Aktuelles
Grundwassersituation im Januar 2026: In Nordhessen verbreitet niedrige und sehr niedrige, im Süden normale Grundwasserstände mit zum Monatsende hessenweit überwiegend steigender Tendenz
Nachfolgend wird ein kurzer Überblick über das zurückliegende hydrologische Sommerhalbjahr, das aktuelle hydrologische Winterhalbjahr und das hydrologische Jahr insgesamt gegeben. Im Anschluss wird die aktuelle Grundwassersituation des Monats in Hessen betrachtet sowie eine Prognose gestellt.
Aktuelle Grundwassermesswerte finden Sie im Messdatenportal.
Hydrologisches Sommerhalbjahr, Winterhalbjahr und Jahr
Im hydrologischen Sommerhalbjahr, das von Mai bis Ende Oktober andauert, kommt vom Niederschlagswasser in der Regel kaum etwas im Grundwasser an, da ein Großteil des Niederschlags wegen der höheren Temperaturen verdunstet oder von der Vegetation verbraucht wird. Fallende Grundwasserstände im hydrologischen Sommerhalbjahr, auch bei durchschnittlichen Niederschlagsverhältnissen, stellen also den Normalfall dar. Mit 383 mm fiel dieses Sommerhalbjahr 5 % weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel von 1991–2020 (404 mm). Zusammen mit den trockenen Vormonaten Februar und März führte dies zu einem Anstieg der Messstellen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich auf insgesamt 20-30 %.
Für die Regeneration des Grundwassers ist das von November bis Ende April andauernde hydrologische Winterhalbjahr von besonderer Bedeutung. In dieser Zeit, in der die Vegetation ruht und die Verdunstung wegen der niedrigeren Temperaturen geringer als im Sommerhalbjahr ausfällt, kann das Niederschlagswasser größtenteils versickern. Durch die einsetzende Grundwasserneubildung steigen die Grundwasserstände in der Regel an, sofern ausreichend Niederschlag fällt. In der ersten Hälfte des Winterhalbjahres war die Niederschlagsmenge mit 121 mm jedoch deutlich unterdurchschnittlich (langjähriges Mittel 1991–2020: 204 mm).
Für das hydrologische Jahr (November bis Oktober) ergibt sich daraus im Normalfall der charakteristische Jahresgang im Grundwasser, mit steigenden Grundwasserständen im Winterhalbjahr und fallenden Grundwasserständen im Sommerhalbjahr.
Situation im Januar
Mit etwa 65 mm lag die Niederschlagsmenge im Januar, dem dritten Monat des hydrologischen Winterhalbjahres, nah am langjährigen Mittelwert 1991–2020 (rund 66 mm).
Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der Grundwassersituation seit dem Jahr 2023. Die Trockenheit des Jahres 2022 ist im Jahr 2023 mit einem hohen Anteil der Messstellen im niedrigen (gelbe Kurve) und sehr niedrigen Bereich (rote Kurve) noch deutlich zu sehen. Erst durch die einsetzenden überdurchschnittlichen Niederschläge ab Herbst 2023 bis Ende 2024 hat sich die Situation flächenhaft entspannt. Im Jahr 2024 ist der Anteil der Messstellen im hohen (hellgrüne Kurve) und sehr hohen Bereich (dunkelgrüne Kurve) durchgehend über 50 %. Im zurückliegenden Jahr hat jedoch insbesondere das trockene Frühjahr wieder zu einem Anstieg der niedrigen und sehr niedrigen Grundwasserstände geführt, was durch die überdurchschnittlichen Niederschläge im September und Oktober nur kurzfristig abgemildert wurde. Das bisher unterdurchschnittliche Winterhalbjahr hat zu einer weiteren deutlichen Zunahme der Anzahl der Messstellen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich geführt.
Anmerkung zur Grafik: Die Klassifizierung „sehr niedrige Grundwasserstände“ stellt eine rein statistische Bewertung dar. Sehr niedrige Grundwasserstände sind nicht mit einem „Wassernotstand“ gleichzusetzen oder an bestimmte Auswirkungen und Maßnahmen gekoppelt. Liegt der Grundwasserstand unter dem 10%-Perzentil, also unter 90 Prozent aller Werte der Jahre 1991-2020, fällt er in die Klasse „sehr niedrig“. Liegt der Grundwasserstand über dem 10%-Perzentil und unterhalb des 25%-Perzentils, fällt er in die Klasse „niedrig“. Analog gilt Folgendes für die übrigen Klassen: normal: oberhalb des 25%-Perzentils und unterhalb des 75%-Perzentils; hoch: oberhalb des 75%-Perzentils und unterhalb des 90%-Perzentils; sehr hoch: oberhalb des 90%-Perzentils.
Im Januar bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 46 % der Messstellen auf einem normalen Niveau (Vormonat 55 %). 22 % der Messstellen wiesen niedrige Grundwasserstände auf (Vormonat 19 %). Sehr niedrige Grundwasserstände wurden an 18 % der Messstellen beobachtet (Vormonat 8 %). Hohe oder sehr hohe Grundwasserstände wurden an 8 % bzw. 3 % der Messstellen registriert (Vormonat 9 % bzw. 5 %). An 3 % der Messstellen lagen keine aktuellen Daten vor. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände im Januar an 94 % der Messstellen im Monatsmittel auf einem niedrigeren Niveau.
