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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Projektverlauf und weiterführende Informationen

Hessen und Rheinland-Pfalz

Das Projekt KLIMPRAX Stadtklima Wiesbaden/Mainz greift die in der Hessischen Anpassungsstrategie gemachten Aussagen zu Empfindlichkeiten und Risiken in Kommunen unter den Bedingungen des Klimawandels und die Hinweise zum Handlungsbedarf auf:

  • Handlungsbedarf wird beim "Schutz vor Hitzefolgen insbesondere in Siedlungsbereichen" gesehen.
  • Durch voraussichtlich häufiger auftretende heiße Tage, "Überwärmung" bzw. fehlende nächtliche Abkühlung wird auf die Notwendigkeit von Anpassungsmaßnahmen hingewiesen.

Auch der Klimawandelbericht Rheinland-Pfalz sieht diese Punkte als große Herausforderung für die nachhaltige Entwicklung verdichteter Räume in Rheinland-Pfalz an. Eine erfolgreiche Freiflächenplanung bedingt eine verstärkte Kooperation zwischen Stadt und Umland. Die Landes- und Regionalplanung nennt dies bereits als Aufgabe und wird ihre Instrumente verstärkt nutzen, um Akzeptanz für klimatische Belange zu schaffen.

Kooperationsvertrag

Im Wiesbadener Rathaus wurde eine Kooperationsvereinbarung zwischen dem HLUG (ab 1.1.2016 HLNUG, Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie) und den beiden Landeshauptstädten unterzeichnet, die den Weg für eine länderübergreifende Zusammenarbeit ebnet. Ziel der Kooperation ist es, den gebündelten Sachverstand der Partner bei der Bearbeitung der Projekte auszuschöpfen und Synergieeffekte zu nutzen. An der Vereinbarungsunterzeichnung nahmen der Wiesbadener Oberbürgermeister Sven Gerich, der Wiesbadener Bürgermeister und Umweltdezernent Arno Goßmann, der Mainzer Oberbürgermeister Michael Ebling und der Präsident des HLNUG Prof. Dr. Thomas Schmid teil.

Das Projekt "KLIMPRAX Stadtklima Wiesbaden/Mainz" setzt bei diesen aktuellen Entwicklungen an und unterstützt die Weiterentwicklung meteorologischer Untersuchungsmethoden und Planungsstrategien. In Zusammenarbeit mit dem Deutschen Wetterdienst (DWD), der Landeshauptstadt Wiesbaden, der Landeshauptstadt Mainz, dem Landesamt für Umwelt, Rheinland-Pfalz, dem Rheinland-Pfalz Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen und dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie/Fachzentrum Klimawandel und Anpassung erfolgen die Untersuchung des gegenwärtigen und zukünftigen Stadtklimas, die Ermittlung des Handlungsbedarfs sowie die Formulierung von Empfehlungen für die kommunale Praxis.

Projektdetails

 

Die Analyse des Wiesbadener und Mainzer Planungsverfahrens unter Berücksichtigung bereits bekannter kommunaler Anpassungsmaßnahmen erfolgte mit Hilfe externer Unterstützung. Dieser Projektteil wurde vom Büro Infrastruktur & Umwelt, Professor Böhm und Partner, Darmstadt bearbeitet.
Parallel hierzu führte der Deutsche Wetterdienst (DWD) eine Klimaanalyse und -projektion für das erweiterte Stadtgebiet Wiesbaden und Mainz durch, die u. a. auf der Grundlage von zur Verfügung gestellten und aufbereiteten Stadtstrukturinformationen modelliert wurde.

Mit dieser Analyse sollten Ansatzpunkte und Vorgehensweisen herausgearbeitet werden, die sich im Verwaltungshandeln als vorteilhaft erweisen/erwiesen haben, klimatische Aspekte in der kommunalen Planung zu berücksichtigen.

Das Büro Infrastruktur und Umwelt führte mit Unterstützung der Arbeitsgruppe KLIMPRAX Stadtklima eine Fragebogenaktion durch, die sich an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der städtischen Ämter richtete, die im weitesten Sinne mit dem Thema Klimawandel bei der Ausübung ihrer Tätigkeit in Berührung kommen. Daran schlossen sich gezielte Akteursgespräche an. Diese Informationen wurden ausgewertet und flossen in einen verwaltungsinternen Workshop ein, der am 17. Februar 2016 stattfand.
Die Ergebnisse aus diesem Workshop wurden als Basis für einen Handlungsleitfaden zu den „Anforderungen an die Berücksichtigung klimarelevanter Belange in kommunalen  Planungsprozessen – Leitfaden für Kommunen“ herangezogen; darin sind einige Empfehlungen zusammengestellt worden, die aus der Analyse des Wiesbadener und Mainzer Planungsverfahren abgeleitet wurden.  Der Leitfaden wurde Ende des Jahres 2016 fertiggestellt und steht den Kommunen in Hessen als Hilfestellung zur Verfügung und kann hier heruntergeladen werden.

Zu diesem Leitfaden wurde eine Broschüre für Kommunen und die interessierte Öffentlichkeit erarbeitet. Unter dem Titel Hitze in der Stadt und kommunale Planung  (Schwerpunktthema - Klimawandel in Hessen)  werden die wesentlichen Punkte des Leitfadens anschaulich und kurz zusammengestellt.

