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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Chronische Erkrankungen

Lärm kann auch chronische Erkrankungen hervorrufen.

Es gibt eine Reihe von biologischen Modellen, wie Lärm als Stress wirken kann. Es kann angenommen werden, dass unter anderem über autonome Reaktionen gesundheitliche Risikofaktoren hervorrufen und langfristig chronische Erkrankungen begünstigt werden.

Die im Herbst 2015 veröffentlichte NORAH-Studie hat im Band 6 (Seidler, 2015) (Fallkontrollstudie) anhand von Krankenkassendaten von über einer Millionen Menschen und einer vertiefenden Befragung einer Stichprobe das Erkrankungsrisiko für verschiedene Erkrankungen als Funktion des Flug-, Straßen und Schienenlärms untersucht. Dabei hat man sich bemüht, möglichst viele Confounder („Störvariablen“) zu berücksichtigen und deren Einfluss zu eliminieren.
Für Fluglärm ergab sich ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko, an Herzinfarkt zu versterben (bei Dauerschallpegel von LA,24h>60 dB(A)) und einen signifikanten linearen Zusammenhang und Erhöhung des Herzinsuffizienzrisikos. Für Straßen- und Schienenverkehrslärm ab ca. 50-55dB(A) wurden signifikant erhöhte Risiken für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz gefunden. Die Risiken steigen bei höheren Pegeln kontinuierlich weiter an.

Des Weiteren wurden Hinweise darauf gefunden, dass selbst bei sehr niedrigen Dauerschallpegeln von unter 40 dB(A), aber einzelnen Fluglärm-Maximalpegeln über 50 dB(A) das Risiko für einige Krankheiten erhöht ist. Dieser Fund sei bevölkerungsbezogen relevant, bedürfe aber zunächst einer wissenschaftlichen Absicherung in weiteren Studien.

Schließlich wurde in der Fallkontrollstudie ein Zusammenhang zwischen allen drei Verkehrslärmarten (Fluglärm, Straßenverkehrslärm, Schienenverkehrslärm) und der Diagnose einer depressiven Episode („Depression“) festgestellt.
Eine ältere Meta-Studie der WHO über Wirkungen von Umgebungslärm (Theakston, 2011[1]) betont, dass die biologischen Wirkzusammenhänge zwischen autonomen (kurzfristigen) Reaktionen und langfristigen Schädigungen noch ungenügend erforscht sind. Studien zum Zusammenhang zwischen Lärmbelastung und chronischen Erkrankungen lassen noch viele Fragen offen und ergeben teilweise widersprüchliche Ergebnisse. Der Wissensstand wurde durch die oben erwähnte NORAH-Studie zumindest teilweise erheblich verbessert. Bereits die WHO-Studie kam zu dem Schluss, dass es hinreichend belastbare und plausible Daten gab, die auf einen kausalen Zusammenhang hinweisen. Sie stellt quantitative Zusammenhänge her, zwischen Lärmbelastung und der Erhöhung der Wahrscheinlichkeit, an bestimmten Krankheiten zu erkranken.

So erhöhe sich beispielsweise die Wahrscheinlichkeit an ischämischen Herzerkrankungen zu erkranken. Bei Personen, die Straßenlärm mit einem bewertetem äquivalenten Dauerschallpegel LDEN = 70 … 74 dB(A) ausgesetzt sind, ist das Risiko um etwa 16 % erhöht relativ zu Personen, die bei Straßenlärm mit LDEN < 55 dB(A) leben.

Wenn auch viele derartiger Zusammenhänge noch nicht quantitativ gesichert sind, bedeutet das nicht, dass man von keinen gesundheitlichen Schäden ausgehen kann.

Literatur:

[1] Theakston, F. (2011). Burden of disease from environmental noise; Quantification of healthy life years lost in Europe. Copenhagen: WHO. Abgerufen am 27. 03 2015 von http://www.euro.who.int/__data/assets/pdf_file/0008/136466/e94888.pdf