
Steckbriefe relevanter Spurenstoffe im Hessischen Ried
Die Gewässersituation im Hessischen Ried ist durch langsam fließende, abflussarme und aufgrund der hohen Besiedlungsdichte stark abwasserbelastete Fließgewässer gekennzeichnet. Zugleich wird hier intensive Landwirtschaft betrieben. Unter anderem über das Abwasser gelangen Spurenstoffe wie Arzneistoffe, Haushalts- und Industriechemikalien, Pflanzenschutzmittel und Biozide in die Fließgewässer des Hessischen Rieds. Diese Spurenstoffe werden von den im Hessischen Ried teilweise geringmächtigen und sandigen Deckschichten, die die Grundwasserleiter schützen, nur unzureichend zurückgehalten und können somit ins Grundwasser gelangen, das über das Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung genutzt wird. Obwohl das Hessische Ried nur rund 5 % der Landesfläche Hessens umfasst, werden in diesem Gebiet wegen der günstigen hydrogeologischen Bedingungen ca. 25 % des Trinkwassers in Hessen gewonnen.
Basierend auf den durch das HLNUG nachgewiesenen Eintragspfaden entwickelte das Hessische Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (HMUKLV) die Spurenstoffstrategie Hessisches Ried. Ziel dieser Strategie ist es, durch geeignete Maßnahmen die stoffliche Belastung der Fließgewässer im Hessischen Ried zu vermindern und damit im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) sowohl die vielfältigen Funktionen und Nutzungen der Gewässer zukünftig sicherzustellen als auch die Grundwasservorkommen im Hessischen Ried langfristig zu schützen.
In der Spurenstoffstrategie Hessisches Ried wurden sechs Kernmaßnahmen, vier Begleitmaßnahmen, drei einzelfallbezogene Maßnahmen sowie zwei Forschungsvorhaben erarbeitet. Eine Begleitmaßnahme war die Einrichtung des Dialogforums „Spurenstoffe im Hessischen Ried“, in dessen Rahmen für ausgewählte gewässerrelevante Spurenstoffe und Spurenstoffgruppen derzeit Steckbriefe erstellt werden, die der Information und Aufklärung der Öffentlichkeit dienen sollen.
Diese im einheitlichen Aufbau gestalteten Steckbriefe sollen allgemeinverständlich auf die Spurenstoff-Situation in hessischen Gewässern und im Speziellen im Hessischen Ried aufmerksam machen, sodass durch umweltbewusstes Verhalten der Bevölkerung eine Vermeidung beziehungsweise Verringerung von Spurenstoffeinträgen in die hessischen Gewässer erzielt werden kann.
Die Steckbriefe werden in regelmäßigen Zeitabständen aktualisiert und stehen auch zum Download zur Verfügung.
Benzotriazole sind organische Substanzen, die sowohl in der Industrie als auch in Haushalten verschiedene Anwendungsbereiche haben und in der Umwelt aufgrund ihrer mobilen und meist langlebigen Eigenschaften vielfach nachgewiesen werden. Der wichtigste und bezüglich der chemischen Struktur einfachste Vertreter der Stoffgruppe der Benzotriazole ist das 1H-Benzotriazol, auf dem daher im Folgenden der Fokus liegen wird. Weitere wichtige Vertreter mit regelmäßigen Befunden in der Umwelt sind 4‑Methyl‑1H‑Benzotriazol sowie das 5-Methyl-1H-Benzotriazol, die aufgrund der strukturellen Ähnlichkeit meist gemeinsam in einem Analyseverfahren bestimmt und als Summenparameter zusammengefasst werden.
Anwendungsbereiche & Eintragspfade
Benzotriazol-Verbindungen haben vielfältige Einsatzbereiche und werden unter anderem als Korrosionsschutzmittel in Kühlflüssigkeiten beispielsweise bei der Metallbearbeitung und bei technischen Anlagen wie Kühlkreisläufen sowie in Entkalkungstabletten eingesetzt.
Weiterhin finden Benzotriazole Anwendung in Solarzellen, medizinischen Anwendungen oder als UV-Filter in Kunststoffen und teilweise auch in Kosmetika sowie Sonnenschutzmitteln.
Durch den Einsatz von Benzotriazolen als Geräte- und Silberschutz in Geschirrspül- und Reinigungsmitteln bzw. in Spülmaschinentabs kommt es zu einem kontinuierlichen direkten Eintrag ins häusliche Abwasser und damit in den Wasserkreislauf.
In Kläranlagen können Benzotriazole mit den derzeitigen Verfahren der Abwasserbehandlung nur unzureichend zurückgehalten werden, sodass sie über den Abwasserpfad in die Oberflächengewässer gelangen. Aufgrund der mobilen Eigenschaft kann das mit Benzotriazolen belastete Oberflächenwasser durch Versickerung anschließend in das Grundwasser gelangen, dessen Reinheit insbesondere aufgrund der Verwendung als Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung von besonderer Bedeutung ist.
Vorkommen in Gewässern des Hessischen Rieds
In hessischen Oberflächengewässern werden Benzotriazol-Verbindungen seit einigen Jahren regelmäßig im µg/l‑Bereich nachgewiesen.
In den Jahren 2016 bis 2024 betrug der arithmetische Mittelwert von 1H-Benzotriazol über alle Oberflächenwassermessstellen in Hessen, an denen mindestens 10 Messwerte im Jahr vorlagen, 1,26 µg/l. Für die Messstellen im Hessischen Ried lag dieser Wert nahezu doppelt so hoch bei 2,35 µg/l.
Im Jahr 2017 wurde im Mühlbach bei Groß-Gerau eine Maximalkonzentration von 15,3 µg/l für 1H‑Benzotriazol gemessen.
Vergleicht man die arithmetischen Mittelwerte von 1H-Benzotriazol über alle Oberflächenwassermessstellen in Hessen für den Zeitraum 2016 bis 2021 mit dem Zeitraum 2016 bis 2024, so konnte in wenigen Jahren durch Aufklärungsmaßnahmen und Empfehlungen von Verbänden die Konzentration in hessischen Oberflächengewässern um knapp ein Viertel vermindert werden.
Auch im Grundwasser werden Benzotriazole an einigen Messstellen oberhalb der Bestimmungsgrenze nachgewiesen. Bei einer Grundwasserbeschaffenheitsmessung in Raunheim wurde im Jahr 2016 eine Höchstkonzentration von 2,67 µg/l für 4-Methyl-1H-Benzotriazol festgestellt.
