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Grundwassersituation im April 2026: Trockene Witterung und Vegetationsbeginn sorgen für verbreitet rückläufige Grundwasserverhältnisse
Nachfolgend wird ein kurzer Überblick über das zurückliegende hydrologische Sommerhalbjahr, das gerade abgeschlossene hydrologische Winterhalbjahr und das hydrologische Jahr insgesamt gegeben. Im Anschluss wird die aktuelle Grundwassersituation in Hessen betrachtet sowie eine Prognose gestellt.
Aktuelle Grundwassermesswerte finden Sie im Messdatenportal.
Hydrologisches Sommerhalbjahr, Winterhalbjahr und Jahr
Im hydrologischen Sommerhalbjahr, das von Mai bis Ende Oktober andauert, kommt vom Niederschlagswasser in der Regel kaum etwas im Grundwasser an, da ein Großteil des Niederschlags wegen der höheren Temperaturen verdunstet oder von der Vegetation verbraucht wird. Fallende Grundwasserstände im hydrologischen Sommerhalbjahr stellen auch bei durchschnittlichen Niederschlagsverhältnissen den Normalfall dar. Mit 383 mm fiel im zurückliegenden Sommerhalbjahr 5 % weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel von 1991–2020 (404 mm). Zusammen mit den trockenen Vormonaten Februar und März führte dies zu einem Anstieg des Anteils der Messstellen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich auf insgesamt 20-30 %.
Für die Regeneration des Grundwassers ist das von November bis Ende April andauernde hydrologische Winterhalbjahr von besonderer Bedeutung. In dieser Zeit, in der die Vegetation ruht und die Verdunstung wegen der niedrigeren Temperaturen geringer als im Sommerhalbjahr ausfällt, kann das Niederschlagswasser größtenteils versickern. Durch die einsetzende Grundwasserneubildung steigen die Grundwasserstände in der Regel an, sofern ausreichend Niederschlag fällt. Im Winterhalbjahr 2025/2026 lag die Niederschlagsmenge mit 259 mm jedoch ca. 28 % unter dem langjährigen Mittel (1991–2020: 357 mm).
Für das hydrologische Jahr (November bis Oktober) ergibt sich daraus im Normalfall der charakteristische Jahresgang im Grundwasser, mit steigenden Grundwasserständen im Winterhalbjahr und fallenden Grundwasserständen im Sommerhalbjahr.
Situation im April
Mit etwa 23 mm lag die Niederschlagsmenge im April, dem letzten Monat des hydrologischen Winterhalbjahres, ca. 49 % unter dem langjährigen Mittelwert 1991–2020 (rund 45 mm).
Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der Grundwassersituation seit dem Jahr 2023. Die Trockenheit des Jahres 2022 ist im Jahr 2023 mit einem hohen Anteil der Messstellen im niedrigen (gelbe Kurve) und sehr niedrigen Bereich (rote Kurve) noch deutlich zu sehen. Erst durch die einsetzenden überdurchschnittlichen Niederschläge ab Herbst 2023 bis Ende 2024 hat sich die Situation flächenhaft entspannt. Im Jahr 2024 lag der Anteil der Messstellen im hohen (hellgrüne Kurve) und sehr hohen Bereich (dunkelgrüne Kurve) durchgehend über 50 %. Im zurückliegenden Jahr hat jedoch insbesondere das trockene Frühjahr wieder zu einem Anstieg der niedrigen und sehr niedrigen Grundwasserstände geführt, was durch die überdurchschnittlichen Niederschläge im September und Oktober nur kurzfristig abgemildert wurde. Die unterdurchschnittliche Niederschlagsmenge des Winterhalbjahrs hat zu einer weiteren Zunahme der Anzahl der Messstellen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich geführt, der feuchte Jahresbeginn konnte diesen Trend nur kurzzeitig umdrehen.
Anmerkung zur Grafik: Die Klassifizierung „sehr niedrige Grundwasserstände“ stellt eine rein statistische Bewertung dar. Sehr niedrige Grundwasserstände sind nicht mit einem „Wassernotstand“ gleichzusetzen oder an bestimmte Auswirkungen und Maßnahmen gekoppelt. Liegt der Grundwasserstand unter dem 10%-Perzentil, also unter 90 Prozent aller Werte der Jahre 1991-2020, fällt er in die Klasse „sehr niedrig“. Liegt der Grundwasserstand über dem 10%-Perzentil und unterhalb des 25%-Perzentils, fällt er in die Klasse „niedrig“. Analog gilt Folgendes für die übrigen Klassen: normal: oberhalb des 25%-Perzentils und unterhalb des 75%-Perzentils; hoch: oberhalb des 75%-Perzentils und unterhalb des 90%-Perzentils; sehr hoch: oberhalb des 90%-Perzentils.
Im April bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 49 % der Messstellen auf einem normalen Niveau (Vormonat 47 %). 13 % der Messstellen wiesen niedrige Grundwasserstände auf (Vormonat 13 %). Sehr niedrige Grundwasserstände wurden an 23 % der Messstellen beobachtet (Vormonat 18 %). Hohe oder sehr hohe Grundwasserstände wurden an 9 % bzw. 4 % der Messstellen registriert (Vormonat 13 % bzw. 7 %). An 2 % der Messstellen lagen keine aktuellen Daten vor. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände im April an 72 % der Messstellen im Monatsmittel auf einem niedrigeren Niveau.
