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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im Juli 2020: Überwiegend unterdurchschnittliche und sinkende Grundwasserstände

Infolge der lang anhaltenden Trockenheit der letzten beiden Jahre sind die Grundwasserstände in Hessen bis zum Ende des letzten hydrologischen Sommerhalbjahres (Mai 2019 – Oktober 2019) verbreitet auf ein niedriges Niveau gesunken. Das hydrologische Winterhalbjahr (November 2019 – April 2020) ist mit einer Niederschlagshöhe von 384 mm nahezu durchschnittlich ausgefallen (-1 % gegenüber dem langjährigen Mittel 1981-2010). Allerdings waren die Niederschläge sehr ungleich verteilt. Die ergiebigen Niederschläge im Februar und Anfang März haben zwar landesweit zu einer vorübergehenden Erholung der Grundwassersituation geführt, aber die von Mitte März bis Ende April andauernde Trockenheit führte bereits Ende März /Anfang April wieder zu rückläufigen Grundwasserverhältnissen. Am Ende des hydrologischen Winterhalbjahres lagen die Grundwasserstände an mehr als zwei Drittel der Messstellen auf einem höheren Niveau als Ende April 2019. Damit war die Ausgangssituation für das aktuelle hydrologische Sommerhalbjahr (Mai – Oktober) etwas günstiger als im letzten Jahr. Allerdings konnten die Defizite aus den letzten beiden trockenen Jahren kaum ausgeglichen werden.

Die Niederschlagssumme im bisherigen hydrologischen Sommerhalbjahr (01. Mai – 31. Juli) betrug im Landesdurchschnitt 147 mm und lag damit 72 mm bzw. 33 % unter dem langjährigen Mittel der Referenzperiode 1981-2010. Der Juli 2020 fiel mit 29 mm Niederschlag erheblich zu trocken aus. Mit einem Niederschlagsdefizit von -48 mm (-62 %) war der Juli 2020 in Hessen der siebttrockenste Juli seit 1881. Aufgrund des Pflanzenwachstums und der hohen Verdunstungsraten gelangt zu dieser Jahreszeit kaum noch etwas vom Niederschlag in das Grundwasser. Deshalb wurden Ende Juli landesweit sinkende Grundwasserstände und abnehmende Quellschüttungen beobachtet, was für das hydrologische Sommerhalbjahr den Regelfall darstellt.

Ende Juli bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 60 % der Messstellen auf einem unterdurchschnittlichen, an 31 % auf einem durchschnittlichen und an 9 % auf einem überdurchschnittlichen Niveau. Im Jahresvergleich lagen die Grundwasserstände Ende Juli zwar vielerorts noch auf einem etwas höheren Niveau als im Vorjahr, aber wegen der andauernden Trockenheit wurden gegen Monatsende zunehmend niedrige Grundwasserstände beobachtet. So wurde Ende Juli an 20 % der Messstellen niedrige Grundwasserstände registriert. Die aktuelle Grundwassersituation ist nur zu einem geringen Teil auf das Niederschlagsdefizit des zurückliegenden hydrologischen Winterhalbjahres (-5 mm) und des aktuellen hydrologischen Sommerhalbjahres (-72 mm) zurückzuführen. Die aktuellen Defizite im Grundwasser sind immer noch maßgeblich durch das hohe Niederschlagsdefizit (-304 mm) der über 10 Monate andauernden Trockenperiode des Jahres 2018 begründet.

Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind regionale Unterschiede zu beobachten.

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende Juli überwiegend auf unterdurchschnittlichen Höhen. An einigen Messstellen wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet. Beispiel:  Bracht Nr. 434028. Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im Juli 9 cm über dem Niveau des Monatsmittels vom Vorjahr und knapp unterhalb der Niedriggrundwasserstände aus den Jahren 1977 und 2017.

In der Hessischen Rheinebene, Hessisches Ried, wurden im Juli überwiegend durchschnittliche bis unterdurchschnittliche Grundwasserstände beobachtet. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier Ende Juli auf einem unterdurchschnittlichen Niveau. Beispiele: Gernsheim Nr.544135 und Biebrich Nr.506034. An der Messstelle Gernsheim Nr.544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im Juli 33 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Biebrich Nr.506034 lag der Wasserstand (Monatsmittel) 14 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im nördlichen hessischen Ried und unmittelbar südlich des Mains bewegten sich die Grundwasserstände Ende Juli zwischen unterdurchschnittlichen bis mittleren Höhen. An einigen Messstellen wurden auch sehr niedrige Grundwasserstände registriert. Beispiele: Bauschheim Nr.527055. An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im Juli auf dem sehr niedrigen Niveau von 1976 und lag 19 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Offenbach Nr.507155 bewegte sich der Grundwasserstand dagegen auf mittleren Höhen und lag 15 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In den infiltrationsgestützten mittleren Bereichen des Rieds bewegten sich die Grundwasserstände im Juli überwiegend auf dem Niveau der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigt hier die gewünschte Wirkung. 
  • Im südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im Juli auf einem durchschnittlichen Niveau mit fallender Tendenz am Monatsende. Damit lag das Grundwasserstandsniveau am Monatsende auf einem etwas höheren Niveau als im Juli 2019. Beispiele: Viernheim Nr. 544271, Bürstadt Nr. 544007. An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im Juli 7 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271 lag der Grundwasserstand 14 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.

Prognose:

Im weiteren Verlauf des hydrologischen Sommerhalbjahres ist von weiter rückläufigen Grundwasserverhältnissen auszugehen. Für eine Auffüllung der Grundwasserspeicher während des hydrologischen Sommerhalbjahres wären ergiebige und über Wochen andauernde Niederschläge notwendig. Diese sind gegenwärtig aber nicht in Sicht. Für den Fall, dass das restliche hydrologische Sommerhalbjahr trocken ausfällt, wäre im Herbst mit ähnlich niedrigen Grundwasserständen wie im letzten Jahr zu rechnen. Ein Ausgleich des aus den letzten beiden Jahren resultierenden Defizits im Grundwasser wird erst wieder im kommenden hydrologischen Winterhalbjahr möglich sein. Bevor Niederschlagsversickerung und Grundwasserneubildung überhaupt wieder einsetzen können, bedarf es zunächst großer Niederschlagsmengen, die den entleerten Bodenspeicher aufsättigen.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Online zur Verfügung.