Messwerte und Statistiken zu Nachweisen von Benzotriazolen an hessischen Grundwassermessstellen können im Grundwasserschutz-Viewer in Tabellenform oder als Diagramm abgerufen werden.
Öko- und humantoxikologische Einordnung
1H-Benzotriazol und seine Transformationsprodukte 4- und 5-Methyl-1H-Benzotriazol zeigen eine geringe biologische Abbaubarkeit und werden als langlebig und mobil in der Umwelt eingestuft. Eine Aufkonzentrierung in Organismen (Anreicherung im Fettgewebe) von 1H-Benzotriazol ist aufgrund eines geringen Potenzials zur Bioakkumulation auszuschließen. Für bestimmte Benzotriazol-Verbindungen, insbesondere UV-Stabilisatoren, ist eine Anreicherung jedoch in mehreren Fischarten sowie im Nahrungsnetz nachgewiesen worden.
Akute Effekte von 1H-Benzotriazol wurden für verschiedene Wasserorganismen nur bei höheren, nicht umweltrelevanten Konzentrationen beobachtet. Es ist aufgrund der gemessenen Effektkonzentrationen von der EU nicht als akut toxisch für Wasserorganismen, jedoch als langfristig gewässergefährdend eingestuft. 1H-Benzotriazol steht im Verdacht, krebserregende Wirkungen beim Menschen und hormonelle Wirkungen bei Organismen in der (aquatischen) Umwelt zu haben , was derzeit weiter untersucht wird. Zusätzlich sind neurotoxische Eigenschaften bekannt.
Die PNEC (predicted no effect concentration = Konzentration, bei der noch keine Effekte auf das Ökosystem auftreten) für Süßwasser, liegt laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) für 1H‑Benzotriazol bei 97 µg/l [12]. Daraus ergibt sich, dass bei den gemessenen Konzentrationen in Oberflächengewässern des Hessischen Rieds aktuell nicht von negativen Effekten auf Gewässerorganismen auszugehen ist.
Aufgrund der langlebigen und mobilen Eigenschaften kann 1H-Benzotriazol die Trinkwasseraufbereitung beeinträchtigen – ein Grenzwert für Benzotriazole im Trinkwasser existiert in Deutschland bisher nicht.
Vom Umweltbundesamt (UBA) wurde für 1H-Benzotriazol ein gesundheitlicher Orientierungswert (GOW) von 3,0 μg/l für Trinkwasser festgelegt. Bei Einhaltung des GOW, der ein Vorsorgewert ist, sind ausreichend sicher keine Gesundheitsbeeinträchtigungen beim Menschen zu erwarten.
Dieser Wert wird im hessischen Trinkwasser derzeit nicht überschritten. Die nachgewiesenen Werte liegen beispielsweise in den Versorgungsgebieten zweier Wasserversorger unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,02 µg/l.
Vermeidungs- und Minderungsmöglichkeiten der Einträge
Zum Schutz der aquatischen Umwelt und der menschlichen Gesundheit ist aus Vorsorgegründen Handlungsbedarf zur Verringerung der Einträge von Benzotriazolen in die Umwelt gegeben.
Untersuchungen haben gezeigt, dass Geschirrspülmittel ohne Benzotriazole ebenfalls sehr gute Reinigungsergebnisse erzielen und Benzotriazole als Inhaltsstoffe daher nicht notwendig sind. So haben in der Ausgabe 08/2023 der Zeitschrift „test“ (herausgegeben von der Stiftung Warentest) von vier getesteten Ökoprodukten, in denen keine Benzotriazole eingesetzt werden, drei das Gesamturteil „gut“ erhalten.
Auf der Verpackung eines Geschirrspülmittels müssen die Inhaltsstoffe nicht vollständig angegeben werden. Nach der Detergentienverordnung sind die Hersteller entsprechender Produkte jedoch dazu verpflichtet, alle Inhaltsstoffe öffentlich zugänglich zu machen – diese sind auf den Internetseiten der Hersteller einzusehen. Einfacher sind umweltfreundliche Alternativen ohne Benzotriazole an Umweltsiegeln wie dem „Blauen Engel“ oder den Siegeln von ECOCERT oder NCP (Natural Care Product) zu erkennen. Des Weiteren existieren derzeit frei verfügbare Apps, um sich über Inhaltsstoffe und Stoffinformationen u. a. von Kosmetikprodukten und Sonnenschutzmitteln zu informieren.
Auch bei Entkalkungsmitteln – beispielsweise für Kaffeeautomaten – sollte aus Umweltschutzgründen darauf geachtet werden, dass keine Benzotriazole enthalten sind. Eine gute Wirksamkeit zur Entkalkung besitzen auch umweltfreundlichere Alternativen wie Zitronensäure oder Essig.
Da auch in einigen Sonnenschutzmitteln Benzotriazole als UV-Filter eingesetzt werden, ist die Verwendung von Benzotriazol-freien Sonnenschutzmitteln empfehlenswert.
Somit können Verbraucherinnen und Verbraucher durch die Wahl Benzotriazol-freier Produkte einen wichtigen Beitrag dafür leisten, dass die Einträge von Benzotriazolen in den Wasserkreislauf verringert und somit unsere Gewässer und unser Trinkwasser vor Belastungen geschützt werden.

Abbildung: Jeweils aktuellster Jahresmittelwert von 1H-Benzotriazol an den 2016–2024 beprobten Messstellen im Hessischen Ried
Coffein oder Koffein ist vor allem als der Wirkstoff von Kaffee bekannt, von dem auch der Name Coffein abgeleitet wurde. Der Naturstoff kommt in verschiedenen Pflanzen vor, wie zum Beispiel in der Kaffeebohne, der Kakaobohne, der Kolanuss, der Guarana-Beere und verschiedenen Teeblättern. Coffein ist daher ein Bestandteil in den daraus hergestellten Genussmitteln.
Coffein ist eine psychoaktive Substanz und wirkt stimulierend auf das zentrale Nervensystem, die Atmung und den Herzkreislauf des Menschen, was sich in erhöhter Wachsamkeit, Konzentration und Leistungsfähigkeit bemerkbar macht. Aufgrund dieser Wirkung wird Coffein als Wirkstoff in Arzneimitteln, Kosmetika und als Zutat in Soft- und Energydrinks genutzt. Es wird nach der Aufnahme im menschlichen Körper verstoffwechselt, wobei ca. 3 % in reiner Form wieder über den Urin ausgeschieden werden.
