Logo Land Hessen

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Fließgewässer - Chemie

Die Fließgewässer als Lebensraum für Tiere und Pflanzen mit ihren verschiedenen Nutzungen wie z. B. die Trinkwassergewinnung und die Fischerei erfordern umfassende Gewässerschutzmaßnahmen. Um zielgerichtet handeln zu können, werden im Rahmen einer ständigen chemischen Überwachung der hessischen Fließgewässer sowohl kurzfristige als auch langfristige Änderungen des Gewässerzustands ermittelt. Zu diesem Zweck werden an einer großen Anzahl von Messpunkten umfangreiche physikalische und chemische Untersuchungen durchgeführt. Dabei wird unterschieden zwischen

  • kontinuierlicher und
  • periodischer, stichprobenartiger Gewässerüberwachung.


Die kontinuierliche Gewässerüberwachung erfolgt an neun ortsfesten Messstationen an größeren Flüssen wie z.B. Main, Nidda und Fulda. Sie befinden sich in der Regel in Mündungsnähe und erfassen somit den gesamten stofflichen Austrag aus dem jeweiligen Flusseinzugsgebiet. In den Stationen wird mit Pumpeinrichtungen Wasser aus dem Fluss entnommen und zu den Messsonden gefördert.

Alle Messstationen sind mit Geräten zur kontinuierlichen Messung und Registrierung der Parameter Sauerstoff, Temperatur, pH-Wert, Leitfähigkeit und Trübung ausgestattet. Darüber hinaus werden in einigen Messstationen auch die Pflanzennährstoffe ortho-Phosphat, Ammonium und Nitrat erfasst. Die aktuellen Messdaten werden von einem zentralen Rechner per Datenfernübertragung abgerufen und zur Auswertung bereitgestellt.
An die Messwasserleitung angeschlossen sind außerdem diverse Probenahmegeräte, die Flusswasser einmalig (als Stichprobe) oder regelmäßig (als Mischprobe) entnehmen.

Mischproben eignen sich besonders für die zeitlich lückenlose Erfassung von Parametern.

Die periodische, stichprobenartige Gewässerüberwachung wird an über 250 Messstellen durchgeführt, die in der Regel monatlich beprobt werden. Im Gegensatz zu kontinuierlichen Messungen liefert diese Methode zwar nur eine Momentaufnahme der Gewässerqualität. Sie hat aber den Vorteil, dass ein dichtes, über ganz Hessen verteiltes Messstellennetz untersucht werden kann. Dieses kann bei Bedarf weiter verdichtet werden. Bei jeder Probennahme werden direkt vor Ort die Parameter Sauerstoff, Temperatur, Leitfähigkeit und pH-Wert erfasst.

Sowohl die Proben der Messstationen als auch die der Messstellen werden im Labor auf eine Vielzahl verschiedener Parameter wie Ammonium, Nitrat, Phosphat, TOC (Gesamtorganischer Kohlenstoff), Erdalkalielemente, Schwermetalle und Salze wie Chlorid und Sulfat untersucht. Die Ergebnisse werden in einer Datenbank gesammelt und stehen für diverse Auswertungen zur Verfügung.

Neben den beschriebenen Untersuchungen der o. g. Standard-Parameter wurden und werden im Rahmen von verschiedenen weiteren Messprogrammen gezielte aufwändigere Untersuchungen von Spurenverunreinigungen durchgeführt wie z. B. 

  • Pflanzenschutzmittel 
  • Arzneimittel
  • Bisphenol A
  • Belastung von Fischen mit verschiedenen Umweltchemikalien
  • Weitere organische Spurenverunreingungen in Fließgewässern, Abwasser und Klärschlamm

Chemischer und ökologischer Zustand gemäß der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL)

Mit dem Inkrafttreten der Wasserrahmenrichtlinie (2000/60/EG) (WRRL) am 22. Dezember 2000 wurde das Ziel gesetzt, dass alle Oberflächenwasserkörper bis spätestens 2015 einen guten Zustand erreichen. Dabei sind Fristverlängerungen höchstens zweimal für einen Zeitraum von jeweils sechs Jahren unter bestimmten Bedingungen möglich (WHG 2009). Unter welchen Bedingungen eine Fristverlängerung möglich ist, ist im WHG in § 29 „Fristen zur Erreichung der Bewirtschaftungsziele“ festgelegt.

Der chemische Zustand und teilweise auch der ökologische Zustand bzw. das ökologische Potenzial werden anhand von Umweltqualitätsnormen (Grenzwerten) gemäß der Oberflächengewässerverordnung vom 20. Juni 2016 (OGewV 2016) bestimmt. Die Umweltqualitätsnormen (UQN) werden in den Anlagen 6 und 8 der OGewV 2016 behandelt. In der Anlage 6 befinden sich die flussgebietsspezifischen Schadstoffe, die für die Einstufung des ökologischen Zustands bzw. des ökologischen Potenzials herangezogen werden. Bei Nichteinhaltung wenigstens eines flussgebietsspezifischen Schadstoffs „ist der ökologische Zustand oder das ökologische Potenzial höchstens als mäßig einzustufen“. In der Anlage 8 werden die UQNs für die Bewertung des chemischen Zustands aufgelistet. Bei Nichteinhaltung mindestens einer UQN in Anlage 8 „ist der chemische Zustand als nicht gut einzustufen“. Daneben gibt es noch die Orientierungswerte (allgemeinen physikalisch-chemischen Qualitätskomponenten), die „nach Anlage 3 Nummer 3.2 in Verbindung mit Anlage 7 zur Einstufung“ des ökologischen Zustands oder des ökologischen Potenzials „unterstützend heranzuziehen“ sind (OGewV 2016).

Alle nach den Vorgaben der WRRL in Hessen relevanten chemischen Substanzen werden im Rahmen von Monitoringprogrammen an diversen Messstellen untersucht. Weitere Informationen können auf der folgenden Website nachgelesen werden: www.flussgebiete.hessen.de

Eine Übersicht der repräsentativen Chemie- Messstellen und ausgewählter Biologie- Messstellen (nur Makrozoobenthos, Diatomeen und Makrophyten), der Einleitestellen der Kläranlagen, der Mischwasserentlastungen und Regenwassereinleitungen, der Abflusspegel sowie der Flächen mit hoher Erosionsgefährdung und Anbindung an ein Fließgewässer ist in der folgenden Karte dargestellt: Übersichtskarte-Gewässergüte-Messstellen .