Die Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle in Deutschland geht voran: Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat am 27. Oktober 2026 zum dritten Mal einen aktuellen Arbeitsstand veröffentlicht. Daraus geht hervor, dass in Hessen keine Region für ein Endlager in Frage kommt. Die Ergebnisse sind Teil eines laufenden Auswahlverfahrens und stellen noch keine Entscheidung über einen Endlagerstandort dar.
Die Auswahl eines Endlagerstandorts ist ein sehr komplexer Prozess, der geologische Eignung, langfristige Sicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz vereinen muss. Ziel ist, Ende 2027 mehrere Standortregionen vorzuschlagen, die eine bestmögliche Sicherheit für die Endlagerung erwarten lassen. Der geologische Landesdienst im Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) begleitet diesen Suchprozess.
Bereits seit 2020 konzentrierte sich die Suche in Hessen nur noch auf Teilgebiete in Süd-, Nord- und Nordosthessen, welche etwa 15 Prozent der Landesfläche umfassten. 2024 hatte die BGE bereits für Nord- und Nordosthessen voraussichtlich ungeeignete Steinsalz-Gebiete bekannt gegeben. 2025 folgte ein großer Teil des hessischen Kristallin-Gebietes, der aus der weiteren Endlagersuche ausscheidet. Lediglich ein kleiner Teil des Bergsträßer Odenwaldes wurde weiter geprüft. Dieses Gebiet sowie bisher nicht kategorisierte Steinsalz-Gebiete in Nord- und Osthessen wurden nun ebenfalls ausgeschlossen.
Wohl kein Endlager in Hessen
Mit dem „BGE Endlagersuche Navigator“ können die Zwischenergebnisse des Auswahlprozesses in einer interaktiven Karte abgerufen werden, auf welcher der aktuelle Bearbeitungsstand einzelner Gebiete ortsgenau veranschaulicht ist. In diesem Jahr wurden erstmals Gebiete der Kategorie B veröffentlicht, welche trotz guter Eignung den letzten von vier Prüfschritten nicht bestanden haben und nicht als Standortregion für weitere Forschung in Frage kommen.
Im November 2024 wurde bereits der Großteil des hessischen Anteils am Teilgebiet „Solling-Becken“ nördlich von Kassel sowie die südöstlich von Eschwege liegenden Teilbereiche des Teilgebietes „Thüringer Becken“ in die Kategorie D (ungeeignet) eingestuft. Ein Jahr darauf wurden das komplette Teilgebiet „Nördliche Phyllitzone“ südlich Heusenstamm sowie ein Großteil des hessischen Anteils vom Teilgebiet „Mitteldeutsche Kristallinzone“ in Südhessen in die Kategorie C (gering geeignet) eingestuft. Ein kleiner Teil des Bergsträßer Odenwaldes südlich Lindenfels bis zur südlichen Landesgrenze im Kreis Bergstraße hatte die beiden ersten Prüfschritte weitgehend bestanden und wurde jetzt in die Kategorie B (gute Eignung) eingeordnet. Für die verbliebenen hessischen Steinsalz-Gebiete wurden heute die Kategorien C und D für das Teilgebiet „Werra-Fulda-Becken“ in Osthessen und Kategorie C für den nördlichen Teil des Teilgebietes „Solling-Becken“ bekanntgegeben.
Die BGE weist darauf hin, dass die Zwischenergebnisse nicht verbindlich sind, sondern sich im Laufe der weiteren Arbeiten noch ändern können, etwa durch neue wissenschaftliche Erkenntnisse. Ende 2027 wird die BGE abschließende Vorschläge für Standortregionen zur übertägigen Erkundung vorlegen, die dann vom Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) geprüft werden. Am Ende beschließen nicht BGE oder BASE über die zu erkundenden Standortregionen, sondern der Deutsche Bundestag.
