Logo Land Hessen

Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Fließgewässer - Struktur

Die Gewässerstruktur hat einen starken Einfluss auf  die Lebensbedingungen ihrer Bewohner. Um den von der Europäischen Wasserrahmenrichtline (WRRL) geforderten guten ökologischen Zustand erreichen zu können, muss daher auch die Gewässerstruktur gewisse Mindestanforderungen erfüllen. Deshalb ist die Kenntnis der aktuellen Gewässerstruktur erforderlich, um notwendige Maßnahmen zur Gewässerrenaturierung ergreifen zu können.

Die erste Kartierung der Gewässerstruktur von allen hessischen Fließgewässern (ca. 24.000 km) erfolgte bereits Ende der 1990er Jahre. Um wieder aktuelle Daten bereit stellen zu können, war  eine Neukartierung erforderlich. Diese wurde von Herbst 2012 bis Frühjahr 2013 durch vier ausgewählte Fachbüros mit insgesamt 60 Kartierern durchgeführt. Es wurden gut 8.000 km Fließgewässer neu kartiert. Diese Abschnitte sind für die Umsetzung der EG-WRRL von Bedeutung. Die sehr kleinen Bäche wurden deshalb nicht neu kartiert.

Da derzeit das Verfahren für große Flüsse, wie Rhein, Main, Neckar und Weser bundesweit überarbeitet wird, wurde die Struktur dieser Schifffahrtswege bisher ebenfalls nicht neu untersucht.

Eine ausführliche Beschreibung dieses Projektes ist im Jahresbericht 2014 dargestellt. Die Ergebnisse der Kartierung für jeden 100-m-Abschnitt sind im WRRL-Viewer zu finden: http://wrrl.hessen.de/. Die dortige Darstellung ersetzt das Gewässerstrukturgüteinformationssystem GESIS, das bisher vom Hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz unter gesis.hessen.de bereitgestellt wurde.

Eigendynamische Gewässerentwicklungsfähigkeit

Nachdem über viele Jahrhunderte der Mensch die Gewässer verändert hat, sind natürliche oder naturnahe Flüsse und Bäche selten geworden. Allerdings sind die Fließgewässer fähig, sich selbst zu regenerieren. Wenn genügend Fläche zur Verfügung steht und wir das Gewässer sich erst einmal selbst überlassen, kann es auch wieder einen naturnahen Zustand erreichen. Diese Eigenschaft bezeichnet man als „eigendynamische Entwicklungsfähigkeit“.

Es sind also nicht immer aufwendige und teure Baumaßnahmen notwendig. Bereits kleine Eingriffe - wie z.B. das punktuelle Herauslösen von im Uferbereich  befestigten Steinen und das Belassen dieser Steine im Gewässer - können der Beginn einer Entwicklung des Gewässers sein. Diese Technik - Hochwasser statt Bagger - ist besonders effizient, die Kosten sind gering und die Strukturentwicklung verläuft gewässertypisch.

Im Auftrag des Hessischen Landesamtes für Naturschutz, Umwelt und Geologie wurde eine Methode erarbeitet, mit der die Entwicklungsfähigkeit der Fließgewässer bewertet werden kann. Dabei wurden verschiedenen Parameter berücksichtigt:

Entwicklungsfreudigkeit:

  • Abflussdynamik,
  • Strömungsleistung, 
  • Ufererodierbarkeit,
  • Geschiebeführung

Entwicklungspotenzial:

  • Regenerationswiderstand,
  • Flächenverfügbarkeit, 
  • lineare Restriktion,
  • Prozessdynamik.

In diesem Projekt wurden so gezielt Gewässerstrecken ermittelt, an denen effektive und kostengünstige Maßnahmen zur Förderung der Eigenentwicklung durchgeführt werden können. Die Ergebnisse der Untersuchung zeigen, dass die Entwicklungsfähigkeit in den Gewässern unterschiedlich ausgeprägt ist.

Weitere Erläuterungen zur Methodik und eine Darstellung der Ergebnisse finden Sie auf dieser Seite unter Downloads. Die Ergebnisse sind zudem im WRRL-Viewer zu finden: http://wrrl.hessen.de/.