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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

BodenKlimawandel und AnpassungWasser

Im Blickpunkt: Trockenheit in Hessen

Wegen geringer Niederschläge trocknen Boden und Fließgewässer aus. Das Grundwasser sinkt.

Ausgetrockneter Weil bei Rod

© Ines Walter/RP Gießen

Der Juli 2020 fiel mit einem landesweiten Mittelwert von 29 Millimetern Niederschlag sehr trocken aus. Er war der siebttrockenste Juli in Hessen seit 1881. Da es schon seit April zu wenig geregnet hat und bisher mehr als 60 Millimeter Regen gegenüber dem langjährigen Mittel fehlen, hat sich die Niedrigwassersituation der Vormonate mit vielerorts niedrigen Pegelständen an Flüssen und Bächen verschärft – vor allem in den Oberläufen kleinerer Gewässer. Aktuell liegen die Durchflüsse bei mehr als zwei Dritteln der Gewässer unter dem mittleren Niedrigwasserwert (MNQ). Einige Bäche wie zum Beispiel die Weil, ein Nebengewässer der Lahn, sind im Oberlauf bereits trockengefallen.

Da es in den nächsten Tagen allenfalls zu kurzzeitig lokalen Gewitterregen kommt, ist nicht damit zu rechnen, dass sich die Pegelstände dauerhaft erholen. Dazu wäre langanhaltender Dauerregen erforderlich. Die kurzen, teils starken, Schauer können das Wasserdefizit nicht ausgleichen.

Der Wald, der in Hessen über 42 Prozent ausmacht, leidet unter dem Wassermangel: Zwar besitzen Wälder ein großes Anpassungspotenzial an Veränderungen der Umweltbedingungen. Dennoch wirken sich klimatische Veränderungen, beispielsweise häufigere und stärkere Extremereignissen wie langanhaltende Hitze- und Trockenperioden, stark auf die Vitalität der Wälder aus. Die jährliche Absterberate aller Baumarten wird nicht nur kurzfristig von solchen Ereignissen beeinflusst, sondern kann auch noch Jahre später erhöhte Absterberaten durch Folgeschäden aufweisen.

Auch in den hessischen Böden nimmt die Feuchte ab. Standorte mit leichten Böden, die nur wenig Wasser halten können, trocknen besonders schnell aus – mit teilweise gravierenden Folgen für Bodenleben und Pflanzenwachstum. Die zunehmenden Dürreperioden in den Sommermonaten machen vielen Tier- und Pflanzenarten, die auf kühle und feuchte Lebensräume angewiesen sind, zu schaffen. Sie gelten schon jetzt als potenzielle Klimaverlierer.

Ende Juli gingen landesweit die Grundwasserstände und Quellschüttungen zurück. Aufgrund der allgemein hohen Verdunstungsraten gelangt im hydrologischen Sommerhalbjahr von Mai bis Oktober kaum noch Niederschlag in tiefere Bodenschichten und erreicht das Grundwasser. Zum Juliende bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 60 Prozent der Messstellen auf einem unterdurchschnittlichen, an 31 Prozent auf einem durchschnittlichen und an neun Prozent auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Im Jahresvergleich lagen die Stände Ende Juli zwar vielerorts noch auf einem etwas höheren Niveau als im Vorjahr, wegen der andauernden Trockenheit gab es gegen Ende des Monats aber zunehmend niedrige Grundwasserstände. Durch die ungleiche Niederschlagsverteilung und unterschiedliche Gebietseigenschaften bestehen regionale Unterschiede.

Im weiteren Verlauf des hydrologischen Sommerhalbjahres wird die Bodenfeuchte und das pflanzenverfügbare Bodenwasser je nach Standort tendenziell weiter abnehmen und die Grundwasserstände werden voraussichtlich weiter sinken. Für den Fall, dass die nächsten Monate trocken ausfallen, wäre im Herbst mit ähnlich niedrigen Ständen wie im letzten Jahr zu rechnen. Ein Ausgleich des Grundwasser- und Bodenfeuchte-Defizits, das aus den letzten beiden Jahren resultiert, wird erst wieder im kommenden hydrologischen Winterhalbjahr möglich sein.

Aufgrund des Klimawandels wird es in Zukunft immer mehr sehr heiße, trockene Sommer mit Hitzegewittern und Starkregen geben. Der Regen wird sich regional sehr ungleich verteilen: Während in manchen Gegenden kaum ein Tropfen ankommt, werden andere Regionen von Regen geflutet.

Es wird sich ein semiarides Klima einstellen, wie es im Moment im Mittelmeerraum vorherrscht. Wie intensiv dies ausfällt, hängt davon ab, wie viele Treibhausgase weltweit, aber auch in Deutschland und Hessen, ausgestoßen werden. Wird die globale Erderwärmung nicht auf zwei Grad Celsius begrenzt, steigt die globale Jahresmitteltemperatur um vier Grad an – das bedeutet konkret: Hitzesommer wie 2003, 2018 und 2019 werden dann rückblickend eher unterdurchschnittliche Sommer sein. Die Prognosen weisen darauf hin, dass es zum Ende des Jahrhunderts wesentlich heißere Sommer mit längeren Trockenperioden geben wird.
 

Informationen zu Niedrigwasser und aktuelle Pegelstände:

www.hlnug.de/themen/wasser/niedrigwasser

www.hlnug.de/static/pegel/wiskiweb2
 

Informationen zum Grundwasser und aktuelle Grundwasserstände:

www.hlnug.de/themen/wasser/grundwasser/grundwasserstaende-und-quellschuettungen

www.hlnug.de/themen/wasser/grundwasser/aktuelles

www.hlnug.de/static/pegel/wiskiweb2
 

Informationen zum Thema Boden:

www.hlnug.de/themen/boden
 

Informationen zum Klimawandel in Hessen:

www.hlnug.de/themen/klimawandel-und-anpassung