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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Luftschadstoffe

Anorganische Luftschadstoffe

Kohlendioxid stellt keinen Schadstoff im herkömmlichen Sinne mit toxischen Eigenschaften dar. Als zentrales Stoffwechselprodukt von Mensch, Tier und Pflanzen ist es für das Leben auf der Erde unverzichtbar und in atmosphärischer Luft enthalten. Die Zunahme der CO2-Konzentration hat aber negative Folgen, denn sie trägt wesentlich zur beobachteten globalen Erwärmung der Erdoberfläche, dem so genannten Treibhauseffekt, bei. In Hessen wird CO2 seit 1995 an der Umweltbeobachtungs- und Klimafolgenforschungsstation Linden gemessen und seit Ende 2001 außerdem an der Messstation Wasserkuppe (Biosphärenreservat Rhön).

Kohlendioxid ist ein farb- und geruchloses, unbrennbares Gas. Unter -78,5° C liegt es in fester Form (als Trockeneis) vor. CO2 ist gut wasserlöslich; etwa 0,1 % des gelösten Kohlendioxids reagiert mit Wasser zu Kohlensäure. Aus diesem Grund weist Regenwasser einen natürlichen pH-Wert von etwa 5,6 auf.

Für Kohlendioxid gibt es natürliche und anthropogene Quellen. Der Hauptteil des in der Atmosphäre vorhandenen Kohlendioxids geht auf natürliche Prozesse zurück. Die wesentliche anthropogene CO2-Quelle resultiert aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe zur Energieerzeugung. Die Emissionen stammen dabei ungefähr zu gleichen Teilen von der Industrie, der Gebäudeheizung und dem Kfz-Verkehr.

Kohlendioxid stellt die Schlüsselverbindung im komplexen Kohlenstoffkreislauf der Natur dar. Von den verschiedenen Quellen und Senken sollen hier nur einige beispielhaft genannt werden. CO2 wird u. a. freigesetzt von Vulkanen und Mineralquellen, bei mikrobiellen Prozessen in Humusböden sowie bei der Atmung. Aus der Atmosphäre entfernt wird es auf physikalischem Wege z. B. durch das Lösen im Ozeanwasser sowie durch biologische Prozesse, indem es von Grünpflanzen gebunden wird (bei der Photosynthese wird CO2 zusammen mit Wasser mit Hilfe der Sonnenenergie in Kohlenhydrate überführt). Es besitzt nicht - wie viele andere Schadgase - Senken durch chemische Prozesse in der Atmosphäre. Da CO2 in zahlreiche biologische, physikalische und geologische Kreisläufe eingebunden ist, die in stark unterschiedlichen Zeitskalen ablaufen, kann für seine atmosphärische Lebensdauer kein bestimmter Wert angegeben werden.

In der Umwelt hat CO2 in den dort üblicherweise vorkommenden geringen Konzentrationen keine negativen Wirkungen auf Menschen, Tiere, Pflanzen und Sachgüter; daher ist auch kein Grenz- oder Richtwert zur Bewertung von Immissionskonzentrationen vorhanden. Eine Zunahme des CO2-Gehalts in der Atmosphäre führt bei Pflanzen in der Regel zu einem verstärkten Biomassewachstum und einer verbesserten Wassernutzungseffizienz. Daneben haben steigende CO2-Werte aber auch unerwünschte Folgewirkungen: die Verschiebung im Spektrum von Pflanzenarten sowie insbesondere den anthropogenen Treibhauseffekt, auf den im Folgenden eingegangen wird. 

Zunächst wird der natürliche Treibhauseffekt kurz beschrieben: Die auf die Erde fallende Sonnenstrahlung wird dort fast vollständig absorbiert und als Wärmestrahlung wieder in die Atmosphäre abgestrahlt. Bestimmte klimawirksame Spurengase haben die Fähigkeit, Teile dieser Wärmestrahlung zu absorbieren, was eine Aufwärmung der Erdoberfläche bewirkt. Durch diesen Mechanismus wird die mittlere Temperatur der Erdoberfläche von (den theoretisch zu erwartenden) ca. -18 °C auf +15 °C angehoben. Die wichtigsten natürlichen Treibhausgase sind Wasserdampf, Kohlendioxid und stratosphärisches Ozon (der natürliche Treibhauseffekt geht zu zwei Dritteln auf Wasserdampf, zu einem Viertel auf Kohlendioxid und zu einem Zehntel auf andere Spurengase zurück).

Daneben gibt es den anthropogenen Treibhauseffekt (oft auch verkürzt nur als Treibhauseffekt bezeichnet), mit dem ein weiterer Temperaturanstieg aufgrund der Konzentrationszunahme bestimmter klimawirksamer Spurengase gemeint ist. Bedingt durch deren umfangreiche Freisetzung wird der natürliche Treibhauseffekt zusätzlich verstärkt, was eine Klimaänderung zur Folge hat. Für den anthropogenen Treibhauseffekt sind im Wesentlichen Kohlendioxid (zu etwa 60 %), Methan, Distickstoffoxid und Halogenkohlenwasserstoffe verantwortlich. Das Kyoto-Protokoll von 1997 hat zum Ziel, die Emissionen der wichtigsten anthropogenen Treibhausgase einzuschränken.

Die Erhöhung der mittleren Oberflächentemperatur von 0,6 ° im 20. Jahrhundert ist weitgehend auf die gestiegenen atmosphärischen Konzentrationen der genannten Gase zurückzuführen, wie wissenschaftlich nachgewiesen wurde. Nach offiziellen Prognosen wird die mittlere Temperatur bis zum Jahr 2100 um 1,4 ° bis 5,8 ° ansteigen. Dies klingt nach nicht viel, jedoch unterschieden sich die bisher heißesten und kältesten Phasen der Erdgeschichte nach heutiger Kenntnis jeweils nur um +5 bzw. -5 ° von der jetzigen Durchschnittstemperatur. Der Klimawandel beinhaltet u. a. einen Anstieg der Meeresspiegel, die Verschiebung von Niederschlagszonen, die Zunahme extremer Wetterereignisse (wie Stürme und Überschwemmungen) und die Bedrohung der Artenvielfalt.