Coffein ist einer der weltweit am meisten detektierten aktiven pharmazeutischen Wirkstoffe in Flüssen. Der Eintrag in die aquatischen Ökosysteme ist fast ausschließlich auf den Menschen zurückzuführen, sodass die Nutzung von Coffein als Markersubstanz für Einträge von kommunalem Abwasser in Fließgewässern und im Grundwasser untersucht wurde.
Eintragspfade
Coffein ist aufgrund seiner geringen Bindung an Bodenpartikel und seiner hohen Wasserlöslichkeit mobil und kann leicht in das Grundwasser gelangen. Es wurde auch berichtet, dass Coffein aufgrund seiner biologischen Abbaubarkeit und seiner geringen Adsorption an Bodenpartikeln keine langfristige Persistenz im Boden aufweist.
Coffein wird während der Herstellung von entsprechenden Produkten, dem Konsum und der Kompostierung in die Umwelt eingebracht. Coffeinhaltige Abfälle und Restmengen finden ihren Weg von den Herstellerinnen und Herstellern und Konsumenten z. B. über die Kompostierung direkt ins Grundwasser oder über die Kanalisation in die Umwelt. Durch die Ausscheidungen der Konsumenten gelangt der nicht metabolisierte Teil des Coffeins über die Kanalisation in die Kläranlage. Im Zulauf von Kläranlagen werden Coffeinkonzentrationen von im Mittel 4 µg/l nachgewiesen. Die Eliminationsrate von Coffein in Kläranlagen mit einer biologischen Abwasserbehandlungsstufe beträgt in der Regel über 95 %. Coffein wird also bereits heute gut aus dem Abwasser entfernt.
Coffein, das nicht durch die Anlage eliminiert wurde, wird über das behandelte Abwasser in Oberflächengewässer eingeleitet und kann in das Grundwasser gelangen.
Häufig wird in Kläranlagen nicht das gesamte Coffein biologisch abgebaut und ist im Klärschlamm nachweisbar. Die landwirtschaftliche Ausbringung von Senkgrubeninhalten und Klärschlamm bildet über die Bodenpassage einen weiteren Eintragspfad in das Grundwasser, wobei ein Teil des Coffeins von Bakterien im Untergrund abgebaut wird.
Vorkommen in Gewässern des Hessischen Rieds
An Messstellen in hessischen Oberflächengewässern (OW) wird Coffein seit einigen Jahren regelmäßig nachgewiesen. In den Jahren 2016–2023 betrug der Jahresmittelwert über alle Oberflächenwassermessstellen in Hessen, an denen mindestens sechs Messwerte im Jahr vorlagen, 0,16 µg/l. Im selben Zeitraum betrug der Jahresmittelwert nur über die Messstellen, die sich im Hessischen Ried befinden, 0,17 µg/l. Die durchschnittliche Konzentration von Coffein an Messstellen im Hessischen Ried liegt um 8 % über dem Durchschnitt der Landesmessstellen, basierend auf den Jahresmittelwerten der Messstellen. Daraus ist ersichtlich, dass die Coffeinbelastung im Hessischen Ried nur leicht über der flächendeckenden Belastung in hessischen Gewässern liegt. Im Jahr 2023 wurde im Halbmaasgraben bei Biblis die bisherige Maximalkonzentration von 7,2 µg/l für Coffein in OW erfasst.
Im Grundwasser (GW) in Hessen wurde die Coffeinkonzentration nur regional im Rahmen einer Grundwasserbeschaffenheitsmessung im hessischen Oberrheingraben im Jahr 2016 festgestellt. Es wurde an sieben von 66 Messstellen eine Konzentration über der Bestimmungsgrenze von 0,02 µg/l nachgewiesen. Die Höchstkonzentration von 0,04 µg/l für Coffein in GW wurde 2016 in Riedstadt-Goddelau erfasst.
Messwerte und Statistiken zu Nachweisen von Coffein an hessischen Grundwassermessstellen können im Grundwasserschutz-Viewer in Tabellenform oder als Diagramm abgerufen werden.
Öko- und humantoxikologische Einordnung
Laut Umweltbundesamt ist Coffein als schwach wassergefährdend eingestuft. Die PNEC (predicted no effect concentration = Konzentration, bei der noch keine Effekte auf das Ökosystem auftreten) für Süßwasser beträgt laut der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) für Coffein 87 µg/l. Die Untersuchungen des HLNUG im Zeitraum von 2020 bis 2023 an den beprobten Oberflächenwassermessstellen im Hessischen Ried haben gezeigt, dass die aktuellen Jahresmittelwerte aller Messstellen signifikant unterhalb der PNEC liegen (siehe Abbildung). Eine negative Wirkung auf die aquatische Umwelt kann aufgrund der aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnisse zu diesem Spurenstoff derzeit als ausgeschlossen angesehen werden.
Coffein wird nicht als krebserzeugend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend eingestuft. Studien belegen mögliche gesundheitliche Auswirkungen von Coffein, insbesondere bei hohen Dosierungen.
Kurzfristig kann es bei Erwachsenen und Kindern zu negativen Auswirkungen auf das zentrale Nervensystem kommen, wie Schlafstörungen, erhöhte Ängstlichkeit und Verhaltensänderungen. Übermäßiger Coffeinkonsum wird langfristig mit Herz-Kreislauf-Problemen sowie bei schwangeren Frauen mit einem verminderten Wachstum des Fötus in Verbindung gebracht.
Insgesamt ist es aufgrund der mobilen Eigenschaft möglich, dass Coffein in die Trinkwasseraufbereitung gelangen kann, dessen Auswirkungen und Konzentrationen jedoch von verschiedenen Faktoren wie der freigesetzten Coffeinmenge, der Freisetzungsart sowie den Eigenschaften des Bodens und des Grundwassers abhängen.
In Deutschland gibt es bisher keinen spezifischen Grenzwert für Coffein im Trinkwasser. Die Trinkwasserkommission des Bundesministeriums für Gesundheit und soziale Sicherheit (BMGS) empfiehlt einen GOW von 0,1 µg/l als erste Bewertung nicht oder nur teilweise bewerteter Stoffe im Trinkwasser. Dieser dient der Gesundheitsbewertung und wird vom Umweltbundesamt verwendet. Bei Konzentrationen unterhalb des GOW, einem Vorsorgewert, sind keine Gesundheitsbeeinträchtigungen beim Menschen zu erwarten. Derzeit wird dieser Wert im hessischen Trinkwasser nicht überschritten.
Vermeidungs- und Minderungsmöglichkeiten der Einträge
Zum Schutz der aquatischen Umwelt und der menschlichen Gesundheit ist aus Vorsorgegründen eine Verringerung der Einträge von Coffein erstrebenswert.
