Logo Land Hessen

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

8. Hessischer Klimaempfang

25. April 2018, Schloss Biebrich

Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Schellnhuber, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung, zu Gast in Wiesbaden

Der Einladung des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) und des Hessischen Umweltministeriums zum 8. Hessischen Klimaempfang im Schloss Biebrich folgten 400 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft. Fernsehmoderator Thomas Ranft begrüßte die Anwesenden und führte durch das Abendprogramm. Eröffnet wurde die Veranstaltung von Priska Hinz, der Hessischen Staatsministerin für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Als Gastredner sprach Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Schellnhuber, einer der renommiertesten Klimaforscher der Welt, der nicht nur national, sondern auch international den Diskurs über den Klimawandel prägt und die Suche nach nachhaltigen Lösungen antreibt.

2017 war weltweit mit 320 Milliarden US-Dollar das teuerste Jahr in Bezug auf Wetterkatastrophen. „Die extremen Wetterereignisse nehmen zu und treffen vor allem die ärmeren Teile der Welt“, warnte die hessische Klimaschutzministerin Priska Hinz anlässlich des 8. Hessischen Klimaempfangs. Die Verantwortung für die Begrenzung des Klimawandels trügen alle Menschen global, jedoch appellierte die Ministerin an die besondere Verantwortung der Industrieländer. Ein schneller Kohleausstieg und eine Verkehrswende seien national dringend notwendig, um der ökologischen, sozialen und ökonomischen Verantwortung gerecht zu werden. Es sei viel zu tun, auch in Hessen, betonte die Ministerin. Mit dem im März 2017 beschlossenen Integrierten Klimaschutzplan Hessen 2025 (iKSP 2025) verfolge Hessen das Ziel, bis 2050 klimaneutral zu sein. Dafür seien bisher 140 Millionen zur Verfügung gestellt worden.

Um aber auch den Fragen der Klimafolgenanpassung gerecht zu werden, berichtete Hinz, würde diesen Sommer das Fachzentrum Klimawandel um den Bereich Anpassung erweitert. „Das Fachzentrum Klimawandel und Anpassung, die praxisorientierte Aufbereitung des Wissens für Kommunen und Unternehmen, ist eine der prioritären Maßnahmen des bundesweit einzigartigen Klimaschutzplans.“ Um auch die Bürgerinnen und Bürger in Hessen zu aktivieren, würde eine Kampagne mit dem Slogan „Klimaschutz beginnt hier. Mit mir“ ins Leben gerufen. Denn, so Hinz: „Der Klimawandel betrifft uns alle und wir alle können etwas tun.“

Die Rede der Ministerin können Sie als Dokument und als Videodatei herunterladen. Im Sinne des Medienrechts gilt das gesprochene Wort.

Im Anschluss sprach Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Schellnhuber. Er ist langjähriges Mitglied des Weltklimarats (IPCC) sowie des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung für Globale Umweltveränderungen (WBGU). Neben seiner Tätigkeit als Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), welches er im Jahr 1992 gründete, ist er Professor für Theoretische Physik an der Universität Potsdam und Senior Research Fellow am Stockholm Resilience Centre. Für sein großes politisches Engagement wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz, dem Deutschen Umweltpreis und dem „Blue Planet Prize“ ausgezeichnet.

Eindrücklich stellte Prof. Schellnhuber dar, dass der Mensch zu einem der wichtigsten Einflussfaktoren auf die biologischen und atmosphärischen Prozesse auf der Erde geworden ist.

Prof. Schellnhuber sieht die Klimakonferenz von Paris als politischen Wendepunkt, wobei er anmerkte, dass noch nicht sicher sei, ob dieser noch rechtzeitig kommt. „Die 2°C-Leitplanke ist wichtig und richtig, dennoch wissen wir nicht, ob wir das System stabil bei 2°C oder 1,5°C parken können“, betonte Schellnhuber. Er verwies darauf, dass der Organismus Erde nur funktionieren könne, wenn komplexe natürliche Systeme wie der Amazonasregenwald und das Great Barrier Reef, die Monsun-Zyklen, der Golfstrom und die großen Eisschilde intakt bleiben. Bei 2°C Erwärmung würden fünf dieser sogenannten Kipp-Punkte bereits aktiviert, was bedeutet, dass die betroffenen Systeme nicht mehr in ihre Ursprungszustände zurückkehren können, hob Schellnhuber hervor und nannte einige Beispiele. „Bereits jetzt hat der Golfstrom 15 Prozent seiner ursprünglichen Stärke verloren. Bei 1,5°C Erwärmung werden 90 Prozent der Korallenriff-Organismen absterben. Und bei einer Erwärmung zwischen 1,5 und 2°C wird der Grönländische Eisschild zu schmelzen beginnen“, so Schellnhuber.

Hier können wir Großunfälle im System Erde nur noch vermeiden, wenn wir erstens Paris umsetzen und zweitens ganz viel Glück haben“, so Schellnhuber. „Wir müssen die Moderne neu erfinden. Wir müssen uns anders bewegen, wir müssen von der industriellen Landwirtschaft Abstand nehmen, wir müssen unsere Stromerzeugung völlig anders fahren und wir müssen unsere Städte und Straßen aus anderen Materialien bauen. Hört sich verrückt an, hört sich zu viel an, als man umsetzen kann. Aber die Tatsache ist, all das ist inzwischen möglich.“ Um also unsere Lebensgrundlage nicht zu zerstören, schloss Prof. Schellnhuber den Abend mit dem Appell: „Let’s do something!“

Die Rede von Prof. Dr. Dr. h.c. Hans Joachim Schellnhuber können Sie als Videodatei herunterladen. Im Sinne des Medienrechts gilt das gesprochene Wort. Die Präsentationsfolien sind aus urheberechtlichen Gründen nicht veröffentlicht.

Auch dieses Jahr wurde beim Klimaempfang deutlich, dass die Anstrengungen in Bezug auf Klimaschutz und Klimaanpassung in der ganzen Gesellschaft deutlich verstärkt werden müssen, es aber trotz vieler negativer Meldungen auch noch Hoffnung gibt. Entscheidungsträger aus unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen hatten die Möglichkeit, sich über Ideen, Projekte und geplante Maßnahmen zum Schutz des Klimas und zur Anpassung an den bereits heute stattfindenden Klimawandel auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und fruchtbare Kooperationen anzubahnen.
Die durch die Veranstaltung entstandenen CO2-Emissionen wurden im Rahmen eines Klimaschutzprojekts kompensiert.