Die CO2-Konzentrationen in der Atmosphäre haben sich in den vergangenen 160 000 Jahren im Bereich von ca. 200 bis 270 ppm bewegt. Seit Beginn der Industrialisierung hat der Verbrauch fossiler Brennstoffe enorm zugenommen mit der Folge, dass seitdem der CO2-Gehalt stark angestiegen ist: In den letzten 250 Jahren hat er sich von ca. 280 ppm auf heute fast 380 ppm erhöht (Anmerkung: 1 ppm CO2 entspricht 1,83 mg/m3 CO2 bei 20 °C).

Ab 1958 wurde die atmosphärische CO2-Konzentration in emissionsfernen Dauermessungen auf Hawaii ermittelt. Das Ergebnis dieser Messungen zeigt die Graphik links oben, in der die Zunahme der CO2-Werte deutlich zu sehen ist. Die regelmäßigen Schwankungen innerhalb der Kurve stellen den Jahresgang dar, der durch die jahreszeitlichen Unterschiede in der Vegetationsaktivität zustande kommt.


Aktuelle Messwerte der Kohlendioxid-Konzentrationen finden Sie im Messdatenportal an unseren Stationen in Linden und Wasserkuppe

Kohlenmonoxid ist ein farb- und geruchloses, brennbares, schlecht wasserlösliches Gas. Es entsteht hauptsächlich bei der unvollständigen Verbrennung fossiler Brennstoffe. Dabei ist das Verhältnis von Kohlenmonoxid zu Kohlendioxid, das sich gleichzeitig als Produkt der vollständigen Verbrennung von Kohlenstoff bildet, stark von den Randbedingungen des Verbrennungsprozesses wie z. B. dem Sauerstoffangebot abhängig. Als anthropogene Quelle für CO ist vor allem der Kfz-Verkehr zu nennen, der den größten Beitrag zu den CO-Emissionen liefert.

In der freien Atmosphäre wird Kohlenmonoxid nur langsam zu Kohlendioxid oxidiert; die Reaktion wird durch UV-Strahlung und Wärme begünstigt. Die mittlere Verweilzeit von CO wird auf einige Monate geschätzt.

Die Giftigkeit von Kohlenmonoxid beruht darauf, dass über die Lunge aufgenommenes CO an das Hämoglobin des Blutes angelagert wird und dadurch den Mechanismus des Sauerstofftransports stört.

In der 39. BImSchV wird für Kohlenmonoxid folgender Grenzwert zum Schutz vor Gesundheitsgefahren angegeben:

  • max. 8-h-Wert: 10 mg/m3

Den zeitlichen Verlauf der CO-Jahresmittelwerte in verschiedenen hessischen Regionen zeigt folgende Graphik. Durch erfolgreiche emissionsmindernde Maßnahmen sind die Konzentrationen in der Vergangenheit zurückgegangen.


Aktuelle Messwerte der Kohlenmonoxid-Konzentrationen finden Sie hier

Bei Ozon in der Atmosphäre muss man grundsätzlich zwischen zwei Fällen unterscheiden:

  • In der oberen Atmosphäre (Stratosphäre, 10 - 50 km Höhe) stellt Ozon einen natürlichen Bestandteil dar. Im Höhenbereich von 20 - 30 km befindet sich die sog. Ozonschicht, die einen lebensnotwendigen Schutz für das Leben auf der Erde gegen energiereiche UV-Strahlung bildet. Die Ausdünnung dieser Ozonschicht durch langlebige, ozonzerstörende Substanzen wird mit dem Schlagwort "Ozonloch" bezeichnet.
  • In der unteren Atmosphäre (Troposphäre) wirkt Ozon hingegen als Schadgas mit negativen Auswirkungen auf Organismen. Ein Teil des hier vorkommenden Ozons stammt aus der Stratosphäre; der Rest wird aus Vorläufersubstanzen gebildet, die entweder natürlich vorhanden sind oder aber auf anthopogene Emissionen zurückgehen.

Das Ozonmolekül besteht nicht wie der Luftsauerstoff aus zwei, sondern aus drei Sauerstoffatomen. Sein Name leitet sich aus dem griechischen Begriff für "das Riechende" ab; Ozon ist ein Gas von etwas stechendem Geruch. Es wird vom Geruchssinn bereits in sehr hoher Verdünnung (ab 40-50 µg/m3) wahrgenommen, wobei die Geruchsempfindung aber rasch nachlässt. Ozon ist ein schlecht wasserlösliches Gas. Da Ozon sehr leicht ein Sauerstoffatom abgibt, stellt es eines der stärksten Oxidationsmittel dar; es wird zur Trinkwasserentkeimung, Lebensmittelkonservierung und als Bleichmittel eingesetzt.

Bodennahes Ozon wird unter dem Einfluss intensiver Sonnenstrahlung aus Stickstoffoxiden und Kohlenwasserstoffen gebildet. Durch die umfangreiche anthropogene Emission der Vorläufersubstanzen wird die Ozonbildung in der bodennahen Luftschicht so verstärkt, dass es im Sommer zu Episoden erhöhter Ozonkonzentration (Sommersmog) kommen kann. Für die Stickstoffoxid-Emissionen ist hauptsächlich der Kfz-Verkehr verantwortlich; die Kohlenwasserstoffe stammen neben dem Verkehr von der Industrie, privater Anwendung und darüber hinaus auch aus biogenen Quellen.

Die Ozonkonzentration in der Atmosphäre ergibt sich aus einem komplexen dynamischen Gleichgewicht zwischen Ozon bildenden und Ozon abbauenden Reaktionen, bei dem auch die meteorologischen Bedingungen eine wichtige Rolle spielen. Ozon kann durch andere Luftverunreinigungen wieder zerstört werden; insbesondere wird es durch die Anwesenheit von Stickstoffmonoxid schnell abgebaut. Deshalb liegen die Ozon-Konzentrationen in städtischen Gebieten häufig niedriger als an emittentenfernen Standorten, die vergleichsweise geringere NO-Werte aufweisen. Ozon wird auch an Oberflächen abgebaut, so dass z. B. der Boden und der Pflanzenbewuchs eine Ozonsenke bilden. In der freien Troposphäre ist Ozon aber ein recht stabiles Gas, soweit die Stickstoffmonoxid-Konzentration verschwindend gering ist.

