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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Umweltindikatoren Hessen

Landschaftszerschneidung

  1. Anteil der unzerschnittenen verkehrsarmen Räume (UZVR) über 100 km² an der Landesfläche [%] [1]
  2. Mittlerer Zerschneidungsgrad (effektive Maschenweite meff) [km²] [1]

 

Bedeutung

Die Ausweisung neuer Bauflächen für Gewerbe und Wohnen, der Neu- und Ausbau von Straßen und anderer Infrastruktur sowie der stetig wachsende Verkehr führen zum Verlust, zur Verkleinerung und zunehmenden Zerschneidung der Lebensräume. Die anlage- und betriebsbedingten Auswirkungen der Infrastruktur tragen zunehmend zur Gefährdung von Tierarten und ihren Lebensräumen bei. Für Tierarten mit hohem Raumbedarf und großem Aktionsradius sind große unzerschnittene Lebensräume unabdingbar. Vor allem große Säugetiere mit hohem Raumbedarf können sich nur noch eingeschränkt in der Landschaft, d.h. ohne Überquerung des Straßennetzes bewegen. Die Mortalität dieser Arten auf Straßen mit hoher Belegung nimmt stark zu, wenn nicht gar eine Überquerung des Straßennetzes völlig unterbrochen wird. Die Begegnungsmöglichkeit von Tieren derselben Art ist eine wesentliche Bedingung für den Austausch der Gene und das Überleben der Population. Auch für das Naturerleben der Menschen und die Erholungsqualität ist es wichtig, Räume zu erhalten, die großflächig unzerschnitten und nicht verlärmt sind. Räume mit geringer Zersiedelung, Zerschneidung und Verlärmung stellen eine endliche Ressource dar und können, wenn überhaupt, dann nur mit hohem Aufwand wiederhergestellt werden.
Ein niedriger Zerschneidungsgrad der Landschaft und große unzerschnittene Räume sind deshalb wesentliche Prüfsteine für eine nachhaltige Entwicklung.

Definition

Der Indikator misst das Ausmaß der Zerschneidung der Landschaft durch technische Elemente, von denen Störungen für wild lebende Tiere sowie für Naturerleben und Erholungseignung ausgehen. Als technische Elemente, die die Landschaft zerschneiden, werden für diesen Indikator berücksichtigt:
• alle Straßen ab einer Verkehrsstärke von 1000 KfZ/24 h
• zweigleisige und eingleisige elektrifizierte, nicht stillgelegte Bahnstrecken
• Ortslagen
• Flughäfen
• Kanäle mit dem Status einer Bundeswasserstraße der Kategorie IV oder größer
Bei Straßen und Bahnlinien werden Tunnels ab einer Länge von 1000 m als Unterbrechung berücksichtigt.

Die Landschaftszerschneidung wird in zwei Teilindikatoren dargestellt.

Zu 1.) Anteil der unzerschnittenen verkehrsarmen Räume (UZVR) über 100 km² an der Landesfläche
Dies sind die letzten großen Räume, die von keinem der oben genannten Elemente zerschnitten werden. Große unzerschnittene verkehrsarme Räume sind als besonders schutzwürdige Flächen anschaulich und leicht vermittelbar.

Zu 2.) Mittlerer Zerschneidungsgrad (effektive Maschenweite meff )
Der mittlere Zerschneidungsgrad des Landes, ausgedrückt durch die effektive Maschenweite (meff in km2). Die effektive Maschenweite ist ein errechneter Mittelwert für die "Maschengröße" des Verkehrsnetzes nach der Methode von JAEGER, die neben der Größe aller Teilräume auch die Struktur der Zerschneidung des gesamten betrachteten Raums berücksichtigt (JAEGER et al. 2001, JAEGER 2002). Die effektive Maschenweite ermöglicht flächendeckende Aussagen unter Berücksichtigung aller verbleibenden Flächen, besonders für Regionen, in denen es kaum noch große unzerschnittene verkehrsarme Räume gibt.
Die effektive Maschenweite (oder Maschengröße) meff ist proportional der Wahrscheinlichkeit, dass zwei beliebig ausgewählte Punkte, die in einem Gebiet liegen, nach der Zerschneidung des Gebietes noch gemeinsam in derselben Fläche liegen. Die effektive Maschenweite wird als Flächengröße in km2 angegeben. Je mehr Siedlungen und Straßen sich in einem bestimmten Gebiet befinden, umso geringer wird die Wahrscheinlichkeit der Unzerschnittenheit und desto mehr sinkt die effektive Maschenweite.
Einzelheiten der Berechnung werden in einer Technischen Anleitung zur Berechnung des UMK-Indikators dokumentiert, die mit dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) abgestimmt wurde.

Datenquelle

Die Daten werden auf Grundlage des Digitalen Landschaftsmodells im Maßstab 1:250.000 (DLM 250) von der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) in einem 5-jährigen Zählrhythmus bis zu den Landesstraßen erhoben und vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) durch Kreisstraßenzählungen ergänzt. Im Rahmen eines Forschungsprojektes hat das BfN für 2010 die Verkehrsstärken bundesweit modellieren lassen. Aufgrund der höheren Genauigkeit sind die Ergebnisse für 2010 mit den Vorjahren nur eingeschränkt vergleichbar.

  

JahrAnteil UZVR > 100 km2Effektive Maschenweite (meff)

2005

15,37 %56,11 km2
201015,33 %55,73 km2

Datenquelle: BfN

Bestandsanalysen in Hessen

Im Auftrag des damaligen Hessischen Landesamtes für Umwelt und Geologie (HLUG) wurde in den Jahren 2003 und 2004 eine Bestandsanalyse der Landschaftszerschneidung in Hessen durchgeführt, die im Jahr 2006 eine letztmalige Fortsetzung fand. Ziel der Bearbeitung war eine Raumcharakterisierung, die nicht nur punktuelle Raumbewertungen ermöglicht, sondern auch flächenbezogene Aussagen zur Zerschneidung treffen kann.
Im Jahr 2005 wurde in einem Statusbericht für das damalige HLUG die historische Entwicklung der Landschaftszerschneidung in Hessen von 1930 bis 2002 dargestellt. 


[1] Diese Indikatoren gehören zu einem gemeinsamen Satz von 24 umweltspezifischen Nachhaltigkeitsindikatoren (Umweltindikatoren) des Bundes und der Länder (siehe Länderinitiative Kernindikatoren – LiKi), der erstmals 2004 von der Umweltministerkonferenz beschlossen wurde (UMK-Indikatoren).