Naturschutzdaten

Wichtige Grundlage der Naturschutzarbeit ist die Erfassung und Bereitstellung von qualitätsgeprüften Naturschutzfachdaten. Unser umfassender Datenbestand HEBID (Hessische Biodiversitätsdatenbank), zusammengetragen aus unterschiedlichsten Datenquellen, dient einer Vielzahl von Projekten, Konzepten, Berichten und Maßnahmen als Datengrundlage. Auf den weiterführenden Seiten informieren wir Sie über die Erfassung von Arten, Biotopen und Lebensräumen, das Naturschutzinformationssystem sowie die Fernerkundung im Naturschutz.
MultiBaseCS
In der Abteilung Naturschutz des HLNUG läuft ein Großteil der in Hessen erfassten Artdaten zusammen. Diese werden im Dezernat N4 „Naturschutzdatenhaltung“ in einer zentralen Datenhaltung vorgehalten. Hierfür wird das Arterfassungsprogramm MultiBaseCS verwendet, welches im Jahr 2017 in Hessen eingeführt wurde. Mittlerweile wird MultiBaseCS von sieben Bundesländern und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) genutzt, welche sich in einer Länderkooperation zusammengeschlossen haben, um die Fortentwicklung des Programmes gemeinsam zu gestalten. Ab dem Jahr 2024 müssen alle Bundesländer verpflichtend das Fauna-Flora-Habitat-Modul von MultiBaseCS für die Abgabe der Daten im Rahmen der FFH-Berichtserstattung an das BfN verwenden.
Aktuell werden in der Artkartierung Hessen AKH (Stand 6/2026) ca. 5,5 Millionen qualitätsgeprüfte Datensätze zu ca. 17.000 Taxa vorgehalten. Diese Daten können beim HLNUG über das Abfrageformular angefragt werden.
Schulungen
Das Dezernat N4 des HLNUG bietet jährlich Schulungen rund um das Artenerfassungstool in der Naturschutzakademie Hessen in Wetzlar an.
Hier können sowohl Einsteigerinnen und Einsteiger, als auch Fortgeschrittene den Umgang mit dem Programm erlernen. Interessant ist dies für Personen, die Arten in Hessen erfassen. Das sind beispielsweise Planungsbüros, Ehrenämtler und auch Werkvertragsnehmer, die im Auftrag des HLNUG ein Artmonitoring durchführen. Die direkte Arterfassung mit MultiBaseCS hat den Vorteil, dass auch die Integration in die AKH deutlich erleichtert wird.
Das Programm MultiBaseCS steht in einer kostenfreien Home Edition zur Verfügung. Diese kann unter der MultiBaseCS Website heruntergeladen werden. Wird für das Ehrenamt, beispielsweise Naturschutzverbände, die Professional Version benötigt, kann diese vom Dezernat N4 kostenfrei zur Verfügung gestellt werden. Interessierte können sich per Kontaktformular informieren.
Arten melden
Beobachtungen von ausgewählten geschützten oder invasiven Arten können dem HLNUG über das Meldeportal gemeldet werden. Dahinter steckt der Forschungsansatz von Citizen Science - sogenannten Bürgerwissenschaften. Dabei tragen Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftler mit ihren Beobachtungen dazu bei, wissenschaftliche Fragen beispielsweise zu dem Vorkommen einer Art zu beantworten.

Erfassung von Biotopen und Lebensräumen (HLBK-Erweiterung für QGIS)
Die Hessische Lebensraum- und Biotopkartierung (HLBK) dient der umfassenden Erfassung und Bewertung von Biotopen und Lebensräumen, die für den Naturschutz besonders wertvoll sind. Sie ermöglicht die Dokumentation von Lebensraumtypen gemäß der FFH-Richtlinie und gesetzlich geschützten Biotopen in Hessen und ist ein entscheidendes Instrument für die naturschutzfachliche Planung, die Abschätzung von Eingriffsfolgen und die Ableitung von Biotopverbundplanungen.
Um die Kartierung effizient und benutzerfreundlich zu gestalten, wurde eine spezielle Erweiterung (sog. Plugin) für das Open-Source-Geographische Informationssystem (QGIS) entwickelt. Zur Speicherung der räumlichen Daten wird eine SQLite-Datenbank verwendet. Die Software steht seit Mai 2018 für die Erfassung der HLBK-Ergebnisse zur Verfügung und wird fortlaufend im Austausch mit den Kartierenden weiterentwickelt.
