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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

"Gefährdete Gebiete" nach § 13 Absatz 2 Nr. 1 der Düngeverordnung 2017 wegen Nitrat

Hinweis zur Allgemeinen Verwaltungsvorschrift Gebietsabgrenzung (AVV GeA)

Auf Basis der grundlegend neuen und bundeseinheitlichen Vorgehensweise zur Gebietsabgrenzung nach den Vorgaben der AVV GeA (veröffentlicht am 10.11.2020) wurden die mit Nitrat belasteten und eutrophierten Gebiete für Hessen neu abgegrenzt.

Zur Ausarbeitung der Vorgehensweise der Gebietsabgrenzung wurden unter Federführung des Bundeslandwirtschaftsministeriums und des Bundesumweltministeriums Arbeitsgruppen mit Fachexperten aus Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Bundesforschungseinrichtungen gegründet. Diese Arbeitsgruppen haben die Grundlagen für die AVV GeA erarbeitet.

Mit der AVV GeA wurde für die mit Nitrat belasteten Gebiete eine grundlegend neue Vorgehensweise zur Abgrenzung vorgegeben. Erstmalig sind damit nicht mehr ausschließlich die Nitratbelastungen im Grundwasser für die Bewertung heranzuziehen, sondern auch die modellierten Emissionen aus der Landwirtschaft. So sollen die tatsächlich zur Nitratbelastung beitragenden landwirtschaftlichen Flächen verursachergerechter binnendifferenziert werden. Die daraus resultierende bundeseinheitliche Gebietsausweisung wurde Ende Oktober 2020 technisch im HLNUG umgesetzt und dem Hessischen Umweltministerium (HMUKLV) vorgestellt. Die zwischen dem HLNUG und dem HMUKLV abgestimmten Karten wurden zur Verbändeanhörung bereitgestellt.

Aufgrund dieser neuen Vorgehensweise reduzieren sich die betroffenen Flächen der mit Nitrat belasteten Gebiete von 20 % auf etwa 5 % der Landesfläche. Die betroffene landwirtschaftliche Nutzfläche wurde nahezu halbiert. Wäre der sehr enge Zeitplan für die Neuabgrenzung der mit Nitrat belasteten Gebiete nicht eingehalten worden, würden nach § 13a Absatz 4 der DüV 2020 die strengeren Vorgaben für die gesamte landwirtschaftliche Nutzfläche der belasteten Grundwasserkörper gelten.

Erstmalig wurden für Hessen auch eutrophierte Gebiete („Phosphor-Gebiete“) ausgewiesen. Die Ausweisung der eutrophierten Gebiete (hydrologische Einzugsgebiete von Oberflächenwasserkörpern) muss nach AVV GeA erfolgen, wenn in den Gewässern die Qualitätskriterien der Oberflächengewässerverordnung für Wasserpflanzen und Kieselalgen sowie ortho-Phosphat nicht eingehalten werden und gleichzeitig eine Eutrophierung durch signifikante Nährstoffeinträge aus landwirtschaftlichen Quellen nachgewiesen wurden. Wäre der sehr enge Zeitplan für die eutrophierten Gebiete nicht eingehalten worden, wäre nach § 13a Absatz 5 der DüV 2020 das gesamte Landesgebiet als eutrophiertes Gebiet ausgewiesen worden.

Eine Beschreibung der Vorgehensweise zu den Gebietsabgrenzungen bieten die Präsentationen Ausweisung der mit Nitrat belasteten Gebiete und Ausweisung der eutrophierten Gebiete.

Ausweisung von „gefährdeten Gebieten“ nach DüV 2017

Um die diffusen Nährstoffeinträge aus landwirtschaftlich genutzten Flächen effizienter und gezielter reduzieren zu können, wurden die Bundesländer im Rahmen der Düngeverordnung (DüV 2017) aufgefordert, Gebiete auszuweisen, bei denen nachweislich Nitratbelastungen in den Grundwässern vorhanden sind. In diesen „gefährdeten Gebieten“ sollen höhere Anforderungen an die Düngepraxis dazu führen, dass die Stickstoffeinträge in das Grundwasser minimiert werden und der „gute chemische Zustand“ des Grundwassers erreicht wird.

Im August 2019 ist die hessische Ausführungsverordnung zur Düngeverordnung (AVDüV 2019) in Kraft getreten. Die Verordnung regelt die Vorgaben des § 13 der Düngeverordnung (DüV 2017) für Hessen.

In Hessen wurden

  • Grundwasserkörper, die nach § 7 der Grundwasserverordnung wegen Nitrat im schlechten chemischen Zustand sind sowie
  • Wasserschutzgebiete, die nach Anlage 2 der Grundwasserverordnung den Schwellenwert für Nitrat überschreiten oder einen steigenden Trend nach § 10 der Grundwasserverordnung aufweisen,

als „gefährdete Gebiete“ charakterisiert und ausgewiesen.

In Grundwasserkörpern, die sich im guten chemischen Zustand hinsichtlich Nitrat befinden, gelten als „gefährdete Gebiete“ ausgewiesene Wasserschutzgebiete (WSG), in denen das geförderte Grundwasser

  • mindestens 37,5 mg/l Nitrat verbunden mit einem steigenden Trend und/oder
  • mehr als 50 mg/l Nitrat aufweist.

Um die Grundwasserkörpergrenzen auf Gemarkungsgrenzen zu übertragen, wurde folgendes Verfahren angewendet:

  • Gemarkungen, die von den Grundwasserkörpergrenzen geschnitten werden und bei denen mehr als 80 % des Flächenanteils innerhalb der Grundwasserkörper im schlechten chemischen Zustand wegen Nitrat liegen, wurden zu den „gefährdeten Gebieten“ hinzugezogen.
  • Gemarkungen, die mit einem Flächenanteil zwischen 20 % und 80 % in den roten Grundwasserkörpern liegen und zusätzlich ein Belastungspotential der landwirtschaftlich genutzten Flächen von > 2,5 (mittel bis hoch) aufweisen, wurden ebenfalls als „gefährdetes Gebiet“ eingestuft. Ist das Belastungspotential ≤ 2,5, wurden die relevanten Flächen nicht dem „gefährdeten Gebiet“ zugeordnet.

Ob Ihre Fläche von der AVDüV betroffen ist, können Sie in der GruSchu sehen.

Übersichtskarte Gefährdete Gebiete nach § 13 Absatz 2 der DüV

Informationsveranstaltung

Am 12. Dezember 2019 fand ein Informationsaustausch zwischen dem Hessischen Bauernverband (HBV) und dem HLNUG statt. Dazu hier die dort gezeigte Präsentation und die zugrundeliegenden Messwerte.

Weitere Informationen zum Thema "Nitrat im Grund- und Rohwasser" finden Sie hier.