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Grundwassersituation im Mai 2026: Verbreitet fallende Grundwasserstände zu Beginn des hydrologischen Sommerhalbjahres
Nachfolgend wird ein kurzer Überblick über das zurückliegende hydrologische Winterhalbjahr, das gerade begonnene hydrologische Sommerhalbjahr und das hydrologische Jahr insgesamt gegeben. Im Anschluss wird die aktuelle Grundwassersituation in Hessen betrachtet sowie eine Prognose für die weitere Entwicklung gestellt.
Aktuelle Grundwassermesswerte finden Sie im Messdatenportal.
Hydrologisches Sommerhalbjahr, Winterhalbjahr und Jahr
Für die Regeneration des Grundwassers ist das von November bis Ende April andauernde hydrologische Winterhalbjahr von besonderer Bedeutung. In dieser Zeit, in der die Vegetation ruht und die Verdunstung wegen der niedrigeren Temperaturen geringer als im Sommerhalbjahr ausfällt, kann das Niederschlagswasser größtenteils versickern. Durch die einsetzende Grundwasserneubildung steigen die Grundwasserstände in der Regel an, sofern ausreichend Niederschlag fällt. Im zurückliegenden Winterhalbjahr 2025/2026 lag die Niederschlagsmenge mit 259 mm jedoch ca. 28 % unter dem langjährigen Mittel (1991–2020: 357 mm), was zu einer vergleichsweise geringeren Grundwasserneubildung geführt hat.
Im hydrologischen Sommerhalbjahr, das von Mai bis Ende Oktober andauert, kommt vom Niederschlagswasser in der Regel kaum etwas im Grundwasser an, da ein Großteil des Niederschlags wegen der höheren Temperaturen verdunstet oder von der Vegetation verbraucht wird. Fallende Grundwasserstände im hydrologischen Sommerhalbjahr stellen auch bei durchschnittlichen Niederschlagsverhältnissen den Normalfall dar.
Für das hydrologische Jahr (November bis Oktober) ergibt sich daraus im Normalfall der charakteristische Jahresgang im Grundwasser, mit steigenden Grundwasserständen im Winterhalbjahr und fallenden Grundwasserständen im Sommerhalbjahr.
Situation im Mai
Mit etwa 78 mm lag die Niederschlagsmenge im Mai, dem ersten Monat des hydrologischen Sommerhalbjahres, ca. 15 % über dem langjährigen Mittelwert 1991–2020 (rund 69 mm).
Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der Grundwassersituation seit dem Jahr 2023. Die Trockenheit des Jahres 2022 ist im Jahr 2023 mit einem hohen Anteil der Messstellen im niedrigen (gelbe Kurve) und sehr niedrigen Bereich (rote Kurve) noch deutlich zu sehen. Erst durch die ab Herbst einsetzenden und bis Ende 2024 anhaltenden überdurchschnittlichen Niederschläge hat sich die Situation flächenhaft entspannt. Im Jahr 2024 lag der Anteil der Messstellen im hohen (hellgrüne Kurve) und sehr hohen Bereich (dunkelgrüne Kurve) durchgehend über 50 %. Im zurückliegenden Jahr hat jedoch insbesondere das trockene Frühjahr wieder zu einem Anstieg der niedrigen und sehr niedrigen Grundwasserstände geführt, was durch die überdurchschnittlichen Niederschläge im September und Oktober nur kurzfristig abgemildert wurde. Die unterdurchschnittliche Niederschlagsmenge des Winterhalbjahrs hat zu einer weiteren Zunahme der Anzahl der Messstellen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich geführt, der feuchte Jahresbeginn konnte diesen Trend nur kurzzeitig umkehren.
Anmerkung zur Grafik: Die Klassifizierung „sehr niedrige Grundwasserstände“ stellt eine rein statistische Bewertung dar. Sehr niedrige Grundwasserstände sind nicht mit einem „Wassernotstand“ gleichzusetzen oder an bestimmte Auswirkungen und Maßnahmen gekoppelt. Liegt der Grundwasserstand unter dem 10%-Perzentil, also unter 90 Prozent aller Werte der Jahre 1991-2020, fällt er in die Klasse „sehr niedrig“. Liegt der Grundwasserstand über dem 10%-Perzentil und unterhalb des 25%-Perzentils, fällt er in die Klasse „niedrig“. Analog gilt Folgendes für die übrigen Klassen: normal: oberhalb des 25%-Perzentils und unterhalb des 75%-Perzentils; hoch: oberhalb des 75%-Perzentils und unterhalb des 90%-Perzentils; sehr hoch: oberhalb des 90%-Perzentils.
Im Mai bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 52 % der Messstellen auf einem normalen Niveau (Vormonat 49 %). 13 % der Messstellen wiesen niedrige Grundwasserstände auf (Vormonat 13 %). Sehr niedrige Grundwasserstände wurden an 25 % der Messstellen beobachtet (Vormonat 23 %). Hohe oder sehr hohe Grundwasserstände wurden an 5 % bzw. 3 % der Messstellen registriert (Vormonat 9 % bzw. 4 %). An 2 % der Messstellen lagen keine aktuellen Daten vor. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände im Mai an 72 % der Messstellen im Monatsmittel auf einem niedrigeren Niveau.
