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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Kleingewerbe

Erhebungsmethode

In der Emittentengruppe Kleingewerbe werden die nach Bundes-Immissionsschutzgesetz nicht genehmigungsbedürftigen Anlagen zusammengefasst. Ausgenommen hiervon sind kleine und mittlere Feuerungsanlagen, die als eine eigene Emittentengruppe (Gebäudeheizung) geführt werden. Emissionen aus dem handwerklichen Sektor, die außerhalb von Betriebsstandorten bzw. Anlagen entstehen (z. B. Malerhandwerk, Baugewerbe), sind der Emittentengruppe privater Verbrauch zugeordnet.

Die Emissionsberechungen erfolgten 1995 kleinräumig und auf die einzelnen kleingewerblichen Anlagen bezogen. Bei den folgenden Erhebungen in den Jahren 2000 und 2006 wurde aufgrund des geringeren Aufwandes ein betriebsbezogener Ansatz gewählt. Im kleingewerblichen Bereich wurden für diese Bezugsjahre die Emissionen von rund 13.000 Betrieben erhoben. Auf Grundlage der Anzahl der Betriebe und unter Nutzung von branchenspezifischen Emissionsfaktoren wurden die Emissionen berechnet. Dabei wurden die Schadstoffe flüchtige organische Verbindungen ohne Methan (NMVOC) und Staub von folgenden Branchen betrachtet:

  • Tankstellen
  • Tanklager
  • Druckereien
  • Lackierbetriebe
  • Chemische Reinigungen
  • Elektrotechnik
  • Metallbe- und -verarbeitende Betriebe
  • Holzbe- und -verarbeitende Betriebe
  • Kunststoffbe- und -verarbeitende Betriebe
  • Chemie
  • Binnenhäfen
  • Steinbrüche.

Für die letzte Fortschreibung 2012 wurde ein Top-Down-Ansatz gewählt. Mittels deutschlandweiter Erhebungen wurden Rückschlüsse auf die NMVOC-Emissionen für Hessen gezogen. Dabei wurden die NMVOC-Emissionen aus „Lösemittel und andere Produktverwendung“ des Deutschen Inventars [Nationaler Inventarbericht zum Deutschen Treibhausgasinventar 1990 – 2012, UBA Climate Change 24/2014, Dessau-Roßlau, Juli 2014]  mit passenden Indikatorgrößen auf das hessische Inventar übertragen.

Die Verwendung von Lösemitteln und anderen Produktanwendungen untergliedert sich, entsprechend des nationalen Inventarberichtes, in folgende Bereiche:
01 - Anwendung von Farben und Lacken
02 - Entfettung, Chemische Reinigung und Elektronik
03 - Herstellung und Verarbeitung von chemischen Produkten
04 - Andere Anwendungen von Lösemitteln und ähnlichen Aktivitäten sowie Emissionen aus Feuerwerken, Grillen und Zigaretten

Für die Auswertung kommen nur die Bereiche 01 bis 03 in Betracht. Mit der Methodik werden die Emissionen von NMVOC für Hessen, für die hessischen Landkreise sowie die kreisfreien Städte Hessens berechnet. Die so ermittelte Summe enthält nicht nur die Emissionen für das Gewerbe, sondern auch für Industrie und Haushalte. Die Anteile, die auf das Kleingewerbe (Gewerbe) zurückzuführen sind, werden entsprechend weiterer Annahmen abgeschätzt.

Die Emissionen aus der Betankung von Fahrzeugen mit Diesel- und Benzinkraftstoffen sind nicht auf die Anwendung von Lösemitteln zurückzuführen, werden hier aber mit diesen zusammen betrachtet. Auf Basis veröffentlichter Emissionsfaktoren in Verbindung mit den in Hessen umgeschlagenen Mengen können die NMVOC-Emissionen aus Betankungsvorgängen abgeschätzt werden. Die umgeschlagenen Mengen von Otto- und Dieselkraftstoffen in Hessen werden der Energiebilanz 2012 entnommen und entsprechend des Kfz-Bestandes der Landkreise und kreisfreien Städte verteilt.

