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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im Dezember 2021: Zunehmend steigende Grundwasserstände am Monatsende

Mit 53 mm lag die Niederschlagsmenge im Dezember 20 mm bzw. 28% unterhalb des langjährigen Mittels der Referenzperiode 1991-2020. Nachdem von Mai bis August vier zu nasse Monate aufeinanderfolgten war der Dezember der vierte zu trockene Monat in Folge. Die Gesamtniederschlagssumme des Jahres 2021 entsprach mit 745 mm in etwa dem langjährigen Mittel.

Nachdem die niederschlagsreichen Sommermonate noch für eine vorübergehende leichte Erholung sorgten, haben sich im September und Oktober wieder zunehmend rückläufige Grundwasserverhältnisse eingestellt. Die zu Beginn des hydrologischen Winterhalbjahres (November bis April) häufig zu beobachtende Trendwende zu steigenden Grundwasserständen blieb wegen der sich fortsetzenden trockenen Witterung zunächst vielerorts aus. Erst Ende Dezember konnten infolge einsetzender Niederschläge zunehmend Anstiege im Grundwasser beobachtet werden. So wurden am Monatsende an 69 % der Messstellen steigende Grundwasserstände registriert, an 17 % der Messstellen fielen die Grundwasserstände dagegen weiter, an den übrigen Messstellen blieben die Grundwasserstände stabil.

Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände Ende Dezember an rund zwei Drittel der Messstellen auf einem höheren Niveau als vor einem Jahr. Auch wenn sich die Grundwassersituation im Vergleich zum letzten Jahr leicht verbessert hat, sind die aus den trockenen Vorjahren resultierenden Defizite im Grundwasser noch nicht wieder vollständig ausgeglichen.

Ende Dezember bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 50 % der Messstellen auf einem durchschnittlichen Niveau. Rund 19 % der Messstellen wiesen unterdurchschnittliche Grundwasserstände auf. Sehr niedrige Grundwasserstände wurden an 18 % der Messstellen beobachtet. Überdurchschnittliche oder sehr hohe Grundwasserstände wurden an 3% bzw. 2 % der Messstellen beobachtet. An 8 % der Messstellen lagen keine aktuellen Daten vor.

Wegen der ungleichen Niederschlagsverteilung und der unterschiedlichen Gebietseigenschaften sind folgende regionale Unterschiede zu beobachten:

In  Mittel- und Nordhessen bewegten sich die Grundwasserstände Ende Dezember auf sehr unterschiedlichen Niveaus. Während in den westlichen Landesteilen durchschnittliche Grundwasserstände überwogen, wurden vor allem in den zentralen und nördlichen Landesteilen vielerorts unterdurchschnittliche und teilweise auch sehr niedrige Grundwasserstände beobachtet. Beispiel  Bracht Nr. 434028: Die Grundwasserstände der Messstelle Bracht lagen im Dezember 20 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel) und deutlich unterhalb der Niedriggrundwasserstände aus dem Jahr 1977.

In der Hessischen Rheinebene (Hessisches Ried) wurden im Dezember überwiegend durchschnittliche Grundwasserstände beobachtet. Sehr niedrige Grundwasserstände waren hier die Ausnahme. Folgende Details waren zu beobachten:

  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Die Grundwasserstände lagen hier Ende Dezember auf einem durchschnittlichen bis überdurchschnittlichen Niveau mit ansteigender Tendenz zum Monatswechsel. Beispiele Gernsheim Nr. 544135 und Biebrich Nr. 506034: An der Messstelle Gernsheim Nr. 544135 lag der Wasserstand (Monatsmittel) im Dezember 6 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Biebrich Nr.506034 lag der Wasserstand (Monatsmittel) 15 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • Im nördlichen hessischen Ried und unmittelbar südlich des Mains bewegten sich die Grundwasserstände im Dezember überwiegend zwischen unterdurchschnittlichen und durchschnittlichen Werten. Beispiele Bauschheim Nr. 527055 und Offenbach Nr. 507155: An der Messstelle Bauschheim Nr. 527055 bewegte sich der Grundwasserstand im Dezember auf unterdurchschnittlichen Höhen und lag im Monatsmittel 31 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Offenbach Nr. 507155 bewegte sich der Grundwasserstand am Monatsende auf einem durchschnittlich hohen Niveau und lag 23 cm oberhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In den infiltrationsgestützten mittleren Bereichen des Rieds bewegten sich die Grundwasserstände im Dezember überwiegend auf dem Niveau der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigt hier die gewünschte Wirkung.
  • Im südlichen Hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände Ende Dezember auf überwiegend durchschnittlichen Niveaus mit steigender Tendenz am Monatsende. Beispiele Viernheim Nr. 544271 und Bürstadt Nr. 544007: An der Messstelle Bürstadt Nr. 544007bewegte sich der Grundwasserstand im Dezember 35 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Viernheim Nr. 544271 bewegte sich der Grundwasserstand (Monatsmittel) dagegen auf einem sehr niedrigen Niveau und lag 6 cm unterhalb des Vorjahresniveaus.

Prognose:

Für die Regeneration des Grundwassers ist das von November bis Ende April andauernde hydrologische Winterhalbjahr von besonderer Bedeutung. In dieser Zeit ruht die Vegetation und die Verdunstung fällt wegen der niedrigeren Temperaturen geringer als im Sommerhalbjahr aus. So kann ein großer Teil des Niederschlags versickern und zur Grundwasserneubildung beitragen. Daher ist im weiteren Verlauf des hydrologischen Winterhalbjahres eine Erholung der Grundwasserstände möglich. Dies setzt allerdings voraus, dass ausreichend Niederschläge fallen. Die Randbedingungen für das Einsetzen des Grundwasserneubildungsprozesses sind derzeit günstig.

 

In Hessen wurden weitere Messstellen mit Datensammlern mit Datenfernübertragung für Wasserstand und Temperatur ausgestattet. Die Messwerte werden täglich übertragen und stehen Online zur Verfügung.