Logo Land Hessen

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

9. Hessischer Klimaempfang

14. Mai 2019, Schloss Biebrich

Prof. Dr. Harald Lesch, Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, zu Gast in Wiesbaden

Der 9. hessische Klimaempfang fand im Schloss Biebrich statt. Über 500 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft waren der Einladung des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und des Hessischen Umweltministeriums gefolgt. Die steigende Teilnehmerzahl - erstmals haben mehr als 500 Gäste den Klimaempfang besucht - zeigt, dass das Thema Klimawandel einen immer höheren Stellenwert bekommt und die Dringlichkeit verstanden wurde. Wie gewohnt führte Fernsehmoderator Thomas Ranft durch den Abend.

Mit dem Beispiel des Jahrhundertsommers 2018 verdeutlichte Priska Hinz, die Hessische Ministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, mit welchen Auswirkungen wir rechnen müssen. Insbesondere die Landwirtschaft und der Wald litten unter den Folgen. Ein möglicher weiterer Hitzesommer 2019 könnte noch schlimmere Folgen haben, denn die Grundwasserstände lagen Anfang 2019 deutlich niedriger als zur gleichen Zeit 2018. Mit dem Leitbild Rhein Main, welches Maßnahmen für ein nachhaltiges Wasserressourcenmanagement vorschlägt, soll dem vorgebeugt werden.

Jedoch zeigen Auswertungen, dass wir nur noch ein gutes Jahrzehnt haben, um unsere Lebensweise umzustellen. Am 26. Mai findet die Wahl für das EU Parlament statt. Hier wird ein wichtiger Rahmen für Klimaschutz auf europäischer Ebene gelegt. Es braucht ein starkes Parlament, welches richtige und konsequente Entscheidungen trifft, sagte Hinz. Aber auch nationale Anstrengungen sind essentiell. Mit dem Kohlekompromiss und dem damit einhergehenden Ausstieg 2038 kann das 1,5 °C-Ziel nicht mehr eingehalten werden, gab die Ministerin zu bedenken. Es braucht ein nationales Klimaschutzgesetz mit Zwischenzielen und Verantwortlichkeiten in allen Sektoren.

Hinz dankte Fridays For Future dafür, dass „sie (…) uns nachdrücklich daran [erinnern], dass wir Klimaziele von Paris zu erreichen haben, auf die wir uns verbindlich verständigt haben. Sie erinnern uns daran, dass wir für die Lebensbedingungen heute und in Zukunft verantwortlich sind. Sie machen uns Politikerinnen und Politikern Dampf. Das ist richtig so“. Um die Herausforderung Klimawandel anzugehen hat Hessen 2017 den integrierten Klimaschutzplan 2025 (iKSP) verabschiedet. Schon jetzt wurden 80 der 140 Maßnahmen des Plans begonnen, berichtet Hinz. Klimafreundliche Landwirtschaft mit 25 % ökologischem Landbau bis 2025 und nachhaltige Mobilität vor allem auch im ländlichen Bereich sind nur zwei Bereiche, in denen engagierte Ziele entwickelt wurden. In Hessen sollen 55 % der CO2-Emissionen bis 2030 reduziert werden, und bis 2050 wurde das Ziel der Klimaneutralität ausgegeben. Deshalb muss und wird der iKSP, auch mit Sektorzielen, weiterentwickelt, damit dies umzusetzen ist. Ein gutes Zeichen dafür ist, dass die Hälfte der hessischen Kommunen und Landkreise schon Klimakommunen sind. Hinz appellierte, dass alle Anwesenden als Multiplikatoren fungieren und weitere Menschen für Klimaschutz und -anpassung gewonnen werden müssen. Mit Mut und Zuversicht werden wir das schaffen, schloss die Ministerin.

Mit Emely Dilchert und Viet Hoang Nguyen sind zwei AktivistInnen von Fridays For Future eingeladen worden, ihr Anliegen vorzutragen. Frau Dilchert stellte richtig fest, dass „wir (…) alle die Verantwortung dafür [tragen], den Klimawandel aufzuhalten – Sie und ich.“ Fridays For Future sehen es als ihre Pflicht zu streiken und verlangten, über Lösungen zu sprechen und nicht über Unterrichtsausfall zu diskutieren, denn ansonsten würde sich nichts verändern. Das, was täglich auf politischer Ebene gemacht wird, das reicht leider noch nicht. Die Politik muss auf allen Ebenen handeln. Herr Nguyen versprach, dass Fridays For Future weiterstreiken, bis gehandelt wird.