Zentrale Aufgaben des Plugins
Das Plugin unterstützt alle Schritte der HLBK-Kartierung und Qualitätssicherung:
- Vorbereitende Daten: Das Plugin ermöglicht den einfachen Zugriff auf relevante naturschutzfachliche Materialien und Daten, die für die Kartierung von Biotopen und Lebensräumen erforderlich sind. Nutzer können so alle notwendigen Informationen direkt in QGIS einsehen.
- Arbeitskarten für die Geländearbeit: Für die Geländearbeit können Karten mit vorgefertigten Layouts und Styles erstellt und ausgedruckt werden. Diese Karten sind speziell auf die Anforderungen der Kartierenden im Feld abgestimmt und erleichtern die Arbeit vor Ort.
- Erfassung von Kartierungsergebnissen: Das Plugin führt die Anwender durch die Eingabe wichtiger Informationen, etwa die Abgrenzungen von Biotopen und Lebensräumen sowie fachliche Daten wie Wertstufen oder Angaben zu gefährdeten Arten (z. B. der Roten Liste). Diese Erfassungsdaten sind entscheidend für eine präzise und standardisierte Dokumentation der Kartierungsergebnisse.
- Aufbereitung und Weitergabe der Ergebnisse: Die erfassten Daten können im Anschluss in einem Format zusammengestellt werden, das für die Weitergabe oder Auswertung geeignet ist. Dies erleichtert die Kommunikation mit anderen Fachstellen und Behörden.
Qualitätsprüfung der Kartierungsergebnisse: Ein zentraler Bestandteil des Plugins ist die integrierte Qualitätsprüfung. Sie stellt sicher, dass die erfassten Biotope und Lebensräume topologisch konsistent und die Mindestgrößen erfüllt sind sowie alle erforderlichen Parameterangaben (z. B. Artenangaben oder Wertstufen) vollständig und korrekt eingegeben wurden.
Technische Umsetzung
Die Anwendung nutzt den Funktionsumfang von QGIS zum Erstellen, Bearbeiten und Verwalten von Vektor- und Rasterdaten und ergänzt diese um die spezifischen Eingabemöglichkeiten für die HLBK-Sachdatenerfassung. Die Erfassung von Geodaten und Sachinformationen erfolgt integriert und erforderliche Kartierungsgrundlagen können über Web-Dienste bereitgestellt werden. Qualitätssichernde Funktionen unterstützen die Anwenderinnen und Anwender dabei, die Daten konsistent nach der HLBK-Methodik zu erfassen.
Weitere Informationen und Vorträge
Im Rahmen der FOSSGIS 2025 wurde das Plugin zur Hessischen Lebensraum- und Biotopkartierung (HLBK) in einem gemeinsamen Vortrag des HLNUG und des IT-Dienstleisters GeoSYS vorgestellt. Der Vortrag, der einen detaillierten Einblick in die Nutzung des Tools gibt, wurde auch auf YouTube veröffentlicht und kann hier angesehen werden.
Kartieranleitung zur Hessischen Lebensraum- und Biotopkartierung (HLBK)
Bei Fragen zur technischen Umsetzung oder bei Intresse zur eigenen Nutzung, wenden Sie sich gerne per Kontaktformular an uns.
NATUREG
NATUREG (kurz für NATurschutz-REGister) bezeichnet das interne Naturschutzinformationssystem des Landes Hessen. In diesem Datenbank- und GIS- gestützten System werden alle Sach- und Geodaten zu Flächen und Flurstücken mit rechtlichen Bindungen zugunsten des Naturschutzes sowie sonstige naturschutzfachliche Fachinformationen zentral vorgehalten. Die rechtliche Grundlage und Verpflichtung hierzu befindet sich in § 52 Hessisches Naturschutzgesetz (HeNatG).
Folgende Informationen werden in NATUREG gepflegt:
- Kompensationsverfahren und dazugehörige Kompensationsmaßnahmen
- Ökokonten und dazugehörige Ökokontomaßnahmen
- Förderprojekte und dazugehörige Fördermaßnahmen
- Flächen im Besitz des Landes, die aus Naturschutzgründen erworben wurden ("Naturschutzflächen")
- Nationale Schutzgebiete (Naturschutzgebiete, Landschaftsschutzgebiete, Nationalparks, Naturdenkmale, Geschützte Landschaftsbestandteile, Biosphärenreservate, Naturparke, Nationale Naturmonumente)
- NATURA 2000-Gebiete (FFH-Gebiete und Vogelschutzgebiete)
- FFH-Verträglichkeitsprüfungen
- Maßnahmenplanung (Erstellung der Bewirtschaftungspläne für NATURA-2000-Gebiete gemäß §§ 26 und 31 HeNatG inkl. Budget-Controlling)
Anwenderkreis
Das Informationssystem NATUREG steht allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der zuständigen hessischen Fachbehörden zur Pflege der Sach- und Geodaten und als naturschutzfachliches Informationssystem zur Verfügung.
