Ob Windkraftanlagen, Elektroautos oder digitale Infrastruktur: Kupfer ist für die Energiewende und die Digitalisierung unverzichtbar. Gleichzeitig ist Deutschland bei der Versorgung mit dem Metall stark auf Importe angewiesen. Welche Bedeutung haben heimische Kupfervorkommen? Und wie lässt sich Kupfer künftig effizienter recyceln? Mit diesen Fragen befasst sich heute die Hessische Rohstoff- und Ressourcenkonferenz des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) in Frankfurt.
Fachleute aus Verwaltung, Wissenschaft und Wirtschaft diskutieren, welche Potenziale in hessischen Kupfervorkommen und im Recycling liegen und welche Herausforderungen damit verbunden sind. Staatssekretär Michael Ruhl eröffnet die Veranstaltung mit einem Grußwort.
Versorgungssicherheit: Kupfer gewinnt an strategischer Bedeutung
Der weltweite Bedarf an Kupfer steigt mit dem Ausbau erneuerbarer Energien, der Elektromobilität und digitaler Technologien. Zugleich konzentriert sich die Gewinnung auf vergleichsweise wenige Länder. Das macht die Versorgung anfällig für geopolitische Entwicklungen und Lieferengpässe. Die Europäische Union hat Kupfer deshalb als strategischen Rohstoff eingestuft. Der Critical Raw Materials Act (CRMA), die EU-Verordnung über kritische Rohstoffe, soll unter anderem dazu beitragen, die Versorgungssicherheit zu stärken und die europäischen Kapazitäten bei Gewinnung, Verarbeitung und Recycling auszubauen.
Staatssekretär Michael Ruhl sagte: „Kupfer ist eines der wichtigsten Industriemetalle unserer Zeit. Eine sichere Rohstoffversorgung ist deshalb auch eine Frage unserer wirtschaftlichen und strategischen Souveränität. Dabei liegt großes Potenzial in unserer bestehenden Infrastruktur als Rohstoffquelle der Zukunft. Wer Ressourcen effizient nutzt und Wertstoffe im Kreislauf hält, stärkt unsere Unabhängigkeit, fördert Innovationen und sichert die Wettbewerbsfähigkeit unseres Wirtschaftsstandorts.”
Kupferschiefer in Hessen: Historische Bohrkerne liefern neue Erkenntnisse
Welche Bedeutung die europäische Rohstoffpolitik für Hessen hat, erläutert Thomas Bode vom Hessischen Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat (HMLU). Im Fokus stehen dabei auch die nationalen Explorationsprogramme, die von den Mitgliedstaaten aufzusetzen sind. Ziel dieser Programme ist es, mögliche Vorkommen kritischer Rohstoffe in den jeweiligen Ländern zu identifizieren und ihr Potential zu bewerten. Vor diesem Hintergrund haben auch Explorationsuntersuchungen zum Kupferschiefer-Potenzial im Richelsdorfer Gebirge in Nordhessen begonnen.
Prof. Dr. Gregor Borg stellt auf der Konferenz Erkenntnisse aus den Untersuchungen des Explorationsunternehmens GreenX Metals vor. Das HLNUG hat dem Unternehmen dafür historische Bohrkerne zur Verfügung gestellt. Die Proben stammen aus den 1970er- und 1980er-Jahren und wurden im HLNUG archiviert. Ihre erneute Untersuchung ermöglicht es, vorhandenes geologisches Material für neue Fragestellungen zu nutzen und zusätzliche Erkenntnisse über den Untergrund Hessens zu gewinnen.
„Unsere Aufgabe ist es, die geologischen Grundlagen Hessens wissenschaftlich zu untersuchen und belastbare Informationen über seine Rohstoffpotenziale bereitzustellen. Im Kontext des CRMA erhalten die hessischen Kupfervorkommen eine ganz neue Relevanz. Unsere Bohrkerne können jetzt für die Forschung genutzt und neue Daten über die hessische Geologie gewonnen werden“, sagt Dr. Sven Rumohr, Leiter des HLNUG-Dezernats Rohstoffgeologie und Geoenergien.
Kupfer im Kreislauf halten: Recycling als wichtiger Baustein
Neben der Untersuchung heimischer Vorkommen steht die Rückgewinnung bereits genutzter Rohstoffe im Mittelpunkt der Konferenz. Kupfer lässt sich ohne Qualitätsverlust wiederholt recyceln und bietet damit gute Voraussetzungen für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft. Dennoch ist die Rückgewinnung mit Herausforderungen verbunden: Kupfer steckt in zahlreichen Produkten und Verbundmaterialien, die zunächst erfasst, getrennt und aufbereitet werden müssen.
Der Nachmittag widmet sich deshalb Strategien und Technologien, mit denen sich Sekundärkupfer effizienter gewinnen lässt. Fachbeiträge aus Wissenschaft und Praxis beleuchten unter anderem die Möglichkeiten des Urban Mining sowie innovative Trenn- und Sortiertechniken. Zudem werden Einblicke in praktische Erfahrungen der Kupferaufbereitung ermöglicht und Erfolge, Herausforderungen und weitere Optimierungsmöglichkeiten aufgezeigt.
„Eine zukunftsfähige Rohstoffversorgung braucht beides: einen verantwortungsvollen Umgang mit heimischen Rohstoffpotenzialen und eine möglichst effiziente Nutzung bereits vorhandener Ressourcen. Die Konferenz bringt diese Perspektiven zusammen. Sie zeigt, welche wissenschaftlichen Erkenntnisse und technischen Ansätze dazu beitragen können, Rohstoffe besser zu nutzen und Stoffkreisläufe zu schließen“, sagt Dr. Gabriele Aderhold, Stellvertretende Leiterin des HLNUG.
Weitere Informationen
Das vollständige Programm der Veranstaltung sowie weiterführende Informationen zur Rohstoff- und Ressourcenkonferenz finden Sie unter: hlnug.de/themen/ressourcenschutz-und-kreislaufwirtschaft-abfall/hessische-ressourcenschutzkonferenz