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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im Mai 2021: Überwiegend unterdurchschnittliche bis durchschnittliche Grundwasserstände mit überwiegend abnehmenden Entwicklungstendenzen am Monatsende

Aufgrund des sich seit dem Jahr 2018 entwickelten Niederschlagsdefizits sind die Grundwasserstände in Hessen in den letzten drei Jahren vielerorts deutlich zurückgegangen. Das zurückliegende Hydrologische Winterhalbjahr (November –April) hat nur regional zu einer moderaten Erholung der Grundwasserstände geführt.

Nach einem deutlich zu kühlen April war auch der Mai kühler als im langjährigen Mittel. Als erster Monat des hydrologischen Sommerhalbjahres (Mai – Oktober) fiel der Mai mit 80 mm Niederschlag zudem etwas zu nass (+ 17% gegenüber dem langjährigen Mittel 1991-2020) aus. Durch die niedrigen Temperaturen, den teilweise ergiebigen Niederschlag und das verzögerte Pflanzenwachstum konnte zumindest regional noch Grundwasserneubildung stattfinden. Ende Mai wurde an 36 % der Messstellen steigende, an 9 % der Messstellen stagnierende und an 59 % der Messstellen fallende Grundwasserstände registriert.

Ende Mai bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 39 % der Messstellen auf einem durchschnittlichen Niveau. Rund 19 % der Messstellen wiesen unterdurchschnittliche Grundwasserstände auf. Sehr niedrige Grundwasserstände wurden an 19 % der Messstellen, vor allem in den zentralen und nordöstlichen Landesteilen, beobachtet. Überdurchschnittliche oder sehr hohe Grundwasserstände wurden dagegen nur an 5% bzw. 7 % der Messstellen beobachtet. An 11 % der Messstellen lagen keine aktuellen Daten vor. Im Jahresvergleich lagen die Grundwasserstände an rund zwei Drittel der Messstellen auf einem etwas niedrigerem Niveau als Ende Mai 2020, an rund einem Drittel der Messstellen war das Grundwasserstandsniveau höher als vor einem Jahr. Die aktuellen Defizite im Grundwasser sind immer noch zum großen Teil auf das hohe Niederschlagsdefizit des extrem trockenen Jahres 2018 zurückzuführen.

Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind folgende regionale Unterschiede zu beobachten:

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende Mai überwiegend auf unterdurchschnittlichen bis durchschnittlichen Höhen. Vielerorts wurden auch noch sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet. Beispiel  Bracht Nr. 434028: Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im Mai 70 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel) und deutlich unterhalb der Niedriggrundwasserstände aus dem Jahr 1977.

In der Hessischen Rheinebene (Hessisches Ried) wurden im Mai überwiegend durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Grundwasserstände beobachtet. Sehr niedrige Grundwasserstände waren hier die Ausnahme. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier Ende Mai auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Beispiele Gernsheim Nr. 544135 und Biebrich Nr. 506034: An der Messstelle Gernsheim Nr. 544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im Mai 13 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Biebrich Nr. 506034 lagen wegen eines Geräteausfalls keine aktuellen Messdaten vor.
  • Im nördlichen hessischen Ried und unmittelbar südlich des Mains bewegten sich die Grundwasserstände im Mai zwischen unterdurchschnittlichen und durchschnittlichen Höhen. Beispiele Bauschheim Nr. 527055 und Offenbach Nr. 507155: An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im Mai knapp unterhalb des sehr niedrigen Niveaus von 1976 und lag 4 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Offenbach Nr. 507155 bewegte sich der Grundwasserstand am Monatsende auf durchschnittlichen Höhen und lag 2 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In den infiltrationsgestützten mittleren Bereichen des Rieds bewegten sich die Grundwasserstände im Mai überwiegend auf dem Niveau der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigt hier die gewünschte Wirkung.
  • Im südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände Ende Mai auf überwiegend durchschnittlichen bis unterdurchschnittlichen Höhen. Vereinzelt wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet. Die Grundwasserstände zeigten hier somit ein uneinheitliches und differenziertes Bild. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände meist auf einem etwas niedrigeren Niveau als im Mai 2020. Beispiele Viernheim Nr. 544271 und Bürstadt Nr. 544007: An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im Mai 14 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271 lag der Grundwasserstand (Monatsmittel) 13 cm unterhalb des Vorjahresniveaus.

Prognose:

Mit dem Monat Mai hat das hydrologische Sommerhalbjahr, das bis Oktober andauert, begonnen. Im hydrologischen Sommerhalbjahr sind in der Regel rückläufige Grundwasserverhältnisse zu erwarten. Mit zunehmenden Pflanzenwachstum, höheren Temperaturen und zunehmender Verdunstung verschlechtern sich die Randbedingungen für die Grundwasserneubildung. Mit Beginn des hydrologischen Sommerhalbjahres wird es immer unwahrscheinlicher, dass Niederschlagsereignisse zur Grundwasserneubildung führen. Das durch die zuletzt gehäuft aufgetretenen Trockenjahre bedingte Defizit im Grundwasser kann nicht durch einzelne Niederschlagsereignisse ausgeglichen werden. Für eine nachhaltige Erholung der Grundwasserspeicher in Hessen werden über längere Zeiträume andauernde und ergiebige Niederschläge benötigt. Mit einer Regeneration der Grundwasserverhältnisse kann wahrscheinlich erst wieder im kommenden hydrologischen Winterhalbjahr gerechnet werden.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Online zur Verfügung.