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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Hessischer Biodiversitätsforschungsfonds

Wissenstransfer aus der Wissenschaft in die Praxis ist eine Kernaufgabe des Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie. Daher unterstützt das HLNUG mit seinem Biodiversitätsforschungsfonds seit 2018 unbürokratisch und gezielt Forschungsprojekte, die zum Schutz und zur Sicherung von Natur- und Landschaft in Hessen beitragen.

Antragsteller:

Hochschule Geisenheim University, Institut für angewandte Ökologie, AG Biodiversität und Ökosystemfunktionen, Prof. Dr. Ilona Leyer

Projektbeschreibung

Borstgrasrasen, saure Magerrasen und Heiden sind Lebensraumtypen der FFH-Richtlinie und durch Aufgabe der Nutzung sowie Eutrophierung und Nutzungsintensivierung gefährdet. Die letzten Reste dieser ehemals weit verbreiteten Lebensraumtypen sind heute meist geschützt und trotzdem häufig in keinem guten Erhaltungszustand. Untersuchungen haben gezeigt, dass sie sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert haben: Ein höheres Nährstoffniveau der Böden durch u.a. Stickstoffdeposition aus der Luft hat zu einer Zunahme von Moosen und einer Zunahme von toter Biomasse in Form von Streu auf den Flächen geführt. Dadurch hat die Artenvielfalt entweder abgenommen oder aber die charakteristischen Magerkeitszeiger wie z.B. Arnika sind zugunsten von Arten des Grünlandes stark zurückgegangen. Insgesamt ist der Offenbodenanteil, der für Magerrasen im Vergleich zum Grünland höher ist, deutlich reduziert, sodass die Samen der charakteristischen Magerrasen-Arten keine „Safe sites“ für die Keimung und die Etablierung der Jungpflanzen mehr vorfinden.

Im Rahmen des Projektes ArnikaHessen (www.arnika-hessen.de, gefördert durch BMUB, BMBF und BfN) konnten wir zeigen, dass Arnika und der Lebensraumtyp Heide bzw. Borstgrasrasen durch oberflächlichen Bodenabtrag profitiert, da dann wieder Offenboden für die lichtliebenden charakteristischen Arten zur Verfügung steht. Die Frage ist nun, ob kontrolliertes Brennen, wie es früher häufig zur Entfernung von Streu angewendet wurde, eine praxistaugliche und kostengünstige Alternative zum Oberbodenabtrag sein kann.

Mithilfe des Hessischen Biodiversitätsfonds des HLNUG wird dieser Frage nachgegangen. Hierfür wurden im Frühjahr 2018 und 2019 insgesamt 10 verfilzte und verbrachte Magerrasen und Heiden im Lahn-Dill-Kreis in Teilbereichen gebrannt. Zusätzlich wurde in Teilbereichen der Boden abgeschoben, um Brand- und Bodenabtrags-Maßnahmen vergleichen zu können. In die Brand-, Bodenabtrags- und nicht behandelten Kontrollplots wurden vorgezogene Arnika-Jungpflanzen und Arnika-Samen von benachbarten Beständen nach einem standardisierten Design eingebracht. Die nachfolgenden noch laufenden Untersuchungen umfassen die Erhebung der Keimungsraten, der Überlebensraten und der Fitness der Arnika-Jungpflanzen, der Vegetationszusammensetzung und verschiedener Bodenparameter. Aus den Ergebnissen sollen Handlungsempfehlungen für die Regeneration der hessischen Arnika-Bestände sowie ihrer Habitate formuliert werden.

Projektdauer

2018-2019

Projektpartner:

  • Landschaftspflegeverband Lahn-Dill-Kreis
  • Botanischer Garten der Philipps-Universität Marburg

Projekt-Homepage

https://www.hs-geisenheim.de/hochschule/mitteilungen-veranstaltungen-termine/nachrichten/archiv/detail-start/n/feuer-fuer-den-naturschutz/

Antragsteller

Universität Kassel, Landschafts- und Vegetationsökologie, Prof. Dr. Gert Rosenthal

Projektbeschreibung

Vorstudien zur Planung von Biotopverbund-Korridoren für Hüteschafhaltung in der Werra-Meißner-Region

In der Hessischen Biodiversitätsstrategie (HMUKLV 2016) wird die Landschaftspflege mit Schafen als Schlüsselkonzept für die Erreichung von Naturschutzzielen in wertgebenden Ökosystemen der Kulturlandschaft verstanden, die es durch zeitnahe Maßnahmen zu stützen gilt. Allerdings ist insbesondere die für den Naturschutz so wertvolle Betriebsform der Hüteschafhaltung nach wie vor rückläufig. Ein groß angelegtes und wissenschaftlich begleitetes Umsetzungsprojekt im Rahmen des Bundesprogramms Biologische Vielfalt zur Unterstützung der (Hüte-)Schäferei im Werra-Meißner-Kreis wird derzeit vom Fachgebiet Landschafts- und Vegetationsökologie der Universität Kassel vorbereitet.