Neben der Konzentration der Vorläuferstoffe bestimmt die Intensität der Sonneneinstrahlung das Ausmaß der Ozonbildung. Dies erklärt den ausgeprägten Jahresgang der Ozonwerte mit einem Maximum im Sommerhalbjahr. Die Ozonkonzentrationen zeigen außerdem einen starken Tagesgang; die höchsten Ozonwerte treten dabei in den Nachmittagsstunden auf. Eine Animation zeigt den Verlauf der hessenweiten Ozonkonzentration über einen ganzen Tag.

Ozon reizt die Schleimhäute und greift vor allem Atemwege, Augen und Lungengewebe an; beim Einatmen dringt Ozon tief in die Lunge ein. Höhere Ozonkonzentrationen bewirken neben Änderungen der Lungenfunktionsparameter subjektive Befindlichkeitsstörungen wie Augentränen, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche und Reizung der Atemwege, die bei weiter steigenden Konzentrationen mit einer Abnahme der physischen Leistungsfähigkeit einhergehen. Man schätzt, dass ca. 10 % der Bevölkerung besonders empfindlich auf erhöhte Ozonkonzentrationen reagieren.

Bei Pflanzen kann Ozon ein breites Spektrum an Schadsymptomen auslösen; bei vielen empfindlichen Pflanzenarten treten auf den Blättern Verfärbungen oder Flecken auf. Außerdem steht Ozon im Verdacht, für die neuartigen Waldschäden mitverantwortlich zu sein. Eine weitere wichtige Folgewirkung ist die Beeinträchtigung des Pflanzenwachstums, wodurch die Produktivität landwirtschaftlicher Nutzpflanzen sinkt; freilandrelevante Ozonkonzentrationen können die Erträge wichtiger Kulturpflanzen (z. B. von Getreide, Buschbohnen und Mais) verringern.

Die Ozon-Schwellenwerte für die Unterrichtung der Bevölkerung sind nach der EG-Richtlinie 2008/50/EG und entsprechend der 39. BImSchV wie folgt festgelegt:

  • Informationsschwelle: 180 µg/m3 als Einstundenmittelwert
  • Alarmschwelle: 240 µg/m3 als Einstundenmittelwert

Bei Ozonwerten ab 180 µg/m3 wird gesundheitlich empfindlichen Personen empfohlen, auf anstrengende Tätigkeiten im Freien zu verzichten; sportliche Ausdauerleistungen sollten ebenfalls vermieden werden.

Bei Ozonwerten ab 240 µg/m3 richtet sich diese Empfehlung an alle Bürgerinnen und Bürger.

Akute Maßnahmen wie z.B. Verkehrsbeschränkungen sind gemäß 39. BImSchV bei Überschreitung der Alarmschwelle nicht vorgesehen. Diese Entscheidung basiert auf den Erfahrungen in den neunziger Jahren, die gezeigt haben, dass kurzfristige Maßnahmen die Ozon-Spitzenwerte nur geringfügig oder gar nicht senken können. Nur eine großräumige und langfristige Reduzierung der Ozon-Vorläufersubstanzen kann das Niveau der Ozon-Konzentration dauerhaft senken.

Den zeitlichen Verlauf der Ozon-Jahresmittelwerte in verschiedenen hessischen Regionen zeigt folgende Graphik. Über den Gesamtzeitraum gesehen weisen die Ozonkonzentrationen einen Anstieg auf; erst in den letzten Jahren ist an vielen Messstationen ein konstantes Niveau eingetreten.


Aktuelle Messwerte der Ozon-Konzentrationen finden Sie hier

Eine Prognose für die Ozonwerte am Folgetag wird im Sommerhalbjahr (1. April bis 30. September) einmal täglich gegen 15:00 Uhr erstellt.

Im Informationsblatt Bodennahes Ozon und Sommersmog finden Sie weitere Informationen. 

Schwefeldioxid ist ein farbloses, stechend riechendes Gas, das sich unter teilweiser Bildung von schwefliger Säure gut in Wasser löst. Ab einer Konzentration von ca. 1,3 mg/m3 Luft wird es vom Geruchssinn wahrgenommen.

Schwefeldioxid wird bei der Verbrennung von Kohle und Heizöl sowie anderer schwefelhaltiger Brennstoffe gebildet. Feuerungsanlagen im Industriebereich, Gebäudeheizungen sowie der Kraftfahrzeugverkehr (Dieselmotoren) sind die wesentlichen Quellen für die SO2-Belastung der Atmosphäre.

Abgebaut wird Schwefeldioxid in der Atmosphäre durch Oxidation zu Sulfat (SO42-), das aerosolgebunden oder in Wassertröpfchen gelöst vorliegt; außerdem wird SO2 direkt durch Regen aus der Atmosphäre ausgewaschen und kann auch zu einem geringen Anteil aus der Atmosphäre durch trockene Deposition auf Oberflächen entfernt werden. Die Verweilzeit des SO2 in der Atmosphäre wird in der Literatur mit 1-10 Tagen angegeben; bei Regenwetter beträgt die Verweilzeit höchstens einen Tag, während bei kaltem und trockenem Wetter das SO2 mehrere Tage in der Atmosphäre verbleibt. Bei winterlichen Hochdruckwetterlagen kann Ferntransport von SO2 über mehrere hundert Kilometer hinweg stattfinden.

Beim Menschen kann sich Schwefeldioxid bereits in deutlich geringeren Konzentrationen insbesondere in Kombination mit Staub auf die Atmungsorgane auswirken. Es reizt die Schleimhäute und kann dabei zu Gewebsveränderungen im oberen Atemtrakt, einer Zunahme des Atemwiderstands und einer höheren Infektanfälligkeit führen. Auf Pflanzen wirkt SO2 ebenfalls schädlich; so reagieren beispielsweise Nadelhölzer, Moose und Flechten besonders empfindlich. Außerdem ist Schwefeldioxid an der Versauerung von Böden und Gewässern sowie an Korrosions- und Verwitterungsprozessen von Metallen und Gestein beteiligt.

