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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Projektdetails

Projektteil 1

Ziel des ersten Projektteils ist eine hessenweiten Kartierung von Gebieten, die aufgrund ihrer Niederschlagsstatistik und bereits dokumentierter Katastrophenschutzeinsätze als besonders starkregengefährdet angesehen werden können („Starkregen-Hinweiskarte“). Zusätzlich wurden im Sommer 2016 hessische Kommunen zur Starkniederschlagsgefährdung in ihrer Gemeinde befragt und kommunale Vorsorgeaktivitäten vorgestellt. Die Befragung ist unter dieser Adresse einsehbar: Link zur Befragung.

Starkniederschlagsereignisse können prinzipiell überall auftreten, aus den für die Vergangenheit vorliegenden Daten lassen sich jedoch Gebiete identifizieren, die besonders häufig oder intensiv betroffen waren. Dabei ist zu beachten, dass (konvektive) Starkniederschlagsereignisse häufig lokal begrenzt sind – an einer Stelle können extreme Niederschlagsmengen auftreten, während nur wenige Kilometer weiter kein einziger Tropfen fällt. Eine flächendeckende Erfassung von Starkniederschlägen anhand von Niederschlagsmessgeräten ist folglich unmöglich, zumal die maximale Niederschlagsintensität fast nie genau den Stationsstandort trifft. Daher werden neben den langjährig vorliegenden Stationsdaten auch Radardaten für die vergangenen 15 Jahre zur Identifizierung von Starkniederschlagsereignissen  in der Fläche verwendet.

Für eine umfassende Gefährdungsanalyse stellt die Niederschlagsaus­wertung nur einen Teilaspekt dar. Weitere wichtige Aspekte der Gefährdungsbeurteilung sind z.B. Hangneigung, Erosionsgefährdung und Rutschungsgefährdung. Fallen diese Gefahren mit Besiedlungsflächen zusammen, so ist das Gebiet als besonders gefährdet gegenüber Starkregenereignissen anzusehen. Auf Grundlage der „Starkregen-Hinweiskarte“ können die besonders gefährdeten Kommunen ihre eigene Situation besser einschätzen und ggf. weitere Untersuchungen durchführen lassen und Maßnahmen zum Schutz gegen Starkregenfolgen einleiten. Auch im Rahmen von großräumigen Planungen (z.B. Flächennutzungsplänen) kann die „Starkregen-Hinweiskarte“ von großem praktischem Nutzen sein.

Projektteil 2

Die Hydrologie kleiner Einzugsgebiete (an Bachläufen oder abseits von Fließgewässern) ist durch die kleinräumige Variabilität der Gebietseigenschaften geprägt. Herkömmliche Niederschlags-Abfluss-Modelle mit ihrer auf Teilflächen bezogenen Herangehensweise sind für die Berechnungen von „wild abfließendem Wasser“ ungeeignet. Benötigt werden Verfahren, die in hoher Auflösung flächenhaften Abfluss nachbilden können.

In diesem Projektteil soll ein Niederschlagsabflussmodell diesen Erfordernissen angepasst werden und somit potentiell sehr hochaufgelöste „Starkregen-Gefahrenkarten“ auf kommunaler Ebene ermöglichen. Diese Karten sollen Abflusswege, Abflusstiefen und Wasserstände in den betroffenen  Bereichen visualisieren können. Zur Verfügung stehende hochauflösende Laserscandaten lassen eine entsprechend detaillierte Geländeabbildung der urbanen Räume und deren Einzugsgebiete zu. Diese Informationen sollten ggf. im Rahmen einer Ortsbegehung weiter präzisiert werden. Für die wasserwirtschaftliche Planung sind solche Erkenntnisse von besonderem Interesse. Stadtplaner, Straßenplaner, Grünflächenplaner, Gebäudeplaner und Grundstückseigentümer bekommen so konkrete Hinweise auf Gefahrenpunkte durch Sturzfluten. Auch für den Katastrophenschutz sind diese Informationen sehr nützlich. Mit Hilfe solcher Detailkenntnisse können in den Kommunen vorhandene Leitfäden (z.B. BWK/DWA-Praxisleitfaden zur Überflutungsvorsorge) angewandt werden. Oft kann bei entsprechendem Vorwissen schon mit kleinen baulichen Maßnahmen Vorsorge getroffen werden.
Am Ende des Projektes sollen zwei (ggf. auch mehr) Kommunen aus gefährdeten Gebieten pilothaft näher untersucht werden. Zusätzlich zu der hessenweiten „Starkregen-Hinweiskarte“ (Projektteil 1) sollen für diese Pilotkommunen die angesprochenen hochaufgelösten „Starkregen-Gefahrenkarten“ erstellt werden. Hier könnten z.B. auch Kommunen untersucht werden, die bereits in der Vergangenheit durch Starkregen Erosionsprobleme hatten. Gerade im Rahmen von Bebauungsplänen oder Neubauprojekten können solche Gefahrenkarten zur Beurteilung der Abflusseigenschaften bei Starkregen herangezogen werden.


Projektpartner:

  • Hessisches Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) 
  • Hessisches Ministerium des Inneren und für Sport (HMdIS)
  • Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG)
  • Deutscher Wetterdienst (DWD)
  • Hessischer Städtetag (HST)
  • Hessischer Städte- und Gemeindebund (HSGB)

Auftragnehmer:

  • Hochschule RheinMain Wiesbaden, Prof. Rodriguez
  • Leibnitz Universität Hannover, Prof. Kuhnt
  • Infrastruktur und Umwelt Darmstadt

Laufzeit: 1.7.2015 bis voraussichtlich Mitte 2019