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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Biologie der Fließgewässer

Flüsse und Bäche zählen zu den vielfältigsten und komplexesten Ökosystemen der Welt. Sie sind die Lebensadern einer Landschaft. Mehr als die Hälfte aller in Mitteleuropa vorkommenden, vom Aussterben bedrohten Tier- und Pflanzenarten sind direkt oder indirekt an die Gewässer oder die angrenzenden Feuchtgebiete gebunden. Nicht zuletzt aus diesem Grund haben Flüsse und Bäche eine herausragende Bedeutung. Nachdem über viele Jahrhunderte der Mensch in die Gewässerökosysteme eingegriffen hat, sind natürliche oder naturnahe Flüsse und Bäche selten geworden.

Ziel der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) - und auch unser Ziel - ist, dass in unseren Gewässern wieder eine naturnahe und artenreiche Fauna und Flora leben kann.
Um dieses Ziel zu erreichen, sind folgende Schritte notwendig:

  • das Vorkommen der Tiere und Pflanzen in den Gewässern erfassen,
  • den ökologischen Zustand bewerten,
  • die Ergebnisse analysieren und
  • bei festgestellten Defiziten wirkungsvolle Maßnahmen ergreifen.

Detaillierte Informationen zur Umsetzung der WRRL in Hessen - einschließlich des aktuellen Bewirtschaftungsplans und Maßnahmenprogramms - finden Sie unter Flussgebiete Hessen

Um die Effektivität der bereits umgesetzten Maßnahmen gemäß WRRL hinsichtlich der Gewässerstruktur und der aquatischen Flora und Fauna zu bewerten, werden in ausreichendem zeitlichen Abstand  vergleichende Untersuchungen zur Gewässerstruktur und zu den biologischen Qualitätskomponenten in renaturierten und bisher noch nicht renaturierten Abschnitten durchgeführt. Weitere Informationen zu diesen Erfolgskontrollen finden Sie hier

Überwachung und Bewertung 

Das HLNUG erfasst regelmäßig den ökologischen Zustand der Bäche und Flüsse in Hessen; dabei werden verschiedene Tier- und Pflanzengruppen untersucht:

Die oben genannten biologischen Qualitätskomponenten unterscheiden sich in ihrer Empfindlichkeit für die verschiedenen stofflichen und hydromorphologischen Belastungen. So spiegeln die Fische aufgrund ihrer vergleichsweise hohen Mobilität insbesondere die Qualität der großräumigen Gewässerstrukturen und ihre Vernetzung wider. Das Makrozoobenthos ist auf naturnahe Sohlensubstrate angewiesen und darüber hinaus ein sehr guter und seit langem bewährter Indikator für den Grad der organischen Belastung (biologische Gewässergüte). Algen und Wasserpflanzen sind hingegen besonders gute Anzeiger für die Verfügbarkeit von Pflanzennährstoffen (Trophie), die u.a. durch Landwirtschaft (Erosion) und Kläranlagen in die Gewässer eingetragen werden.  

In den meisten Fließgewässern sind derzeit oft noch verschiedene Belastungen zu erwarten, so dass bei der Überwachung der Gewässer i. d. R. innerhalb eines Oberflächenwasserkörpers mehrere biologische Qualitätskomponenten untersucht werden.

Biologische Untersuchen ergänzen die chemischen Einzelstoffuntersuchungen. Hierbei wird die aktuelle Besiedelung eines Gewässers erfasst und mit einer Referenzfauna bzw. –flora verglichen. Daher handelt es sich nicht um Einzelmessungen und es können auch Belastungen indiziert werden, deren Ursache unbekannt ist oder die aus Wechselwirkungen entstehen. Sie sind somit nicht nur gute Indikatoren für andauernde Belastungen, vielmehr können auch kurzzeitige Belastungen (z.B. nächtliche Sauerstoffdefizite) anhand der vorgefundenen Lebensgemeinschaften erkannt werden.

Die nationalen Bewertungsmethoden zeigen uns die verschiedenen Belastungen auf die Tier- und Pflanzenwelt der Gewässer an. Dabei wird der ökologische Zustand des Gewässers in 5 Klassen eingestuft. Anhand der vorgefundenen Flora (Wasserpflanzen und benthische Kieselalgen) und Fauna (Fische und Makrozoobenthos) wird geprüft, wie stark die Lebensgemeinschaft von der eines vergleichbaren, unbelasteten Gewässers abweicht.

Zudem wird berücksichtigt, dass jedes Gewässer im natürlichen Zustand (Referenzzustand) bestimmte, charakteristische Lebensgemeinschaften aufweist - beispielsweise leben in einem Mittelgebirgsbach im Taunus andere Arten als im Rhein. Die WRRL gibt daher vor, dass allen Gewässern zunächst ein Gewässertyp zugeordnet wird. Die ökologische Bewertung erfolgt dann für die verschiedenen Typen entsprechend unterschiedlich. 

Das Bewirtschaftungsziel für die biologischen Qualitätskomponenten ist der gute ökologische Zustand. Eine Schädigung der Biologie durch flussgebietsspezifische Schadstoffe wie z.B. Kupfer und Zink oder auch Pflanzenschutzmitteln kann sich auf die Tier- und Pflanzenwelt unter Umständen erst Jahre später auswirken. Aus diesem Grund ist in diesen Gewässern dann – unabhängig vom festgestellten Zustand anhand der Biologie – das Bewirtschaftungsziel verfehlt, wenn entsprechende Grenzwerte überschritten werden.

Weitere Einzelheiten zu den Bewertungsverfahren WRRL finden Sie unter gewaesser-bewertung.de

Eine allgemeinverständliche Broschüre mit Informationen zur Fließgewässerökologie, zur Überwachung der Gewässergüte, der Gewässerstruktur etc. findet sich hier

Wie aus der nachstehenden Aufzählung ersichtlich ist, wurden seit dem Jahr 2004 insbesondere das Makrozoobenthos, die Fischfauna sowie die Wasserpflanzen und benthischen Kieselalgen untersucht (Stand: März 2021).

Anzahl der Untersuchungen:

Im Rahmen des Programms „Rhein 2020“ und „Rhein 2040“ der Internationalen Kommission zum Schutz des Rheins wurde und wird in einem 6-jährigen Rhythmus im Auftrag des HLNUG zudem so z.B. das Phytoplankton (freischwebende Algen im Gewässer) im Mündungsbereich des Mains untersucht. Darüber hinaus wird das Phytoplankton zur Bewertung des ökologischen Potenzials regelmäßig in den größeren Seen und Talsperren in Hessen untersucht.

Eine tabellarische Übersicht aller biologischen Messstellen finden Sie hier

Die in den Jahren 2021 bis 2023 geplanten Untersuchungen zur Biologie der Fließgewässer können Sie dieser Tabelle und dieser Karte entnehmen.

Unterlagen zu Öffentlichen Ausschreibungen werden jeweils auf der Vergabeplattform des Landes Hessen und in der Hessischen Ausschreibungsdatenbank veröffentlicht.