Hohe SO2-Belastungen mit Grenzwertüberschreitungen waren u. a. die Begründung dafür, dass in Hessen 1975 die Belastungsgebiete Untermain, Rhein-Main, Wetzlar und Kassel ausgewiesen wurden. Seitdem ist die SO2-Belastung sehr stark zurückgegangen. In den Jahren 1985 - 88 gab es noch Smog-Episoden durch SO2-Ferntransport bei Ostwetterlagen, wohingegen im Winter 1996/97 trotz smogrelevanter, austauscharmer Wetterlage mit Ostwind keine außergewöhnlich hohen SO2-Konzentrationen mehr gemessen wurden. Das Auftreten von "hausgemachtem" sowie von "importiertem" Smog kann heute nahezu ausgeschlossen werden; deshalb konnte auch in Hessen die Winter-Smog-Verordnung im Frühjahr 1998 aufgehoben werden.

In der 39. BImSchV werden für Schwefeldioxid folgende Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit angegeben:

  • 1-h-Wert: 350 µg/m3 (zulässige Überschreitungshäufigkeit pro Jahr: 24-mal)
  • 24-h-Wert: 125 µg/m3 (zulässige Überschreitungshäufigkeit pro Jahr: 3-mal).

Den zeitlichen Verlauf der SO2-Jahresmittelwerte in verschiedenen hessischen Regionen zeigt folgende Graphik. Erfolgreiche emissionsmindernde Maßnahmen insbesondere im Bereich der genehmigungsbedürftigen Anlagen und der Gebäudeheizung haben zu einer deutlichen Abnahme der Konzentrationen geführt.


Aktuelle Messwerte der Schwefeldioxid-Konzentrationen finden Sie hier

Das Stickstoffdioxid (NO2) wird in der Atmosphäre langsam weiter zu Nitrat (NO3-) aufoxidiert, lagert sich an Aerosole an und wird in der partikelgebundenen Form durch nasse und trockene Deposition aus der Atmosphäre ausgetragen. Die Verweilzeit von NO2 in der Atmosphäre wird in der Literatur mit 5 - 7 Tagen angegeben und ist damit kürzer als die Verweilzeit von SO2 bei trockenem und kaltem Wetter. NO2 selbst wird bei Regen im Gegensatz zu SO2 kaum ausgewaschen.

Die schädigende Wirkung der Stickstoffoxide auf den Menschen ist insbesondere durch die Schädigung der Atemwege bedingt. Bei längerer Einwirkung können höhere Konzentrationen der Stickstoffoxide zu chronischer Bronchitis oder auch zu einer Erhöhung der Empfindlichkeit gegenüber Atemwegsinfektionen führen. Daneben besitzen die Stickstoffoxide auch pflanzentoxische Wirkungen; so schädigen sie beispielsweise bei Bäumen die Oberschicht von Blättern und Nadeln. Das Auftreten der heutigen Waldschäden wird u. a. mit dem umfangreichen Eintrag von Schadstoffen, darunter auch dem von Stickstoffoxiden, in Verbindung gebracht. Der saure Regen, der zu einem großen Teil auf Stickstoffoxide zurückgeht, trägt zur Boden- sowie zur Gewässerversauerung bei und greift Gestein und Metall von Bauwerken an.

Darüber hinaus hat die Stickstoffoxidbelastung der Atmosphäre für zwei weitere Problemkomplexe ebenfalls entscheidende Bedeutung: Stickstoffoxide und reaktive Kohlenwasserstoffe sind zusammen mit Sonnenstrahlung die Reaktionspartner für die photochemische Ozonbildung; Maßnahmen zur Minderung der Stickstoffoxidemissionen tragen demnach auch zur Verringerung des Sommersmogproblems bei. Außerdem ist der derzeitige Stickstoffeintrag aus der Atmosphäre in schützenswerte Biotope auf stickstoffarmen Böden (Heide, Moor, Magerrasen) ein Problem, weil die dabei stattfindende Überdüngung die Flora gravierend verändern kann; so droht beispielsweise die Lüneburger Heide zu vergrasen.

In der 39. BImSchV werden für Stickstoffdioxid folgende Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit angegeben:

  • 1-h Wert: 200 µg/m3 (zulässige Überschreitungshäufigkeit pro Jahr: 18-mal)
  • Jahresmittel: 40 µg/m3.

Den zeitlichen Verlauf der NO2-Jahresmittelwerte in verschiedenen hessischen Regionen zeigt die obere Grafik. Die Konzentrationen haben sich über lange Zeit nicht wesentlich geändert; an einem Teil der Messstationen lässt sich ein abnehmender Trend beobachten.


Aktuelle Messwerte der Stickstoffdioxid-Konzentrationen finden Sie hier

In unserem Faltblatt Stickstoffdioxid haben wir ausführliche Informationen zusammengestellt.

Stickstoffmonoxid (NO) ist ein farbloses, wenig wasserlösliches Gas, das mit Luftsauerstoff zu Stickstoffdioxid reagiert. Stickstoffdioxid ist ein braunes, süßlich riechendes Gas, welches mit Wasser zu Salpetersäure reagiert. Während NO geruchlos ist, liegt die Geruchsschwelle für NO2 bei ca. 0,9 mg/m3.

Stickstoffmonoxid (NO) und Stickstoffdioxid (NO2) entstehen hauptsächlich als Nebenprodukt bei der Verbrennung durch die Oxidation von Luftstickstoff. An der Schornsteinmündung bzw. am Auspuffrohr liegen die Stickstoffoxide im Allgemeinen zu über 90 % als Stickstoffmonoxid vor, das dann in der Atmosphäre zügig zu Stickstoffdioxid oxidiert wird. Die Stickstoffoxide stammen hauptsächlich aus den Abgasen von Industrie, Gebäudeheizung und Verkehr. Die Emittentengruppe Kfz-Verkehr trägt mit Abstand am meisten zu den Stickstoffoxid-Emissionen bei. Außerhalb der Städte spielen auch biogene Emissionen (durch mikrobiologische Prozesse im Boden) für die Stickstoffoxidbilanz eine nicht zu vernachlässigende Rolle.