Aufgrund der ungleichen Niederschlagsverteilung sowie der unterschiedlichen hydrogeologischen Eigenschaften der Standorte (z. B. Durchlässigkeit, Speichervermögen, Tiefe und Mächtigkeit der Grundwasserleiter) zeigen sich folgende regionale Unterschiede:
In den weit verbreiteten Kluftgrundwasserleitern des Buntsandsteins in Nordhessen zeigten die Messstellen im Januar fallende Trends, bei normalen bis sehr niedrigen Grundwasserstandshöhen. Beispiele Bracht Nr. 434028 und Gahrenberg Nr. 384030: Im Januar lag an der Messstelle Bracht der Wasserstand auf einem überwiegend niedrigen Niveau, mit einem fallenden Trend. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand hier 87 cm niedriger als im Vorjahr. An der Messstelle Gahrenberg bewegte sich der Wasserstand auf einem normalen Niveau, ebenfalls mit einem fallenden Trend. Der Wasserstand lag hier im Monatsmittel 176 cm niedriger als im Vorjahr.
Im mittleren Bereich von Hessen bewegten sich die Grundwasserstände im Januar auf überwiegend normalen Höhen (35 %), gefolgt von niedrigen und sehr niedrigen Höhen (je 26 %).
In der Untermainebene wurden im Januar unterschiedliche Niveaus der Grundwasserstände beobachtet, je nachdem, ob es sich um eher schnell oder langsam reagierende Messstellen handelt. Dazu jeweils ein Beispiel. An der MessstelleOffenbach Nr. 507155 bewegte sich der Grundwasserstand im Januar auf einem niedrigen bis normalen Niveau mit steigender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 65 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der MessstelleBabenhausen Nr. 528062 bewegte sich der Grundwasserstand auf einem niedrigen bis sehr niedrigen Niveau, mit gleichbleibender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 5 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. Die Grundwasserleiter in der Untermainebene sind durch Grundwasserentnahmen großräumig beeinflusst, wodurch sich, zusammen mit der räumlichen Variabilität der Standorteigenschaften, ein sehr heterogenes Bild der Grundwasserstände ergibt.
In der Hessischen Rheinebene (Hessisches Ried) wurden im Januar an 72 % der Messstellen normale Grundwasserstände beobachtet, gefolgt von hohen (18 %) und niedrigen Grundwasserständen (10 %). Sehr hohe oder sehr niedrige Grundwasserstände wurden in diesem Monat nicht beobachtet. Folgende Details waren zu beobachten:
- Im nördlichen hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im Januar auf überwiegend normalem Niveau. Beispiele Bauschheim Nr. 527055 und Walldorf Nr. 507185: An der Messstelle Bauschheim wurden im Januar normale Grundwasserstände beobachtet, mit einer steigenden Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand hier 37 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Walldorf bewegte sich der Grundwasserstand im Januar ebenfalls auf einem normalen Niveau. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 24 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
- In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Hier lagen die Grundwasserstände im Januar überwiegend auf einem niedrigen Niveau mit unterschiedlichen Trends. Beispiele Gernsheim Nr. 544135 und Biebrich Nr. 506034: An der Messstelle Gernsheim bewegte sich der Grundwasserstand auf einem normalen bis niedrigen Niveau mit einem fallenden Verlauf. Der Grundwasserstand lag 97 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel). An der Messstelle Biebrich bewegte sich der Wasserstand auf einem niedrigen Niveau und lag 79 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres (Monatsmittel).
- Die Grundwasserstände in typischen vernässungsgefährdeten Gebieten zeigten im Januar normale Werte mit steigenden Trends. Beispiele: Hähnlein Nr. 544266, Groß-Rohrheim Nr. 544107, Worfelden Nr. 527182, Wallerstädten Nr. 527321.
- In den infiltrationsgestützten Bereichen des Rieds (Hahn flach Nr. 527329, Büttelborn Nr. 527161, Lorsch Nr. 544170 und Groß-Rohrheim Nr. 544002) lagen die Grundwasserstände im Januar überwiegend auf einem normalen Niveau und wiesen teils gleichbleibende, teils fallende Trends auf. Die Grundwasserstände lagen im Bereich der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigte die gewünschte Wirkung.
- Im südlichen Hessischen Ried lagen die Grundwasserstände im Januar auf normalem bis sehr hohem Niveau mit überwiegend steigenden Trends. Beispiele Bürstadt Nr. 544007 und Viernheim Nr. 544271: An der Messstelle Bürstadt bewegte sich der Grundwasserstand im Januar auf einem normalen Niveau und lag 39 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel). An der Messstelle Viernheim befand sich der Grundwasserstand in diesem Monat ebenfalls auf normalen Höhen mit einem steigenden Trend und lag 47 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel).
Prognose
Trotz der unterdurchschnittlichen Niederschlagsmengen im bisherigen Winterhalbjahr ist die Bodenfeuchte weiterhin verbreitet ausreichend, sodass – eine feuchte Witterung vorausgesetzt – der Grundwasserneubildungsprozess stattfinden kann. Der im Schnee gespeicherte Niederschlag des Monats Januar kann bei steigenden Temperaturen infolge der Schneeschmelze zur Grundwasserneubildung beitragen. Ein Wiedereinsetzen der trockenen Witterung der Monate November und Dezember würde jedoch zu rückläufigen Grundwasserständen führen.
Aktuelle Messwerte
Die Messwerte von 125 Grundwassermessstellen, die mit Datensammlern und Datenfernübertragung ausgestattet sind, werden täglich übertragen und stehen online im Messdatenportal zur Verfügung.