Mit Unterstützung durch den Hessischen Biodiversitätsforschungsfonds konnten in den Förderjahren 2017 und 2018 zwei Vorstudien durchgeführt werden, die auf bestehenden Beweidungskonzepten im Werra-Meißner-Kreis aufbauen und wichtige Grundlagen für das avisierte Umsetzungsprojekt liefern. Die Darstellungen der ersten Vorstudie beinhalten eine Übersicht über die derzeitige Schutzgebietssituation und das Vorkommen und den Zustand geschützter, planungsrelevanter Lebensraumtypen und Arten. In Zusammenarbeit mit einem Hüteschäfereibetrieb wurde das derzeit bestehende Netzwerk aus genutzten Triebwegen und Weideflächen beispielhaft erfasst und dargestellt. Überdies wurden Engstellen im bestehenden Korridor herausgearbeitet und im Hinblick auf mögliche Lösungsansätze diskutiert.

In der zweiten Vorstudie wird das Konzept des geplanten Umsetzungsprojekts inhaltlich und räumlich erweitert. Unter anderem konnten weitere Schäfereibetriebe für die Teilnahme am geplanten Projekt gewonnen werden, die durch ihre unterschiedliche betriebliche Aufstellung als Beispielbetriebe besonders geeignet sind. Deren Flächen und Triebwege sollen im Zuge des avisierten Projekts zu intelligenten, naturschutzfachlich hochwertigen Flächenverbünden aufgewertet werden. Begleitend zu den Maßnahmen in der Fläche werden die Bereiche Öffentlichkeitsarbeit, Akzeptanzbildung, Umweltbildung, Tourismus und Vermarktung sowie die wissenschaftliche Begleitung des Projekts aus ökologischer und ökonomischer Sicht konzeptionell vorbereitet.

Projektdauer

2017-2018

Projektpartner

  • Universität Kassel, FG Betriebswirtschaft, Prof. Dr. Detlev Möller
  • Landkreis Werra Meißner, Fachbereich Landwirtschaft, Landschaftspflege, Natur- und Landschaftsschutz, Dr. Rainer Wallmann, Gerhard Müller-Lang
  • Geo-Naturpark Frau-Holle-Land, Marco Lenarduzzi, Susanne Pfingst
  • Schäfereibetriebe aus dem Werra-Meißner-Kreis
  • Schaf- und Ziegenberatungsstelle (FG 16) des Landesbetriebs Landwirtschaft Hessen, Arnd Ritter

Eine Auftaktveranstaltung zum Projekt "Schaf schafft Landschaft" findet am 5. und 6. Dezember 2019 statt. Hier erfahren Sie mehr.

Antragsteller

Institut für Umweltwissenschaften der Universität Koblenz-Landau, Prof. Dr. Ralf Schulz und Universität für Angewandte Wissenschaft Trier, Prof. Dr. Stefan Stoll

Projektbeschreibung

Schlammpeitzger (Misgurnus fossilis) in der Region Nördlicher Oberrhein: Nachhaltiges Populationsmanagement und eDNA-Nachweis

Der Schlammpeitzger gilt in Deutschland als Rote Liste-Art der Kategorie 2 (stark gefährdet). Ferner ist diese Art im Anhang II der FFH-Richtlinie gelistet und gehört damit zu den „Tier- und Pflanzenarten von gemeinschaftlichen Interesse, für deren Erhaltung besondere Schutzgebiete ausgewiesen werden müssen“. Das Oberrheingebiet weist noch eine Reihe von Vorkommen des Schlammpeitzgers auf und es existieren für diese Art potentiell geeignete Gewässer. Somit hat das Oberrheingebiet eine besondere Bedeutung für den Erhalt des Schlammpeitzgers.

Zur Wiederherstellung eines guten Erhaltungszustandes der Art werden jährliche Besatzmaßnahmen durchgeführt. Hierfür werden im Frühjahr in der Ökosystemforschung Anlage Eußerthal der Universität Koblenz-Landau Schlammpeitzgerlarven aufgezogen, welche nach einigen Wochen in geeignete regionale Gewässer ausgebracht werden.