Das HLNUG begleitet das Suchverfahren mit geologischen Daten und Stellungnahmen für Hessen
Der geologische Landesdienst im HLNUG unterstützt die Endlagersuche mit geologischen Daten und fachlicher Expertise. Seit 2017 hat das HLNUG rund 500.000 geologische Datensätze für das Verfahren bereitgestellt und über 300 fachliche Stellungnahmen zu den geologischen Standortbedingungen bei Bohrvorhaben ab 100 m in den hessischen Teilgebieten erstellt. Mithilfe dieser Stellungnahmen holen die hessischen Genehmigungsbehörden das erforderliche Einvernehmen zur Durchführung von solchen Bohrungen in den Teilgebieten beim BASE ein. Das HLNUG bewertet zudem Berichte und Methodiken der BGE aus hessischer Sicht und berät die hessische Politik sowie die zuständigen Behörden. Damit trägt das Landesamt dazu bei, die geologischen Grundlagen des Auswahlverfahrens fachlich fundiert einzuordnen.
Mit der Veröffentlichung des Vorschlags für Standortregionen Ende 2027 beginnt ein weiterer wichtiger Verfahrensschritt. In den ausgewählten Regionen sind Regionalkonferenzen vorgesehen, die der Beteiligung der Öffentlichkeit dienen.
Hintergrund
Seit 2017 wird die Standortsuche nach dem Standortauswahlgesetz (StandAG) durchgeführt und soll den Standort mit der bestmöglichen Sicherheit für die Endlagerung der hochradioaktiven Abfälle ermitteln. Geeignete Gesteinsarten für die Endlagerung sind kristalline Wirtsgesteine (z. B. Granit), Tongestein und Steinsalz.
Die BGE ist als Vorhabenträgerin im Auftrag des Bundes für die Suche nach dem Standort zuständig. Der Prozess ist in drei Phasen unterteilt: „Ermittlung von Standortregionen“ (Phase I), „übertägige Erkundung“ (Phase II) und „untertägige Erkundung“ (Phase III). Im September 2020 hat die BGE nach Auswertung der bundesweit erhobenen geologischen Daten in einem ersten Schritt der Phase I deutschlandweit insgesamt 90 Teilgebiete mit einer Fläche von ca. 240.874 km² (insgesamt 54% der Fläche von Deutschland und 15% von Hessen) definiert, welche günstige geologische Voraussetzungen für die Endlagerung hochradioaktiver Abfälle in einem der drei Wirtsgesteine erwarten lassen. Für Hessen wurden fünf Teilgebiete ausgewiesen: zwei in Südhessen (kristallines Wirtsgestein) und drei in Nordosthessen (Steinsalz in flacher Lagerung).
Momentan läuft der zweite Schritt der ersten Phase des Auswahlprozesses mit dem Ziel, aus den bereits identifizierten Teilgebieten bis Ende 2027 eine möglichst geringe Zahl an Standortregionen für die übertägigen Untersuchungen durch die BGE zu bestimmen. Das HLNUG hat hierzu der BGE bereits 2022 Empfehlungen zur Methodenentwicklung für diese repräsentativen vorläufigen Sicherheitsuntersuchungen (rvSU) aus hessischer Sicht vorgelegt.
QUELLE: Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie
Weitere Informationen:
- https://www.hlnug.de/themen/geologie/nutzung-tiefer-untergrund/standortauswahlgesetz-endlagersuche
- Standortauswahlgesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/standag_2017/BJNR107410017.html
- BGE Endlagersuche Navigator: https://navigator.bge.de/phase-i-schritt-2/der-weg-zu-den-standortregionen
- Informationsveranstaltung der BGE 2026, Livestream 27.10.2026, 18 Uhr und später verfügbar: https://www.youtube.com/watch?v=lfl56MfaD8A
- Zwischenbericht Teilgebiete der BGE: https://www.bge.de/de/endlagersuche/zwischenbericht-teilgebiete/