Folgende Dienststellen haben Zugang zu NATUREG:
- Obere Naturschutzbehörden
- Untere Naturschutzbehörden
- Ämter für ländlichen Raum
- Forstämter
- Ministerien, Regierungspräsidien und Kommunen
- u. a.
Schulungen
Es werden regelmäßig Schulungen zu verschiedenen Anwendungsbereichen und Themen des NATUREG angeboten. Das aktuelle Schulungsangebot finden Sie immer auf der Website der Naturschutzakademie Hessen oder direkt in der NATUREG-Anwendung selbst im allgemeinen Informationsbereich.
Abgrenzung zum NATUREG-Viewer
NATUREG ist nicht mit dem NATUREG-Viewer zu verwechseln. In NATUREG werden die o. g. naturschutzfachlichen Daten gepflegt und es steht ausschließlich dem o. g. Anwenderkreis zur Verfügung. Interessierte Bürgerinnen und Bürger können ausgewählte naturschutzfachliche Daten im Internet über den NATUREG-Viewer einsehen.
Links
- NATUREG-Viewer
- Schulungsinformationen der NAH
- Weiterführende Informationen zur Kompensation und HAND-Schnittstelle
Ansprechpartner
Die Fernerkundung gewinnt in der naturschutzfachlichen Arbeit immer mehr an Bedeutung. Mit der Hilfe von Drohnen, flugzeug- oder satellitengestützten Aufnahmesystemen ist es möglich, aktuelle, hochaufgelöste Aufnahmen der Natur zu erhalten. Diese Informationen können unterstützend bei den aktuellen terrestrischen Kartierungen eingesetzt werden, oder aber setzen neue Standards, wie das Beispiel der Mahdanalyse zeigt. Daher beteiligt sich das HLNUG als Kooperationspartner an Projekten mit Fernerkundungsschwerpunkt oder führt eigene Projekt durch.
Abgeschlossene HLNUG-Projekte:
„Neuerfassung von Gehölzen, Baumreihen, Alleen und Streuobst mittels visueller Interpretation von digitalen Orthophotos für ganz Hessen“ (Laufzeit 2011-2012/2017)
Das Projekt wurde im November 2011 gestartet und der Schwerpunkt der Arbeiten fand im Jahr 2012 statt. 2017 wurde das Projekt abgeschlossen. Als Grundlage für die visuelle Interpretation wurden digitale Orthophotos der Jahre 2008 - 2010 eingesetzt. Als zusätzliche, unterstützende Information dienten die Daten der Hessischen Biotopkartierung, ATKIS- und ALK-Informationen, Daten der Landschaftselementekartierung der Landwirtschaftsverwaltung von 2010 und HLNUG-Gewässerdaten. Die Erfassung ist eine visuelle Interpretation am Bildschirm, es handelt sich nicht um eine terrestrische Kartierung vor Ort im Gelände. Wie die einzelnen Objekte am Bildschirm abgegrenzt wurden ist in der „Information zur Erfassung der einzelnen Objekte“ dargestellt.
„Klassifikation von wertvollem Grünland in Hessen mittels Fernerkundungsdaten“ (Laufzeit 2021-2023)
Im Rahmen der Hessischen Lebensraum- und Biotopkartierung (HLBK) werden aktuell Informationen zu schützenswerten Lebensräumen und Biotopen detailliert vor Ort erfasst. Diese terrestrische Erfassung ist flächendeckend in ganz Hessen jedoch mit einem hohen zeitlichen und personellen Aufwand verbunden.
Unterstützt werden kann die Kartierung vor Ort durch die Auswertung von Fernerkundungsaufnahmen, also berührungslosen Aufnahmen der Erdoberfläche, aufgenommen von Sensoren an Satelliten, Flugzeugen oder Drohnen. Aufnahmen liefern beispielsweise die Sentinel-Satelliten der Europäischen Weltraumorganisation im Rahmen des Copernicus Programms. Diese stehen in einer hohen zeitlichen Auflösung zur Verfügung, ganz Hessen wird in einem Abstand von wenigen Tagen wiederholt aufgenommen.
