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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Umgebungslärmkartierung

Die Ergebnisse der Umgebungslärmkartierung stellen die Grundlage für die anschließende Lärmaktionsplanung dar. Die wesentlichen Vorgaben hierzu sind in der EU-Umgebungslärmrichtlinie und in der 34. BImSchV verankert.

Das Hessische Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie ist für die landesweite Kartierung des Umgebungslärms gemäß EU-Umgebungslärmrichtlinie zuständig. Diese Aufgabe beinhaltet die Lärmkartierung entlang der Hauptverkehrsstraßen außerhalb von Ballungsräumen und die Lärmkartierung der wesentlichen Lärmquellen innerhalb von Ballungsräumen sowie die Lärmkartierung des Großflughafens Frankfurt am Main. Nähere Informationen zu den rechtlichen Grundlagen sind auf der HLNUG-Seite  "Umgebungslärm" zu finden.

Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) ist für die Ausarbeitung von Lärmkarten an den Schienenwegen von Eisenbahnen des Bundes zuständig. Nähere Information hierzu finden Sie auf der Internetseite des EBA .

Das HLNUG hat die erste Umgebungslärmkartierung im Jahr 2007 vorgelegt (1. Stufe). Die Ergebnisse der 2. Stufe der Umgebungslärmkartierung wurden 2012 veröffentlicht. Die aktuellen Ergebnisse der Umgebungslärmkartierung 2017 wurden im August 2017 veröffentlicht. Alle drei Kartierungsergebnisse sind im Lärmviewer Hessen verfügbar.

Anforderungen der EG-Umgebungslärmrichtlinie

In der EU-Umgebungslärmrichtlinie sind ein Zeitplan sowie Anforderungen zur Umgebungslärmkartierung und zu den Lärmaktionsplänen vorgegeben. Der Zeitplan schreibt eine erste Umgebungslärmkartierung für das Jahr 2007 vor. Die Lärmkarten werden anschließend mindestens alle fünf Jahre nach dem Zeitpunkt ihrer Erstellung überprüft und bei Bedarf überarbeitet.

Die Kartierungsergebnisse dienen als Grundlage für die anschließende Lärmaktionsplanung durch die Regierungspräsidien Darmstadt, Gießen und Kassel.

Die Anforderungen an die Umgebungslärmkartierung sind in der folgenden Tabelle aufgeführt.

Stufe1. Sufe ab 2. Stufe (danach alle 5 Jahre)
Frist30.06.200730.06.2012
Lärmkartierung außerhalb von Ballungsräumen

Hauptverkehrsstraße

Haupteisenbahnstrecke1

> 6 Mio. Kfz pro Jahr> 3 Mio. Kfz pro Jahr
> 60.000 Züge pro Jahr> 30.000 Züge pro Jahr
Großflughafen> 50.000 Flugbewegungen (Starts und Landungen) pro Jahr
Lärmkartierung innerhalb von Ballungsräumen
Ballungsraum> 250.000 Einwohner> 100.000 Einwohner
StraßenverkehrslärmHauptverkehrsstraßen + sonstige Straßen2
EisenbahnlärmHaupteisenbahnstrecken1 + sonstige Schienenwege2
FluglärmGroßflughäfen + sonstige zivile Flugplätze2
Industrie- und GewerbelärmIVU-Anlagen u. Häfen2,3

1  Für die Bahnstrecken im Bundesbesitz ist das Eisenbahnbundesamt (EBA) zuständig.
2  „ ... soweit diese sonstigen Lärmquellen erheblichen Umgebungslärm hervorrufen.“, § 4 Abs. 1 der 34. BImSchV.
3  Richtlinie IED 2010/75/EU

Kartierungsumfang zukünftiger Lärmkarten

Die Umgebungslärmkartierung nach o. g. Anforderungen bzw. die Kartierung ab den in der Tabelle dargestellten Verkehrsmengen hat den Nachteil, dass an vielen Stellen, z. B. an Straßenabschnitten mit einer Verkehrsbelastung von unter 3 Mio. Kfz pro Jahr, keine Informationen zur Lärmbelastung ausgewiesen werden. Eine kleinräumige Betrachtung – wie z. B. bei der Lärmaktionsplanung erforderlich – ist dann für diese Straßenabschnitte auf der Grundlage der Umgebungslärmkartierung nicht möglich. Je mehr Quellen kartiert werden, umso größer werden Aussagekraft und Anwendungsbereich einer Lärmkarte.

Im Rahmen der aktuellen Umgebungslärmkartierung 2017 wird daher vom HLNUG freiwillig und ergänzend zur verpflichtenden Kartierung nach der EU-Richtlinie eine weitere Kartierung mit deutlich mehr Straßenabschnitten auch unterhalb der Schwellenwerte der EU-Umgebungslärmrichtlinie durchgeführt. Die Ergebnisse dieser PLUS-Kartierung sind neben den Ergebnissen der EU-Kartierung ebenfalls im Lärmviewer Hessen veröffentlicht und dort mit dem Zusatz PLUS versehen.

Berechnungsmethoden

Das Ziel der EU-Umgebungslärmrichtlinie ist eine EU-weit harmonisierte Erhebung der Umgebungslärmbelastung und somit ein harmonisiertes Bewertungsverfahren zu erreichen. Die Europäische Kommission hat mit CNOSSOS-EU (Common NOise aSSessment MethOdS) eine für alle Mitgliedstaaten einheitliche Lärmberechnungsmethode für alle relevanten Quellenarten erarbeitet. CNOSSOS-EU musste bis spätestens zum 31.12.2018 durch alle Mitgliedsstaaten realisiert werden. Die Umsetzung in nationales Recht in Deutschland wurde im Dezember 2018 im Bundesanzeiger bekannt gemacht. 

Im Einzelnen werden die Berechnungsmethoden wie folgt festgelegt:

  • Berechnungsmethode für den Umgebungslärm von bodennahen Quellen (Straßen, Schienenwege, Industrie und Gewerbe) (BUB)
  • Berechnungsmethode für den Umgebungslärm von Flugplätzen (BUF)
  • Berechnungsmethode zur Ermittlung der Belastetenzahlen durch Umgebungslärm (BEB)
  • Datenbank für die Berechnungsmethode für den Umgebungslärm von bodennahen Quellen (Straßen, Schienenwege, Industrie und Gewerbe) (BUB-D)
  • Datenbank für die Berechnungsmethode für den Umgebungslärm von Flugplätzen (BUF-D)

Für die Bewertung der Belastung durch Umgebungslärm sind zwei Lärmindizes zu Grunde zu legen:

  • ein über den gesamten Tag gemittelter Beurteilungspegel LDEN (Tag-Abend-Nacht-Pegel),
  • ein über die Nachtstunden (8 Stunden, 22 Uhr abends bis 6 Uhr morgens) gemittelter Beurteilungspegel (LNight).

Der Beurteilungszeitraum für beide Lärmpegel ist ein gesamtes Jahr. Die Lärmindizes werden in dB(A) bewertet. Die Berechnung erfolgt für jede der vier Lärmarten getrennt.

 

Bis einschließlich 2018 wurden in Deutschland nationale vorläufige Berechnungsverfahren verwendet. Siehe: Vorläufige Berechnungsmethoden und vorläufige Ermittlung von Belasteten