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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im März 2021: Teils fallende und teils steigende Grundwasserstände auf einem überwiegend unterdurchschnittlichen Niveau

Das Jahr 2020 war mit einem landesweiten Mittelwert von 657 mm das dritte zu trockene Jahr in Folge und nach dem Jahr 2018 das zweitwärmste Jahr seit 1881. Durch die langanhaltende Trockenheit sind die Grundwasserstände in den letzten Jahren vielerorts deutlich zurückgegangen.

Üblicherweise findet die Regeneration der Grundwassersressourcen im hydrologischen Winterhalbjahr (November – April) statt. Aufgrund der jahreszeitlich bedingt niedrigen Verdunstungsraten und der Vegetationsruhe kann ein Großteil der Niederschläge in die Böden versickern und mit einer zeitlichen Verzögerung schließlich zur Grundwasserneubildung führen. Das setzt allerdings voraus, dass ausreichend Niederschlag fällt.

Nach einem viel zu trockenen November und einem etwas zu trockenen Dezember brachten der Januar und Februar überdurchschnittliche Niederschläge. Der März fiel hessenweit mit 43 mm Niederschlag im Vergleich zum langjährigen Mittel (1991-2020) erneut zu trocken (-21 %) aus. Damit waren 3 der 5 zurückliegenden Monate zu trocken und zwei zu nass. Die Niederschlagsbilanz des bisherigen hydrologischen Winterhalbjahres (November bis März) belief sich auf 278 mm und fiel damit 31 mm bzw. 10 % niedriger als im langjährigen Mittel (1991-2020) aus. Das sich seit dem Trockenjahr 2018 entwickelte Niederschlagsdefizit konnte auch durch das bisherige hydrologische Winterhalbjahr nicht abgebaut werden. Das Niederschlagsdefizit seit Januar 2018 betrug Ende März 2021 immer noch 292 mm, damit lag die Niederschlagsmenge in diesem Zeitraum 12% unter dem langjährigen Mittel.

An der allgemeinen Grundwassersituation in Hessen hat sich im März gegenüber dem Vormonat nur wenig geändert. Am Monatsende konnten sowohl fallende als auch steigende Grundwasserstände beobachtet werden, wobei abnehmende Tendenzen leicht überwogen. Ende März bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 39 % der Messstellen auf einem mittleren Niveau. Rund 48 % der Messstellen wiesen unterdurchschnittliche Grundwasserstände auf. Sehr niedrige Grundwasserstände wurden an 12 % der Messstellen, vor allem in den zentralen und nordöstlichen Landesteilen, beobachtet. Überdurchschnittliche oder sehr hohe Grundwasserstände wurden dagegen nur vereinzelt beobachtet. Im Jahresvergleich lagen die Grundwasserstände an rund drei Viertel der Messstellen auf einem etwas niedrigerem Niveau als Ende März 2020. Die aktuellen Defizite im Grundwasser sind immer noch zum großen Teil auf das hohe und bisher nicht ausgeglichene Niederschlagsdefizit des extrem trockenen Jahres 2018 zurückzuführen.

Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind folgende regionale Unterschiede zu beobachten:

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende März überwiegend auf unterdurchschnittlichen Höhen. Vielerorts wurden auch noch sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet. Beispiel  Bracht Nr. 434028: Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im März 82 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel) und deutlich unterhalb der Niedriggrundwasserstände aus dem Jahr 1977.

In der Hessischen Rheinebene (Hessisches Ried) wurden im März überwiegend durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Grundwasserstände beobachtet. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier Ende März auf einem leicht unterdurchschnittlichen Niveau. Beispiele Gernsheim Nr. 544135 und Biebrich Nr. 506034: An der Messstelle Gernsheim Nr. 544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im März 59 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Biebrich Nr. 506034 lag der Wasserstand (Monatsmittel) 76 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im nördlichen hessischen Ried und unmittelbar südlich des Mains bewegten sich die Grundwasserstände im März zwischen niedrigen bis durchschnittlichen Höhen mit uneinheitlicher Tendenz am Monatsende. Beispiele Bauschheim Nr. 527055 und Offenbach Nr. 507155: An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im März knapp unterhalb des niedrigen Niveaus von 1976 und lag 5 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Offenbach Nr. 507155 bewegte sich der Grundwasserstand am Monatsende auf leicht überdurchschnittlichen Höhen und lag 4 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In den infiltrationsgestützten mittleren Bereichen des Rieds bewegten sich die Grundwasserstände im im März überwiegend auf dem Niveau der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigt hier die gewünschte Wirkung.
  • Im südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im März auf durchschnittlichen bis unterdurchschnittlichen Höhen mit gleichbleibender Tendenz zum Monatsende. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände auf einem etwas niedrigeren Niveau als im März 2020. Beispiele Viernheim Nr. 544271 und Bürstadt Nr. 544007: An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im März 31 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271 lag der Grundwasserstand einem vergleichbaren Niveau wie im Vorjahr.

Prognose:

Bis Ende des hydrologischen Winterhalbjahres (November - April) kann bei nasser Witterung weiterhin mit Grundwasserneubildung gerechnet werden. Eine nachhaltige Regeneration des Grundwassers kann aber nur stattfinden, wenn ausreichend Niederschläge fallen. Das durch die zuletzt gehäuft aufgetretenen Trockenjahre bedingte Defizit im Grundwasser kann nicht durch einzelne Niederschlagsereignisse ausgeglichen werden. Für eine nachhaltige Erholung der Grundwasserspeicher in Hessen werden über längere Zeiträume andauernde und ergiebige Niederschläge benötigt.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Online zur Verfügung.