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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im April 2020: Unterdurchschnittliche bis durchschnittliche Grundwasserstände mit überwiegend rückläufigen Entwicklungstendenzen am Monatsende

Infolge der lang anhaltenden Trockenheit der letzten beiden Jahre sind die Grundwasserstände in Hessen bis zum Ende des letzten hydrologischen Sommerhalbjahres (Mai 2019 – Oktober 2019) verbreitet auf ein niedriges Niveau gesunken. Die Ende September einsetzenden Niederschläge und der überdurchschnittlich nasse Oktober beendeten die trockene Witterung im Jahr 2019. Im November 2019 begann das hydrologische Winterhalbjahr, das nun im April zu Ende ging. Die Niederschläge im hydrologischen Winterhalbjahr sind besonders wichtig für das Grundwasser. Da die Temperatur und Verdunstung gering sind und die Vegetation ruht, kann ein Großteil des Niederschlags versickern und zur Grundwasserneubildung führen. Das hydrologische Winterhalbjahr ist daher die Zeit, in der sich die Grundwasserressourcen regenerieren können.

Von November bis Januar lagen die Niederschlagshöhen etwas unter dem langjährigen Mittel. Der extrem nasse Februar brachte mehr als die doppelte Niederschlagsmenge, die für diesen Monat üblich wäre. Der März startete im ersten Monatsdrittel zunächst noch nass, bevor es dann bis zum Monatsende trocken blieb. Die Trockenheit setzte sich dann im April fort. Es zum Monatsende brachten Tiefausläufer erstmals wieder Niederschläge. Mit einer Niederschlagshöhe von 18 mm viel der April als letzter Monat des hydrologischen Winterhalbjahres erheblich zu trocken aus und lag 65% unter dem langjährigen Mittel. In der Summe ist das hydrologische Winterhalbjahr mit einer Niederschlagshöhe von 384 mm nur 1 % unter dem langjährigen Mittel geblieben.

Durch die seit September 2019 gefallenen Niederschläge konnten die Grundwasserstände sich über den Winter vielerorts erholen. Die Grundwasserstandsanstiege sind in diesem Winter stärker ausgefallen als im letzten Winter. Besonders der sehr nasse Februar hat landesweit zu deutlichen Grundwasserstandsanstiegen geführt. Auf Grund der von Mitte März bis Ende April andauernden Trockenheit konnten seit Ende März allerdings wieder zunehmend rückläufige Grundwasserverhältnisse beobachtet werden. Auch wenn sich die die Grundwasserverhältnisse gegenüber der Situation im letzten Herbst deutlich verbessert haben, konnten die Defizite aus den letzten beiden trockenen Jahren noch nicht wieder vollständig ausgeglichen werden.

Ende April bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 45 % der Messstellen auf einem unterdurchschnittlichen, an 38 % auf einem durchschnittlichen und an 17 % auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Sehr niedrige Grundwasserstände wurden nur vereinzelt an 7% der Messstellen beobachtet. Im Jahresvergleich lagen die Grundwasserstände an mehr als zwei Drittel der Messstellen auf einem höheren Niveau als Ende April 2019. Das bedeutet, dass die Ausgangssituation für das bevorstehende hydrologische Sommerhalbjahr etwas günstiger als im letzten Jahr ist

Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind regionale Unterschiede zu beobachten. Vor allem in den Kluftgrundwasserleitern der Mittelgebirgsregionen zeigt sich Ende April ein uneinheitliches Bild, so dass sich die Grundwassersituation selbst an unmittelbar benachbarten Messstellen teilweise sehr unterschiedlich darstellt. Das liegt an der hohen räumlichen Variabilität der Standorteigenschaften (Niederschlagsmenge, Durchlässigkeit, Speichervermögen und Tiefe des Grundwassers) und der daraus resultierenden unterschiedlichen Dynamik (Reaktionszeit). Während die Grundwasserstände in flachen und schnell reagierenden Messstellen bereits seit Ende März fallen, sind in tieferen und träge reagierenden Messstellen selbst Ende April immer noch steigende Grundwasserstände zu beobachten.

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende April überwiegend auf unterdurchschnittlichen bis durchschnittlichen Höhen. In den zentralen und nordöstlichen Landesteilen wurden vereinzelt auch am Ende des hydrologischen Winterhalbjahres noch sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet. Beispiel:  Bracht Nr. 434028. Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im April 33 cm über dem Niveau des Monatsmittels vom Vorjahr und knapp oberhalb der Niedriggrundwasserstände aus den Jahren 1977 und 2017.

In der Hessischen Rheinebene, Hessisches Ried, wurden im April unter- bis überdurchschnittliche Grundwasserstände beobachtet. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier Ende April auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Beispiele: Gernsheim Nr.544135 und Biebrich Nr.506034. An der Messstelle Gernsheim Nr.544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im April 44 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres. An der Messstelle Biebrich Nr.506034 lag der Wasserstand (Monatsmittel) 11 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im nördlichen hessischen Ried und südlich des Mains lagen die Grundwasserstände Ende April zwischen unterdurchschnittlichen bis mittleren Höhen. Vereinzelt wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände registriert. Beispiele: Bauschheim Nr.527055. An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im April auf dem sehr niedrigen Niveaus von 1976 und lag 37 cm oberhalb des ebenfalls sehr niedrigen Niveaus des Vorjahres. An der Messstelle Offenbach Nr.507155 bewegte sich der Grundwasserstand dagegen auf mittleren Höhen und lag 49 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im mittleren und südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im April auf einem überwiegend leicht überdurchschnittlichen Niveau mit fallender Tendenz am Monatsende. Damit lag das Grundwasserstandsniveau am Monatsende meist auf einem etwas höherem Niveau als im April 2019. Beispiele: Viernheim Nr. 544271, Bürstadt Nr. 544007. An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im April 21 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271 lag der Grundwasserstand 17 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.

Prognose:

Am Ende des hydrologischen Winterhalbjahres liegen die Grundwasserstände etwas höher als vor einem Jahr. Dies stellt eine etwas günstigere Ausgangssituation für das kommende hydrologische Sommerhalbjahr dar, in dem jahreszeitlich bedingt in der Regel rückläufige Grundwasserverhältnisse zu erwarten sind. Mit zunehmenden Pflanzenwachstum, höheren Temperaturen und zunehmender Verdunstung verschlechtern sich die Randbedingungen für die Grundwasserneubildung. Mit Beginn des hydrologischen Sommerhalbjahres wird es immer unwahrscheinlicher, dass Niederschlagsereignisse zur Grundwasserneubildung führen. Hierfür wären langanhaltende und ergiebige Niederschläge notwendig.

Für den Fall, dass nun erneut ein sehr trockener Sommer folgt, sind trotz der etwas günstigeren Ausgangslage ähnliche Auswirkungen wie im letzten Jahr zu erwarten. Während in der Metropolregion Rhein-Main nicht mit Versorgungsengpässen zu rechnen ist, weil im Hessischen Ried ausreichend Grundwasser zur Verfügung steht und die Infiltration von aufbereitetem Rheinwasser zur Versorgungssicherheit beiträgt, könnte es lokal in Mittelgebirgsregionen wie schon in den vergangenen Jahren zu Versorgungsengpässen kommen.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Online zur Verfügung.