Das Projekt hat zudem zum Ziel, die Wirksamkeit der Besatzmaßnahmen zu kontrollieren. Der Nachweis von Schlammpeitzgern ist besonders in Gewässern mit starkem Pflanzenbewuchs und Schlamm, in dem sich die Tiere eingraben, mit herkömmlichen Methoden (Reusenfang und Elektrofischerei) oft nicht effektiv. Gerade aber die Gewässer mit solchen Strukturen sind bevorzugte Lebensräume des Schlammpeitzgers. In diesem Projekt soll eine alternative, neuartige Detektionsmethode für aquatische Organismen für den Schlammpeitzger getestet werden. Diese Methode beruht auf einem molekular-genetischen Nachweis aus Wasserproben. Hierbei macht man sich zugute, dass im Wasser freie DNA und Zellreste (engl. environmental DNA oder eDNA) vorkommt, die die Tiere durch Ausscheidungsprodukte und permanent über die Körperoberfläche, insbesondere die Kiemen, ins Wasser abgeben. Die im Gewässer vorkommende DNA kann artspezifisch zugeordnet.Somit kann ein Vorkommen des Schlammpeitzgers ohne aufwendige Fangmethoden nachgewiesen werden.Im Projekt wird die Effektivität der klassischen Fangmethoden und der neuen eDNA-Methode im jahreszeitlichen Verlauf und unter verschiedenen Umweltbedingungen vergleichend getestet.

Die dabei entstehenden Daten werden weiterhin genutzt um einen besseren Einblick in die bislang nicht gut bekannten saisonalen und tageszeitlichen Migrationsmuster der Schlammpeitzger zu bekommen. Ergänzend werden Mesokosmos-Experimente durchgeführt um die Auswirkung von Umweltvariabilität auf die verschiedenen Altersstadien des Schlammpeitzgers zu untersuchen.

Projektdauer

2018-2020

Projektpartner

  • Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd, Rheinland-Pfalz
  • Regierungspräsidium Karlsruhe, Baden-Württemberg
  • Regierungspräsidium Darmstadt
  • INGA – Institut für Gewässer- und Auenökologie, Riedstadt

Projekt-Homepage

https://www.uni-koblenz-landau.de/de/eeres/Projekte/schlammpeitzgerdna

Antragsteller

Georg-August-Universität Göttingen, Johann-Friedrich-Blumenbach-Institut für Zoologie & Anthropologie Verhaltensökologie, Dr. Markus Port

Projektbeschreibung

Einst war der Eurasische Luchs (Lynx lynx) über weite Teile Mitteleuropas verbreitet. Infolge starker Bejagung und der Zerstörung seines natürlichen Lebensraumes kam es hier aber vor rund 200 Jahren zum lokalen Aussterben der Art. Seit den 1970er Jahren unterstützen Wiederansiedlungsprojekte in mehreren europäischen Ländern die allmähliche Rückkehr der Pinselohren in unsere Wälder. Ein solches Wiederansiedlungsprojekt fand im Nationalpark Harz statt, wo zwischen 2000 und 2006 insgesamt 24 Luchse in die Freiheit entlassen wurden.
Vor einigen Jahren hatte sich auch im Norden Hessens eine kleine Teilpopulation des Luchses gebildet, deren Gründer Nordhessen vermutlich vom Harz aus besiedelten. Diese kleine Teilpopulation war ein wichtiger erster Schritt zur Vernetzung der bislang isolierten Luchsvorkommen in Deutschland im Harz, im Bayerischen Wald und im Pfälzerwald.
Leider ist seit 2015 ein dramatischer Rückgang des Luchsbestandes in Nordhessen zu verzeichnen. Die einstmals hoffnungsvolle Teilpopulation brach von zwischenzeitlich mindestens sechs adulten Tieren beiderlei Geschlechts auf nur noch zwei residente Männchen zusammen. Zur weiteren Überwachung des Luchsbestandes in Nordhessen arbeitet das HLNUG mit der Arbeitsgruppe Naturschutzbiologie der Georg-August-Universität Göttingen zusammen. Durch den Einsatz automatischer Kameras (sogenannter Fotofallen), und in enger Zusammenarbeit mit dem Luchsprojekt Harz, soll die Abundanz des Luchses in Nordhessen auch weiterhin bestimmt und die Populationsdynamik (Reproduktion, Mortalität, Migration) erfasst werden. Anhand der erhobenen Daten können die langfristige Stabilität kleiner isolierter Luchsvorkommen abgeschätzt und Empfehlungen für das Management solcher Splitterpopulationen getroffen werden. Dabei hat die Region Nordhessen Modellcharakter, um das Ausbreitungspotential des Luchses in Deutschland beurteilen zu können.

Projektdauer

2018-2020

Projektpartner

  • AK Hessen-Luchs
  • Forstämter Nordhessen 

Projekt-Homepage

http://luchs.uni-goettingen.de

Antragsteller

Justus-Liebig Universität Gießen, Institut für Biologiedidaktik, Prof. Dr. Hans-Peter Ziemeck

Projektdauer

2018-2020

Projektpartner

  • Justus-Liebig-Universität Gießen, Fachbereich Veterinärmedizin, Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische, Prof. Dr. Michael Lierz
  • Naturschutz-Akademie Hessen
  • Hessische Naturschutzverbände
  • Arbeitsgemeinschaft Amphibien- und Reptilienschutz Hessen (AGAR) e.V.