Mittelgebirgskonferenz 2026: Zusammenfassung

Der Klimawandel ist schon bei uns angekommen und stellt uns überall vor Herausforderungen. Dabei sind die Betroffenheiten in den Regionen unterschiedlich. Gerade in Mittelgebirgsregionen haben die Kommunen oft ähnliche Problemstellungen. Die fünf Bundesländer Baden-Württemberg, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Thüringen führten deshalb am 17. März 2026 die dritte gemeinsame Online-Konferenz zum Thema „Anpassung an den Klimawandel in Mittelgebirgsregionen“ durch.
Prof. Dr. Thomas Schmid, Präsident des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer im Namen aller fünf Bundesländer und stellte klar, dass wir uns schon jetzt dringend an die Folgen des Klimawandels anpassen müssen. Dabei darf auch Klimaschutz nicht vergessen werden, denn unsere Anpassungsmöglichkeiten haben Grenzen und ein ungebremster Klimawandel würde unsere Möglichkeiten zur Anpassung übersteigen.
Am Vormittag fanden zwei parallele Workshops zu „Biodiversität und Klimaanpassung“ und zu „Hitze, Trockenheit und Bewässerung“ statt. Am Nachmittag fanden zwei weitere parallele Workshops zu „Anpassung im Bestand, Entsiegelung“ und zu „Starkregen, Sturzfluten“ statt. In jedem Workshop wurden anhand von Praxisbeispielen aus Kommunen Probleme und mögliche Lösungen diskutiert und abschließend über Fördermöglichkeiten informiert.
Auch dieses Jahr war die Resonanz mit über 1.000 Anmeldungen erneut sehr stark. Die Möglichkeiten zu Fragen und Diskussion wurde in den Workshops und auch in der Mittagspause an den virtuellen „Cafétischen“ rege genutzt.
Vielfalt ist der Inbegriff von Stabilität und Anpassungsfähigkeit eines jeden Systems. Mit vier Vorträgen verdeutlichte das der Workshop „Biodiversität und Klimaanpassung“ eindrücklich. Vom Menschen geschaffene Veränderungen müssen dabei nicht sterile Landschaften sein, sondern können am Beispiel Thüringer Abbaustätten wertvollen Lebensraum für Pionieramphibien in temporären Kleinstgewässern bieten. Auch innerstädtische naturnahe Flächen bieten wertvolle Räume für Pflanzen, Tiere und Menschen. Die Stadt Pirmasens im Pfälzer Wald lässt Straßenkreuzungen erblühen und in der nordrhein-westfälischen Stadt Werther wird der Schwarzbach zur urbanen Lebensader. Als Neophyten werden „unter Beteiligung des Menschen in neues Gebiet außerhalb ihres Heimatareals eingebrachte Pflanzen“ bezeichnet. Das kann komplette Ökosysteme zerstören, aber auch den Menschen ganz direkt spürbar betreffen. Höhere CO2-Konzentration und damit einhergehende höhere Temperatur fördert z.B. das Wachstum von Ambrosia, führt zu früherem Blühen und stärkerer Pollenbildung; zusätzlich steigt die Allergen-Konzentration in den Pollen mit zunehmendem CO2-Gehalt. Einige Neophyten profitieren von den sich vollziehenden Klimaveränderungen, während andere davon zurückgedrängt werden. Umso wichtiger ist eine vielfältige, diverse Landschaft, die auch mit neuen Arten umgehen kann – deren Ausbreitung hemmt oder sie in ein neues, funktionierendes Gleichgewicht integriert.
Auch im Workshop „Hitze, Trockenheit und Bewässerung“ standen konkrete Ansätze zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels im Mittelpunkt. Die Beiträge zeigten praxisnah, wie Kommunen und Regionen mit zunehmender Hitzebelastung und Trockenperioden umgehen. Hitzeaktionspläne sollten idealerweise von der (langfristigen) Hitzeprävention über den Hitzeschutz (proaktiv) bis zur Hitzebewältigung (akut) reichen, wie die Stadt Attendorn zeigt. Auch die zunehmende Hitzebelastung an Schulen wurde thematisiert und im entsprechenden Café-Tisch, welcher im Anschluss an die Mittagspause stattfand, sehr rege diskutiert. Die Kommune Großenhain nutzt Regenwasser von Dach- und Hofflächen zur Speicherung und automatischen Bewässerung von Alleebäumen. Das funktioniert nur, wenn es vor der Trockenphase auch geregnet hat, aber dann reduziert es den Pflegeaufwand für Stadtgrün erheblich. Auch im Breisgau wird Wasser knapper. Dort wurde ein neuer Wasserverband gegründet, der leicht zugängliches Grundwasser in Rheinnähe in die Regionen liefert, wo Grundwasser schwer erschließbar und stark nachgefragt ist.
Gerade im Bestand ist Klimaanpassung durch blaue und grüne Infrastrukturen oft schwierig. Einige Beispiele zeigten jedoch, wie es trotzdem gehen kann. Piko-Parks stellen eine mögliche Aufwertung für innerstädtische Grünflächen dar. Ein Beispiel aus Bonn schildert die Verwandlung einer unstrukturierten Rasenfläche in ein buntes Biotop, das neben der Biodiversität auch die Aufenthaltsqualität und das Mikroklima verbessert. Gewerbegebiete können oftmals mit relativ geringen Mitteln aufgewertet werden. Von Straßenbegleitgrün über Rest- und Randflächen bis zur Fassadenbegrünung lassen sich viele Maßnahmen umsetzen, die am Ende die Zufriedenheit von Mitarbeitenden und Kunden erhöhen. Schulhöfe sind oft reine Betonwüsten, die zwar leicht zu pflegen sind, sich aber im Sommer wie Backöfen aufheizen und Starkregen oberflächig ableiten. Zukunftsfähige Schulhöfe sind dagegen biodivers begrünt, strukturiert, beschattet und regen zu Naturerlebnis, Erholung und Spiel an. Der Kreis Euskirchen bietet zudem Hauseigentümern, die ihre Flächen eigenständig entsiegeln, deren kostenlose Bepflanzung an. So konnten schon einige Schottergärten zurückgebaut werden.
