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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im August 2020: Überwiegend unterdurchschnittliche und sinkende Grundwasserstände

Infolge der lang anhaltenden Trockenheit der letzten beiden Jahre sind die Grundwasserstände in Hessen bis zum Ende des letzten hydrologischen Sommerhalbjahres (Mai 2019 – Oktober 2019) verbreitet auf ein niedriges Niveau gesunken. Das zurückliegende hydrologische Winterhalbjahr (November 2019 – April 2020) ist mit einer Niederschlagshöhe von 384 mm nahezu durchschnittlich ausgefallen (-1 % gegenüber dem langjährigen Mittel 1981-2010). Allerdings waren die Niederschläge sehr ungleich verteilt. Die ergiebigen Niederschläge im Februar und Anfang März haben zwar landesweit zu einer vorübergehenden Erholung der Grundwassersituation geführt, aber die von Mitte März bis Ende April andauernde Trockenheit führte bereits Ende März /Anfang April wieder zu rückläufigen Grundwasserverhältnissen. Am Ende des hydrologischen Winterhalbjahres lagen die Grundwasserstände an mehr als zwei Drittel der Messstellen auf einem höheren Niveau als Ende April 2019. Damit war die Ausgangssituation für das aktuelle hydrologische Sommerhalbjahr (Mai – Oktober) etwas günstiger als im letzten Jahr. Allerdings konnten die Defizite aus den letzten beiden trockenen Jahren kaum ausgeglichen werden.

Die Niederschlagssumme im bisherigen hydrologischen Sommerhalbjahr (01. Mai – 31. August) betrug im Landesdurchschnitt 217 mm und lag damit 67 mm bzw. 24 % unter dem langjährigen Mittel der Referenzperiode 1981-2010. Der August 2020 fiel mit 70 mm Niederschlag etwas zu nass (+7 %) aus. Allerdings fielen die Niederschlagsmengen regional sehr unterschiedlich aus. Mit einem landesweiten Mittelwert von 20,0°C war der August 2020 der zweitwärmste August seit 1881. Aufgrund des Pflanzenwachstums und der hohen Verdunstungsraten gelangt zu dieser Jahreszeit kaum etwas vom Niederschlag in das Grundwasser. Deshalb wurden Ende August überwiegend sinkende Grundwasserstände und abnehmende Quellschüttungen beobachtet, was allerdings für das hydrologische Sommerhalbjahr normal ist.

Ende August bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 67 % der Messstellen auf einem unterdurchschnittlichen, an 23 % auf einem durchschnittlichen und an 10 % auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Im Jahresvergleich lagen die Grundwasserstände August zwar vielerorts noch auf einem etwas höheren Niveau als im Vorjahr, aber wegen dem jahreszeitlich bedingtem Aussetzen der Grundwasserneubildung wurden gegen Monatsende zunehmend niedrige Grundwasserstände beobachtet. So wurde Ende August an 27 % der Messstellen niedrige Grundwasserstände registriert. Die aktuelle Grundwassersituation ist nur zu einem geringen Teil auf das Niederschlagsdefizit des zurückliegenden hydrologischen Winterhalbjahres (-5 mm) und des aktuellen hydrologischen Sommerhalbjahres (-67 mm) zurückzuführen. Die aktuellen Defizite im Grundwasser sind immer noch maßgeblich durch das hohe Niederschlagsdefizit (-304 mm) der über 10 Monate andauernden Trockenperiode (Februar - November) des Jahres 2018 begründet.

Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind regionale Unterschiede zu beobachten.

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende August überwiegend auf unterdurchschnittlichen Höhen. An einigen Messstellen wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet. Beispiel:  Bracht Nr. 434028. Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im August 5 cm über dem Niveau des Monatsmittels vom Vorjahr und knapp unterhalb der Niedriggrundwasserstände aus den Jahren 1977 und 2017.

In der Hessischen Rheinebene, Hessisches Ried, wurden im August überwiegend durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Grundwasserstände beobachtet. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier Ende August auf einem unterdurchschnittlichen bis mittleren Niveau. Beispiele: Gernsheim Nr.544135 und Biebrich Nr.506034. An der Messstelle Gernsheim Nr.544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im August 24 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Biebrich Nr.506034 lag der Wasserstand (Monatsmittel) 34 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im nördlichen hessischen Ried und unmittelbar südlich des Mains bewegten sich die Grundwasserstände Ende August zwischen unterdurchschnittlichen bis mittleren Höhen. An einigen Messstellen wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände registriert. Beispiele: Bauschheim Nr.527055. An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im August knapp unter dem sehr niedrigen Niveau von 1976 und lag 8 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Offenbach Nr.507155 bewegte sich der Grundwasserstand dagegen auf mittleren Höhen und lag 7 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In den infiltrationsgestützten mittleren Bereichen des Rieds bewegten sich die Grundwasserstände im August überwiegend auf dem Niveau der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigt hier die gewünschte Wirkung.
  • Im südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im August auf durchschnittlichen Höhen mit fallender Tendenz am Monatsende. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände auf einem vergleichbaren oder etwas höheren Niveau als im August 2019. Beispiele: Viernheim Nr. 544271, Bürstadt Nr. 544007. An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im August 4 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271 lag der Grundwasserstand 14 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.

Prognose:

Bis zum Ende des hydrologischen Sommerhalbjahres (Oktober) ist von weiter rückläufigen Grundwasserverhältnissen auszugehen. Für den Fall, dass das restliche hydrologische Sommerhalbjahr trocken ausfällt, wäre mit ähnlich niedrigen Grundwasserständen wie im letzten Jahr zu rechnen. Ein Ausgleich des aus den letzten drei Jahren resultierenden Defizits im Grundwasser wird erst wieder im kommenden hydrologischen Winterhalbjahr (November - April) möglich sein. Bevor Niederschlagsversickerung und Grundwasserneubildung überhaupt wieder einsetzen können, bedarf es zunächst großer Niederschlagsmengen, die den entleerten Bodenspeicher aufsättigen. Damit sich die Grundwasserspeicher in Hessen wieder nachhaltig auffüllen, müsste es über viele Monate hinweg überdurchschnittlich viel regnen.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Online zur Verfügung.