Die NMVOC-Emissionen der Tanklager werden aus den Auswertungen von 2006 übernommen, da eine Erhebung nach Anzahl der Tanklager in Hessen für das Jahr 2012 nicht vorliegt.

Für die Berechnung der  Staubemissionen wird auf Daten aus dem Emissionskataster 2000 zurückgegriffen. Für die Bereiche Holzbe- und -verarbeitung, Steinbrüche und Binnenhäfen ist jeweils ein durchschnittlicher Emissionsfaktor angegeben. Darüber hinaus erfolgte die Auswertung zu den Staubemissionen aus dem Jahr 2006 landesspezifisch. Für die Staubemissionen der Binnenhäfen wird davon ausgegangen, dass diese im Jahr 2012 in gleicher Höhe auftreten. Bei den Emissionen der holzverarbeitenden Betriebe und Steinbrüche wird davon ausgegangen, dass die Anzahl der Betriebe dem Mittelwert der Jahre 2000 und 2006 entspricht, da eine Aktualisierung des Anlagenbestandes für die Erhebung der Emissionen derzeit nicht vorliegt. Bei den anzusetzenden Emissionsfaktoren wird aufgrund von Verminderungsmaßnahmen bei der Staubentwicklung eine geringe Reduzierung bis 2012 angenommen.

Die Staubemissionen wurden bei der Erhebung 2012 nicht mehr örtlich differenziert, da in Hessen der Anteil der kleingewerblichen Staubemissionen unter 3 % der Gesamtstaubemissionen liegt.

Ab Ende der 1970er Jahre sind Kleingewerbe-Emissionen in vier hessischen Untersuchungsgebieten erhoben worden. Landesweite Emissionsdaten für das Teilkataster Kleingewerbe liegen für die Jahre 1995, 2000,  2006 und 2012 vor. Die kleinste räumliche Einheit der Emissionskataster ist die kreisfreie Stadt bzw. der Landkreis.

Hier finden Sie weitere Informationen zu den emittierten Stoffen der Emittentengruppe Kleingewerbe.

Emittierte Stoffe

Im Teilkataster Kleingewerbe werden hauptsächlich Emissionen von organischen Gasen und Stäuben geführt. Die folgende Tabelle zeigt die Kleingewerbe-Jahresemissionen der Bezugsjahre 1995, 2000, 2006 und 2012.

Jahresemissionen des Kleingewerbes in Hessen (1995, 2000, 2006 und 2012):

KomponentenEmission [t/a]
 1995200020062012
Anorganische Gase
Kohlenmonoxid (CO)64---
Stickstoffoxide (angegeben als NO2)2---
Organische Gase
NMVOC1)10.59610.2879.5969.337
Stäube
Staub2)257206198188

- keine Emissionsdaten vorhanden
1) flüchtige organische Verbindungen ohne Methan
2) Da bei den emittierten Stäuben keine Erkenntnisse über die Korngrößenverteilung vorliegen, wird der gesamte Staub als Feinstaub (PM10) betrachtet.

NMVOC-Emissionen

Die ermittelten NMVOC-Emissionen betragen für das hessische Kleingewerbe 2012 insgesamt 9.337 t. Dies entspricht einer Senkung gegenüber den für das Jahr 2006 ermittelten Emissionen von 2,7 % (2006: 9.596 t).
Die NMVOC-Emissionen des hessischen Kleingewerbes verteilen sich entsprechend Abbildung 1. Auf die Anwendung von Lösemitteln bzw. lösemittelhaltiger Stoffe entfallen 74,8 %, während auf die Betankung von Fahrzeugen und die Emissionen aus Tanklagern somit 25,2 % entfallen.
Die höchsten Emissionen bei der Anwendung von Lösemitteln entfallen auf die Bereiche Lackiererei (20,0 %), Chemie (18,7 %) und Metall (11,5 %).