A und O ist bei allen vorgestellten Maßnahmen die frühzeitige und umfassende Einbindung der Betroffenen, seien es die Anwohnenden, die Schülerinnen und Schüler oder die Firmen im Gewerbegebiet.
Die Sturzflutkatastrophe im Ahrtal 2021 ist uns allen noch gut in Erinnerung. Auch viele andere Kommunen haben teilweise verheerende Schäden durch Starkregen erfahren. Was haben wir daraus gelernt?
Organisatorisch sind lokale Vorsorgestrukturen und soziale Netzwerke, Pegel- und Frühwarnsysteme, Interkommunale Kooperation in Einzugsgebieten sowie Eigenvorsorge und Risikokultur zentrale Bausteine für Resilienz gegenüber den Folgen von Starkregenereignissen. Diese Strukturen lassen sich präventiv aufbauen und stärken und können „im Fall der Fälle“ ausschlaggebend für die Bewältigung einer Krise sein. Schutzmaßnahmen reichen dabei von Hochwasserrückhaltebecken über optimierte Straßeneinläufe bis zu Sirenen und angepassten Notfallplänen. Geplante Maßnahmen sollten nach kurz-, mittel- und langfristig unterteilt werden und in Form von Steckbriefen mit Verantwortlichen und Zielgruppen in klaren Umsetzungsschritten festgehalten werden. In vielen Kommunen nehmen die versiegelten Flächen immer noch drastisch zu und vergrößern somit potenziell die Probleme. Wenn dann noch eine ungünstige topographische Lage in einem Flusstal hinzukommt, müssen Lösungen gefunden werden, die außerhalb der bebauten Fläche umgesetzt werden können. Dazu können z.B. Key-Line-Design oder Agroforst auf landwirtschaftlichen Flächen den Wasserrückhalt in der Fläche erhöhen, das Grundwasser anreichern, Erosion mindern und die Unterlieger gegen wild abfließendes Wasser schützen.
Werkzeugkoffer
Bundesförderprogramme
- Förderrichtlinie Natürlicher Klimaschutz in Kommunen
Fokus: Kommunale Maßnahmen zu Klimaschutz und Klimaanpassung, verschiedene Handlungsfelder - UBA-Wettbewerb Blauer Kompass
Fokus: Prämierung von innovativen, wirksamen und nachhaltigen Lösungen für den Umgang mit den Auswirkungen des Klimawandels - Forschung für Nachhaltigkeit (FONA) KMU-innovativ
Fokus: Spitzenforschung in kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) für die Ressourcen Wasser und Rohstoffe und für den Ausbau der Kreislaufwirtschaft. - Städtebauförderung (Bundesprogramm)
Fokus: Unter anderem: Herstellung nachhaltiger städtebaulicher Strukturen inklusive Klimaanpassung - Förderung energieeffiziente Gebäude (Hitzeschutz)
Fokus: Dämmung der Gebäudehülle, außenliegender Sonnenschutz - Allgemein: Förderdatenbank des Zentrums KlimaAnpassung (ZKA)
Fokus: Informationen zu Fördermöglichkeiten für die Umsetzung von Klimaanpassung auf lokaler Ebene
Förderprogramme Hessen
- Klimarichtlinie
Fokus: Klimaschutz und Klimaanpassung in Kommunen
https://landwirtschaft.hessen.de/klimaschutz/foerderung-klimarichtlinie - Hochwasserschutz
Fokus: Gewässerentwicklung und Renaturierung
https://landwirtschaft.hessen.de/wasser/fluesse-und-baeche - Extremwetter – Wald
Fokus: Beseitigung von Schäden im Wald nach Extremwetter
https://landwirtschaft.hessen.de/wald/foerderung - Agrarumweltprogramm HALM
Fokus: nachhaltige Landbewirtschaftung
https://landwirtschaft.hessen.de/landwirtschaft/foerderung/agrarumweltprogramm - Dortentwicklung
Fokus: Dorf- und Regionalentwicklung
https://landwirtschaft.hessen.de/heimat/dorfentwicklung - Klimakontingent
Fokus: Klimaschutz- und Klimaanpassungsmaßnahmen innerhalb der Städtebauförderung
https://nachhaltige-stadtentwicklung-hessen.de/
Nützliche Materialien Hessen
Klimaportal Hessen (Klimadaten Vergangenheit und Zukunft)
Hitzeviewer Hessen
Entscheidungs- und Ausschreibungshilfen für Stadtklimaanalysen
Starkregenviewer Hessen
Checkliste für Klimaangepasste Quartiere in Hessen
Hilfestellung für Kommunen für klimaresiliente Gewerbegebiete
Kommunale Etablierungseinschätzung der Asiatischen Tigermücke (auch für BaWü, RLP und TH verfügbar)
Online-Tool Stadtgrün im Klimawandel zur Unterstützung bei der Auswahl klimaresilienter Begrünung (Bäume, Dach- und Fassadenbegrünung) für den Siedlungsraum
Waldentwicklungsziele Wald der Zukunft: Hessen erweitert die Baumartenpalette | landwirtschaft.hessen.de