Zur Verringerung der Einträge von Coffein in die aquatische Umwelt ist eine Reduzierung des Konsums oder gar der Verzicht durch die Konsumenten empfehlenswert. Es kann beispielsweise auf Arzneimittel und Kosmetika ohne Coffein zurückgegriffen werden. Als kostengünstigere, gesündere und umweltfreundlichere Alternative zu coffeinhaltigen Getränken empfiehlt sich Leitungswasser. Kaffeesatz sollte nicht über das häusliche Abwasser entsorgt werden.
Abgesehen vom Kaffeekonsum sollte aus Gesundheits- und Gewässerschutzgründen insbesondere vom häufigen Konsum von Energydrinks abgesehen werden (vor allem bei Jugendlichen).
In Anbetracht dessen tragen Verbraucherinnen und Verbraucher durch die Präferenz von coffeinfreien Produkten nicht nur zur Reduktion von Coffeineinträgen im Wasserkreislauf bei, sondern leisten auch einen bedeutenden Beitrag zum Schutz aquatischer Lebensräume und der Qualität von Trinkwasserressourcen.

Abbildung: Jeweils aktuellster Jahresmittelwert von Coffein an den 2016–2023 beprobten Messstellen im Hessischen Ried
Diclofenac ist ein Arzneiwirkstoff, der bei Schmerzen und Entzündungen nach Verletzungen oder aufgrund von akuten oder chronischen Krankheiten, etwa bei rheumatischen Erkrankungen oder einem akuten Gichtanfall, eingesetzt wird. Eine Begutachtung von 39 Studien mit über 10.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern kam zu dem eindeutigen Ergebnis, dass auf der Haut angewandtes Diclofenac nur bei chronischer Arthritis einen therapeutischen Nutzen und einen Vorteil gegenüber einem Placebo hat, bei anderen Indikationen nicht.
Der Wirkstoff wird in Deutschland z. B. unter den Handelsnamen Voltaren oder Diclac vertrieben.
Diclofenachaltige Medikamente sind in Deutschland sowohl für die orale Behandlung in Form von Tabletten und Kapseln als auch für die Anwendung auf der Haut in Form von Salben und Gelen erhältlich – auf ärztliches Rezept, aber auch rezeptfrei.
Eintragspfade
Für Diclofenac ist der Eintrag in den Wasserkreislauf u.a. abhängig von der Art der Anwendung. Nach oraler Aufnahme wird Diclofenac nahezu vollständig im Körper abgebaut, sodass nur ein geringer Teil unverstoffwechselt in das Abwasser ausgeschieden wird.
Für die Anwendung auf der Haut belegen mehrere Studien mit verschiedenen Methoden, dass nur etwa 4 % des aufgetragenen Wirkstoffes über die Haut aufgenommen werden. Diese geringe Aufnahme wird in einer Fachinformation eines Herstellers von Diclofenac-haltigen Salben bestätigt. Das bedeutet, dass die größte Menge an Diclofenac in den Wasserkreislauf gelangt, ohne zuvor eine medizinische Wirkung vermittelt zu haben.
Dies geschieht insbesondere dann, wenn unmittelbar nach dem Auftragen die Hände gewaschen werden oder geduscht bzw. gebadet wird und der Wirkstoff noch nicht über die Haut aufgenommen werden konnte.
Weitere relevante Eintragspfade liegen in der nicht ordnungsgemäßen Entsorgung von Altmedikamenten über die Toilette oder das Waschbecken.
In Kläranlagen kann Diclofenac mit den derzeitigen Verfahren der Abwasserbehandlung nur unzureichend zurückgehalten werden, sodass es über den Abwasserpfad in die Gewässer gelangt.
Aufgrund seiner mobilen Eigenschaft kann das mit Diclofenac belastete Oberflächenwasser durch Versickerung anschließend in das Grundwasser gelangen, dessen Reinheit insbesondere aufgrund der Verwendung als Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung von besonderer Bedeutung ist.
Vorkommen in Gewässern des Hessischen Rieds
An Messstellen in hessischen Oberflächengewässern wird Diclofenac seit einigen Jahren regelmäßig nachgewiesen. In den Jahren 2016 - 2024 betrug der Jahresmittelwert über die Oberflächenwassermessstellen in Hessen, an denen mindestens 10 Messwerte im Jahr vorlagen, 0,55 µg/l. Für die Messstellen im Hessischen Ried lag dieser Wert deutlich höher bei 1,16 µg/l. Im Jahr 2016 wurde im Halbmaasgraben bei Biblis eine Maximalkonzentration von 13 µg/l gemessen.
Auch im Grundwasser wird Diclofenac regelmäßig an einigen Messstellen – insbesondere im Hessischen Ried – oberhalb der Bestimmungsgrenze nachgewiesen.
Bei einer Grundwasserbeschaffenheitsmessung in Mörfelden wurde im Jahr 2023 eine Höchstkonzentration von 1,01 µg/l festgestellt.
Messwerte und Statistiken zu Nachweisen von Diclofenac an hessischen Grundwassermessstellen können im Grundwasserschutz-Viewer in Tabellenform oder als Diagramm abgerufen werden.
Öko- und humantoxikologische Einordnung
Diclofenac kann nachweislich negative Effekte auf Organismen in der (aquatischen) Umwelt haben. So haben Studien gezeigt, dass Diclofenac bei Gewässerorganismen wie Fischen bereits in niedrigen Konzentrationen eine Schädigung von Niere, Leber und Kiemen hervorrufen und somit zu negativen Auswirkungen auf das aquatische Ökosystem führen kann. Ein besonders drastisches Beispiel ist aus dem Mittleren Osten bekannt: dort verursachte dieser Arzneiwirkstoff Anfang der 2000er Jahre einen Zusammenbruch von Geierpopulationen in Indien, Nepal und Pakistan, bei denen mehrere Millionen Geier verendeten und drei Arten akut vom Aussterben bedroht waren. Die Ursache hierfür war, dass die Kadaver von mit Diclofenac behandelten Rindern von Geiern gefressen wurden, sodass diese ein tödliches Nierenversagen erlitten.
Bisher sind Diclofenac-Konzentrationen in der Umwelt aktuell weder in Deutschland noch auf EU-Ebene durch gesetzlich verbindliche Vorgaben für die Gewässer reguliert. Die PNEC (predicted no effect concentration) für Diclofenac liegt bei 0,05 µg/l. Die PNEC gibt die Konzentration an, bei der noch keine Effekte auf das aquatische Ökosystem auftreten. Der Vorschlag für eine Umweltqualitätsnorm (UQN) der geplanten Revision der neuen europäischen UQN-Richtlinie liegt bei 0,04 µg/l.
