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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im Dezember 2020: Zum Monatsende regional steigende Grundwasserstände und zunehmende Quellschüttungen auf einem meist unterdurchschnittlichen Niveau

Das Jahr 2020 war mit einem landesweiten Mittelwert von 657 mm das dritte zu trockene Jahr in Folge. Mit einem etwas zu trockenen Dezember fielen in Hessen insgesamt 8 Monate zu trocken aus. Zugleich war das Jahr 2020 in Hessen nach dem Jahr 2018 das zweitwärmste Jahr seit 1881. Durch die langanhaltende Trockenheit sind die Grundwasserstände vielerorts deutlich zurückgegangen.

Üblicherweise findet die Regeneration der Grundwassersressourcen im hydrologischen Winterhalbjahr (November – April) statt und die Grundwasserstände beginnen durch die einsetzende Grundwasserneubildung zu steigen. Jedoch fiel der November als erster Monat des aktuellen hydrologischen Winterhalbjahres erheblich zu trocken (-71%) aus. Der Niederschlag im Dezember lag mit einem landesweiten Mittelwert von 71 mm nur etwas unter dem langjährigen Mittelwert (1980-2010: 77 mm). Damit lag die Niederschlagsmenge des bisherigen Hydrologischen Winterhalbjahres 54 mm unterhalb des langjährig mittleren Niederschlagssolls. Die Niederschläge im Dezember fielen überwiegend im letzten Monatsdrittel mit deutlichen regionalen Unterschieden. Während in den südwestlichen Landesteilen überdurchschnittlich viel Niederschlag gefallen ist, fielen nach Norden und Osten hin die Niederschlagsmengen unterdurchschnittlich aus. Die ungleiche Niederschlagsverteilung führte im Südwesten Hessens in gewässernahen und flachen Messstellen zu teils deutlichen Grundwasserstandsanstiegen während in den nordöstlichen Landesteilen noch verbreitet fallende Grundwasserstände zu beobachten waren. Landesweit konnten am Monatsende zwar an knapp der Hälfte der Grundwassermessstellen Entspannungssignale verzeichnet werden, eine für diese Jahreszeit zu erwartende deutliche Erholung blieb aber bisher aus.

Ende Dezember bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 63 % der Messstellen auf einem unterdurchschnittlichen, an 29 % auf einem durchschnittlichen und an 8 % auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Im Jahresvergleich lagen die Grundwasserstände Ende Dezember vielerorts auf einem etwas niedrigeren Niveau als im Vorjahr. Niedrige Grundwasserstände wurden an rund 32 % der Messstellen registriert. Die aktuellen Defizite im Grundwasser sind immer noch zum großen Teil auf das hohe und bisher nicht ausgeglichene Niederschlagsdefizit des extrem trockenen Jahres 2018 zurückzuführen.

Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind regionale Unterschiede zu beobachten.

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende Dezember verbreitet auf unterdurchschnittlichen Höhen. Vielerorts wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet. Beispiel:  Bracht Nr. 434028. Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im Dezember 12 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel) und deutlich unterhalb der Niedriggrundwasserstände aus dem Jahr 1977.

In der Hessischen Rheinebene, Hessisches Ried, wurden im Dezember überwiegend unterdurchschnittliche bis durchschnittliche Grundwasserstände beobachtet. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier Ende Dezember auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Beispiele: Gernsheim Nr.544135 und Biebrich Nr.506034. An der Messstelle Gernsheim Nr.544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im Dezember 49 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Biebrich Nr.506034 lag der Wasserstand (Monatsmittel) 74 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im nördlichen hessischen Ried und unmittelbar südlich des Mains bewegten sich die Grundwasserstände im Dezember auf unterdurchschnittlichen und teilweise sehr niedrigen Höhen mit ansteigender Tendenz am Monatsende. Beispiele: Bauschheim Nr.527055. An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im Dezember unterhalb des sehr niedrigen Niveaus von 1976 und lag 13 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Offenbach Nr.507155 bewegte sich der Grundwasserstand auf unterdurchschnittlichen Höhen und lag 20 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In den infiltrationsgestützten mittleren Bereichen des Rieds bewegten sich die Grundwasserstände im Dezember überwiegend auf dem Niveau der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigt hier die gewünschte Wirkung.
  • Im südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im Dezember auf durchschnittlichen bis leicht unterdurchschnittlichen Höhen mit steigender Tendenz zum Monatsende. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände auf einem etwas niedrigeren Niveau als im Dezember 2019. Beispiele: Viernheim Nr. 544271, Bürstadt Nr. 544007. An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im Dezember 19 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271 lag der Grundwasserstand 2 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.

Prognose:

Im weiteren Verlauf des hydrologischen Winterhalbjahres (November - April) ist perspektivisch von steigenden Grundwasserständen auszugehen. Wegen der Vegetationsruhe und der niedrigen Verdunstung kann im hydrologischen Winterhalbjahr ein Großteil des Niederschlags versickern und zur Grundwasserneubildung beitragen. Eine nachhaltige Regeneration des Grundwassers kann aber nur stattfinden, wenn ausreichend Niederschläge fallen. Das durch die zuletzt gehäuft aufgetretenen Trockenjahre bedingte Defizit im Grundwasser kann nicht durch einzelne Niederschlagsereignisse ausgeglichen werden. Für eine nachhaltige Erholung der Grundwasserspeicher in Hessen werden über längere Zeiträume andauernde und ergiebige Niederschläge benötigt.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Online zur Verfügung.