Logo Land Hessen

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im Juni 2020: Unterdurchschnittliche bis durchschnittliche Grundwasserstände mit rückläufigen Entwicklungstendenzen am Monatsende

Infolge der lang anhaltenden Trockenheit der letzten beiden Jahre sind die Grundwasserstände in Hessen bis zum Ende des letzten hydrologischen Sommerhalbjahres (Mai 2019 – Oktober 2019) verbreitet auf ein niedriges Niveau gesunken. Die Ende September einsetzenden Niederschläge und der überdurchschnittlich nasse Oktober beendeten die trockene Witterung im Jahr 2019.

Das hydrologische Winterhalbjahr (Nov. 2019 – April 2020) ist mit einer Niederschlagshöhe von 384 mm nahezu durchschnittlich ausgefallen (minus 1 % gegenüber dem langjährigen Mittel 1981-2010). Allerdings waren die Niederschläge sehr ungleich verteilt.

Die ergiebigen Niederschläge im Februar und Anfang März haben landesweit zu deutlichen Grundwasserstandsanstiegen geführt. Die von Mitte März bis Ende April andauernde Trockenheit führte bereits Ende März /Anfang April wieder zu rückläufige Grundwasserverhältnissen. Am Ende des hydrologischen Winterhalbjahres lagen die Grundwasserstände an mehr als zwei Drittel der Messstellen auf einem höheren Niveau als Ende April 2019. Damit war die Ausgangssituation für das hydrologische Sommerhalbjahr 2020 (Mai – Oktober) etwas günstiger als im letzten Jahr. Allerdings konnten die Defizite aus den letzten beiden trockenen Jahren nur teilweise ausgeglichen werden.

Nachdem das hydrologische Sommerhalbjahr im Mai mit einem Niederschlagsdefizit von 50% zu trocken begonnen hat, lag die Niederschlagshöhe im Juni mit 82 mm rund 18% oberhalb des langjährigen Mittels. Insgesamt entsprach der unbeständige und leicht zu warme Witterungsverlauf im Juni typisch mitteleuropäischem Sommerwetter. Aufgrund des Pflanzenwachstums und den hohen Verdunstungsraten gelangt zu dieser Jahreszeit kaum noch etwas vom Niederschlag in das Grundwasser. Deshalb wurden Ende Juni trotz der überdurchschnittlichen Niederschläge überwiegend sinkende Grundwasserstände und abnehmende Quellschüttungen beobachtet, was für das hydrologische Sommerhalbjahr normal ist.

Ende Juni bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 51 % der Messstellen auf einem unterdurchschnittlichen, an 39 % auf einem durchschnittlichen und an 10 % auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Sehr niedrige Grundwasserstände wurden nur vereinzelt an 9 % der Messstellen beobachtet. Im Jahresvergleich lagen die Grundwasserstände an knapp zwei Drittel der Messstellen auf einem etwas höheren Niveau als Ende Juni 2019.

Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind regionale Unterschiede zu beobachten.

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende Juni überwiegend auf unterdurchschnittlichen bis durchschnittlichen Höhen. An einigen Messstellen wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet. Beispiel:  Bracht Nr. 434028. Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im Juni 16 cm über dem Niveau des Monatsmittels vom Vorjahr und knapp unterhalb der Niedriggrundwasserstände aus den Jahren 1977 und 2017.

In der Hessischen Rheinebene, Hessisches Ried, wurden im Juni überwiegend durchschnittliche Grundwasserstände beobachtet. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier Ende Juni auf einem durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen Niveau. Beispiele: Gernsheim Nr.544135 und Biebrich Nr.506034. An der Messstelle Gernsheim Nr.544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im Juni 57 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Biebrich Nr.506034 lag der Wasserstand (Monatsmittel) 66 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im nördlichen hessischen Ried und südlich des Mains lagen die Grundwasserstände Ende Juni zwischen unterdurchschnittlichen bis mittleren Höhen. Vereinzelt wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände registriert. Beispiele: Bauschheim Nr.527055. An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im Juni auf dem sehr niedrigen Niveaus von 1976 und lag 23 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Offenbach Nr.507155 bewegte sich der Grundwasserstand dagegen auf mittleren Höhen und lag 23 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In den infiltrationsgestützten mittleren Bereichen des Rieds bewegten sich die Grundwasserstände im Juni überwiegend auf dem Niveau der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigt hier die gewünschte Wirkung. 
  • Im südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im Juni auf einem leicht überdurchschnittlichen Niveau mit fallender Tendenz am Monatsende. Damit lag das Grundwasserstandsniveau am Monatsende auf einem etwas höherem Niveau als im Juni 2019. Beispiele: Viernheim Nr. 544271, Bürstadt Nr. 544007. An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im Juni 2 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271 lag der Grundwasserstand 10 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.

Prognose:

Aufgrund der höheren Temperaturen, des Pflanzenwachstums und der höheren Verdunstung tragen die Niederschläge im Sommer in der Regel kaum zur Grundwasserneubildung bei. Nur ein geringer Teil des Niederschlags erreicht das Grundwasser. Für eine Auffüllung der Grundwasserspeicher während des der Sommermonate wären langanhaltende und sehr ergiebige Niederschläge notwendig. Bei mittleren Witterungsverhältnissen ist im weiteren Verlauf des hydrologischen Sommerhalbjahres von rückläufigen Grundwasserverhältnissen auszugehen. Ein Ausgleich des aus den letzten beiden Jahren resultierenden Defizits im Grundwasser wird wahrscheinlich erst wieder im kommenden hydrologischen Winterhalbjahr möglich sein.

Für den Fall, dass das restliche hydrologische Sommerhalbjahr trocken ausfällt, wäre im Herbst mit ähnlich niedrigen Grundwasserständen wie im letzten Jahr zu rechnen.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Online zur Verfügung.