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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im August 2021: Niederschläge sorgen für stabile und nur mäßig rückläufige Grundwasserstände im hydrologischen Sommerhalbjahr

Aufgrund des sich seit dem Jahr 2018 entwickelten Niederschlagsdefizits sind die Grundwasserstände in Hessen in den letzten drei Jahren vielerorts deutlich zurückgegangen. Das zurückliegende hydrologische Winterhalbjahr (November –April) hatte nur regional zu einer moderaten Erholung der Grundwasserstände geführt.

Im Verlauf des hydrologischen Sommerhalbjahres (Mai – Oktober) ist bei durchschnittlichen Witterungsbedingungen wegen der hohen Verdunstung und dem hohen Wasserbedarf der Vegetation normalerweise mit rückläufigen Grundwasserverhältnissen zu rechnen.

Mit 85 mm Niederschlag fiel der August gegenüber der Referenzperiode 1991-2020 überdurchschnittlich nass aus (+17mm/+ 25%). Bemerkenswert ist, dass der August der vierte zu nasse Monat in Folge war. Damit fällt auch das bisherige hydrologischen Sommerhalbjahr insgesamt überdurchschnittlich nass aus (+74 mm /+26 %). In Folge der überdurchschnittlichen Niederschläge konnten im August verbreitet stabile bzw. nur mäßig rückläufige Grundwasserverhältnisse beobachtet werden, was für das hydrologische Sommerhalbjahr eher untypisch ist.

Ende August bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 43 % der Messstellen auf einem durchschnittlichen Niveau. Rund 12 % der Messstellen wiesen unterdurchschnittliche Grundwasserstände auf. Sehr niedrige Grundwasserstände wurden an 9 % der Messstellen, vor allem in den zentralen und nordöstlichen Landesteilen, beobachtet. Überdurchschnittliche oder sehr hohe Grundwasserstände wurden an 16% bzw. 11 % der Messstellen beobachtet. An 9 % der Messstellen lagen keine aktuellen Daten vor. Insgesamt betrachtet waren somit im Mittel über alle Messstellen ausgeglichene Verhältnisse mit einer leichten positiven Tendenz zu beobachten. Allerdings sind die Grundwasserstände in Hessen derzeit sehr heterogen. Das Spektrum reicht von sehr niedrigen bis sehr hohen Grundwasserständen.

Gegenüber dem Vormonat lagen die Grundwasserstände an rund einem Drittel der Messstellen auf einem höheren Niveau. An zwei Drittel der der Messstellen war das Niveau niedriger als im Vormonat. Im Jahresvergleich lagen die Grundwasserstände an mehr als zwei Drittel der Messstellen über dem Niveau von August 2020.

Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind folgende regionale Unterschiede zu beobachten:

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende August auf sehr unterschiedlichen Niveaus. Sehr niedrige und unterdurchschnittliche Grundwasserstände waren etwas häufiger als überdurchschnittliche und sehr hohe Grundwasserstände zu beobachten. Durchschnittlich hohe Grundwasserstände wurden an einem Drittel der Messstellen registriert. Sehr niedrige Grundwasserstände wurden vor allem in den zentralen und nordöstlichen Landesteilen beobachtet. Beispiel  Bracht Nr. 434028: Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im August 33 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel) und deutlich unterhalb der Niedriggrundwasserstände aus dem Jahr 1977.

In der Hessischen Rheinebene (Hessisches Ried) wurden im August überwiegend durchschnittliche bis überdurchschnittliche Grundwasserstände beobachtet. Sehr niedrige Grundwasserstände waren hier die Ausnahme. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier Ende August auf einem überdurchschnittlichen bis sehr hohen Niveau. Beispiele Gernsheim Nr. 544135 und Biebrich Nr. 506034: An der Messstelle Gernsheim Nr. 544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im August 178 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Biebrich Nr.506034 lag der Wasserstand (Monatsmittel) 95 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im nördlichen hessischen Ried und unmittelbar südlich des Mains bewegten sich die Grundwasserstände im August zwischen durchschnittlichen und sehr hohen Werten. Beispiele Bauschheim Nr. 527055 und Offenbach Nr. 507155: An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im August auf durchschnittlichen Höhen und lag 30 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Offenbach Nr. 507155 bewegte sich der Grundwasserstand am Monatsende auf einem sehr hohen Niveau und lag 34 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In den infiltrationsgestützten mittleren Bereichen des Rieds bewegten sich die Grundwasserstände im August überwiegend auf dem Niveau der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigt hier die gewünschte Wirkung.
  • Im südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände Ende August auf überwiegend durchschnittlichen Niveaus mit fallender Tendenz am Monatsende. Beispiele Viernheim Nr. 544271 und Bürstadt Nr. 544007: An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im August 38 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271 lag der Grundwasserstand (Monatsmittel) 10 cm unterhalb des Vorjahresniveaus.

Prognose:

Im weiteren Verlauf des hydrologischen Sommerhalbjahrs sind bis zum Herbst in der Regel rückläufige Grundwasserverhältnisse zu erwarten. Durch die hohe Verdunstung und durch den Wasserbedarf der Vegetation bleibt nur wenig Niederschlagswasser übrig, das in die Tiefe versickern könnte. Mit einem erneuten Einsetzen der Grundwasserneubildung ist wahrscheinlich erst wieder mit Beginn des hydrologischen Winterhalbjahres (November – April) zu rechnen.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Online zur Verfügung.