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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Arzneimittelrückstände in Hessischen Grund- und Rohwässern

Bereits seit 1996 führt das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie umfangreiche Studien zur Belastung von Hessens Grundwässern mit Pharmaka durch. In der Studie zur „Untersuchung der Beeinflussung von oberflächennahem Grundwasser durch stark belastete kleinere Fließgewässer in Südhessen“ konnten Rückstände von Pharmaka nachgewiesen werden.

 
Seit dem Jahr 2006 hat das Hessische Landesamt für Umwelt und Geologie die Parameter Clofibrinsäure, (Clofibrat), Diclofenac und Cabamazepin in die landesweiten Messprogramme zur Überwachung der Grundwasserbeschaffenheit aufgenommen. Die Auswahl dieser 4 Substanzen resultierte aus den Ergebnissen der bereits durchgeführten Studien hinsichtlich Arzneimittelrückstände in Grundwässern, bei denen bis zu 80 Arzneimittelwirkstoffe untersucht wurden. Es zeigte sich nämlich, dass bei positiven Befunden an Arzneimittelrückständen immer auch mindestens einer dieser 4 Substanzen beteiligt war. Durch diese Auswahl können der analytische Aufwand sowie die anfallenden Kosten wesentlich verringert werden.

Die Übersichtskarte visualisiert die Ergebnisse des seit 2006 laufenden Messprogramms „Arzneimittel“. Die Abbildung spiegelt den aktuellen Zustand (Mai 2012) wider. Zur Summenbildung wurden die 4 Leitparameter Clofibrinsäure, (Clofibrat), Diclofenac und Cabamazepin herangezogen. Insgesamt wurden Wässer aus 497 Grundwassermessstellen beprobt. Hiervon waren 456 Grundwässer (91,8 %) ohne positiven Befund. In rund 8 % der untersuchten Grundwässer wurden Arzneimittelrückstände detektiert. Eine Häufung der positiven Befunde ist im Ballungsraum Rhein-Main und im Hessischen Ried bzw. Südhessen festzustellen. Durch die höhere Bevölkerungsdichte und den damit verbundenen höheren Anfall an häuslichen Abwässern steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Arzneimittelrückstände in den Grundwasserraum gelangen können. Gleichfalls existiert in einigen Bereichen des Hessischen Rieds eine merkliche Interaktion zwischen Grund- und Oberflächenwasser, die den Eintrag von Schadstoffen vom Vorfluter in das Grundwasser begünstigt. In den Grund- und Rohwässern der meist ländlich geprägten Regionen Mittel- und Nordhessens werden dagegen keine Arzneimittelrückstände nachgewiesen.

Übersichtskarte Arzneimittelrückstände in Hessischen Grund- und Rohwässern