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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Natur und Landschaft

Die Natur hat mit ihrer Einzigartigkeit, ihrer Vielfalt und Schönheit einen ganz eigenen Wert. Für uns ist sie aber auch Lebensgrundlage, Lebensraum und Ort der Erholung und Inspiration. Ändert sich das Klima, hat das auch Folgen für die Natur und die vom Menschen geprägte Kulturlandschaft. Die Wechselwirkungen mit dem Klima sind vielschichtig und komplex und teilweise noch wenig verstanden. Steigende Temperaturen und veränderte Niederschlagsverteilung aber zeigen nicht nur in Hessen ihre Auswirkungen auf Natur und Umwelt bereits deutlich. Dabei können die Folgen des Klimawandels ganz unterschiedlich sein: Sie können Tier- und Pflanzenarten direkt betreffen, oder aber das Zusammenspiel in Lebensgemeinschaften und Ökosystemen verändern.

Projekte, die das Fachzentrum zu diesem Themenbereich beauftragt hat.

Vielerorts lässt sich bereits eine Verschiebung von Vegetationsphasen feststellen. Besonders deutlich zeigt sich dies in einem früheren Blühbeginn vieler Pflanzen. Die Apfelblüte beispielsweise blüht jede Dekade 3 Tage früher. Dies bleibt nicht ohne weitere Folgen: Durch die kürzeren Tageslängen, zu denen die Blüte dann auftritt, sind beispielsweise Bienen pro Tag kürzer aktiv und die Bestäubungsleistung kann sinken.

Die Pflanzenphänologie beschäftigt sich mit den Entwicklungsphasen der Pflanzen in ihrer zeitlichen Abfolge. Auswertungen für Hessen sind im ausführlichen Bericht Klimawandel und Pflanzenphänologie in Hessen (Prof. Dr. Grünhage, Uni Gießen) und in einer Kurzdarstellung nachzulesen.

Auch Tiere starten früher in den Frühling. So sind mildere Winter mit dafür verantwortlich, dass der Siebenschläfer bis zu sieben Wochen früher aus seinem Winterschlaf erwacht. Zieht er dann von den Erdhöhlen, in denen er überwintert, in Baumhöhlen um, trifft er dort auf brütende Vögel wie Meisen oder Kleiber, deren Nester er häufig zerstört – sieben Wochen später wäre die Brutzeit der Vögel meist beendet.

Der Klimawandel kann die Lebensbedingungen von Tier- und Pflanzenarten in ihrer ursprünglichen geographischen Heimat stark beeinflussen – für manche Arten kann das von Vorteil sein, für andere eine Verschlechterung bedeuten, wieder andere sind möglicherweise gar nicht beeinflusst.

Manche Arten reagieren mit einer Veränderung ihrer Verbreitungsgebiete: Bei steigenden Temperaturen ziehen sich Arten eventuell in höhere oder nördlichere Lagen zurück, andere, die nicht weiter ausweichen können oder deren Anpassungsfähigkeit erschöpft ist, verschwinden möglicherweise. Zugvögel wie der Kranich, der normalerweise hunderte Kilometer zurücklegt, bleibt in milden Wintern in Deutschland. Andere heimische Vögel wie die Singdrossel oder der Hausrotschwanz verkürzen ihre Aufenthalte im Süden.

Die Beschaffenheit der Landschaft spielt eine enorme Rolle in Bezug auf die Möglichkeit, sich neue Lebensräume zu suchen. Eine Zerschneidung durch Straßen, Bahnschienen, Ortslagen oder sogar einfache Wege kann Ursache dafür sein, dass Arten am Wandern gehindert werden und nicht ihren bevorzugten klimatischen Bedingungen folgen können.

Fremde Arten, sogenannte Neobiota, können zunehmend geeignete Bedingungen wie ein wärmeres Klima vorfinden und sich bei uns ansiedeln. Die Zuwanderung kann dabei aus benachbarten Regionen geschehen oder aber durch menschliche Aktivitäten wie Warentransport oder Tourismus verursacht werden.

Es gibt also viele Faktoren, die zu einer Veränderung in einer Artengemeinschaft führen können – häufig verbunden mit weiteren Folgen für das jeweils betroffene Ökosystem.

Eine Anpassung der natürlichen Lebensräume an den Klimawandel ist durch menschliche Aktivität an sich nicht wirklich möglich. Zum Erhalt der natürlichen Lebensräume und der Artengemeinschaften und Ökosysteme gilt es daher, an erster Stelle Klimaschutzmaßnahmen effektiv umzusetzen.

An einigen Punkten können der Natur „Hilfestellungen“ gegeben werden, beispielsweise durch

  • die Schaffung von Biotopverbundsystemen, die die Wanderungsbewegungen von Arten unterstützen;
  • die Anpassung von Schutzgebietsgrenzen an die Verbreitungsgebiete der Arten;
  • die Schaffung, Erhalt und Pflege von Kulturlandschaften mit reichem Artenspektrum;
  • die Unterstützung der Artenvielfalt in Siedlungsbereichen, wie z.B. keine Schottergärten anlegen;
  • die Einrichtung von Schutzgebieten mit Kernzonen, in der die Anpassungsdynamik der Ökosysteme sich selbst überlassen bleibt.


Die Beispiele zu den ausgewählten Themen zeigen, dass Ökosysteme äußerst empfindliche und komplexe Gefüge sind. Aus Sicht der über eine sehr lange Zeit an die Umweltbedingungen angepassten natürlichen Systeme verändern sich die klimatischen Bedingungen durch den menschgemachten Klimawandel in einer extremen Geschwindigkeit. Diese rapiden Veränderungen können gravierende Folgen für das Gleichgewicht in den Systemen haben und die Anpassungsfähigkeit der Natur unter einen enormen Druck stellen!

Die Abteilung Naturschutz des HLNUG befasst sich intensiv mit Fragestellungen zur biologischen Vielfalt vor dem Hintergrund des Klimawandels.