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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im September 2026: Trockene Witterung sorgt weiterhin für weit verbreitet niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände

Nachfolgend wird ein kurzer Überblick über das zurückliegende hydrologische Winterhalbjahr, das laufende hydrologische Sommerhalbjahr und das hydrologische Jahr insgesamt gegeben. Im Anschluss wird die aktuelle Grundwassersituation in Hessen betrachtet sowie eine Ausblick auf die weitere Entwicklung gegeben. 

Aktuelle Grundwassermesswerte finden Sie im Messdatenportal.

Hydrologisches Sommerhalbjahr, Winterhalbjahr und Jahr 

Für die Regeneration des Grundwassers ist das von November bis Ende April andauernde hydrologische Winterhalbjahr von besonderer Bedeutung. In dieser Zeit, in der die Vegetation ruht und die Verdunstung wegen der niedrigeren Temperaturen geringer als im Sommerhalbjahr ausfällt, kann das Niederschlagswasser größtenteils versickern. Durch die einsetzende Grundwasserneubildung steigen die Grundwasserstände in der Regel an, sofern ausreichend Niederschlag fällt. Im zurückliegenden Winterhalbjahr 2025/2026 lag die Niederschlagsmenge mit 259 mm jedoch ca. 28 % unter dem langjährigen Mittel (1991–2020: 357 mm), was zu einer vergleichsweise geringeren Grundwasserneubildung geführt hat 

Im hydrologischen Sommerhalbjahr, das von Mai bis Ende Oktober andauert, kommt vom Niederschlagswasser in der Regel kaum etwas im Grundwasser an, da ein Großteil des Niederschlags wegen der höheren Temperaturen verdunstet oder von der Vegetation verbraucht wird. Fallende Grundwasserstände im hydrologischen Sommerhalbjahr stellen auch bei durchschnittlichen Niederschlagsverhältnissen den Normalfall dar. Das bisherige Sommerhalbjahr ist mit ca. 244 mm Niederschlag etwa 28 % niederschlagsärmer als der langjährige Durchschnitt (1991–2020: 341 mm).

Für das hydrologische Jahr (November bis Oktober) ergibt sich daraus im Normalfall der charakteristische Jahresgang im Grundwasser, mit steigenden Grundwasserständen im Winterhalbjahr und fallenden Grundwasserständen im Sommerhalbjahr.

Situation im September

Mit etwa 30 mm lag die Niederschlagsmenge im September, gegen Ende des hydrologischen Sommerhalbjahres, ca. 50 % unter dem langjährigen Mittelwert 1991–2020 (rund 60 mm).

Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der Grundwassersituation seit dem Jahr 2023. Durch die ab Herbst 2023 einsetzenden und bis Ende 2024 anhaltenden überdurchschnittlichen Niederschläge hatte sich die Situation im Grundwasser flächenhaft entspannt. Im Jahr 2024 lag der Anteil der Messstellen im hohen (hellgrüne Kurve) und sehr hohen Bereich (dunkelgrüne Kurve) durchgehend über 50 %. Im zurückliegenden Jahr hat jedoch insbesondere das trockene Frühjahr wieder zu einem Anstieg der niedrigen (gelbe Kurve) und sehr niedrigen (rote Kurve) Grundwasserstände geführt, was durch die überdurchschnittlichen Niederschläge im September und Oktober nur kurzfristig abgemildert wurde. Die unterdurchschnittliche Niederschlagsmenge des Winterhalbjahrs 2025/2026 hat zu einer weiteren Zunahme der Anzahl der Messstellen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich geführt. Die Niederschläge der bisherigen Sommermonate waren bis auf den Mai ebenfalls unterdurchschnittlich. Im Zusammenspiel mit den zeitweise sehr hohen Temperaturen nahm dadurch der Anteil der Messstellen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich noch einmal deutlich zu. Circa 22 % der Grundwassermessstellen wiesen im September, wie bereits im August, neue Monatsniedrigstwerte auf.

Anmerkung zur Grafik: Die Klassifizierung „sehr niedrige Grundwasserstände“ stellt eine rein statistische Bewertung dar. Sehr niedrige Grundwasserstände sind nicht mit einem „Wassernotstand“ gleichzusetzen oder an bestimmte Auswirkungen und Maßnahmen gekoppelt. Liegt der Grundwasserstand unter dem 10%-Perzentil, also unter 90 Prozent aller Werte der Jahre 1991-2020, fällt er in die Klasse „sehr niedrig“. Liegt der Grundwasserstand über dem 10%-Perzentil und unterhalb des 25%-Perzentils, fällt er in die Klasse „niedrig“. Analog gilt Folgendes für die übrigen Klassen: normal: oberhalb des 25%-Perzentils und unterhalb des 75%-Perzentils; hoch: oberhalb des 75%-Perzentils und unterhalb des 90%-Perzentils; sehr hoch: oberhalb des 90%-Perzentils. (Datengrundlage: Ca. 130 Grundwassermessstellen, die hessenweit mit täglicher Messung und Datenfernübertragung ausgestattet sind.)

 

Im September bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 27 % der Messstellen auf einem normalen Niveau (Vormonat 28 %). 25 % der Messstellen wiesen niedrige Grundwasserstände auf (Vormonat 24 %). Sehr niedrige Grundwasserstände wurden an 41 % der Messstellen beobachtet (Vormonat 42 %). Hohe oder sehr hohe Grundwasserstände wurden jeweils an zwei Messstellen registriert (Vormonat 1 bzw. 2 Messstellen). An 4 % der Messstellen lagen keine aktuellen Daten vor. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände im September an 98 % der Messstellen im Monatsmittel auf einem niedrigeren Niveau.

