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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im Oktober: Niederschläge bringen erste Trendumkehr und leichte Entspannung.

Nachdem die Grundwasserstände und Quellschüttungen im letzten Jahr infolge der von Februar 2018 bis November 2018 lang andauernden Trockenheit auf ein vielerorts deutlich unterdurchschnittliches Niveau gefallen sind, haben die Niederschläge des hydrologischen Winterhalbjahres (November 2018 – April 2019) vielerorts nur zu einer moderaten Erholung der Grundwasserverhältnisse geführt. In einigen Grundwassermessstellen sind die Grundwasserstände auch über das Winterhalbjahr weiter gefallen. Hier ist ein Großteil des Niederschlags im tiefgründig entleerten Bodenspeicher verblieben und kam gar nicht erst im Grundwasser an. Da die Defizite aus der lang andauernden Trockenperiode (Februar 2018 – November 2018) über den Winter kaum ausgeglichen werden konnten, war die Ausgangssituation für das hydrologische Sommerhalbjahr (Mai 2019 – Oktober 2019) ungünstiger als im Vorjahr. Im Verlauf des hydrologischen Sommerhalbjahres sind die Grundwasserstände jahreszeitlich bedingt weiter gefallen, so dass die Grundwasserstände am Ende des hydrologischen Sommerhalbjahres vielerorts niedriger sind als vor einem Jahr.

Im Oktober setzte sich die seit Ende September zu beobachtende erhöhte Niederschlagsneigung fort. Mit 82 mm Niederschlag fiel der letzte Monat des hydrologischen Sommerhalbjahres zu nass aus und lag 23 % über dem langjährigen Mittel 1981-2010. Dabei fiel ein Großteil der Niederschläge in der ersten Oktoberhälfte. In der zweiten Monatshälfte war es bei zeit- und gebietsweise hohem Luftdruck trockener. Das beendete hydrologische Sommerhalbjahr (Mai – Oktober) fällt mit 387 mm nur etwas zu trocken aus und liegt 7% unter dem langjährigen Mittel. Im Vergleich zum Jahr 2018 verlief die Witterung in diesem Jahr deutlich wechselhafter. Seit Beginn des Jahres fehlen in Hessen rund 68 mm (-10 %), im letzten Jahr belief sich das Niederschlagsdefizit Ende Oktober auf 223 mm (-34 %). Somit ist das Jahr 2019 bisher zwar zu trocken, aber bei weitem nicht so trocken wie das Jahr 2018. Trotzdem liegen die aktuellen Grundwasserstände vielerorts niedriger als im letzten Jahr. Die aktuelle Grundwassersituation ist weniger auf das verhältnismäßig geringe Niederschlagsdefizit des aktuellen Jahres zurückzuführen, sondern liegt in erster Linie in dem Niederschlagsdefizit der über 10 Monate andauernden Trockenperiode des letzten Jahres begründet, das bisher nicht ausgeglichen werden konnte. Das seit Januar 2018 akkumulierte Niederschlagsdefizit beläuft sich Ende Oktober 2019 immer noch auf 298 mm. Während im letzten Jahr die Trockenheit bis Ende November andauerte, scheint durch die seit Ende September gefallenen Niederschläge die Trockenheit in diesem Jahr vorläufig beendet zu sein. Durch das Einsetzen der Vegetationsruhe und die niedrigeren Temperaturen fällt auch die Verdunstung zunehmend niedriger aus und ein Großteil der Niederschläge kann in die Böden einsickern. Durch die Niederschläge der letzten Wochen hat die Bodenfeuchte in den oberen Bodenschichten zugenommen und der Bodenwasserspeicher konnte sich leicht erholen.  Die Auffüllung des Bodenspeichers ist eine wichtige Voraussetzung für den Grundwasserneubildungsprozess. Je früher und je mehr der Bodenwasserspeicher gefüllt ist, desto früher kann die Grundwasserneubildung einsetzen.