Aktuelle Messwerte der Stickstoffmonoxid-Konzentrationen finden Sie hier

Organische Luftschadstoffe

Benzol ist eine farblose Flüssigkeit von charakteristischem Geruch mit einem Siedepunkt von 80° C. Die Mischbarkeit mit Wasser ist nur geringfügig. Ein Benzolmolekül (C6H6) besteht aus einem planaren Sechsring, an dessen Ecken sich Kohlenstoffatome mit jeweils einem Wasserstoffatom befinden; aufgrund seiner Elektronenverteilung stellt es eine aromatische Verbindung dar. Die Stoffe Benzol, Toluol und Xylol werden zusammenfassend als BTX-Aromaten-Fraktion bezeichnet.

Benzol wird heute hauptsächlich in Verfahren auf Erdölbasis gewonnen. Es dient in der chemischen Industrie als wichtiges Lösungsmittel und Ausgangsprodukt für eine Vielzahl von Verbindungen. Außerdem ist Benzol ein Bestandteil von Benzin. Wegen seiner hohen Giftigkeit ist der Umfang der genannten Anwendungsgebiete im Lauf der Jahre reduziert worden. Der Hauptanteil der Benzolemissionen geht auf den Kfz-Verkehr zurück; dabei gelangt das Benzol über die Abgase sowie über Verdunstungsprozesse in die Außenluft.

Benzol wird in der Atmosphäre von OH-Radikalen abgebaut. Seine mittlere Lebensdauer liegt bei 10 Tagen; die Verweilzeit variiert aber je nach atmosphärischer Reaktivität.

Physiologisch wirkt Benzol als starkes Gift, das zu Schwindel, Erbrechen und Bewusstlosigkeit führt. Chronische Vergiftungen rufen eine Schädigung des Knochenmarks, der Leber und der Nieren sowie Leukämie hervor. Benzol hat sich als krebserzeugend erwiesen.

In der 39. BImSchV wird für Benzol folgender Grenzwert zum Schutz vor Gesundheitsgefahren angegeben:

  • Jahresmittel : 5 µg/m3.

Den zeitlichen Verlauf der Benzol-Jahresmittelwerte an einzelnen Messstationen zeigt folgende Graphik. Die Konzentrationen weisen einen abnehmenden Trend auf, der überwiegend auf emissionsmindernde Maßnahmen im Verkehrsbereich zurückgeht.


Aktuelle Messwerte der Benzol-Konzentrationen finden Sie hier

Toluol ist eine farblose Flüssigkeit mit angenehm aromatischem Geruch und einem Siedepunkt von 111º C. In Wasser ist Toluol nur sehr wenig löslich. Es besitzt eine ähnliche Struktur wie Benzol, jedoch ist an den Sechsring noch eine Methylgruppe gebunden. In vielen chemischen und physikalischen Eigenschaften unterscheidet es sich nicht wesentlich vom Benzol; seine Toxizität ist hingegen geringer als die des Benzols.

Großtechnisch wird Toluol hauptsächlich aus Erdöl gewonnen. Es wird als Lösungsmittel sowie als Ausgangsprodukt bei der Synthese vieler organischer Verbindungen eingesetzt. Außerdem ist Toluol nicht deklarierter Bestandteil von Benzin, um die Oktanzahl in Motorkraftstoffen zu erhöhen. Der Kraftfahrzeugverkehr stellt die Hauptquelle der Immissionsbelastung dar.

In der Troposphäre wird Toluol durch Reaktion mit OH-Radikalen abgebaut. Die Lebenszeit von Toluol liegt im Sommer bei mehreren Tagen und im Winter bei einigen Monaten.

Toluoldämpfe wirken in hoher Konzentration narkotisch und reizen die Augen sowie die Atemwege. Bei Exposition gegenüber Toluol kommt es zu Wirkungen auf das Zentralnervensystem, wobei unspezifische Symptome wie z. B. Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Schwindel auftreten. Eine fruchtschädigende Wirkung von Toluol kann nicht ausgeschlossen werden.

Der Richtwert vom Länderausschuss für Immissionsschutz (LAI) für Toluol beträgt 30 µg/m3 als Jahresmittel.

Den zeitlichen Verlauf der Toluol-Jahresmittelwerte an einzelnen Messstationen finden Sie in der Graphik. Die Konzentrationen weisen einen rückläufigen Trend auf.


Aktuelle Messwerte der Toluol-Konzentrationen finden Sie hier

Xylol ist eine farblose Flüssigkeit mit aromatischem Geruch, die in Wasser unlöslich ist. Ein Xylolmolekül besteht aus einem Benzolring, an den zwei Methylgruppen gebunden sind; diese können sich an verschiedenen Positionen des Ringes befinden. Deshalb muss man zwischen drei Isomeren (Verbindungen mit unterschiedlichen Strukturformeln) unterscheiden: ortho (o)-, meta (m)- und para (p)-Xylol. Technisches Xylol stellt ein Gemisch aus diesen drei Isomeren dar. Im hessischen Messnetz werden standardmäßig m- und p-Toluol gemessen und als Summenwert angegeben.

Gewonnen wird Xylol vor allem aus der in Erdölraffinerien anfallenden Aromatenfraktion. Es wird als Lösungsmittel und als Ausgangsprodukt zur Kunststoffherstellung verwendet. Des Weiteren wird es Ottokraftstoffen zur Erhöhung der Oktanzahl zugesetzt. Der Kraftfahrzeugverkehr trägt am stärksten zur Immissionsbelastung bei.

Als Folge einer Xylolexposition treten Störungen im Zentralnervensystem mit unspezifischen Symptomen auf; hierzu zählen Kopfschmerzen, Übelkeit, Beeinträchtigung des Gleichgewichtssinns und der Sehfähigkeit sowie Reaktionsverlangsamung. Außerdem wirkt Xylol auf Atemwege und Augen reizend.