Durch die langjährigen Untersuchungen des HLNUG im Zeitraum von 2016 bis 2024 an den beprobten Oberflächenwassermessstellen im Hessischen Ried konnte nachgewiesen werden, dass die jeweils aktuellsten Jahresmittelwerte aller Messstellen deutlich über der PNEC sowie dem UQN-Vorschlag (orange dargestellte Linie in der untenstehenden Abbildung) lagen.
Der Jahresmittelwert in der Rinne bei Hofheim von 2,17 µg/l im Jahr 2022 lag somit über dem 54-fachen oberhalb des UQN-Vorschlages.
Aufgrund der flächendeckenden Nachweise an Oberflächenwassermessstellen, die im Hessischen Ried deutlich über der PNEC sowie dem UQN-Vorschlag liegen, ist davon auszugehen, dass Diclofenac bereits in allen Oberflächengewässern des Hessischen Rieds negative Auswirkungen auf die aquatische Umwelt hat.
Für Diclofenac wurde vom Umweltbundesamt ein gesundheitlicher Leitwert (LW) von 1,75 μg/l im Trinkwasser festgelegt, bei dem im Falle einer Überschreitung Maßnahmen ergriffen werden sollten. Dieser Wert wird im hessischen Trinkwasser derzeit nicht überschritten. Die nachgewiesenen Werte liegen beispielsweise in den Versorgungsgebieten zweier Wasserversorger unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,02 µg/l.
Vermeidungs- und Minderungsmöglichkeiten der Einträge
Damit weniger Diclofenac in den Wasserkreislauf gelangt, ist es ratsam, sich nach dem Auftragen einer wirkstoffhaltigen Salbe oder eines Gels die Hände nicht – wie meist üblich – abzuwaschen, sondern sie zunächst mit einem Papiertuch gründlich abzuwischen und das Tuch anschließend über den Restmüll zu entsorgen. Die richtige Technik beim Abwischen der Hände ist in diesem Artikel der Pharmazeutischen Zeitung ausführlich erläutert. Neben dieser wirksamen und leicht umzusetzenden Maßnahme können Anwenderinnen und Anwender alternativ einen Einmalhandschuh verwenden, der ebenfalls über den Restmüll zu entsorgen ist.
Weiterhin sollten Anwenderinnen und Anwender vor dem Duschen oder Baden die Gele bzw. Salben einige Minuten auf der Haut eintrocknen lassen, damit der Wirkstoff nicht ungenutzt abgespült wird, sondern auch seine Wirkung entfalten kann.
Wenn möglich, sollte das Arzneimittel zudem erst einziehen, bevor ein Kleidungsstück darüber gezogen wird, denn sonst gelangt das Diclofenac beim Waschen der Kleidung ebenfalls ins Abwasser. Generell sollten äußerlich aufgetragene Diclofenac-Präparate immer mit Bedacht und gemäß der Gebrauchsinformation eingesetzt werden. Also nicht zu viel oder zu großflächig und auch nicht präventiv zur Vermeidung von Schmerzen im Leistungs- und Breitensport.
Es ist abzuwägen, ob alternative Präparate infrage kommen und der Einsatz von Diclofenac wirklich notwendig ist. Hierzu können Ärztinnen und Ärzte oder Apothekerinnen und Apotheker zurate gezogen werden.
Grundsätzlich gilt, dass Arzneimittel nicht über die Toilette oder das Waschbecken entsorgt werden dürfen, sondern in den Restmüll gehören.
Je nach Kommune gibt es weitere Entsorgungsmöglichkeiten, die hier abgerufen werden können. Mit diesen Empfehlungen zum umweltbewussten Gebrauch kann jede und jeder Einzelne einen wichtigen Beitrag dafür leisten, dass die Einträge von Diclofenac in den Wasserkreislauf verringert und somit unsere Gewässer und unser Trinkwasser vor Belastungen geschützt werden.

Abbildung: Jeweils aktuellster Jahresmittelwert von Diclofenac an den 2016–2024 beprobten Messstellen im Hessischen Ried; Orange dargestellte Linie: Vorschlag für eine Umweltqualitätsnorm (UQN) der geplanten Revision der neuen europäischen UQN-Richtlinie von 0,04 µg/l
Iopamidol gehört zur Gruppe der jodhaltigen Röntgenkontrastmittel (RKM) und wird insbesondere in Krankenhäusern, Arzt- bzw. Röntgenpraxen eingesetzt. RKM ermöglichen die präzise Darstellung von Organen und Gefäßen, was essenziell für die Diagnose von Erkrankungen wie Gefäßverengungen oder Tumoren ist. Durch den Einsatz von Iopamidol können frühzeitig gezielte Behandlungen eingeleitet werden, was die Prognosen vieler Patienten erheblich verbessert.
Eintragspfade
Der Eintrag von Iopamidol in den Wasserkreislauf ist direkt mit seiner medizinischen Anwendung verbunden. Nach der intravenösen Verabreichung (Infusion/Injektion) wird der Stoff nahezu unverändert innerhalb weniger Stunden über den Urin ausgeschieden und gelangt über das Abwasser aus Krankenhäusern, Röntgenpraxen und Haushalten in die kommunale Kanalisation.
Der Haupteintrag von Iopamidol erfolgt mit 90 % über kommunale Kläranlagen. Herkömmliche Kläranlagen sind nicht darauf ausgelegt, iodierte Röntgenkontrastmittel wie Iopamidol effektiv zu entfernen. In der Kläranlage wird Iopamidol nur unzureichend zurückgehalten.
Iopamidol kann aufgrund seiner hohen Wasserlöslichkeit, Stabilität und Polarität in das Grundwasser gelangen, dessen Reinheit insbesondere aufgrund der Verwendung als Rohwasser zur Trinkwasseraufbereitung von besonderer Bedeutung ist.
Vorkommen in Gewässern des Hessischen Rieds
An Messstellen in hessischen Oberflächengewässern wird Iopamidol seit einigen Jahren regelmäßig nachgewiesen. In den Jahren 2016–2024 betrug der Jahresmittelwert von Iopamidol über alle Oberflächenwassermessstellen in Hessen, an denen mindestens 6 Messwerte im Jahr vorlagen, 0,53 μg/l. Für die Messstellen im Hessischen Ried lag dieser Wert etwas niedriger bei 0,37 μg/l.
