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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Nitratbericht 2020 der Bundesregierung – Situation in Hessen

Wie der aktuelle Nitratbericht der Bundesregierung zeigt, hat sich die Nitratbelastung des landwirtschaftlich beeinflussten Grundwassers in Deutschland seit dem vorherigen Bericht verbessert – allerdings nur geringfügig: Aktuell weisen bundesweit rund 26,7 Prozent – mehr als ein Viertel – der Grundwassermessstellen im Mittel Konzentrationen über 50 mg/l Nitrat auf und verfehlen damit das Ziel der EU-Nitratrichtlinie. Im Berichtszeitraum 2012 - 2015 waren es noch 28,2 Prozent – eine Verbesserung um lediglich 1,5 Prozentpunkte. Die Abnahme der Nitratkonzentrationen ist in einem stärkeren Ausmaß an den hoch belasteten Messstellen festzustellen. 9,5 Prozent der Messstellen weisen Nitratwerte zwischen 40 und 50 mg/l auf, bei 14,2 % der Grundwässer lagen die Mittelwerte im Konzentrationsbereichen von 25 - 40 mg/l.

Für Hessen ergeben sich ähnliche Verhältnisse wie auf Bundesebene. Gut 28 Prozent der analysierten Grundwässer aus den Messstellen des EU-Nitratmessnetzes überschreiten aktuell den Schwellenwert für Nitrat von 50 mg/l – gegenüber dem vorherigen Berichtszeitraum ergaben sich hierbei keine Veränderungen. Etwas mehr als 14 Prozent weisen Nitratkonzentrationen zwischen 40 – 50 mg/l auf. Im Vergleich zum vorgehenden Beurteilungszeitraum 2012 bis 2015 ist eine leichte Abnahme, in Höhe von 6 % der Grundwässer aus dem EU-Nitratmessnetz mit hohen Nitratkonzentrationen (> 40 mg/l), festzustellen. Jeweils gut 28 Prozent weisen Nitratkonzentrationen < 25 mg/l bzw. zwischen 25 – 40 mg/l auf.

Die Nitratkonzentrationen liegen also auch in Hessen nach wie vor vielerorts noch über dem EU-Grenzwert – im Sinne eines vorsorgenden Grund- und Trinkwasserschutzes sollte deshalb in den Bemühungen, diese Werte zu reduzieren, nicht nachgelassen werden. Im Zuge des neuen bundesweiten Verfahrens zur Anwendung der Düngeverordnung werden nun die besonders durch Nitrat gefährdeten Gebiete neu ausgewiesen – da Nitrat aber sehr lange im Grundwasser verweilt und die Regeneration somit lange dauert, wird sich erst in ein paar Jahren oder Jahrzehnten ein Effekt dieser Maßnahmen zeigen.

Hintergrund EU-Nitratmessnetz

Deutschland muss gemäß Artikel 10 der Nitratrichtlinie (Richtlinie 91/676/EWG zum Schutz der Gewässer vor Verunreinigungen durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen) alle vier Jahre einen Bericht vorlegen. Aus dem Titel der Richtlinie ergibt sich zwingend, dass bei der Auswahl der Messstellen ein Zusammenhang zwischen der Nitratbelastung der Gewässer und der landwirtschaftlichen Nutzung bestehen muss. Zur Berichterstattung über die Umsetzung der Nitratrichtlinie an die EU-Kommission werden deshalb nur Ergebnisse von Grundwässern aus Grundwassermessstellen berücksichtigt, in deren Einzugsgebiet die Nutzungseinflüsse von Acker, Grünland oder Sonderkulturen dominieren. Dieses so genannte EU-Nitratmessnetz umfasst deutschlandweit aktuell 692 Messstellen und beschreibt repräsentativ den Einfluss der landwirtschaftlichen Flächennutzung auf die Beschaffenheit des oberflächennahen Grundwassers in Deutschland. In Hessen befinden sich 35 Messstellen des EU-Nitratmessnetzes.