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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Umweltindikatoren Hessen

Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert

  • Anteil der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert an der gesamten Landwirtschaftsfläche [%] [1]

 

Bedeutung

In der Agrarlandlandschaft sind naturnahe Landschaftselemente sowie extensiv genutzte Flächen von herausragender Bedeutung für den Schutz der biologischen Vielfalt. Daher ist auf die Erhaltung und Ausweitung dieser Bereiche besonders zu achten. Durch die systematische Erfassung von Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert (High Nature Value Farmland-Flächen, HNV Farmland-Flächen) können Auswirkungen u. a. der Agrarpolitik im Hinblick auf die Erhaltung und Förderung der biologischen Vielfalt in der Landwirtschaft aufgezeigt werden. Auch Auswirkungen von Nutzungsänderungen - wie z. B. der verstärkte Anbau von Bioenergiepflanzen - werden sich künftig in den Indikatorwerten widerspiegeln.
Der HNV Farmland-Indikator ist im Rahmen der europäischen Förderpolitik (ELER) gemäß „EU Common Monitoring and Evaluation Framework for the Rural Development Programmes“ ein Pflicht-Baseline-Indikator zur Evaluierung der Entwicklungsprogramme Ländlicher Raum. Er muss von allen Bundesländern – auch Hessen - gegenüber der EU berichtet werden.

Definition

Der Indikator bilanziert den Anteil der Landwirtschaftsflächen mit hohem Naturwert an der gesamten Landwirtschaftsfläche. Er zeigt, wie sich der Umfang aus Sicht des Naturschutzes wertvoller Flächen sowie die Qualität dieser Flächen im Kontext landwirtschaftlicher Nutzungen verändern. Als Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert gelten extensiv genutzte, artenreiche Grünland-, Acker-, Streuobst- und Weinbergsflächen sowie Brachen. Hinzu kommen strukturreiche Landschaftselemente wie z. B. Hecken, Raine, Feldgehölze und Kleingewässer, soweit sie zur landwirtschaftlich genutzten Kulturlandschaft gehören.
Die Einstufung von Flächen und Landschaftselementen erfolgt nach einer standardisierten Erfassungs- und Bewertungsmethode anhand von Qualitätskriterien und / oder Kennarten. Bei der Bewertung werden fünf Wertstufen unterschieden. In die Stufen IV und V fallen Flächen ohne hohen Naturwert, die nicht als HNV Farmland-Flächen gewertet werden. Die HNV Farmland-Flächen umfassen Flächen mit äußerst hohem (Stufe I), sehr hohem (Stufe II) und mäßig hohem Naturwert (Stufe III). Der Arten- und Strukturreichtum der Landwirtschaftsflächen der Wertstufe III ist im Vergleich zu den Flächen mit äußerst hohem und sehr hohem Naturwert begrenzt. Diese Flächen reagieren empfindlich auf eine Intensivierung der Bewirtschaftung und können leicht aus der Einstufung als HNV Farmland herausfallen. Die Methoden zur standardisierten Erfassung und Bewertung der HNV Farmland-Flächen und zur Berechnung des Indikators wurden im Bund-Länder-Gremium zur Umsetzung des HNV Farmland-Indikators abgestimmt.
Die Erhebungen erfolgen bundesweit in einer repräsentativen, doppelt geschichteten Stichprobe auf ca. 900 Stichprobenflächen von je einem Quadratkilometer Größe. Der Stichprobenverteilung liegt eine nach sechs Landnutzungsklassen (ATKIS) und 21 Standorttypen geschichtete Stichprobenziehung zugrunde. Aus den Kartierungsergebnissen lassen sich mittels einer Hochrechnung die Landesanteile an HNV-Farmland ermitteln. Die Hochrechnung erfolgt in der Weise, dass schichtweise das Verhältnis zwischen HNV-Farmland und Landwirtschaftsfläche innerhalb der Stichprobenkulisse gebildet und mit dem Verhältnis von Gesamt-HNV-Farmland und gesamter Landwirtschaftsfläche gleichgesetzt wird. Zusätzlich werden die kartierten Flächen über die Anteile der Mittelpunktsraten an der Auswahlgesamtheit gewichtet, um den Bedingungen der Stichprobenziehung Rechnung zu tragen. Der Indikatorwert bilanziert so den Anteil der Landwirtschaftsfläche mit hohem Naturwert an der Bezugsfläche, die sich aus den Schichten Ackerland, Grünland und Sonderkultur des ATKIS 25 / Basis-DLM zusammensetzt.

Datenquelle

Eine erste vollständige Kartierung für das Bundesamt für Naturschutz erfolgte in Hessen in der Vegetationsperiode 2009. Die Kartierungen finden alle zwei Jahre auf der Hälfte der Stichprobenflächen statt, so dass alle 4 Jahre ein vollständiger Erhebungsdurchgang abgeschlossen wird. Ab 2013 wird der Indikatorwert alle zwei Jahre über einen gleitenden Mittelwert berechnet, der jeweils die Teilerhebungen der letzten 4 Jahre umfasst.

[1] Diese Indikatoren gehören zu einem gemeinsamen Satz von 24 umweltspezifischen Nachhaltigkeitsindikatoren (Umweltindikatoren) des Bundes und der Länder (siehe Länderinitiative Kernindikatoren – LiKi), der erstmals 2004 von der Umweltministerkonferenz beschlossen wurde (UMK-Indikatoren).