Zeitlicher Verlauf

Die NMVOC-Emissionen des hessischen Kleingewerbes sind im Vergleich zu 2006 leicht gesunken. Darüber hinaus fallen deutliche Veränderungen bei der Verteilung der Emissionen auf einzelne Branchen auf.
In Abbildung 2 ist ein Vergleich der Aufteilung nach Branchen bzw. Verursachungsbereichen der NMVOC-Emissionen mit denen der Jahre 2000, 2006 und 2012 dargestellt.

Demnach haben die Emissionen der Bereiche Holz, Chemie und Tankstellen von 2006 auf 2012 zugenommen, während die Emissionen in den Bereichen Druckerei, chemische Reinigung, Lackiererei, Metall und Kunststoff im Vergleich zu 2006 und teilweise 2000 zurückgegangen sind.
Die aus der Chemie-Branche resultierenden Emissionen nahmen deutschlandweit im Zeitraum von 2006 bis 2012 um 8 % zu. Die für Hessen ermittelten Emissionen (siehe Abbildung 2) nahmen hingegen um mehr als das Dreifache zu (2012: 1.750 t | 2006: 490 t). Ein Vergleich der Beschäftigtenzahlen im Zeitraum von 2009 bis 2012 zeigt, dass diese um über 3.000 Beschäftigte abgenommen haben. Dies kann demzufolge nicht der Grund für eine Zunahme der Emissionen in der Chemiebranche sein. Der Unterschied kann nur auf die unterschiedliche Datengrundlage bzw. Methodik zurückgeführt werden.
Der Rückgang der Emissionen im Bereich der Druckereien beträgt deutschlandweit 5 %. In Abbildung 2 betragen die Emissionen nur noch 44 % im Vergleich zum Zeitraum von 2006 bis 2012. Die Beschäftigtenzahlen von 2006 und 2012 können nicht miteinander verglichen werden. Von 2009 zu 2012 nehmen diese jedoch leicht ab. Wie bereits im Bereich der Chemie liegt der Unterschied bei den unterschiedlichen Datengrundlagen bzw. Herangehensweisen. Gleiches gilt für den Vergleich der Emissionen im Bereich der Kunststoffe.

Die Zunahme der Emissionen für Betankungsprozesse ist ebenfalls mit einer Änderung der Erfassungsmethodik begründet. Die Emissionen für 2012 wurden mit Hilfe der Kfz-Zahlen und Verbrauchsmengen aus der Energiebilanz für Hessen ermittelt. Die für 2006 sind mit Hilfe von Bestandszahlen und einem errechneten Emissionsfaktor bestimmt worden. Bestandszahlen von Tankstellen und ein Emissionsfaktor für 2012 liegen jedoch nicht vor.

Ein Vergleich der gesamten NMVOC-Emissionen ist in Abbildung 3  dargestellt. Insgesamt wurden 9.337 t an NMVOC im Jahr 2012 durch Betriebe des hessischen Kleingewerbes emittiert.

Dies entspricht einer Reduzierung von 11,9 % seit 1995 und 2,7 % im Vergleich zu 2006.

Staub-Emissionen

Bei den in Abbildung 4 dargestellten Staubemissionen handelt es sich um Gesamtstaubemissionen. Auf eine Unterteilung in die Feinstäube wurde verzichtet. Im Vergleich zum Jahr 2000 wurden die Staubemissionen in den holzverarbeitenden Betrieben um 8 % und in den Steinbrüchen um 16 % reduziert. In den Häfen bleiben diese unverändert bei einer Tonne pro Jahr.

 

In Abbildung 4 ist die Summe der Staubemissionen der drei Bereiche dargestellt. Im Vergleich zum Jahr 1995 haben sich die Staubemissionen um 35 % verringert (Abbildung 5). In einer Übersicht zu den hessischen Feinstaubemissionen beträgt der Anteil der Feinstaubemissionen des Kleingewerbes an den Gesamtemissionen des Feinstaubes für Hessen ca. 3 %.