Die Niederschläge der letzten Wochen haben regional erste Entspannungssignale im Grundwasser erkennen lassen. In flachen und schnell reagierenden („wetterfühligen“) Grundwassermessstellen konnten im Verlauf des Oktobers erste Grundwasserstandsanstiege beobachtet werden. Von einer nachhaltigen Erholung der Grundwasserstände kann jedoch noch nicht gesprochen werden. Aufgrund der Niederschlagsverteilung waren die Grundwasserstandsanstiege vermehrt in den südlichen und westlichen Landesteilen zu beobachten, in den mittleren, nördlichen und östlichen Landesteilen wurden dagegen noch vielerorts fallende Grundwasserstände registriert. Ende Oktober bewegten sich die Grundwasserstände an 62% der Messstellen auf einem unterdurchschnittlichen, 26% auf einem durchschnittlichen und 12% auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Sehr niedrige Grundwasserstände wurden an 34% der Messstellen beobachtet. Vereinzelt wurden neue Niedrigstwerte registriert. An rund der Hälfte der Messstellen liegen die Grundwasserstände unter dem Niveau des letzten Jahres (Ende Oktober 2018).

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende Oktober überwiegend auf unterdurchschnittlichen Höhen. Regional wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände registriert. Verbreitet wurden noch fallende Grundwasserstände beobachtet. Bei den meisten Messstellen lagen die Werte im Jahresvergleich unter dem Niveau vom Oktober 2018. In einigen Messstellen haben die Niederschläge des letzten hydrologischen Winterhalbjahres zu keinen bzw. keinen nennenswerten Anstiegen geführt. Beispiel:  Bracht Nr. 434028. Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im Oktober 96 cm unter dem Niveau des Monatsmittels vom Vorjahr und unterhalb der Niedriggrundwasserstände aus den Jahren 1977 und 2017.

In der Hessischen Rheinebene, Hessisches Ried, wurden im Oktober vielerorts steigende Grundwasserstände beobachtet. Die Grundwasserstände bewegten sich auf einem überwiegend unterdurchschnittlichen bis mittleren Niveau. Regional wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände registriert. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände in unmittelbarer Rheinnähe lagen Ende Oktober auf einem leicht unterdurchschnittlichen bis mittleren Niveau und deutlich oberhalb der Tiefststände von Oktober 2018. Beispiele: Gernsheim Nr.544135 und Biebrich Nr. 506034. An der Messstelle Gernsheim Nr.544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im Oktober 74 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres. An der Messstelle Biebrich Nr.506034 lag der Wasserstand (Monatsmittel) 69 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im nördlichen hessischen Ried und südlich des Mains lagen die Grundwasserstände Ende Oktober auf einem für die Jahreszeit sehr niedrigen Niveau, das meist unter dem Niveau des Vorjahres lag. An den meisten Messstellen wurden steigende Grundwasserstände beobachtet. Beispiele: Bauschheim Nr.527055 und Offenbach Nr.507155. An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im Oktober unterhalb des sehr niedrigen Niveaus von 1976 und lag 14 cm unterhalb des ebenfalls sehr niedrigen Niveaus des Vorjahres. An der Messstelle Offenbach Nr.507155 lag der Grundwasserstand rd. 4 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im mittleren und südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände am Monatsende auf einem unterdurchschnittlichen bis mittleren Niveau mit überwiegend steigender Tendenz. Das Grundwasserstandsniveau lag am Monatsende meist auf einem vergleichbaren oder höheren Niveau als im Oktober 2018. Beispiele: Viernheim Nr. 544271, Bürstadt Nr. 544007. An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im Oktober 10 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271lag der Grundwasserstand rd. 12 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.

Prognose:

Im gerade begonnenen hydrologischen Winterhalbjahr nehmen die Temperaturen und die Verdunstung jahreszeitlich bedingt weiter ab. Hierdurch kann ein Großteil der Niederschläge in die Böden einsickern und gelangt zunehmend auch in tiefere Schichten. Durch die frühen Niederschläge seit Ende September kann die Grundwasserneubildung in diesem Jahr früher einsetzen als im letzten Jahr. Somit bleibt bis zum Frühjahr mehr Zeit, um das bestehende Defizit auszugleichen. Sollte die unbeständige Witterung mit regelmäßigen Niederschlägen andauern, könnte dies zu einer Trendumkehr bei der Grundwasserstandsentwicklung führen. Für eine dauerhafte Stabilisierung der Grundwasserstände müsste es auch in den kommenden Wochen langanhaltende und ergiebige Niederschläge geben. Entscheidend für eine nachhaltige Erholung der Grundwasserverhältnisse wird das kommende hydrologische Winterhalbjahr sein. In dieser Zeit findet in der Regel die Grundwasserneubildung statt, sofern es ausreichend Niederschläge gibt.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Onlinezur Verfügung.