Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie – Startseite (hlnug.de)

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Schlingnatter (Glattnatter)

Helfen Sie uns mehr über die Verbreitung und Häufigkeit der Schlingnatter in Hessen zu erfahren und melden Sie uns Ihre Beobachtung.


Sie haben eine Schlingnatter gesehen?

Melden Sie hier Ihre Sichtung


Die Schlingnatter ist eine kleine, unscheinbare Schlange mit grauer oder brauner Grundfärbung und dem namensgebenden Krönchen (Coronella) auf dem Hinterkopf. Über den Rücken und die Flanken können sich eine bis drei Reihen dunklerer, oft verwaschener Flecken, selten Fleckenstreifen ziehen. Sie wird kaum länger als 70 cm. Sie ist ungiftig, harmlos und als kleine, unauffällige Schlange, kaum in der Vegetation zu entdecken. Die Tiere vertrauen sowohl auf ihre Tarnung wie auf eine auf den ersten Blick leichte Ähnlichkeit mit der in Hessen so gut wie nirgends anzutreffenden Kreuzotter. So bleiben sie bei einer Begegnung mit Menschen, von diesen unbemerkt, oft am Platz liegen. In Zeiten der aktiven Schlangenverfolgung wurden in manchen Gegenden Schlingnattern als giftige Kreuzottern mit diesen zusammen erschlagen. 

Die Aktivität der Tiere beginnt in Hessen schon im März und endet im Oktober / November. Die übrige Zeit verbringen die Schlangen in frostfreien Quartieren im Bodenlückensystem, unter Straßen- und Bahndämmen oder in alten Fundamenten.

Junge Schlingnattern sind auf junge, kleine Reptilien (Blindschleichen, Wald-, Zaun-, Mauereidechse) als Nahrung angewiesen. Größere Tiere ernähren sich neben Reptilien auch von Kleinsäugern, deren Nester unter der Erde aktiv aufgesucht und geplündert werden können.

In Anpassung an die Besiedlung kühlerer Lebensräume in Mittel- und Nordeuropa gebären Schlingnattern 4 bis 12 fertig entwickelte Junge, die im Augenblick der Geburt die Eihülle verlassen. Die Jungen sind sofort selbstständig. Geburten erfolgen meist in den Monaten August und September.

Die Schlingnatter bewohnt ein weites Band offener und halboffener Landschaftselemente. Grundlegend ist immer die Nahrungsbasis, weshalb viel Reptilien vorhanden sein müssen. Somit eignen sich besonders die typischen, mikroklimatisch günstigen Reptilienlebensräume mit einem Mosaik von Rändern und Säumen dicht bewachsener und vegetationsarmer Bereiche im Wechsel mit dichten Gebüschen, offenen und rasch sich erwärmenden Altgrasstreifen, Totholzhaufen, Steinriegeln- und Mauern. Böschungen und Gräben mit dem Wechsel feucht – kühler und trocken – warmer Abschnitte sind günstig. Häufig findet sich die Schlingnatter mit anderen Reptilien entlang von Bahnlinien mit ihren vom Bewuchs freigehaltenen Schotterkörpern. Auch strukturreiche Gärten werden bewohnt.

Hier sind vor allem die Erweiterungen von Siedlungen, der Straßenverkehr, Verkehr auf Wegen in Feld und Wald, sowie das Mähen von Grünland, Straßen- und Wegerändern zu nennen. Hinzu kommt die Nutzungsaufgabe in strukturreicher Kulturlandschaft mit nachfolgendem flächigem Gehölzaufwuchs (Sukzession, Vereinheitlichung). In und um Siedlungen geht von der großen Zahl freilaufender Hauskatzen eine erhebliche Gefahr für Reptilien und andere wildlebende Kleinwirbeltiere aus.

Die Anwesenheit der Schlingnatter in Gärten weist auf gute Bedingungen für weitere Reptilien und eine naturverträgliche Gartengestaltung hin. Förderlich sind die für artenreiche Gärten allgemein empfohlenen Maßnahmen wie „Unordnung“ und „wilde“ Bereiche mit Dickichten, Asthaufen, überständigem Pflanzenmaterial zu lassen und dichte Gebüsche zu erhalten. Wichtig ist ein kleinräumiges Mosaik offener, besonnter und schattiger, bewachsener Bereiche. Intensivrasen möglichst auf die wirklich benötigten Orte beschränken. Katzen im Haus lassen.

Verbreitungskarte Hessen: Fundpunkte ab 2010 bis heute.