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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Aktuelles

Grundwassersituation im August 2026: Hessenweit überwiegend niedrige und sehr niedrige Grundwasserstände bei weiterhin größtenteils fallenden Trends

Nachfolgend wird ein kurzer Überblick über das zurückliegende hydrologische Winterhalbjahr, das laufende hydrologische Sommerhalbjahr und das hydrologische Jahr insgesamt gegeben. Im Anschluss wird die aktuelle Grundwassersituation in Hessen betrachtet sowie eine Prognose für die weitere Entwicklung gestellt. 

Aktuelle Grundwassermesswerte finden Sie im Messdatenportal.

Hydrologisches Sommerhalbjahr, Winterhalbjahr und Jahr 

Für die Regeneration des Grundwassers ist das von November bis Ende April andauernde hydrologische Winterhalbjahr von besonderer Bedeutung. In dieser Zeit, in der die Vegetation ruht und die Verdunstung wegen der niedrigeren Temperaturen geringer als im Sommerhalbjahr ausfällt, kann das Niederschlagswasser größtenteils versickern. Durch die einsetzende Grundwasserneubildung steigen die Grundwasserstände in der Regel an, sofern ausreichend Niederschlag fällt. Im zurückliegenden Winterhalbjahr 2025/2026 lag die Niederschlagsmenge mit 259 mm jedoch ca. 28 % unter dem langjährigen Mittel (1991–2020: 357 mm), was zu einer vergleichsweise geringeren Grundwasserneubildung geführt hat. 

Im hydrologischen Sommerhalbjahr, das von Mai bis Ende Oktober andauert, kommt vom Niederschlagswasser in der Regel kaum etwas im Grundwasser an, da ein Großteil des Niederschlags wegen der höheren Temperaturen verdunstet oder von der Vegetation verbraucht wird. Fallende Grundwasserstände im hydrologischen Sommerhalbjahr stellen auch bei durchschnittlichen Niederschlagsverhältnissen den Normalfall dar. Das bisherige Sommerhalbjahr ist mit ca. 214 mm Niederschlag etwa 24 % trockener als der langjährige Durchschnitt (1991–2020: 281 mm).

Für das hydrologische Jahr (November bis Oktober) ergibt sich daraus im Normalfall der charakteristische Jahresgang im Grundwasser, mit steigenden Grundwasserständen im Winterhalbjahr und fallenden Grundwasserständen im Sommerhalbjahr.

Situation im August

Mit etwa 60 mm lag die Niederschlagsmenge im August, dem vierten Monat des hydrologischen Sommerhalbjahres, ca. 12 % unter dem langjährigen Mittelwert 1991–2020 (rund 68 mm).

Die nachfolgende Grafik zeigt die Entwicklung der Grundwassersituation seit dem Jahr 2023. Durch die ab Herbst 2023 einsetzenden und bis Ende 2024 anhaltenden überdurchschnittlichen Niederschläge hat sich die Situation im Grundwasser flächenhaft entspannt. Im Jahr 2024 lag der Anteil der Messstellen im hohen (hellgrüne Kurve) und sehr hohen Bereich (dunkelgrüne Kurve) durchgehend über 50 %. Im zurückliegenden Jahr hat jedoch insbesondere das trockene Frühjahr wieder zu einem Anstieg der niedrigen (gelbe Kurve) und sehr niedrigen (rote Kurve) Grundwasserstände geführt, was durch die überdurchschnittlichen Niederschläge im September und Oktober nur kurzfristig abgemildert wurde. Die unterdurchschnittliche Niederschlagsmenge des Winterhalbjahrs 2025/2026 hat zu einer weiteren Zunahme der Anzahl der Messstellen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich geführt. Durch den trockensten Juli seit Wetteraufzeichnung ist der Anteil der Messstellen im niedrigen und sehr niedrigen Bereich noch einmal deutlich angestiegen. Die Niederschläge ab Mitte August haben in gewässernahen und schnell reagierenden Messstellen zu leicht steigenden Grundwasserständen, jedoch nicht zu einer langanhaltenden Regeneration geführt. Circa 22 % der Grundwassermessstellen wiesen im August neue Monatsniedrigstwerte auf.