Im Jahr 2020 wurde im Schwarzbach bei Astheim eine Maximalkonzentration von 11 μg/l für Iopamidol gemessen.
Auch im Grundwasser wird Iopamidol in den letzten Jahren an einzelnen Messstellen im Hessischen Ried regelmäßig nachgewiesen. Bei einer Grundwasserbeschaffenheitsmessung in Mörfelden wurde im Jahr 2024 eine Höchstkonzentration von 6,66 μg/l für Iopamidol festgestellt.
Messwerte und Statistiken zu Nachweisen von Iopamidol an hessischen Grundwassermessstellen können im Grundwasserschutz-Viewer in Tabellenform oder als Diagramm angezeigt werden.
Öko- und humantoxikologische Einordnung
Die predicted no effect concentration (PNEC) für Iopamidol beträgt >10.000 µg/l. Dies bedeutet, dass bei Konzentrationen unter diesem Wert keine langfristigen schädlichen Auswirkungen auf aquatische Organismen erwartet werden.
Da die gemessenen Konzentrationen in den Oberflächengewässern des Hessischen Rieds deutlich unterhalb der PNEC liegen (siehe Abbildung), kann nach dem derzeitigen Stand der Wissenschaft über diesen Spurenstoff eine negative Wirkung auf die aquatische Umwelt als ausgeschlossen angesehen werden.
Aufgrund seiner hohen Wasserlöslichkeit, Stabilität und geringen biologischen Abbaubarkeit kann Iopamidol mobil bleiben und in Trinkwasseraufbereitungsanlagen gelangen. Iopamidol gilt als biologisch inaktiver Stoff und seine toxikologische Wirkung wird als sehr gering eingeschätzt.
Für Iopamidol existiert in Deutschland kein spezifischer Grenzwert in der Trinkwasserverordnung. Allerdings hat das Umweltbundesamt (UBA) einen gesundheitlichen Orientierungswert (GOW) von 1 µg/L für Röntgenkontrastmittel wie Iopamidol festgelegt.
Bei Einhaltung des GOW, der ein Vorsorgewert ist, sind ausreichend sicher keine Gesundheitsbeeinträchtigungen beim Menschen zu erwarten. Dieser Wert wird im hessischen Trinkwasser derzeit nicht überschritten.
Vermeidungs- und Minderungsmöglichkeiten der Einträge
Aufgrund der hohen Stabilität und Persistenz von Iopamidol besteht Handlungsbedarf zur Verminderung der Einträge in Gewässer, um potenziell zukünftige Beeinträchtigungen von Trinkwasserressourcen zu vermeiden. Die erforderliche Menge an Röntgenkontrastmitteln wird je nach medizinischer Fragestellung durch Leitlinien bestimmt. Eine Reduzierung dieser Mengen ist aus medizinischer Sicht daher nicht umsetzbar.
Eine Substitution von Iopamidol durch andere Arzneimittel oder kontrastmittelfreie Untersuchungen (native Untersuchungen) ist derzeit bei vielen Indikationen nicht möglich.
In Krankenhäusern und Röntgenpraxen können gezielte Maßnahmen zur Verminderung von RKM im Abwasser getroffen werden, darunter die getrennte Abwasserbehandlung, Urinsammelstellen und die Nutzung von Urinsammelbeuteln, auch für ambulante Patienten. Diese Maßnahmen erfordern eine entsprechende Aufklärung zur Akzeptanz und ermöglichen eine umweltfreundliche Entsorgung, teils mit Rückgewinnung von Jod.
Jede und jeder Einzelne kann zur Verminderung der Gewässerbelastung beitragen, indem sie/er sich über eine umweltgerechte Anwendung und Entsorgung informiert. Ein bewusstes Verhalten kann aktiv dazu beitragen, die Umweltbelastung durch jodhaltige Kontrastmittel zu minimieren.

Abbildung: Jeweils aktuellster Jahresmittelwert von Iopamidol an den 2016–2024 beprobten Messstellen im Hessischen Ried
Das Pestizid Mecoprop ist als Herbizid in Deutschland zugelassen. Es wird im Getreideanbau eingesetzt und kann auf Golfplätzen zur Anwendung kommen. Als Biozid wird Mecoprop als chemisches Durchwurzelungsschutzmittel eingesetzt, welches in den meisten wurzelfesten Bitumendichtbahnen enthalten ist. Diese Bitumendichtbahnen werden auf Gründächern, begrünten Tiefgaragendächern sowie auf nicht begrünten Flachdächern verbaut. Durch den Wirkstoff Mecoprop wird das Ein- und Durchdringen von Wurzeln in die Dachkonstruktion verhindert und somit die Dichtigkeit des Daches gewährleistet. Des Weiteren findet Mecoprop eine Anwendung in der Landwirtschaft und Gärtnerei. Dort dient es als Unkrautregulierer in der Getreide- und Rollrasenproduktion. Der organische Spurenstoff Mecoprop ist giftig für Wasserorganismen und belastet Gewässer langfristig.
Eintragspfade
Kommt es zu Regenereignissen, wird Mecoprop in geringen Mengen aus den Dachbereichen ausgewaschen. Über die Dachentwässerung gelangt es in den Regenwasserabfluss. Je nach Entwässerungssystem gelangt das belastete Wasser anschließend über den Regenkanal bis in die Kläranlage oder versickert im Boden.
Eine Bestandsaufnahme der Spurenstoffelimination von konventionellen, in der Regel dreistufigen, Kläranlagen in Baden-Württemberg ergab, dass die Eliminationsrate von Mecoprop in den betrachteten Kläranlagen bei unter 25 % liegt. Der Spurenstoff kann somit nur unzureichend zurückgehalten werden und gelangt über den Kläranlagenablauf in das nachfolgende Oberflächengewässer.
Das Umweltbundesamt untersuchte über einen Zeitraum von 1,5 Jahren, inwiefern Mecoprop aus Bitumenbahnen in abfließendes Regenwasser gelangt. In einem Neubaugebiet in Berlin hat sich herausgestellt, dass 67 % des ausgewaschenen Mecoprops in den Regenkanal gelangt und 33 % in Mulden versickert. Die Versickerung kann dabei einen relevanten Eintragspfad ins Grundwasser darstellen. Da Mecoprop schlecht im Boden gebunden wird und somit eine hohe Mobilität aufweist, wird es auch aus Oberflächengewässern ins Grundwasser transportiert.