Aufgrund der ungleichen Niederschlagsverteilung sowie der unterschiedlichen hydrogeologischen Eigenschaften der Standorte (z. B. Durchlässigkeit, Speichervermögen, Tiefe und Mächtigkeit der Grundwasserleiter) zeigen sich folgende regionale Unterschiede:

In den weit verbreiteten Kluftgrundwasserleitern des Buntsandsteins in Nordhessen zeigten die Messstellen im September durchweg fallende Trends, bei größtenteils sehr niedrigen Grundwasserstandshöhen. Beispiele Bracht Nr. 434028 und Gahrenberg Nr. 384030: Im September lag an der Messstelle Bracht der Wasserstand auf einem sehr niedrigen Niveau, mit einem fallenden Trend. Im Monatsmittel war der Grundwasserstand hier 82 cm niedriger als im Vorjahr. An der Messstelle Gahrenberg bewegte sich der Wasserstand auf einem normalen Niveau, ebenfalls mit einem fallenden Trend. Der Wasserstand lag im Monatsmittel 78 cm unter dem Vorjahresniveau.

In Mittelhessen bewegten sich die Grundwasserstände im September überwiegend auf sehr niedrigen Höhen (57 %), gefolgt von normalen (20 %) und niedrigen Höhen (11 %).

In der Untermainebene wurden im September unterschiedliche Niveaus der Grundwasserstände beobachtet, je nachdem, ob es sich um eher schnell oder langsam reagierende Messstellen handelt. An der MessstelleOffenbach Nr. 507155 bewegte sich der Grundwasserstand im September auf einem normalen bis niedrigen Niveau mit fallender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 9 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Babenhausen Nr. 528062 bewegte sich der Grundwasserstand auf einem niedrigen bis sehr niedrigen Niveau, mit fallender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 1 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. Die Grundwasserleiter in der Untermainebene sind durch Grundwasserentnahmen großräumig beeinflusst, wodurch sich, zusammen mit der räumlichen Variabilität der Standorteigenschaften, ein sehr heterogenes Bild der Grundwasserstände ergibt.

In der Hessischen Rheinebene (Hessisches Ried) wurden im September größtenteils normale und niedrige Grundwasserstände beobachtet (je 39 %), gefolgt von sehr niedrigen Grundwasserständen (23 %). Folgende Details waren zu beobachten:

  • Im nördlichen hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im September auf niedrigem bis sehr niedrigem Niveau. Beispiele Bauschheim Nr. 527055 und Walldorf Nr. 507185: An der Messstelle Bauschheim wurden im September niedrige Grundwasserstände beobachtet, mit einer fallenden Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand hier 26 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Abbildung 18). An der Messstelle Walldorf bewegte sich der Grundwasserstand im September auf einem niedrigen bis sehr niedrigen Niveau, mit fallender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 15 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Hier lagen die Grundwasserstände im September auf sehr niedrigem Niveau und wiesen neue Monatsniedrigstwerte auf. Beispiele Gernsheim Nr. 544135 und Biebrich Nr. 506034: An der Messstelle Gernsheim zeigte der Grundwasserstand ein sehr niedriges Niveau mit einem fallenden Trend und lag 107 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel). An der Messstelle Biebrich bewegte sich der Wasserstand auf sehr niedrigem Niveau, ebenfalls mit einem fallenden Verlauf. Der Grundwasserstand lag 120 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres (Monatsmittel).
  • Die Grundwasserstände in typischen vernässungsgefährdeten Gebieten zeigten im September niedrige bis sehr niedrige Grundwasserstände mit durchweg fallenden Trends. Beispiele: Hähnlein Nr. 544266, Groß-Rohrheim Nr. 544107, Worfelden Nr. 527182, Wallerstädten Nr. 527321.
  • In den infiltrationsgestützten Bereichen des Rieds (Hahn flach Nr. 527329, Büttelborn Nr. 527161 und Groß-Rohrheim Nr. 544002) lagen die Grundwasserstände im September auf normalem bis niedrigem Niveau und wiesen fallende Trends auf. Die Grundwasserstände lagen im Bereich der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigte die gewünschte Wirkung.
  • Im südlichen Hessischen Ried lagen die Grundwasserstände im September auf normalem bis sehr niedrigem Niveau mit fallenden Trends. Beispiele Bürstadt Nr. 544007 und Viernheim Nr. 544271: An der Messstelle Bürstadt bewegte sich der Grundwasserstand im September auf einem normalen Niveau und lag 33 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel). An der Messstelle Viernheim war der Grundwasserstand in diesem Monat ebenfalls im normalen Bereich und zeigte einen fallenden Trend. Der Grundwasserstand lag 19 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel).

Ausblick

Gegen Ende des hydrologischen Sommerhalbjahres ist jahreszeitlich bedingt mit weiter rückläufigen Grundwasserständen zu rechnen. Es ist in den kommenden Wochen unwahrscheinlich, dass Niederschlagsereignisse zur Grundwasserneubildung führen, auch da die Böden landesweit sehr trocken sind. Eine nachhaltige Auffüllung der Grundwasserspeicher in Hessen ist vermutlich erst wieder im bald anstehenden hydrologischen Winterhalbjahr zu erwarten. Hierfür sind dann lange andauernde und ergiebige Niederschläge in Form von Landregen notwendig.

Aktuelle Messwerte

Die Messwerte von 131 Grundwassermessstellen, die mit Datensammlern und Datenfernübertragung ausgestattet sind,werden täglich übertragen und stehen online im Messdatenportal zur Verfügung.