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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im September 2020: Überwiegend unterdurchschnittliche Grundwasserstände mit verbreitet fallender Tendenz am Monatsende

Infolge der lang anhaltenden Trockenheit der letzten beiden Jahre sind die Grundwasserstände in Hessen bis zum Ende des letzten hydrologischen Sommerhalbjahres (Mai 2019 – Oktober 2019) verbreitet auf ein niedriges Niveau gesunken. Das zurückliegende hydrologische Winterhalbjahr (November 2019 – April 2020) ist mit einer Niederschlagshöhe von 384 mm nahezu durchschnittlich ausgefallen (-1 % gegenüber dem langjährigen Mittel 1981-2010). Allerdings waren die Niederschläge sehr ungleich verteilt. Die ergiebigen Niederschläge im Februar und Anfang März haben zwar landesweit zu einer vorübergehenden Erholung der Grundwassersituation geführt, aber die von Mitte März bis Ende April andauernde Trockenheit führte bereits Ende März /Anfang April wieder zu rückläufigen Grundwasserverhältnissen. Am Ende des hydrologischen Winterhalbjahres lagen die Grundwasserstände an mehr als zwei Drittel der Messstellen auf einem höheren Niveau als Ende April 2019. Damit war die Ausgangssituation für das aktuelle hydrologische Sommerhalbjahr (Mai – Oktober) etwas günstiger als im letzten Jahr. Allerdings konnten die Defizite aus den letzten beiden trockenen Jahren kaum ausgeglichen werden.

Die Niederschlagssumme im bisherigen hydrologischen Sommerhalbjahr (01. Mai – 30. September) betrug im Landesdurchschnitt 246 mm und lag damit 106 mm bzw. 30 % unter dem langjährigen Mittel der Referenzperiode 1981-2010. Der September 2020 fiel mit 29 mm Niederschlag erheblich zu trocken (-57 %) aus. Während es unter Hochdruckeinfluss die ersten 3 Wochen sonnig, warm und trocken blieb, brachten Tiefdruckgebiete in der letzten Septemberwoche flächendeckende Niederschläge und sorgten für eine kühle und nasse Witterung zum Monatsende.

An einigen schnell reagierenden Messstellen konnten am Monatsende leichte Grundwasserstandsanstiege verzeichnet werden. Diese beschränkten sich auf Standorte in Gewässernähe oder mit geringer Überdeckung. Von einer Trendwende kann daher noch nicht die Rede sein. Die Mehrheit der Messstellen zeigten Ende September weiterhin sinkende Grundwasserstände und abnehmende Quellschüttungen, was für das hydrologische Sommerhalbjahr normal ist. Denn aufgrund des Pflanzenwachstums und der hohen Verdunstungsraten gelangt zu dieser Jahreszeit kaum etwas vom Niederschlag in das Grundwasser.

Ende September bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 79 % der Messstellen auf einem unterdurchschnittlichen, an 12 % auf einem durchschnittlichen und an 9 % auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Im Jahresvergleich lagen die Grundwasserstände im September auf einem vergleichbar niedrigen Niveau wie im Vorjahr.  So wurde Ende September an 34 % der Messstellen niedrige Grundwasserstände registriert. Die aktuelle Grundwassersituation ist nur zu einem geringen Teil auf das Niederschlagsdefizit des zurückliegenden hydrologischen Winterhalbjahres (-5 mm) und des aktuellen hydrologischen Sommerhalbjahres (-107 mm) zurückzuführen. Die aktuellen Defizite im Grundwasser sind immer noch maßgeblich durch das hohe Niederschlagsdefizit (-304 mm) der über 10 Monate andauernden Trockenperiode (Februar - November) des Jahres 2018 begründet.

Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind regionale Unterschiede zu beobachten.

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende September überwiegend auf unterdurchschnittlichen Höhen. An einer zunehmenden Anzahl von Messstellen wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet. Beispiel:  Bracht Nr. 434028. Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im September auf demselben Niveau des Monatsmittels wie im Vorjahr und knapp unterhalb der Niedriggrundwasserstände aus den Jahren 1977 und 2017.

In der Hessischen Rheinebene, Hessisches Ried, wurden im September überwiegend unterdurchschnittliche bis durchschnittliche Grundwasserstände beobachtet. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier Ende September auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Beispiele: Gernsheim Nr.544135 und Biebrich Nr.506034. An der Messstelle Gernsheim Nr.544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im September 22 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Biebrich Nr.506034 lag der Wasserstand (Monatsmittel) 4 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im nördlichen hessischen Ried und unmittelbar südlich des Mains bewegten sich die Grundwasserstände Ende September auf unterdurchschnittlichen Höhen. An einigen Messstellen wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände registriert. Beispiele: Bauschheim Nr.527055. An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im September knapp unter dem sehr niedrigen Niveau von 1976 und lag 3 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Offenbach Nr.507155 bewegte sich der Grundwasserstand auf unterdurchschnittlichen Höhen und lag 7 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In den infiltrationsgestützten mittleren Bereichen des Rieds bewegten sich die Grundwasserstände im September überwiegend auf dem Niveau der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigt hier die gewünschte Wirkung.
  • Im südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im September auf durchschnittlichen Höhen mit teils fallender und teils gleichbleibender Tendenz am Monatsende. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände auf einem vergleichbaren Niveau wie im September 2019. Beispiele: Viernheim Nr. 544271, Bürstadt Nr. 544007. An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im September 4 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271 lag der Grundwasserstand 12 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.

Prognose:

Bis zum Ende des hydrologischen Sommerhalbjahres (Ende Oktober) ist von weiter rückläufigen Grundwasserverhältnissen auszugehen. Ein Ausgleich des aus den letzten drei Jahren resultierenden Defizits im Grundwasser wird erst wieder im kommenden hydrologischen Winterhalbjahr (November - April) möglich sein. Bevor Niederschlagsversickerung und Grundwasserneubildung überhaupt wieder einsetzen können, bedarf es größerer Niederschlagsmengen, die zunächst den entleerten Bodenspeicher auffüllen. Erst wenn der Bodenspeicher gesättigt ist, kann der Grundwasserneubildungsprozess einsetzen. Für eine nachhaltige Regeneration der Grundwasserspeicher in Hessen werden über längere Zeiträume andauernde ergiebige Niederschläge benötigt. Einzelne Niederschlagsereignisse bewirken dagegen im Grundwasser nur wenig. Ein Ausgleich der Defizite im Grundwasser wird ähnlich lange andauern wie der Zeitraum, in dem sich das Defizit entwickelt hat.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Online zur Verfügung.