Im Anschluss sprach Prof. Dr. Harald Lesch. Er ist seit 1995 Professor für Astrophysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München, zusätzlich Lehrbeauftragter für Naturphilosophie an der Hochschule für Philosophie München – und ein echter Hesse. TerraX, Leschs Kosmos und viele weitere Sendungen machten ihn bekannt, wofür er unter anderem von der Deutschen Forschungsgemeinschaft und von der Deutschen Physikalischen Gesellschaft ausgezeichnet wurde. Neben weiteren Preisen erhielt Prof. Lesch in 2019 auch den Hanns-Joachim-Friedrichs-Preis für Fernsehjournalismus.

Eindrücklich ließ Prof. Lesch die Besucher des Empfangs an seiner Fähigkeit teilhaben, seine fundamentalen Kenntnisse physikalischer Prozesse mit ethischen Gedanken zu verknüpfen. Er nahm unsere modernen Technologien und den Wunsch nach Digitalisierung in jedem Bereich zum Anlass zu beschreiben, dass die Menschen gar nicht mehr verstehen, welche Kaskaden wir anstoßen, wenn wir eine App auf dem Handy öffnen oder eine Serie streamen und welcher Energiebedarf damit einhergeht. Die Menschen rücken immer weiter von der Natur weg, obwohl gleichzeitig immer deutlicher wird, dass die Ressourcen, die uns die Natur zur Verfügung stellt, endlich sind. Er sagte richtig: „Man kann nicht Mensch sein ohne diese Natur.“ Digitalisierung muss in nachhaltige Strategien eingebunden werden, sonst wird unsere digitale Zukunft zum „Brandstifter“.

Die modernen Technologien dienten für Lesch auch als Vorlage, dass alle sogenannten Argumente der Klimaleugner widerlegbar sind. Sowohl der Treibhauseffekt wie auch alle digitale Technologie basieren auf der gleichen Physik. Dadurch, dass wir in der Lage sind, Smartphones zu entwickeln und wir ein solches Verständnis der Materie haben, sollte klarwerden, dass auch Klimamodelle ein richtiges Bild wiedergeben.

Das Engagement von Fridays For Future lobte er und hob hervor, dass diese Bewegung genau richtig handelt, denn die Jugendlichen und Kinder haben die „Reinheit des ethischen Arguments“ auf ihrer Seite. Diese Bewegung fordert das Recht auf ihre eigene, lebenswerte Zukunft ohne Kompromisse. Er riet den Aktivistinnen und Aktivisten, sich von keiner Seite instrumentalisieren zu lassen und versprach, auch weiterhin die Freitagsproteste so gut es geht zu unterstützen. Bisher werden nur 13% der Primärenergie aus erneuerbaren Quellen geschöpft. „Die Erneuerbaren werden gedeckelt, damit wir den alten Industrien nicht auf die Füße treten.“ Das muss sich ändern, sagte Lesch, damit wir den Jugendlichen ihr Recht einräumen können.

Wir haben nur eine Möglichkeit, das Klima zu wandeln und zwar einen gesellschaftlichen Impuls anzustoßen, weniger zu wollen. Prof. Lesch forderte alle auf, sich in den öffentlichen Raum zu begeben und in einen Austausch mit der Familie, mit dem Nachbarn zu treten. „Ein gutes Wort für unser Gegenüber ist so wichtig und kann am Klima so viel ändern.“ Die Menschen sollten ihre Werte überdenken. Wachstum und Ökonomie sollten nicht im Mittelpunkt stehen. Wachstum ist kein Lebensqualitätsziel. Das, was man nicht messen kann, macht das Leben aus. Er schließt mit dem Appell: „Zusammen, das ist das Glück.“

Alle Reden des Abends können Sie bei Youtube anschauen. Im Sinne des Medienrechts gilt das gesprochene Wort.

Insbesondere der kurze Appell der Aktivisten von Fridays For Future, aber auch die Rede von Prof. Lesch verdeutlicht, dass die Klimakrise nur mit viel Willen und dem vollen Einsatz von Politik und jedem einzelnen zu bewältigen ist, und das jetzt. Bei hessischen Spezialitäten gab es die Möglichkeit, sich über die vielfältigen Handlungsmöglichkeiten auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und Kooperationen anzubahnen. Die durch die Veranstaltung entstandenen CO2-Emissionen wurden im Rahmen eines Klimaschutzprojekts kompensiert.