Der Richtwert vom Länderausschuss für Immissionsschutz (LAI) für Xylol beträgt 30 µg/m3 als Jahresmittel.

Den zeitlichen Verlauf der Xylol-Jahresmittelwerte an einzelnen Messstationen finden Sie in der Graphik. Die Konzentrationen weisen einen zurückgehenden Trend auf.


Aktuelle Messwerte der Xylol-Konzentrationen finden Sie hier

In der Atmosphäre sind Tausende von verschiedenen Kohlenwasserstoffverbindungen vorhanden:

  • Methan weist hierbei Messwerte um 1 mg/m3 auf
  • etwa 20 Komponenten liegen im Konzentrationsbereich 10 - 100 µg/m3
  • bis zu 100 Komponenten sind im Konzentrationsbereich 1 - 10 µg/m3 zu finden
  • die Zahl an nachweisbaren Komponenten steigt im Bereich geringerer Konzentrationen stark an.

Wegen des hohen analytischen Aufwandes für den Nachweis einzelner Kohlenwasserstoffverbindungen und der Vielzahl der zu überwachenden Komponenten werden die Kohlenwasserstoffe im Allgemeinen als Summenwert gemessen. Damit ist es zumindest möglich zu erkennen, ob eine besondere Anreicherung von Kohlenwasserstoffen vorliegt. Messtechnisch erfasst wird zum einen die Summe der Kohlenwasserstoffe und zum anderen die Einzelkomponente Methan; als Messergebnis wird in der Regel die Summe der Kohlenwasserstoffe ohne Methan angegeben (die hohen Methanwerte werden subtrahiert, weil sie sonst die Konzentrationswerte aller übrigen Kohlenwasserstoffe überdecken würden).

Natürlich ist es das Ziel der Immissionsüberwachung, den Messwert über die Summe der Kohlenwasserstoffe durch Aussagen über die Immissionskonzentration der von der Masse oder der Toxizität her relevanten Komponenten zu ersetzen. Die Entwicklung von Prozessgaschromatographen ist ein Schritt in diese Richtung; bei der Einzelstoffbestimmung von Benzol, Toluol und Xylol finden diese bereits routinemäßig Einsatz. Erste Feldmessungen von ca. 30 flüchtigen organischen Verbindungen, die als Ozonvorläufersubstanzen im Anhang der 3. EG-Tochterrichtlinie aufgeführt sind, wurden ab Frühjahr 2003 durchgeführt.

Bei den Kohlenwasserstoffen, die von chemischer Industrie, Gewerbetrieben sowie privatem Verbrauch und Handwerk abgegeben werden, dominieren Lösungsmittel und leichtflüchtige Verbindungen wie Benzin. Auch durch unvollständige Verbrennung werden Kohlenwasserstoffe in erheblichen Mengen emittiert (insbesondere vom Kfz-Verkehr). Biogene Quellen tragen ebenfalls erheblich zur Kohlenwasserstoffkonzentration in der Atmosphäre bei; Pflanzen (hauptsächlich Nadelbäume) setzen große Mengen an flüchtigen organischen Komponenten frei.

Die meisten der in der Luft anzutreffenden Kohlenwasserstoffe sind aus lufthygienischer Sicht als unbedenklich, ein geringer Anteil ist aber auch als kritisch zu bezeichnen. Wegen dieser völlig unterschiedlich zusammengesetzten Komponentenmischung ist eine Bewertung der Kohlenwasserstoff-Summenkonzentrationswerte nicht möglich. Neben der rein lufthygienischen Betrachtung sind die Kohlenwasserstoffe in einem anderen Zusammenhang von Bedeutung: Sie tragen (gemeinsam mit den Stickstoffoxiden) als Ozon-Vorläufersubstanzen zum Problemkreis Sommersmog bei.

Den zeitlichen Verlauf der Kohlenwasserstoff-Jahresmittelwerte an einzelnen Messstationen zeigt die oben abgebildete Grafik. Die Konzentrationen sind im dargestellten Zeitraum zurückgegangen.

Partikel

Bei PM2,5 handelt es sich um lungengängige Feinstaubpartikel mit einem aerodynamischen Durchmesser kleiner 2,5 µm (Particulate Matter 2,5 µm).
Unter Staub versteht man die in der Atmosphäre verteilten festen Teilchen; die Staubpartikel haben keine einheitliche chemische Zusammensetzung. Staub ist ein natürlicher Bestandteil der Luft; durch anthropogene Aktivitäten wird die Staubbelastung der Atmosphäre direkt und indirekt erhöht. Unter direkter Emission wird die Freisetzung staubhaltiger Abluft vor allem aus Industrie, Gebäudeheizung und Kfz-Verkehr verstanden. Daneben gibt es noch indirekte anthropogene Staubemissionen. Hierzu gehören z. B. Staubaufwirbelungen vom Boden (Kraftfahrzeugverkehr, Baustellen etc.) oder verstärkte Staubemissionen durch geänderte Landnutzung (Landwirtschaft Eine weitere wichtige Quelle stellen partikelbildende Gasreaktionen (wie die Oxidation von Schwefeldioxid zu Sulfat oder Stickstoffdioxid zu Nitrat etc.) in der Atmosphäre dar. Die daraus entstehenden besonders kleinen Teilchen werden auch als „Sekundäre Aerosolpartikel“ bezeichnet.

