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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Was zeichnet Insekten aus?

Alles begann vor 480 Millionen Jahren — lange vor den Dinosauriern. Die Landpflanzen entfalteten sich. Die Erde wartete darauf erobert zu werden. Und die Insekten waren bestens aufgestellt. Das Außenskelett konnte neue Formen wie Haare, Höcker und auch Flügel bilden, ohne gleich den inneren Bauplan zu ändern. Diese plastische Anpassungsfähigkeit des Grundbauplans, gepaart mit der Ausbildung unzähliger nuancenreicher Farben, erlaubte verschiedenste Überlebens- und Anpassungsstrategien.

Gleichgültig ob mit oder ohne Flügel — Insekten sind in Kopf, Brust und Hinterleib gegliedert. Jedes der drei Körperteile hat seine Aufgabe: Der Kopf ist mit Augen und Antennen für Sehen, Riechen und Tasten zuständig — Mundwerkzeuge für die Nahrungsaufnahme. Die drei Beinpaare am Brustkorb ermöglichen eine Fortbewegung, Flügel das Fliegen. Der Hinterleib übernimmt Verdauung und Fortpflanzung.

Die Ausstülpung der Flügel aus Hautfalten machte Insekten für lange Zeit zu alleinigen Herrschern der Lüfte. Die Besiedlung neuer, aller nur erdenklicher Lebensräume und enge Bindungen an Blütenpflanzen führten zur Ausbildung zahlloser neuer Arten. Einen ersten Höhepunkt ihrer Entwicklung erreichten die Fluginsekten vor über 300 Millionen Jahren in den Kohlesümpfen des Karbons. Riesenlibellen erreichten damals eine Spannweite von 75 Zentimeter. Grund war ein besonders hoher Sauerstoffgehalt in der Luft, der dem eher passiven Atmungssystem der Insekten entgegenkam.

Ob Laufbeine, Sprungbeine oder Schwimmbeine, ob zwei oder vier Flügel, ob Hautflügel oder Deckflügel, ob Legebohrer oder Wehrstachel, die Liste der Anpassungen an unterschiedliche Umweltverhältnisse und Lebensweisen im Laufe der Evolution ist unendlich. Mitentscheidend für die Entstehung neuer Arten waren Farben und Formen zur Tarnung und Täuschung sowie Abwandlungen der Mundwerkzeuge — je nach Nahrungswahl.

Insekten nehmen sowohl tierische als auch pflanzliche Kost zu sich. Die Mundwerkzeuge haben sich über Jahrmillionen perfekt an die jeweils gewählte Nahrung angepasst. Ursprünglich ist der kauend-beißende Typ zur Aufnahme fester Nahrung. Um saugen zu können, wandelten sich die Mundwerkzeuge im Laufe der Evolution auf verschiedene Art und Weise zu Nahrungsrören. Schmetterlinge haben sich lange ausrollbare Saugrüssel zugelegt. Die Honigbiene ernährt sich leckend-saugend. Wanzen, Käfer und Stechmücken haben scharfe oder spitze Instrumente entwickelt, um zu stechen und zu saugen. Fliegen gehen mit ihrem Rüssel eher tupfend und saugend um. Eine unfassbare Formenfülle an Mundwerkzeugen ist entstanden und hat zur Ausbildung unzähliger Insektenarten geführt.

Insekten haben fantastische Sinnesorgane entwickelt, mit denen sie uns Menschen in manchen Bereichen weit überlegen sind. Mit kleinen Härchen können sie Gerüche, Schwingungen, Temperaturen und Feuchte wahrnehmen. Mit ihren Fühlern können sie schmecken, riechen und tasten. Ihr Geschmackssinn befindet sich in besonderen Borsten. Auf den Antennen sitzen viele Tausend haarförmige Ausstülpungen mit geruchsempfindlichen Zellen. Echte Gehörorgane können nur wenige Insekten wie die Heuschrecken vorweisen, die diese an den Beinen haben.

Tausendfach sehen

Im Tierreich hat es unabhängige Augenentwicklungen gegeben. Die Komplexaugen der Insekten bestehen aus bis zu 30.000 keilförmigen Einzelaugen, die ein Gesamtbild entstehen lassen und Bewegungen präzise registrieren. Daneben gibt es noch Punktaugen zur Hell- und Dunkelwahrnehmung − Ocellen genannt.

Mit den Farben der Biene

Bienen sehen die Welt ganz anders als Menschen. Während wir Mischungen der Grundfarben Rot, Grün und Blau wahrnehmen, sehen Bienen im UV-Bereich. Sie nehmen Zeichen wahr, die uns verborgen sind. So zeigen Pflanzen, wo sie landen und wo sie Nektar oder Pollen finden können.

In der Insektenwelt haben sich unterschiedliche Entwicklungsformen vom Jugendstadium zum geschlechtsreifen Tier durchgesetzt. Neben der Urform mit wasserlebenden Larven gibt es die, die von Häutung zu Häutung dem erwachsenen Tier immer ähnlicher werden und die, die sich über ein Puppenstadium vollständig verwandeln.

Verwandlungskünstler im Vielfaltsrausch

Die ursprünglichsten Fluginsekten wie Libellen und Eintagsfliegen entwickeln sich über wasserlebende Larven. Bei Heuschrecken und Wanzen gleichen alle Jugendstadien — Nymphen genannt — den Erwachsenen. In der Evolution besonders erfolgreich sind allerdings Insekten mit vielgestaltigen und langlebigen Larvenstadien. Diese führen ein eigenwilliges Leben in Boden, Holz und Wasser, das auf Fressen und Wachsen ausgelegt ist. Mit dieser Entwicklung hat sich die Fähigkeit der Fluginsekten erhöht, unterschiedlichste Nischen zu nutzen. Die Aufgaben der geschlechtsreifen Erwachsenen haben sich auf Fortpflanzung und Verbreitung reduziert. Die vollständige Verwandlung von der Larve zum ausgewachsenen Insekt vollzieht sich in einer Puppe.