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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

"Gefährdete Gebiete" nach § 13 Absatz 2 Nr. 1 der Düngeverordnung wegen Nitrat

Um die diffusen Nährstoffeinträge aus landwirtschaftlich genutzten Flächen effizienter und gezielter reduzieren zu können, wurden die Bundesländer im Rahmen der Düngeverordnung (DüV 2017) aufgefordert, Gebiete auszuweisen, bei denen nachweislich Nitratbelastungen in den Grundwässern vorhanden sind. In diesen „gefährdeten Gebieten“ sollen höhere Anforderungen an die Düngepraxis dazu führen, dass die Stickstoffeinträge in das Grundwasser minimiert werden und der „gute chemische Zustand“ des Grundwassers erreicht wird.

Im August 2019 ist die hessische Ausführungsverordnung zur Düngeverordnung (AVDüV 2019) in Kraft getreten. Die Verordnung regelt die Vorgaben des § 13 der Düngeverordnung (DüV 2017) für Hessen.

Ausweisung von „gefährdeten Gebieten“

In Hessen wurden

  • Grundwasserkörper, die nach § 7 der Grundwasserverordnung wegen Nitrat im schlechten chemischen Zustand sind sowie
  • Wasserschutzgebiete, die nach Anlage 2 der Grundwasserverordnung den Schwellenwert für Nitrat überschreiten oder einen steigenden Trend nach § 10 der Grundwasserverordnung aufweisen,

als „gefährdete Gebiete“ charakterisiert und ausgewiesen.

In Grundwasserkörpern, die sich im guten chemischen Zustand hinsichtlich Nitrat befinden, gelten als „gefährdete Gebiete“ ausgewiesene Wasserschutzgebiete (WSG), in denen das geförderte Grundwasser

  • mindestens 37,5 mg/l Nitrat verbunden mit einem steigenden Trend und/oder
  • mehr als 50 mg/l Nitrat aufweist.

Um die Grundwasserkörpergrenzen auf Gemarkungsgrenzen zu übertragen, wurde folgendes Verfahren angewendet:

  • Gemarkungen, die von den Grundwasserkörpergrenzen geschnitten werden und bei denen mehr als 80 % des Flächenanteils innerhalb der Grundwasserkörper im schlechten chemischen Zustand wegen Nitrat liegen, wurden zu den „gefährdeten Gebieten“ hinzugezogen.
  • Gemarkungen, die mit einem Flächenanteil zwischen 20 % und 80 % in den roten Grundwasserkörpern liegen und zusätzlich ein Belastungspotential der landwirtschaftlich genutzten Flächen von > 2,5 (mittel bis hoch) aufweisen, wurden ebenfalls als „gefährdetes Gebiet“ eingestuft. Ist das Belastungspotential ≤ 2,5, wurden die relevanten Flächen nicht dem „gefährdeten Gebiet“ zugeordnet.

Ob Ihre Fläche von der AVDüV betroffen ist, können Sie in der GruSchu sehen.

Weiterführende Regelungen für die „gefährdeten Gebiete“ Hessens

  1. Vor dem Aufbringen von Wirtschaftsdüngern sowie von organischen und organisch-mineralischen Düngemitteln, bei denen es sich um Gärrückstände aus dem Betrieb einer Biogasanlage handelt, müssen ihre Gehalte an Gesamtstickstoff, verfügbarem Stickstoff oder Ammoniumstickstoff und Gesamtphosphat auf der Grundlage wissenschaftlich anerkannter Messmethoden vom Betriebsinhaber oder in dessen Auftrag festgestellt werden (§ 13 Abs. 2 Satz 4 Nr.2).
  2. Abweichend von den flächendeckend geltenden Regelungen der Düngeverordnung hat der Betriebsinhaber sicherzustellen, dass der Kontrollwert des Nährstoffvergleiches 40 kg Stickstoff pro Hektar im gleitenden Dreijahresmittel nicht überschreitet (§ 13 Abs. 2 Satz 4 Nr.12).
  3. Beim Aufbringen von Düngemitteln ist ein Abstand zur Böschungsoberkante des Gewässers von mindestens 5 Metern einzuhalten. Bei einer Hangneigung von 10 % dürfen stickstoff- oder phosphathaltige Düngemittel, Bodenhilfsstoffe, Kultursubstrate und Pflanzenhilfsmittel innerhalb eines Abstandes von 10 Metern zur Böschungsoberkante nicht aufgebracht werden. Sind die Flächen stark geneigt, dürfen die oben genannten Stoffe nur auf bestellten Ackerflächen, bei Reihenkulturen mit einem maximalen Reihenabstand von 45 cm, bei größeren Reihenabständen nur mit etablierter Untersaat und bei Anwendung von Mulch- oder Direktsaatverfahren ausgebracht werden (§ 13 Abs. 2 Satz 4 Nr.5).
  4. Betriebe, auf die die folgenden Kriterien zutreffen sind von den Aufzeichnungspflichten befreit (§ 13 Abs. 2 Satz 4 Nr.11):
    • Bewirtschaftung von weniger als 10 ha landwirtschaftlicher Nutzfläche,
    • Anbau von höchstens bis zu einem Hektar Gemüse, Hopfen, Wein oder Erdbeeren,
    • jährlicher Nährstoffanfall aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft von nicht mehr als 500 kg N je Betrieb und
    • keine Aufnahme oder Ausbringung von Gärrückständen tierischer Herkunft aus Biogasanlagen.

Informationsveranstaltung

Am 12. Dezember 2019 fand ein Informationsaustausch zwischen dem Hessischen Bauernverband (HBV) und dem HLNUG statt. Dazu hier die dort gezeigte Präsentation und die zugrundeliegenden Messwerte.

Weitere Informationen zum Thema "Nitrat im Grund- und Rohwasser" finden Sie hier.