 

Für die Landeshauptstädte Wiesbaden und Mainz sowie deren Umgebung wurde durch den Deutschen Wetterdienst eine modellgestützte Klimaanalyse und -projektion erstellt, für die u.a. topographische Informationen und Klimadaten als Grundlage herangezogen wurden . Sie weist in einem ca. 22 km x 31 km großen Kernbereich eine räumliche Auflösung von 100 m x 100 m auf und erfolgte für zwei dreißigjährige Klimaperioden (1971–2000  und 2031–2060). Der Fokus liegt auf der Lufttemperatur und den Veränderungen von damit verbundenen sog Kenntagen wie z.B. Sommertagen, heißen Tagen oder Tropennächten. Es wurden auch Kaltluftentstehungsgebiete und Kaltluftabflussbahnen ermittelt und die Intensität der Kaltluftabflüsse quantifiziert.

Neben der Darstellung der Kenntage, auch für die Zukunft, wurden Schwellenwerte der gefühlten Temperatur zur Bestimmung der Wärmebelastung ausgewertet.
Der Abschlussbericht des DWD zu diesem Arbeitspaket finden Sie hier.
 

Die Projektteile 

•    die Übersetzung der meteorologischen Ergebnisse in praxistaugliche Planungskategorien,
•    die Klimafolgenabschätzung und –Bewertung für die menschliche Gesundheit
•    den Handlungsleitfaden zur kommunalen Klimaanpassung in Hessen.

wurden im Juni 2017 ebenfalls an das Büro Infrastruktur & Umwelt, Professor Böhm und Partner, Darmstadt vergeben, die in Kooperation mit der Hochschule Fulda (Prof. Grewe, Prof. Blättner) die o. g. Inhalte bearbeiteten.

KLIMPRAX Stadtklima: Veranstaltung in Mainz

Am 9. November 2017 fand im Rathaus der Landeshauptstadt Mainz eine öffentliche Infoveranstaltung statt unter dem Motto: Wie wird unser Stadtklima in der Zukunft? 

In diesem Rahmen wurden die ersten Ergebnisse des Projektes einer interessierten Öffentlichkeit und Vertretern aus Verwaltung und Politik präsentiert.

Hier finden Sie den Veranstaltungsflyer mit den Vortragsthemen.


Expertenworkshop KLIMPRAX am 15. Februar 2018

Am 15. Februar 2018 fand ein Expertenworkshop  zum Projekt KLIMPRAX/Stadtklima im HLNUG statt. Das Büro Infrastruktur & Umwelt hat ihr Konzept zur Aufbereitung der Klimaanalyse und -projektion für die kommunale Planung vorgestellt. Parallel wurde der Stand der Betroffenheitsanalyse menschlicher Gesundheit durch die Hochschule Fulda aufgezeigt. Beide Konzepte wurden im Rahmen dieser Veranstaltung zur Diskussion gestellt. Die Anregungen und Korrekturen werden im Laufe der weiteren Bearbeitung berücksichtigt und in das Projekt einfließen.

KLIMPRAX Stadtklima: Veranstaltung in Wiesbaden

Am 16.8.2018 fand im Roncallihaus in Wiesbaden eine öffentliche Infoveranstaltung statt zum Thema „Herausforderung Klimawandel – Handeln für lebenswerte Städte“.
Es wurden einige bereits vorliegende Ergebnisse aus dem Projekt vorgestellt.

Die Abschlussveranstaltung KLIMPAX Stadtklima fand am 29. August 2019 in Wiesbaden, Roncalli Haus statt.

 

 

 

 

Weitere Forschungsprojekte

Um auch die Wirkungen von Veränderungen des Stadtklimas auf Biota zu ermitteln, wurde ein Projekt zur Methodenentwicklung von Prof. Dr. Windisch, Technische Hochschule Mittelhessen durchgeführt mit dem Projekttitel „Wirkungsermittlung von Stadtklimaeffekten auf Biota anhand von Flechten“ vergeben.

Der Abschlussbericht liegt seit Juni 2016 vor und zeigt auf, inwieweit die Durchführung einer Flechtenkartierung benutzt werden kann, das Stadtklima nachzuzeichnen. In diesem wie auch im nachfolgend genannten Projekt ist Stadtklima zu verstehen als ein Zusammenwirken klimatischer Einflüsse und lufthygienischer Belastungen in Städten, die eng miteinander verknüpft sind; Flechten stellen dafür geeignete integrierende Bioindikatoren dar.

Weitere Informationen zur Flechtenkartierung finden Sie im Vortrag von Frau Prof. Dr. Windisch anlässlich der Fachtagung des HLNUG vom 1. März 2018.

 

Das anschließend gestartete Projekt "Wirkungsermittlung von Stadtklimaeffekten auf Biota anhand des Bioindikators Flechte in Wiesbaden" wurde im Juni 2017 gestartet, um die Methode in Wiesbaden anzuwenden, zu erproben und für andere Kommunen bereitzustellen. Die Kartierungen wurden im August 2017 durchgeführt.
Auf einem neuen BLOG des Vereins deutscher Ingenieure (VDI) zu Flechten als Klimawandelanzeiger sind Informationen zur angewandten Methode zu finden. 

Ende 2018 wurde das Projekt abgeschlossen. Den Abschlussbericht können Sie herunterladen.