. Auf der stark reliefierten Paläokarstoberfläche liegen tonige Sedimente mit Konkretionen von Eisen-Mangan-Erzen. Da in den Karsttaschen Sedimente des mittleren Oligozäns (rd. 30 Mio. Jahre) enthalten sind, muss die Verkarstung älter sein.

Die tiefgründige Verwitterung des feucht-warmen (im Mittel 38°C in den Sommermonaten und 20°C in den Wintermonaten) Klimas führte besonders im Tertiär zur Bildung von Verwitterungsböden. Feldspat geht in Kaolin über, die Kieselsäure wird teilweise abgeführt. Dies ist beispielsweise ganz ausgeprägt im Westerwald zu sehen. Die Tonindustrie im sogenannten „Kannebäcker Ländchen“ beruht auf solchen eozänen Tonlagerstätten. Bei weiter gehenden Verwitterungsprozessen wird die Kieselsäure komplett weggelöst und dabei das Aluminium  angereichert. Es bildet sich Bauxit. Bei eisenreichen Gesteinen bleibt auch das Eisen zurück und wird ebenfalls angereichert. Diese Lateritböden können sich bis zu Basalteisensteinen entwickeln.

In Hessen lassen sich verschiedene Klimazeugen aus dem Tertiär beobachten, die trotz der eiszeitlichen Verwitterung im Quartär erhalten blieben. So weisen karbonatische Gesteine ganz spezielle Verwitterungsformen auf, wie sie rezent nur aus tropischen Gebieten bekannt sind. An manchen Stellen sehen wir nur die Produkte einer tiefgründigen Verwitterung, die mit einer Roterdebildung einhergeht, das Ausgangsgestein lässt sich nur an seiner Struktur erahnen. An wenigen Lokalitäten sind aber auch in situ verwitterte Tone erhalten geblieben (z.B. Bergheim im Wetteraukreis). Basalteisenstein – z.B. im Vogelsberg – ist heute wirtschaftlich nicht mehr von Interesse, war aber in den letzten Jahrhunderten in kleinen Gruben abgebaut worden. Als weitere Zeugen eines vorwiegend feucht-warmen Klimas im Tertiär lassen sich auch die Braunkohlevorkommen (z.B. Borken, Meißner oder Horloffgraben) benennen, die in früheren Jahren von teilweise überregionaler wirtschaftlicher Bedeutung waren.

Als die Landmassen im Süden in die Kontinente Südamerika, Antarktis und Australien zerbrachen, konnte sich eine kalte Meeresströmung um die Antarktis ausbilden. Sie kühlte das Klima ab dem Pliozän (jüngeres Tertiär, vor rd. 5 Mio. Jahren) deutlich ab (Jahresmittel nur noch rd. 14°C) und die polaren Laubwälder verschwanden.

Steinbruch Schneelsberg der Fa. Schäfer-Kalk zwischen Runkel-Steeden und -Hofen
Geotop-Nummer: 5514-3
Regierungs-Bezirk: Gießen
Landkreis: Limburg-Weilburg
Stadt/Gemeinde: Runkel
Topografische Karte: TK 25, Blatt 5514 Hadamar
Koordinaten (Gauß-Krüger): Rechtswert: 343962/ Hochwert: 558876