Aufgrund der ungleichen Niederschlagsverteilung sowie der unterschiedlichen hydrogeologischen Eigenschaften der Standorte (z. B. Durchlässigkeit, Speichervermögen, Tiefe und Mächtigkeit der Grundwasserleiter) zeigen sich folgende regionale Unterschiede:
In den weit verbreiteten Kluftgrundwasserleitern des Buntsandsteins in Nordhessen zeigten die Messstellen im Mai teils fallende, teils steigende Trends, bei normalen bis sehr niedrigen Grundwasserstandshöhen. Beispiele Bracht Nr. 434028 und Gahrenberg Nr. 384030: Im Mai lag an der Messstelle Bracht der Wasserstand auf einem sehr niedrigen bis niedrigen Niveau, mit einem steigenden Trend. Im Monatsmittel war der Grundwasserstand hier 121 cm niedriger als im Vorjahr. An der Messstelle Gahrenberg bewegte sich der Wasserstand auf einem normalen Niveau, ebenfalls mit einem steigenden Trend. Der Wasserstand lag hier im Monatsmittel 192 cm unter dem Vorjahresniveau.
Im mittleren Bereich von Hessen bewegten sich die Grundwasserstände im Mai überwiegend auf normalen und sehr niedrigen Höhen (je 44 %), gefolgt von niedrigen Höhen (9 %).
In der Untermainebene wurden im Mai unterschiedliche Niveaus der Grundwasserstände beobachtet, je nachdem, ob es sich um eher schnell oder langsam reagierende Messstellen handelt. Dazu jeweils ein Beispiel. An der Messstelle Offenbach Nr. 507155 bewegte sich der Grundwasserstand im Mai auf einem normalen Niveau mit fallender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 17 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der MessstelleBabenhausen Nr. 528062 bewegte sich der Grundwasserstand überwiegend auf einem niedrigen Niveau, mit wechselhafter Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 2 cm oberhalb des Vorjahresniveaus. Die Grundwasserleiter in der Untermainebene sind durch Grundwasserentnahmen großräumig beeinflusst, wodurch sich, zusammen mit der räumlichen Variabilität der Standorteigenschaften, ein sehr heterogenes Bild der Grundwasserstände ergibt.
In der Hessischen Rheinebene (Hessisches Ried) wurden im Mai an 75 % der Messstellen normale Grundwasserstände beobachtet, gefolgt von niedrigen (13 %), hohen (10 %) und sehr niedrigen (2 %) Grundwasserständen. Sehr hohe Grundwasserstände wurden in diesem Monat nicht beobachtet. Folgende Details waren zu beobachten:
- Im nördlichen hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im Mai auf normalem Niveau. Beispiele Bauschheim Nr. 527055 und Walldorf Nr. 507185: An der Messstelle Bauschheim wurden im Mai normale Grundwasserstände beobachtet, mit einer fallenden Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand hier 16 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Walldorf bewegte sich der Grundwasserstand im Mai ebenfalls auf einem normalen Niveau, mit fallender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 3 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
- In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Hier lagen die Grundwasserstände im Mai auf niedrigem bis sehr niedrigem Niveau. Beispiele Gernsheim Nr. 544135 und Biebrich Nr. 506034: An der Messstelle Gernsheim zeigte der Grundwasserstand ein niedriges bis sehr niedriges Niveau und lag 9 cm oberhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel). An der Messstelle Biebrich bewegte sich der Wasserstand ebenfalls auf niedrigem bis sehr niedrigem Niveau, mit fallendem Verlauf gegen Monatsende. Der Grundwasserstand lag auf dem Niveau des Vorjahres (Monatsmittel).
- Die Grundwasserstände in typischen vernässungsgefährdeten Gebieten zeigten im Mai überwiegend normale Werte mit fallenden Trends. Beispiele: Hähnlein Nr. 544266, Groß-Rohrheim Nr. 544107, Worfelden Nr. 527182, Wallerstädten Nr. 527321.
- In den infiltrationsgestützten Bereichen des Rieds (Hahn flach Nr. 527329, Büttelborn Nr. 527161, Lorsch Nr. 544170 und Groß-Rohrheim Nr. 544002) lagen die Grundwasserstände im Mai auf normalem Niveau und wiesen größtenteils steigende Trends auf. Die Grundwasserstände lagen im Bereich der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigte die gewünschte Wirkung.
- Im südlichen Hessischen Ried lagen die Grundwasserstände im Mai auf hohem bis normalem Niveau mit fallenden Trends. Beispiele Bürstadt Nr. 544007 und Viernheim Nr. 544271: An der Messstelle Bürstadt fiel der Grundwasserstand im Mai von einem hohen auf ein normales Niveau und lag 10 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel). An der Messstelle Viernheim befand sich der Grundwasserstand in diesem Monat auf normalen Höhen, ebenfalls mit einem fallenden Trend. Der Grundwasserstand lag 12 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel).
Prognose
Im weiteren Verlauf des hydrologischen Sommerhalbjahres ist jahreszeitlich bedingt mit weiter rückläufigen Grundwasserverhältnisse zu rechnen. Mit anhaltendem Pflanzenwachstum, höheren Temperaturen und zunehmender Verdunstung verschlechtern sich die Randbedingungen für die Grundwasserneubildung. Daher wird es in den kommenden Wochen immer unwahrscheinlicher, dass Niederschlagsereignisse zur Grundwasserneubildung führen. Hierfür wären länger andauernde und ergiebige Niederschläge in Form von Landregen notwendig. Eine nachhaltige Auffüllung der Grundwasserspeicher in Hessen ist vermutlich erst wieder im kommenden hydrologischen Winterhalbjahr möglich.
Aktuelle Messwerte
Die Messwerte von 128 Grundwassermessstellen, die mit Datensammlern und Datenfernübertragung ausgestattet sind, werden täglich übertragen und stehen online im Messdatenportal zur Verfügung.


