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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Niedrigwasser

Als Niedrigwasser im Binnenbereich bezeichnet man nach DIN 4049-3 den Zustand in einem oberirdischen Gewässer, bei dem der Wasserstand oder der Durchfluss einen bestimmten Schwellenwert erreicht oder unterschritten hat. Dieses Niedrigwasser ist grundsätzlich witterungs- oder jahreszeitlich bedingt. Die regulären jahreszeitlichen Schwankungen werden mit dem mittleren Niedrigwasserdurchfluss (MNQ) bemessen, darunter herrscht extremes Niedrigwasser. 

Auswirkungen von Niedrigwasser sind:

  • Einschränkungen im Binnenschiffsverkehr treten auf, da bei niedrigen Wasserständen die Beladung der Schiffe reduziert werden muss. 
  • Die Gefahr des Fischsterbens besteht wegen hoher Wassertemperaturen und geringem Sauerstoffanteils infolge geringer Wassersmengen und langsamer Fließgeschwindigkeiten.
  • Die Schadstoffkonzentrationen im Gewässer steigen wegen fehlendem Verdünnungswassers bei gleichbleibender Einleitung an.
  • Wasserentnahmen, etwa für landwirtschaftliche Bewässerung, die rechtlich an einen Mindestwasserstand gebunden sind, können zum Erliegen kommen.
  • Wasserkraftwerke können weniger Strom produzieren, da bei Flusskraftwerken geringere Wassermengen die Turbinen durchfließen, wobei ein Mindestabflussanteil den Ausleitungsgräben verbleiben muss bzw. bei Wärmekraftwerken weniger Kühlwasser zur Verfügung steht.
  • Einschränkungen der Produktion von Betrieben, die auf die Entnahme von Kühl- oder Betriebswasser angewiesen sind, können auftreten.

 

Messwerte Hessen

Messwerte Bundeswasserstraßen

 

Niedrigwassermessprogramm Hessen

Die Messungen des Niedrigwasserabflusses sind von außerordentlicher Bedeutung für wasserwirtschaftliche Planungen und Entscheidungen. 

  • Größe und Dauer des Niedrigwasserabflusses bestimmen den Betrag der Wasserentnahme- und Einleitungsmengen in kritischen Trockenzeiten. 
  •  Eine nicht minder große Bedeutung kommt der Erfassung des Niedrigwasserabflusses als Maß für die Grundwasserneubildung zu. Auf der Voraussetzung, dass in Trockenzeiten die Gewässer nur aus dem Grundwasserreservoir gespeist werden, bauen gewässerkundliche Verfahren zur Ermittlung der Grundwasserneubildung auf.

Seit 1981 regelt das „Abflussmessprogramm bei Niedrigwasser" die Erfassung von Abflüssen in Trockenperioden an Sondermessstellen. Um eine möglichst große Aussagefähigkeit der Messergebnisse zu gewährleisten, wird folgendermaßen vorgegangen:

  1. Das HLNUG legt den Beginn der jeweiligen Messaktion nach Absprache mit den Regierungspräsidien fest. Diese informieren das HLNUG bei andauernden Niedrigwasserabflüssen in ihrem Zuständigkeitsbereich.
  2. Prinzipiell soll jede ausgeprägte Trockenperiode für Niedrigwassermessungen ausgenutzt werden.
  3. Bei der Durchführung der Messprogramme ist in einem möglichst kurzen Zeitraum ein ganzes Flusssystem systematisch durch zu messen, damit den erzielten Messergebnissen die gleichen klimatologischen Bedingungen zugrunde liegen.
  4. Um eine korrekte Korrelation der aus den Sondermessungen erhaltenen Abflüsse mit Bezugspegeln durchführen zu können, sollen Kontrollmessungen des Abflusses an den kontinuierlich beobachteten Pegeln immer auch dann vorgenommen werden, wenn das Sondermessprogramm im jeweiligen Niederschlagsgebiet durchgeführt wird. Eine Herleitung des Durchflusses aus den an den Pegeln aufgezeichneten Wasserstandsganglinien ist gerade bei Niedrigwasserabfluss und möglichen Verkrautungseinflüssen meist mit größeren Unsicherheiten behaftet.

Das Niedrigwassermessprogramm kam zuletzt in den Jahren 2003 und 2018 zum Einsatz.


Hessische Berichte zu Niedrigwasser

Gewässerkundlicher Jahresbericht 2011: Kapitel Niedrigwasser 
Gewässerkundlicher Jahresbericht 2016: Kapitel 3.2 Niedrigwasser 
HLNUG-Jahresbericht 2017
Bericht Niedrigwasser und Trockenheit 2018


Weitere Berichte zu Niedrigwasser

IKSR 2018: Bestandsaufnahme zu den Niedrigwasserverhältnissen am Rhein