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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Landwirtschaft

Es wird wärmer, Hitzewellen treten deutlich häufiger auf als noch vor wenigen Jahren, Niederschläge und ihre Verteilung verändern sich und fallen teilweise als Starkregen. Diese zunächst recht allgemeine Beschreibung birgt ernstzunehmende Folgen für die hessische Landwirtschaft.

An einige der Auswirkungen kann sich die Landwirtschaft anpassen. Landwirte sind wechselndes Wetter und sehr unterschiedlich ausgeprägte Witterungsabschnitte in verschiedenen Jahren gewöhnt. Entscheidungen über Feldfrüchte, die jährlich neu ausgesät und angebaut werden, können eventuell relativ flexibel getroffen werden. Jedoch bringt der Klimawandel immer extremere Ereignisse und auch Entwicklungen mit sich, die nicht revidierbar sind und langfristige Auswirkungen beispielsweise auf Anbauzeiträume, Sorteneignung und Erträge haben.

Projekte, die das Fachzentrum zu diesem Themenbereich beauftragt hat.

Die steigende Durchschnittstemperatur führt dazu, dass die Pflanzen schon heute deutlich früher blühen und reifen. Natürliche Prozesse wie Bestäubung durch Bienen und andere Insekten sind gut eingespielt und aufeinander abgestimmt. Sobald sich jedoch ein Parameter ändert, kann das bedeuten, dass Prozesse nicht mehr so gut funktionieren. Bienen können zwar aufgrund der höheren Temperaturen im Frühling auch früher starten. Die Tage im Frühling sind jedoch kürzer, was bedeutet, dass der Zeitraum am Tag, in dem die Bienen aktiv sind, begrenzt ist. Das macht sowohl die Bestäubung schwieriger als auch das Leben für die Biene.

Wärmere Winter können dazu führen, dass das Kältebedürfnis einiger Obstsorten im Winter nicht mehr erfüllt wird und damit die Winterruhe nicht ausreichend ist. Eine weitere Folge des fortschreitenden Klimawandels mit längeren frostfreien Zeiträumen und wärmeren Wintern ist die Zunahme von Schadinsekten wie z. B. dem Apfelwickler oder der Kirschessigfliege.

Niederschlagsveränderungen sind auch schon jetzt zu spüren. Mehr und längere Trockenperioden im Frühling und Sommer, häufig gepaart mit Starkregenereignissen, bringen extreme Belastungen für Boden und Pflanzen. Der Boden ist meist so trocken, dass das Regenwasser nicht mehr versickern kann. Es fließt schnell oberflächig ab und führt zu Erosion, durch die wertvoller Boden abgeschwemmt wird.

Zudem nimmt in langen Trockenperioden die Bodenfeuchte ab, was über längere Zeit zu geringem Pflanzenwachstum und geringeren Erträgen führt. Das Ausmaß der Schäden ist natürlich auch abhängig von der Bodenart, dem Humusgehalt und der Kulturpflanze selbst.

Ein in Zukunft weiter erhöhter CO2-Gehalt der Luft wirkt als Dünger und kann möglicherweise zu einer erhöhten Produktivität führen. Andererseits wird sich der Ackerbau wie erläutert auf erhöhte Temperaturen, Trockenheit und verstärkte Bodenerosion durch Starkregen einstellen müssen.

Im Weinbau können zwar die Rotweine von der Erwärmung profitieren, aber besonders der Riesling könnte durch wärmere und trockenere Sommer seine charakteristische Frische verlieren.

Anpassungsmaßnahmen

Neben der Umsetzung von Klimaschutzmaßnahmen wird sich die Landwirtschaft an die schon zu beobachtenden Veränderungen anpassen müssen. Das kann z.B. bedeuten darüber nachzudenken, ob neue Kulturpflanzen wie Quinoa oder Kichererbsen in Frage kommen, die mit Trockenheit besser zurechtkommen. Aufgrund der immer häufiger auftretenden Trockenheit muss an mancher Stelle zusätzliche Bewässerung eingerichtet werden. Hierbei sollte auf eine optimierte Beregnungssteuerung und Beregnungstechnik geachtet werden.

Der Einsatz von mehr organischem Dünger (z. B. Kompost) kann dafür sorgen, dass sich mehr Humus im Boden anreichert und somit mehr Wasser im Boden gespeichert wird. Mulchsaat und konservierende Bodenbearbeitung können die Verdunstung reduzieren und haben weitere positive Wirkungen auf die Bodenfruchtbarkeit. Untersaaten helfen, Erosion durch Starkregen einzudämmen. Agroforstsysteme, also die Pflanzung von Gehölzen und landwirtschaftlichen Kulturen auf einer Fläche, wirken ebenfalls als Schutz vor Erosion und schaffen ein gutes Kleinklima vor Ort.

Der Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen bietet eine Beratung zu den Themen Klimaschutz und Klimaanpassung an: https://llh.hessen.de/umwelt/klimaschutz/