Grundlegend für das Verhalten des Staubes in der Atmosphäre ist, dass die Staubpartikel eine sehr breit gefächerte Korngrößenverteilung aufweisen; sie reicht von kleinsten Teilchen, die aus wenigen Molekülen bestehen, bis hin zu Teilchen mit Durchmessern größer als 50 µm. Kleine Teilchen bis 1 µm schweben ohne erkennbare Sedimentationsgeschwindigkeit in der Atmosphäre; die Verweilzeit für diese kleinen Staubpartikel wird in der Literatur mit 4 - 10 Tagen angegeben. Wegen der Verweilzeit von bis zu 10 Tagen ist bei Feinstaub Ferntransport möglich; die Saharastaubereignisse bei uns sind eindrucksvolle Beispiele für solche Ferntransportsituationen. Mit steigendem Teilchendurchmesser steigt die Sedimentationsgeschwindigkeit an, so dass größere Teilchen nur eine geringe Verweilzeit in der Atmosphäre haben. Die Korngrößenverteilung der Staubpartikel in der Atmosphäre ist als Gleichgewichtsprozess zu verstehen: Durch die ständige Neubildung kleinster Teilchen durch partikelbildende Gasreaktionen, die Koagulation kleiner Teilchen zu größeren Teilchen und das Sedimentieren der größeren Teilchen besteht ein dynamisches Gleichgewicht, das durch Kondensationsprozesse bei der Wolkenbildung und das Auswaschen von Staubpartikeln durch Regen noch modifiziert wird.

Die in der Luft verteilten Partikel stellen in höherer Konzentration eine potentielle gesundheitliche Gefährdung für die Bevölkerung im Hinblick auf Atemwegserkrankungen dar; davon können einzelne Risikogruppen in besonderem Maße betroffen sein. Die Feinstäube sind besonders gesundheitsschädlich, zum einen aufgrund der direkten (z. B. entzündungsauslösenden) Wirkung bei ihrer Ablagerung im Atemtrakt und zum anderen, da schädliche Stoffe wie Schwermetalle oder polycyclische aromatische Kohlenwasserstoffe vorzugsweise am Feinstaub angelagert sind. Die Größenverteilung der Staubpartikel spielt auch hier wieder eine wichtige Rolle. Kleinere Partikel dringen wesentlich tiefer in die Lunge vor. Deshalb sind in der 39. BImSchV auch Grenz- und Zielwerte für Feinstaub PM2,5 festgelegt.

In der 39. BImSchV wurde für PM2,5 ein Jahresmittelwert von 25 µg/m3 zunächst als Zielwert eingeführt, der sich 2015 in einen Grenzwert umwandeln wird. Bis dahin gilt eine jährlich geringer werdende Toleranzmarge.

Die PM2,5-Konzentration wird in Hessen an einigen Stationen kontinuierlich gemessen, an anderen gravimetrisch erhoben.


Aktuelle Messwerte der PM2,5-Konzentrationen finden Sie hier

Bei PM10 handelt es sich um inhalierbare Feinstaubpartikel mit einem Durchmesser bis 10 µm (Particulate Matter 10 µm). Diese Messgröße wurde an den automatischen Messstationen zu Beginn des Jahres 2000 eingeführt, da sie in der ersten EU-Tochterrichtlinie als Bezugsgröße für Partikel vorgesehen ist. In den Jahren davor war bei den Staubmessungen die Konzentration des Gesamtstaubs bestimmt worden.

Unter Staub versteht man die in der Atmosphäre verteilten festen Teilchen; die Staubpartikel haben keine einheitliche chemische Zusammensetzung. Staub ist ein natürlicher Bestandteil der Luft; durch anthropogene Aktivitäten wird die Staubbelastung der Atmosphäre direkt und indirekt erhöht. Unter direkter Emission wird die Freisetzung staubhaltiger Abluft verstanden; die direkten Staubemissionen werden im Emissionskataster dokumentiert. Industrie, Gebäudeheizung und Kfz-Verkehr sind zu etwa gleichen Teilen für die Staubemissionen verantwortlich. Daneben gibt es noch indirekte anthropogene Staubemissionen. Hierzu gehören z. B. Staubaufwirbelungen vom Boden (Kraftfahrzeugverkehr, Baustellen etc.) oder verstärkte Staubemissionen durch geänderte Landnutzung (Landwirtschaft).  Ein weitere wichtige Quelle stellen partikelbildende Gasreaktionen (wie die Oxidation von Schwefeldioxid zu Sulfat oder Stickstoffdioxid zu Nitrat etc.) in der Atmosphäre dar. Die daraus entstehenden besonders kleinen Teilchen werden auch als "Sekundäre Aerosolpartikel" bezeichnet.

Grundlegend für das Verhalten des Staubes in der Atmosphäre ist, dass die Staubpartikel eine sehr breit gefächerte Korngrößenverteilung aufweisen; sie reicht von kleinsten Teilchen, die aus wenigen Molekülen bestehen, bis hin zu Teilchen mit Durchmessern größer als 50 µm. Kleine Teilchen bis 1 µm schweben ohne erkennbare Sedimentationsgeschwindigkeit in der Atmosphäre; die Verweilzeit für diese kleinen Staubpartikel wird in der Literatur mit 4 - 10 Tagen angegeben. Wegen der Verweilzeit von bis zu 10 Tagen ist bei Feinstaub Ferntransport möglich; die Saharastaubereignisse bei uns sind eindrucksvolle Beispiele für solche Ferntransportsituationen. Mit steigendem Teilchendurchmesser steigt die Sedimentationsgeschwindigkeit an, so dass größere Teilchen nur eine geringe Verweilzeit in der Atmosphäre haben. Die Korngrößenverteilung der Staubpartikel in der Atmosphäre ist als Gleichgewichtsprozess zu verstehen: Durch die ständige Neubildung kleinster Teilchen durch partikelbildende Gasreaktionen, die Koagulation kleiner Teilchen zu größeren Teilchen und das Sedimentieren der größeren Teilchen besteht ein dynamisches Gleichgewicht, das durch Kondensationsprozesse bei der Wolkenbildung und das Auswaschen von Staubpartikeln durch Regen noch modifiziert wird.

Die in der Luft verteilten Partikel stellen in höherer Konzentration eine potentielle gesundheitliche Gefährdung für die Bevölkerung im Hinblick auf Atemwegserkrankungen dar; davon können einzelne Risikogruppen in besonderem Maße betroffen sein. Dabei sind die Feinstäube besonders gesundheitsschädlich, sowohl wegen der direkten (z. B. entzündungsauslösenden) Wirkung bei ihrer Ablagerung in den Lungenbläschen als auch aufgrund der Anlagerung von toxischen Stoffen vorzugsweise am Feinstaub.