Anmerkung zur Grafik: Die Klassifizierung „sehr niedrige Grundwasserstände“ stellt eine rein statistische Bewertung dar. Sehr niedrige Grundwasserstände sind nicht mit einem „Wassernotstand“ gleichzusetzen oder an bestimmte Auswirkungen und Maßnahmen gekoppelt. Liegt der Grundwasserstand unter dem 10%-Perzentil, also unter 90 Prozent aller Werte der Jahre 1991-2020, fällt er in die Klasse „sehr niedrig“. Liegt der Grundwasserstand über dem 10%-Perzentil und unterhalb des 25%-Perzentils, fällt er in die Klasse „niedrig“. Analog gilt Folgendes für die übrigen Klassen: normal: oberhalb des 25%-Perzentils und unterhalb des 75%-Perzentils; hoch: oberhalb des 75%-Perzentils und unterhalb des 90%-Perzentils; sehr hoch: oberhalb des 90%-Perzentils.

Im August bewegten sich die Grundwasserstände in Hessen an 28 % der Messstellen auf einem normalen Niveau (Vormonat 41 %). 24 % der Messstellen wiesen niedrige Grundwasserstände auf (Vormonat 17 %). Sehr niedrige Grundwasserstände wurden an 42 % der Messstellen beobachtet (Vormonat 34 %). Hohe oder sehr hohe Grundwasserstände wurden jeweils an einem Prozent der Messstellen registriert (Vormonat 1 % bzw. 2 %). An 4 % der Messstellen lagen keine aktuellen Daten vor. Im Vergleich zum Vorjahr lagen die Grundwasserstände im August an 98 % der Messstellen im Monatsmittel auf einem niedrigeren Niveau.

Aufgrund der ungleichen Niederschlagsverteilung sowie der unterschiedlichen hydrogeologischen Eigenschaften der Standorte (z. B. Durchlässigkeit, Speichervermögen, Tiefe und Mächtigkeit der Grundwasserleiter) zeigen sich folgende regionale Unterschiede:

In den weit verbreiteten Kluftgrundwasserleitern des Buntsandsteins in Nordhessen zeigten die Messstellen im August durchweg fallende Trends, bei größtenteils sehr niedrigen Grundwasserstandshöhen. Beispiele Bracht Nr. 434028 und Gahrenberg Nr. 384030: Im August lag an der Messstelle Bracht der Wasserstand auf einem sehr niedrigen Niveau, mit einem fallenden Trend. Im Monatsmittel war der Grundwasserstand hier 92 cm niedriger als im Vorjahr. An der Messstelle Gahrenberg bewegte sich der Wasserstand auf einem normalen Niveau, ebenfalls mit einem fallenden Trend. Der Wasserstand lag im Monatsmittel 90 cm unter dem Vorjahresniveau.

Im mittelhessischen Gebiet bewegten sich die Grundwasserstände im August überwiegend auf sehr niedrigen Höhen (60 %), gefolgt von niedrigen und normalen Höhen (jeweils 17 %).

In der Untermainebene wurden im August unterschiedliche Niveaus der Grundwasserstände beobachtet, je nachdem, ob es sich um eher schnell oder langsam reagierende Messstellen handelt. An der MessstelleOffenbach Nr. 507155 bewegte sich der Grundwasserstand im August auf einem normalen bis niedrigen Niveau mit fallender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 9 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Babenhausen Nr. 528062 bewegte sich der Grundwasserstand auf einem niedrigen bis sehr niedrigen Niveau, mit fallender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 1 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. Die Grundwasserleiter in der Untermainebene sind durch Grundwasserentnahmen großräumig beeinflusst, wodurch sich, zusammen mit der räumlichen Variabilität der Standorteigenschaften, ein sehr heterogenes Bild der Grundwasserstände ergibt.