Aufgrund der ungleichen Niederschlagsverteilung sowie der unterschiedlichen hydrogeologischen Eigenschaften der Standorte (z. B. Durchlässigkeit, Speichervermögen, Tiefe und Mächtigkeit der Grundwasserleiter) zeigen sich folgende regionale Unterschiede:
In den weit verbreiteten Kluftgrundwasserleitern des Buntsandsteins in Nordhessen zeigten die Messstellen im April überwiegend fallende Trends, bei normalen bis sehr niedrigen Grundwasserstandshöhen. Beispiele Bracht Nr. 434028 und Gahrenberg Nr. 384030: Im April lag an der Messstelle Bracht der Wasserstand auf einem sehr niedrigen Niveau, mit einem fallenden Trend. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand hier 126 cm niedriger als im Vorjahr. An der Messstelle Gahrenberg bewegte sich der Wasserstand auf einem normalen Niveau, mit einem steigenden Trend. Der Wasserstand lag hier im Monatsmittel 224 cm niedriger als im Vorjahr.
Im mittleren Bereich von Hessen bewegten sich die Grundwasserstände im April überwiegend auf normalen Höhen (41 %), gefolgt von sehr niedrigen (32 %) und niedrigen Höhen (15 %).
In der Untermainebene wurden im April unterschiedliche Niveaus der Grundwasserstände beobachtet, je nachdem, ob es sich um eher schnell oder langsam reagierende Messstellen handelt. Dazu jeweils ein Beispiel. An der Messstelle Offenbach Nr. 507155 bewegte sich der Grundwasserstand im April auf einem normalen bis niedrigen Niveau mit fallender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 22 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der MessstelleBabenhausen Nr. 528062 bewegte sich der Grundwasserstand überwiegend auf einem niedrigen Niveau, mit steigender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 1 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. Die Grundwasserleiter in der Untermainebene sind durch Grundwasserentnahmen großräumig beeinflusst, wodurch sich, zusammen mit der räumlichen Variabilität der Standorteigenschaften, ein sehr heterogenes Bild der Grundwasserstände ergibt.
In der Hessischen Rheinebene (Hessisches Ried) wurden im April an 73 % der Messstellen normale Grundwasserstände beobachtet, gefolgt von hohen (20 %), niedrigen (5 %) und sehr hohen (2 %) Grundwasserständen. Sehr niedrige Grundwasserstände wurden in diesem Monat nicht beobachtet. Folgende Details waren zu beobachten:
- Im nördlichen hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im April auf normalem Niveau. Beispiele Bauschheim Nr. 527055 und Walldorf Nr. 507185: An der Messstelle Bauschheim wurden im April normale Grundwasserstände beobachtet, mit einer fallenden Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand hier 21 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Walldorf bewegte sich der Grundwasserstand im April ebenfalls auf einem normalen Niveau, mit fallender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 3 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
- In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Hier lagen die Grundwasserstände im April auf normalem bis niedrigem Niveau. Beispiele Gernsheim Nr. 544135 und Biebrich Nr. 506034: An der Messstelle Gernsheim zeigte der Grundwasserstand ein normales Niveau und lag 26 cm oberhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel). An der Messstelle Biebrich bewegte sich der Wasserstand auf einem normalen bis niedrigen Niveau, mit fallendem Verlauf gegen Monatsende. Der Grundwasserstand lag 29 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres (Monatsmittel).
- Die Grundwasserstände in typischen vernässungsgefährdeten Gebieten zeigten im April überwiegend normale Werte mit fallenden Trends. Beispiele: Hähnlein Nr. 544266, Groß-Rohrheim Nr. 544107, Worfelden Nr. 527182, Wallerstädten Nr. 527321.
- In den infiltrationsgestützten Bereichen des Rieds (Hahn flach Nr. 527329, Büttelborn Nr. 527161, Lorsch Nr. 544170 und Groß-Rohrheim Nr. 544002) lagen die Grundwasserstände im April auf normalem Niveau und wiesen größtenteils steigende Trends auf. Die Grundwasserstände lagen im Bereich der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigte die gewünschte Wirkung.
- Im südlichen Hessischen Ried lagen die Grundwasserstände im April auf normalem bis hohem Niveau mit fallenden Trends. Beispiele Bürstadt Nr. 544007 und Viernheim Nr. 544271: An der Messstelle Bürstadt bewegte sich der Grundwasserstand im April überwiegend auf einem normalen Niveau und lag 14 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel). An der Messstelle Viernheim befand sich der Grundwasserstand in diesem Monat überwiegend auf hohen Höhen, mit einem fallenden Trend. Der Grundwasserstand lag 14 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel).
Prognose
Mit fortschreitender Vegetationsperiode und steigenden Temperaturen ist in den nächsten Wochen weiter mit rückläufigen Grundwasserständen zu rechnen.
Aktuelle Messwerte
Die Messwerte von 128 Grundwassermessstellen, die mit Datensammlern und Datenfernübertragung ausgestattet sind, werden täglich übertragen und stehen online im Messdatenportal zur Verfügung.