Neben dem Einsatz von Mecoprop als Pflanzenschutzmittel in der Landwirtschaft (Getreideanbau) wird es im Haus- und Kleingartenbereich auf Rasen aufgebracht [4]. Über den Eintragspfad dieser Verwendung ist zwar nichts veröffentlicht, aber es liegt nahe, dass Mecoprop – wie oben beschrieben – durch Versickerung ins Grundwasser oder durch Oberflächenabfluss in Oberflächengewässer und von dort ins Grundwasser eingetragen wird.
Vorkommen in Gewässern des Hessischen Rieds
An Messstellen in hessischen Oberflächengewässern wird Mecoprop seit einigen Jahren regelmäßig nachgewiesen. Hessenweit liegt im Zeitraum von 2019 bis 2023 das arithmetische Mittel aller Messwerte bei 0,04 µg/l.
Für die Jahre 2019–2023 liegt im Hessischen Ried das arithmetische Mittel aller Messwerte bei 0,06 µg/l. Somit ist die mittlere Konzentration im Hessischen Ried etwa 30 % höher als die hessenweite mittlere Konzentration. Die höchste Einzelmessung wurde 2019 im Halbmaasgraben bei Biblis mit 1,1 µg/l gemessen.
Des Weiteren wurde Mecoprop im Zeitraum von 2019 bis 2023 vereinzelt in hessischen Grundwasserkörpern nachgewiesen. Der Mittelwert dieser Messstellen beträgt 0,17 µg/l. Im Grundwasser in Lampertheim wurde 2023 eine Maximalkonzentration von 0,4 µg/l gemessen. Messwerte und Statistiken zu Nachweisen von Mecoprop an hessischen Grundwassermessstellen können im Grundwasserschutz-Viewer in Tabellenform oder als Diagramm abgerufen werden.
Öko- und humantoxikologische Einordnung
EU-weit sind mit der Umweltqualitätsnormrichtlinie Jahresdurchschnittskonzentrationen (JD-UQN) definiert, welche aus Gründen des Gesundheits- und Umweltschutzes nicht überschritten werden dürfen. Die JD-UQN für Mecoprop liegt bei 0,1 µg/l und gilt für Oberflächengewässer.
In der untenstehenden Abbildung sind die jeweils aktuellsten Jahresmittelwerte verschiedener Messstellen im Hessischen Ried dargestellt. Es ist ersichtlich, dass die JD-UQN (orangefarbene Linie) an zwei Messstellen überschritten wird, weshalb hier die Sorge einer negativen Auswirkung auf die aquatische Umwelt besteht.
Laut Grund- und Trinkwasserverordnung gilt für Pestizide, darunter auch Mecoprop, ein Grenzwert von 0,1 µg/l. Dieser Wert wird im hessischen Trinkwasser derzeit nicht überschritten.
Vermeidungs- und Minderungsmöglichkeiten der Einträge
Durch Mecoprop kann es zu schädlichen Auswirkungen auf Organismen in Grund- und Oberflächengewässern kommen. Daher ist es wichtig, Maßnahmen zur Vermeidung und Minderung der Einträge von Mecoprop ins Gewässer zu ergreifen. Auch soll eine Belastung der Grundwasserressourcen vermieden werden.
Ein Durchwurzelungsschutz von Bitumenbahnen ist nur notwendig, wenn die Produkte als Abdichtungen unter Gründächern eingesetzt werden und aus bautechnischen Gründen zwingend erforderlich sind. Es existieren weniger umweltschädliche Dachmaterialien, die alternativ verwendet werden sollten. Auch bei nicht begrünten Dächern, Fundamentabdichtungen und Tiefgaragendächern kann auf Mecoprop-haltige, wurzelfeste Bitumenbahnen verzichtet werden.
Bei der Anwendung als Pflanzenschutzmittel sind die Abstandsauflagen zu Gewässern einzuhalten. In Hessen gilt ein Gewässerabstand von mindestens vier Metern. Diese Regelung soll verhindern, dass Pflanzenschutzmittel direkt in die Gewässer gelangen und so die Wasserqualität beeinträchtigen.
Darüber hinaus ist es wichtig, bei der Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln und der Befüllung und Reinigung der Pflanzenschutzgeräte darauf zu achten, dass keine Einträge in die Gewässer erfolgen. Dies kann durch den Einsatz von Technologien zur Reduzierung der Abdrift, wie z. B. Tropfengrößenregulierung oder Windschutzvorrichtungen, erreicht werden. Die Reinigung von Geräten muss am Ort der Anwendung und darf nicht auf befestigten Flächen mit Anschluss an die Kanalisation erfolgen.

Abbildung: Jeweils aktuellster Jahresmittelwert von Mecoprop an den 2019–2023 beprobten Messstellen im Hessischen Ried; Orange dargestellte Linie: JD-UQN von 0,1 µg/l
Terbutryn ist ein chemischer Wirkstoff, der in der Vergangenheit vor allem im Landwirtschaftssektor als Herbizid eingesetzt wurde. Aufgrund seiner nachgewiesenen Toxizität gegenüber Algen und höheren Pflanzen wird die Zulassung für Terbutryn als Pflanzenschutzmittel in Deutschland jedoch bereits seit 1997 nicht mehr verlängert. Auch EU-weit darf Terbutryn gemäß einer Verordnung der EU-Kommission aus dem Jahr 2002 seit Ende 2003 nicht mehr als Wirkstoff in Pflanzenschutzmitteln verwendet werden.
Der Wirkstoff Terbuthylazin, der in aquatischen Systemen zu Terbutryn abgebaut wird und vor allem im Anbau von Mais seine Anwendung findet, darf jedoch noch in beschränktem Maße ausgebracht werden.
Terbutryn als Biozid wird heutzutage hauptsächlich im Bausektor als Filmschutzmittel in Farben, Lacken und Putzen verwendet. Durch den Einsatz solcher biozider Filmschutzmittel wird dem Algen- und Pilzbefall von Dächern, Fassaden und anderem Mauerwerk vorgebeugt.
Eintragspfade
Der Einsatz von Terbutryn erfolgt, gemäß seiner Anwendungszwecke als Biozid, im Außenbereich und ist damit dem Einfluss der Witterung ausgesetzt. Durch Niederschlag wird der Wirkstoff aus behandelten Gebäudeoberflächen ausgewaschen und gelangt über verschiedene Wege in die Umwelt.
Je nach Bodenbeschaffenheit kann das mit Terbutryn belastete Regenwasser direkt im Boden versickern und den Spurenstoff in tiefere Bodenschichten und gegebenenfalls sogar bis in das Grundwasser transportieren.