In der 39. BImSchV werden für PM10 folgende Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit angegeben:

  • 24-h Wert: 50 µg/m3 (zulässige Überschreitungshäufigkeit pro Jahr: 35-mal)
  • Jahresmittel: 40 µg/m3.

Den zeitlichen Verlauf der PM10-Jahresmittelwerte in verschiedenen hessischen Regionen zeigt folgende Graphik. Erfolgreiche Emissionsminderungs-Maßnahmen speziell in der Industrie haben zu einer deutlichen Abnahme der Staubkonzentration geführt.


Aktuelle Messwerte der PM10-Konzentrationen finden Sie hier

Im Informationsblatt zu Feinstaub (PM10) finden Sie weitere Informationen zu Eigenschaften, Quellen, gesundheitlicher Bewertung und Immission.

Blei zählt zur Gruppe der Schwermetalle und kommt in der Umwelt als anorganische Spurenverunreinigung vor. Es wird nicht fortlaufend im automatisierten Luftmessnetz gemessen, sondern diskontinuierlich im Rahmen des Schwebstaubmessprogramms.

Blei wird bei der Gewinnung von Blei und anderen Metallen, bei industriellen Produktionsprozessen (wie z. B. der Akkumulatoren-Herstellung) und bei Verbrennungsvorgängen emittiert. In früheren Jahrzehnten wurden bleiorganische Verbindungen den Ottokraftstoffen als Antiklopfmittel zugesetzt. Die enorme Bleibelastung der Umwelt durch den Kraftfahrzeugverkehr ist seit der Einführung von unverbleitem Benzin ab Mitte der 80er Jahre schrittweise abgebaut worden. Die heutigen Bleiemissionen stammen von der Industrie sowie (aufgrund des natürlichen Bleigehalts in Kohle und Erdöl) von der Gebäudeheizung und dem Verkehr.

Bleiverbindungen liegen in der Außenluft überwiegend partikelgebunden vor. Aus der Luft werden sie durch trockene und nasse Deposition entfernt. Die Verweilzeit von Blei in der Atmosphäre entspricht daher ungefähr der von Staub (1-10 Tage).

Für den Menschen ist die fortgesetzte Aufnahme kleiner Bleimengen gefährlich, wohingegen akute Bleivergiftungen kaum eine Rolle spielen. Im Organismus wird der Hauptteil des Bleigehalts in den Knochen abgelagert. Hohe chronische Exposition führt zur sog. Bleikrankheit mit zentralnervösen Beschwerden (wie z. B. Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel). Blei wird über die Nahrungskette angereichert; die wichtigste Aufnahmequelle für den Menschen stellt die Nahrung dar.

Die 39. BImSchV sieht für Blei folgenden Grenzwert zum Schutz der menschlichen Gesundheit vor:

  • Jahresmittel: 0,5 µg/m3.

Den zeitlichen Verlauf der Blei-Jahresmittelwerte an einzelnen Messstationen zeigt folgende Graphik. In ihr sieht man die erhebliche Abnahme der Blei-Immissionsbelastung, die hauptsächlich durch die Umstellung auf bleifreies Benzin zustande kam.

Ruß ist eine Erscheinungsform des Kohlenstoffs, die sich bei unvollständiger Verbrennung bzw. der thermischen Spaltung von dampfförmigen kohlenstoffhaltigen Substanzen bildet; so entsteht Ruß beispielsweise bei der Verbrennung von Dieselkraftstoff in schlecht eingestellten Motoren oder als Schornsteinruß an Feuerstellen. Er kann gegebenenfalls nicht unerhebliche Mengen an krebserzeugenden polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffen enthalten; deshalb sucht man die Bildung möglichst zu vermeiden. Ruß besteht aus annähernd kugelförmigen Primärteilchen mit einem Durchmesser von 5 - 500 nm, die sich zu verzweigten kettenförmigen Aggregaten zusammenlagern.

Man muss zwischen Schornsteinruß/Dieselruß einerseits und großtechnisch hergestellten Industrierußen andererseits unterscheiden. Letztere stellen eine Stoffgruppe mit genau spezifizierten physikalischen, chemischen und anwendungstechnischen Eigenschaften dar. Die technische Herstellung von Ruß basiert auf der unvollständigen Verbrennung und/oder thermischen Spaltung von Kohlenwasserstoffen. Ca. 93 % der Weltrußproduktion wird als Füllstoff für Elastomere verwendet. Hiervon verbraucht die Reifenindustrie etwa zwei Drittel, denn Ruß verbessert die mechanischen Eigenschaften des Kautschuks erheblich.

Die 23. Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (23. BImSchV), die im Juli 2004 außer Kraft trat, sah einen Maßnahmenwert von 8 µg/m3 für das Jahresmittel vor. Selbst an der stark befahrenen hessischen Verkehrsmessstation Wiesbaden-Ringkirche wird dieser Grenzwert unterschritten.

Als ultrafeine Partikel (UFP) beziehungsweise Ultrafeinstaub werden alle Partikel mit einem Durchmesser kleiner als 100 Nanometer (nm) bezeichnet. UFP sind damit die kleinsten festen und flüssigen Teilchen in unserer Luft, verhalten sich aber aufgrund ihrer geringen Größe eher wie Gasmoleküle.

Diese besonders kleinen Feinstaubteilchen stellen ein potentiell höheres gesundheitliches Risiko dar als „gewöhnlicher“ Feinstaub, da sie aufgrund ihrer geringen Größe tief in die Lunge eindringen können, von wo aus sie auf den menschlichen Organismus wirken können. Bisher existieren jedoch zu wenige Studien, die die Effekte der ultrafeinen Partikel epidemiologisch untersuchen, so dass weder Empfehlungen für gesundheitlich vertretbare Höchstmengen noch gesetzlich einzuhaltende Grenzwerte vorliegen.


Aktuell werden die UFP-Messwerte der Stationen Raunheim, Frankfurt-Schwanheim, Frankfurt-Niedwald, Frankfurt-Sachsenhausen und Frankfurt-Oberrad veröffentlicht.

Weitere Infomationen zu ultrafeinen Partikeln finden Sie in unserem Sondermessprogramm UFP