In der Hessischen Rheinebene (Hessisches Ried) wurden im August größtenteils normale Grundwasserstände beobachtet (45 %), gefolgt von niedrigen (34 %) Grundwasserständen. Folgende Details waren zu beobachten:

  • Im nördlichen hessischen Ried bewegten sich die Grundwasserstände im August auf normalem bis sehr niedrigem Niveau. Beispiele Bauschheim Nr. 527055 und Walldorf Nr. 507185: An der Messstelle Bauschheim wurden im August niedrige Grundwasserstände beobachtet, mit einer fallenden Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand hier 27 cm unterhalb des Vorjahresniveaus. An der Messstelle Walldorf bewegte sich der Grundwasserstand im August auf einem niedrigen bis sehr niedrigen Niveau, mit zuerst fallender, ab der Monatshälfte steigender Tendenz. Im Monatsmittel lag der Grundwasserstand 14 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres.
  • In der unmittelbaren Nähe des Rheins werden die Grundwasserstände vom Rheinwasserstand beeinflusst. Hier lagen die Grundwasserstände im August auf sehr niedrigem Niveau. Beispiele Gernsheim Nr. 544135 und Biebrich Nr. 506034: An der Messstelle Gernsheim zeigte der Grundwasserstand ein sehr niedriges Niveau mit einem zu Beginn fallenden, gegen Monatsende steigenden Trend und lag 85 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel). An der Messstelle Biebrich bewegte sich der Wasserstand auf sehr niedrigem Niveau, ebenfalls mit einem zuerst fallenden und dann steigenden Verlauf. Der Grundwasserstand lag 104 cm unterhalb des Niveaus des Vorjahres (Monatsmittel).
  • Die Grundwasserstände in typischen vernässungsgefährdeten Gebieten zeigten im August überwiegend niedrige Grundwasserstände mit durchweg fallenden Trends. Beispiele: Hähnlein Nr. 544266, Groß-Rohrheim Nr. 544107, Worfelden Nr. 527182, Wallerstädten Nr. 527321.
  • In den infiltrationsgestützten Bereichen des Rieds (Hahn flach Nr. 527329, Büttelborn Nr. 527161 und Groß-Rohrheim Nr. 544002) lagen die Grundwasserstände im August größtenteils auf normalem Niveau und wiesen durchweg fallende Trends auf. Die Grundwasserstände lagen im Bereich der mittleren Richtwerte. Die Steuerung durch Infiltration und Grundwasserentnahmen zeigte die gewünschte Wirkung.
  • Im südlichen Hessischen Ried lagen die Grundwasserstände im August auf normalem bis sehr niedrigem Niveau mit fallenden Trends. Beispiele Bürstadt Nr. 544007 und Viernheim Nr. 544271: An der Messstelle Bürstadt bewegte sich der Grundwasserstand im August auf einem normalen Niveau und lag 24 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel). An der Messstelle Viernheim war der Grundwasserstand in diesem Monat ebenfalls im normalen Bereich und zeigte einen fallenden Trend. Der Grundwasserstand lag 20 cm unterhalb des Vorjahresniveaus (Monatsmittel).

Prognose

Im weiteren Verlauf des hydrologischen Sommerhalbjahres ist jahreszeitlich bedingt mit weiter rückläufigen Grundwasserständen zu rechnen. Es ist in den kommenden Wochen unwahrscheinlich, dass Niederschlagsereignisse zur Grundwasserneubildung führen. Hierfür wären lange andauernde und ergiebige Niederschläge in Form von Landregen notwendig. Eine nachhaltige Auffüllung der Grundwasserspeicher in Hessen ist vermutlich erst wieder im kommenden hydrologischen Winterhalbjahr zu erwarten.

Aktuelle Messwerte

Die Messwerte von 131 Grundwassermessstellen, die mit Datensammlern und Datenfernübertragung ausgestattet sind,werden täglich übertragen und stehen online im Messdatenportal zur Verfügung.