Ebenso kann der ausgewaschene Wirkstoff mit dem Regenwasser bei Mischwassersystemen in das Kanalisationssystem und von dort in den Zulauf von kommunalen Kläranlagen gelangen. Aktuell kann Terbutryn in konventionellen kommunalen Kläranlagen nur unzureichend zurückgehalten werden. Als Konsequenz gelangt der Wirkstoff so zu großen Anteilen durch den Ablauf der Kläranlage ins Oberflächengewässer. Zudem entwässern Trennsysteme das Niederschlagswasser direkt und unbehandelt in die Gewässer.
Vorkommen in Gewässern des Hessischen Rieds
Zwischen 2016 und 2023 konnte Terbutryn flächendeckend in hessischen Oberflächengewässern über der Bestimmungsgrenze (0,01 µg/l) nachgewiesen werden.
Insgesamt konnten an 37 Messstellen in Hessen Messdaten zu Terbutryn erfasst werden. Im Jahresmittel belief sich die gemessene Konzentration des Wirkstoffes auf 0,04 µg/l.
An den Messstellen im Hessischen Ried konnten im Jahresmittel ähnlich hohe Konzentrationen festgestellt werden. Der Höchstwert an Terbutryn von 0,49 µg/l wurde dabei im Jahr 2019 an einer Messstelle in der Modau bei Eberstadt gemessen.
Bis in das Jahr 2015 liegen für Terbutryn auch vereinzelte Messwerte für das hessische Grundwasser vor, welche jedoch alle unterhalb der Bestimmungsgrenze von 0,05 µg/l liegen.
Die Datenlage für die Grundwasserbelastung mit Terbutryn in Hessen kann im Grundwasserschutz-Viewer eingesehen werden.
Öko- und humantoxikologische Einordnung
Terbutryn wurde im Rahmen der Umweltqualitätsnormrichtlinie 2008/105/EG, geändert durch die Richtlinie 2013/39/EU, als prioritärer Stoff eingestuft. Prioritäre Stoffe sind Stoffe, die nach der EU-Kommission ein erhebliches Risiko für die aquatische Umwelt darstellen Für Terbutryn wurden Umweltqualitätsnormen für einen Jahresdurchschnittswert (JD) von 0,065 µg/l und für eine zulässige Höchstkonzentration (ZHK) von 0,34 µg/l definiert.
Die im Hessischen Ried gemessenen Terbutryn-Werte aus den Jahren 2016–2023 sind in der untenstehenden Abbildung in Relation zur JD-UQN von 0,065 µg/l (siehe orangefarbene Linie) dargestellt. Die Messstellen im Halbmaasgraben bei Biblis und im Fanggraben bei Biebesheim zeigten im beobachteten Zeitraum Terbutryn-Werte, welche die JD-UQN um mehr als das Doppelte überstiegen. An diesen Messstellen besteht die Sorge einer negativen Auswirkung auf die aquatische Umwelt. Der gemessene Terbutryn-Höchstwert von 0,49 µg/l in der Modau bei Eberstadt übersteigt die ZHK-UQN von 0,34 µg/l deutlich.
Terbutryn erweist sich in Wasser als löslich und wird nur relativ langsam abgebaut. Der Wirkstoff verfügt über eine geringe bis mittlere Mobilität, sodass ein Übergang in die Trinkwasseraufbereitung zwar möglich, jedoch nur bedingt wahrscheinlich ist. Die gemessenen Terbutryn-Werte in hessischen Trinkwässern unterschreiten den angegebenen Grenzwert jedoch deutlich (gemessen an publizierten Werten lokaler Wasserversorger), sodass eine negative Auswirkung auf die lokale Trinkwasserversorgung derzeit ausgeschlossen werden kann.
Aktuell befindet sich der Wirkstoff auf der Liste potenziell endokrin wirkender Stoffe der Europäischen Chemikalienagentur. Endokrine Stoffe beeinflussen das menschliche Hormonsystem. Eine abschließende Beurteilung steht jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch aus. Akut beobachtete Kontaktnebenwirkungen mit dem Wirkstoff beschränken sich auf Haut- und Augenirritationen. Die humantoxikologische Datenlage zu Terbutryn ist dürftig und unzureichend, weshalb sich bestehende rechtliche Anforderungen, wie etwa in der Grund- und Trinkwasserverordnung (GrwV und TrinkwV), nicht auf Terbutryn spezifisch beziehen, sondern Pflanzenschutzmittel und Biozide im Allgemeinen betrachten. Die GrwV und die TrinkwV legen für Pestizide einen Grenzwert von 0,1 µg/l fest.
Vermeidungs- und Minderungsmöglichkeiten der Einträge
Trotz EU-weiter Beschränkungen bezüglich des Einsatzes in Pflanzenschutzmitteln lassen sich noch immer umweltrelevante Konzentrationen von Terbutryn in Gewässern des Hessischen Rieds messen.
Da der aktuelle Haupteintragsweg durch die Auswaschung von Farben und Lacken in terbutrynhaltigen Filmschutzmitteln in der Literatur identifiziert ist, können Minderungsmaßnahmen gezielt an der Auswahl von geeigneten Materialien und einer durchdachten baulichen Planung im Außenbereich ansetzen. Das Umweltbundesamt (UBA) hat zu diesem Zweck das Projekt „Bauen und Sanieren als Schadstoffquelle in der urbanen Umwelt“ (BaSaR) ins Leben gerufen. Das Projekt befasst sich unter anderem mit der Umweltgefahr durch biozidhaltige Filmschutzmittel und gibt Handlungshinweise zur Reduktion ihrer Umweltemissionen.
Durch bauliche Anpassungen, wie z. B. eine gezielte Überdachung, lassen sich so die Mengen an ausgewaschenen Bioziden deutlich reduzieren. So sorgt ein adäquater Witterungsschutz dafür, dass der Einsatz von aggressiven Filmschutzmitteln keine Notwendigkeit mehr darstellt. Auch eine gezielte Substitution nachweislich schädlicher Wirkstoffe mit umweltfreundlicheren Alternativen, wie mineralischen Filmschutzmitteln, stellt eine wirksame und vor allem in Kombination mit baulichen Anpassungen effektive Maßnahme dar. Sofern ein vollständiger Verzicht durch Substitution von Bioziden nicht möglich sein sollte, kann auf verkapselte Biozide zurückgegriffen werden. Diese sind stabiler und besser vor einer Auswaschung durch Niederschlag geschützt.

Abbildung: Jeweils aktuellster Jahresmittelwert von Terbutryn an den 2016–2023 beprobten Messstellen im Hessischen Ried; Orange dargestellte Linie: JD-UQN von 0,065 µg/l


