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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Starkregen-Hinweiskarte für Hessen

Eine erste Übersicht der Gefährdungslage bei Starkregen vermittelt die hessenweit verfügbare Starkregen-Hinweiskarte. Sie soll Kommunen dabei unterstützen, ihre eigene Situation besser einschätzen zu können.

Die Karte basiert auf Beobachtungen des Niederschlags, Topographie und Versiegelungsgrad. Zusätzlich ist die Vulnerabilität (kritische Infrastrukturen, Bevölkerungsdichte und Erosionsgefahr) enthalten. Sie hat eine relativ grobe Auflösung von 1 km², so dass für die Planung konkreter Maßnahmen zum Schutz vor Starkregenfolgen häufig eine höher aufgelöste Visualisierung (z.B. über Fließpfadkarten oder Starkregen-Gefahrenkarten) der örtlichen Starkregengefährdung sinnvoll ist.

Die Starkregen-Hinweiskarte zeigt ein Starkregen-Gefahrenpotenzial. Auch wenn in einer Kommune noch keine Schäden durch Starkregen eingetreten sind, kann trotzdem eine Gefährdung in der Starkregen-Hinweiskarte aufgezeigt werden. Diese ergibt sich aus der Versiegelung und den überflutungsgefährdeten Flächen. Gleichzeitig kann eine Kommune, auch wenn sie bereits Schäden durch Starkregen hatte, trotzdem nur in einer mittleren Gefährdungsstufe eingeordnet sein.

Die Starkregen-Hinweiskarte basiert auf einem Starkregen-Index (Farbgebung der Rasterzellen in den Karten) und dem Vulnerabilitäts-Index.
In den Starkregen-Index fließen die folgenden Parameter ein:

S1 STARKREGEN: Anzahl der Starkregen-Ereignisse bei 15 und 60 Minuten Andauer (basierend auf Radarniederschlagsdaten des Deutschen Wetterdienstes von 2001 bis 2016)

S2 VERSIEGELUNG: Urbane Gebietskulisse - Anteil der versiegelten Fläche pro 1 km² Rasterzelle (basierend auf ALKIS Landnutzungs- sowie ATKIS Ortslagendaten)

S3 ÜBERFLUTUNG: Überflutungsgefährdeter Flächenanteil der urbanen Gebietskulisse – Auftreten und Größe von Senken und Abflussbahnen (berechnet durch zweidimensionale hydrodynamische Modellierung mit dem Modell HEC-RAS)

 

Der Vulnerabilitäts-Index (umrandete Rasterzellen in den Karten) ergibt sich aus Standortfaktoren, die räumlich variierende Schadenspotenziale, Sachwerte oder Infrastrukturen (z.B. Krankenhäuser) einbeziehen. Folgende Informationen gehen in den Index ein:

  • V1 Bevölkerungsdichte (Einwohner pro km²)
  • V2 Anzahl Krankenhäuser pro km
  • V3 Anzahl industrieller und gewerblicher Anlagen mit Gefahrstoffeinsatz pro km²
  • V4 Mittlere Bodenerosionsgefahr im Straßen-Einzugsgebiet (für urbane Flächen)

Eine ausführliche Übersicht der Daten und Methoden, die der Starkregen-Hinweiskarte zugrunde liegen, enthält der Projektbericht Ausweisung von starkregengefährdeten Gebieten in Hessen für Planungen zur Gefahrenabwehr auf Landes- und kommunaler Ebene.

Der Starkregen-Index weist Gebiete aus, die entweder zwischen 2001 und 2016 überdurchschnittlich stark von Starkregenereignissen betroffen waren oder die aufgrund von Versiegelung und Überflutungsgefährdung überdurchschnittlich stark gefährdet sind. Für 39 % der Landesfläche wird der Index schwach, für 33 % mittel, für 22 % erhöht und für 6 % hoch ausgewiesen.

Die Klassen erhöht und hoch kommen dabei in allen Landesteilen vor, räumlich aggregiert jedoch v.a. im Raum Kassel, zwischen Marburg und Fritzlar, im Raum Wetzlar-Gießen-Nidda, im Großraum Wiesbaden-Frankfurt-Offenbach sowie im Raum Darmstadt. In den Verdichtungsräumen paust sich der Anteil der urbanen Gebietskulisse (Versiegelung) stark durch. Im ländlichen Raum erklären sich erhöhte Indexwerte v.a. aus bereits aufgetretenen Starkregenereignissen (u.a. zwischen Marburg und Fritzlar / Melsungen oder zwischen Gießen und Nidda) oder durch eine hohe Überflutungsgefährdung (z.B. westlich Bad Hersfeld oder nordwestlich von Gießen im Lahn-Dill-Bergland).

Hohe Gefährdungen durch Starkregen im urbanen Raum und gleichzeitig hohe Vulnerabilitäten ergeben sich großflächig im gesamten Rhein-Main-Gebiet, aber auch in allen städtisch geprägten Gebieten. Darüber hinaus werden zahlreiche kleinräumige Gebiete ausgewiesen, in denen erhöhte Starkregen- und Vulnerabilitäts-Indizes zusammentreffen, z.B. in den Räumen Fritzlar-Melsungen, Eschwege, Lahn-Dill, Wetterau sowie nördlich des Odenwaldes.

Die Karte ist als hochaufgelöstes PDF und als GIS-Projekt zum Download verfügbar. Im GIS-Projekt können die folgenden Elemente ein- und ausgeblendet werden:

  • Landesgrenzen
  • Städte
  • Fließgewässer
  • Kreisgrenzen
  • Gemeindegrenzen
  • Parameter für den Starkregen-Index
  • Parameter für den Vulnerabilitäts-Index

Die Kommune kann zusätzliche Informationen als ergänzende GIS-Layer einfügen.