Ziel dieses Projekts war die Definition eines Suchraums für Grünland-Lebensräume und -Biotope auf Grundlage von Sentinel-Aufnahmen zur Unterstützung der HLBK. Eine Suchraumkulisse für Grünland umfasst die Fläche, die Kartierende vor Ort begehen und dort nach schützenswertem Grünland suchen. Aktuell wird dieser Suchraum manuell von Kartierenden erstellt. Im Rahmen des Projekts wird versucht diesen Suchraum auf Grundlage von Fernerkundungsdaten automatisch zu erzeugen. Schützenswertes, artenreiches und extensiv genutztes Grünland soll möglichst von nicht geschütztem, intensiv genutztem, sonstigem Grünland getrennt werden. Die Fläche, die vor Ort begangen werden muss, soll damit deutlich eingegrenzt werden und der Kartierungsaufwand vor Ort reduziert werden.
Ein weiteres Merkmal für eine schützenswerte Grünlandfläche kann beispielsweise ein später Zeitpunkt der ersten Mahd Ende Juni sein. Eine frühere Mahd Anfang Juni hingegen kann ein Merkmal einer intensiv genutzten, nicht geschützten, sonstigen Grünlandfläche sein. Der Mahdzeitpunkt kann mit Sentinel-Aufnahmen detektiert werde, beispielsweise mit Hilfe des sogenannten „Normalized Difference Vegetation Index“ (NDVI) der sich aus Sentinel-Daten berechnen lässt. Ein hoher NDVI-Wert deutet auf eine noch nicht gemähte Fläche hin, ein niedrigerer NDVI-Wert auf eine gemähte Fläche. Der Mahdzeitpunkt und die Mahdhäufigkeit sind wesentliche Aspekte eines Monitorings von wertvollem Grünland in Hessen. Aktuell hält das HLNUG eine Monitoringzeitreihe zum Mahdzeitpunkt / Mahdhäufigkeit von 2018-2024 vor.
„BuWaL-Hessen: Suchraum für buchenwalddominierte Natura-2000-Lebensraumtypen in Hessen“ (Laufzeit des Projektes 2023-2025)
Drei der 45 nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union geschützten natürlichen Lebensraumtypen, die in Hessen vorkommen, sind buchendominiert. Obwohl Buchen in diesen Lebensräumen vorherrschen, weisen sie auch andere Merkmale auf, was die direkte Identifizierung der Lebensraumtypen mittels Fernerkundung erschwert. Daher zielte dieses Projekt darauf ab, einen „Suchraum“ zu erstellen, der potenzielle Standorte dieser Lebensraumtypen durch die Integration von Fernerkundung, Geodaten und maschinellem Lernen identifiziert. Die Ziele dieser Studie waren:
- die Klassifikation Laubbaumarten in Hessen mithilfe von Sentinel-2-Mosaiken und einem Digitalen Geländemodell;
- die Bewertung der Leistungsfähigkeit unserer Klassifikationsergebnisse im Vergleich zu denen von Blickensdörfer et al. (2024) innerhalb Hessens;
- die Klassifikation potenzieller in Hessen vorkommender Buchen-Lebensraumtypen unter Nutzung der Buchenbaum-Maske, Sentinel-2-basierter Indizes und von Umweltvariablen;
- die Bewertung des relativen Beitrags unterschiedlicher Variablen zur Klassifikation der Buchen-Lebensraumtypen.
Die Gesamtgenauigkeit betrug für die Laubbaumartenklassifikation etwa 90 %, wobei die Buche mit einer Genauigkeit von rund 95 % die besten Ergebnisse erzielte.
Fernerkundungsprojekte gefördert durch das HLNUG:
„MOST 3D“ (Laufzeit2020-2023):
Entwicklung eines fernerkundungsbasierten MOnitoringsystems zur Bewertung der quantitativen und qualitativen Veränderung von STreuobstwiesen in Hessen mit Fokus auf 3D-Laserscanningdaten (MOST3D).
„MonA“ (Laufzeit 2021-2024)
Monitoring von naturschutzrelevanten Arten und Renaturierungsmaßnahmen per Fernerkundung (MonA). Möglichkeiten und Grenzen der Fernerkundung zur Detektion naturschutzrelevanter Pflanzenarten und zur Kontrolle von Renaturierungsmaßnahmen



