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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Rebsorteneignung

Chancen für Winzer?
Rebsorteneignung in hessischen Weinbaugebieten

Im hessischen Rheingau werden überwiegend Rieslingtrauben angebaut. Für diese bietet der Rheingau ideale klimatische Bedingungen.
Infolge des sich verändernden Klimas ist ein Wandel hinsichtlich der anbaugeeigneten Rebsorten für bestimmte Weinanbaugebiete möglich. Erhöhte Temperaturen könnten in besonders warmen Jahren den Anbau wärmebedürftiger Rebsorten wie Merlot, Cabernet Sauvignon und sogar Syrah in hessischen Weinbaugebieten ermöglichen und könnte zu einer Verschiebung des Rebsortenspiegels im Zusammenhang mit dem Klimawandel führen.

Definition und Berechnungsweg
Der Indikator Rebsorteneignung basiert auf der Berechnung einer Temperatursumme. Dabei wird ein Wärmesummenindex (Huglin) als Maß zur Beurteilung der Anbaufähigkeit bestimmter Rebsorten herangezogen. Der Index gibt Auskunft, ob der Mindestwärmebedarf bestimmter Rebsorten in einer Region erfüllt wird.
Dafür wird das Mittel aus Tagesmittel- und Tagesmaximum-Temperatur gebildet. Liegen die Werte über der Schwelle von 10 °C, werden sie für den Zeitraum vom 1.4. bis zum 30.9. des jeweiligen Jahres aufsummiert. Die Summe ist vom Breitengrad des Standortes abhängig und für den Rheingau bestimmt, so dass die Tageslängen in den nördlichen Breiten in die Gleichung mit einbezogen werden.
Der Index gibt jedoch lediglich die untere Grenze für den Anbau bestimmter Sorten an. Mit steigendem Huglin-Index wird der Anbau thermisch anspruchsvollerer Sorten möglich. Als Minimalbedingungen für ebene Flächen wurden folgende Klassen definiert:

Huglin-IndexAusgewählte anbauwürdige Rebsorten
unter 1500kein Anbau empfohlen
ab 1500Müller-Thurgau
ab 1600Weißer Burgunder, Gamay noir
ab 1700Riesling, Chardonnay, Sauvignon blanc, Spätburgunder
ab 1800Cabernet franc
ab 1900 Chinon blanc, Cabernet sauvignon, Merlot
ab 2000Ugni blanc
ab 2100Grenach noir, Syrah
ab 2200 Carignan
ab 2300Aramon

 

Hinweise zur Interpretation der Werte
Der für den Rheingau typische Riesling hat ein Huglin-Optimum zwischen 1700 und 2000. Der Index gibt jedoch lediglich die untere Grenze für den Anbau bestimmter Sorten an. In den besonders warmen Jahren wäre der Anbau wärmebedürftigerer Sorten wie Merlot (Optimum zwischen 1900-2000) oder Syrah (Optimum zwischen 2100-2200) in Hessen möglich gewesen. Ein positiver Trend des Wärmesummenindex ist seit Beginn der Aufzeichnungen, insbesondere jedoch in den letzten Jahrzehnten, zu beobachten.