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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Substratgruppen zur Kennzeichnung der Hintergrundwerte in Oberböden

MethodenbezeichnungHGW Substratgruppen OB
Methoden-ID136
BearbeiterKlaus Friedrich
EingangsdatenBodeneinheiten der BFD50 Hessen
KennwerteSubstratgruppen
Stand10.5.2011, Version 1
Quellen

HLUG (2011): Hintergrundwerte von Spurenstoffen in hessischen Böden

LABO – Bund-Länder-Arbeitsgemeinschaft Bodenschutz (2003): Hintergrundwerte für anorganische und organische Stoffe in Böden. – 3. Aufl., 169 S., Berlin.

Erläuterung

Analog zur statistischen Auswertung der Hintergrundwerte von Spurenstoffe gemäß LABO (2003) werden die Bodenflächendaten entsprechend der Ausprägung von Oberböden, Unterböden und Untergrund in Substratgruppen aggregiert, um eine räumliche Verbreitung darstellen zu können. Hierüber können dann die entsprechenden Hintergrundwerte eingesehen werden.
Die Horizonte von Ober-, Unterboden bzw. Untergrund werden entsprechend ihrer Mächtigkeitsdominanz zusammenfassend betrachtet und eine Substratgruppe in Abhängigkeit der Ausprägung der jeweiligen Bodeneinheit zugeordnet. Im Folgenden sind die Kriterien zur Abgrenzung von Ober- und Unterböden sowie Untergrund aufgelistet:

Bei der Einstufung berücksichtigte Oberbodenhorizonte der Bodeneinheiten

Die Gruppe umfasst alle obersten mineralischen und organischen Bodenhorizonte sowie alle folgenden A-, H-, R- oder M-Horizonte bis zu einer Tiefe von 30 cm für Acker- und Gartennutzung sowie Sonderkulturen und  bis
zu 10 cm Tiefe bei Grünland- und Forstnutzung. Überschreiten diese Horizonte die entsprechenden Untergrenzen, liegen aber zu mehr als 50 % ihrer Mächtigkeit innerhalb der definierten Teufen, so zählen sie ebenfalls zur Gruppe Oberboden. Zu berücksichtigende Verarmungshorizonte Ae und Al müssen oberhalb der nutzungsspezifischen Untergrenzen enden. Bei einer Teufenüberschreitung werden sie der Gruppe Unterboden zugeordnet.

Abgrenzung der Unterböden und Untergrundgesteine
Unterboden (UB)

Zur Gruppe der Unterböden zählen die Horizonte zwischen Oberboden und Untergrund, die durch die wesentlichen pedogenetischen Prozesse der Stoffan- und -abreicherung beeinflusst sind. Darunter fallen alle B-, P-, E-, R- und M-Horizonte für den gesamten Tiefenbereich unterhalb des Oberbodens sowie alle H-, G- und S-Horizonte, die mehr als 50 % ihrer Mächtigkeit oberhalb von 120 cm aufweisen.

Untergrund (UG)

Zu dieser Gruppe gehören alle C-Horizonte. Bei Stauwasser-, Grundwasserböden oder Mooren ohne Ausweisung eines C-Horizontes werden die H-, G- und S-Horizonte zum Untergrund gezählt, wenn mehr als 50 % der Horizontmächtigkeit den Bereich unterhalb 120 cm einnehmen.

 

Die Auswertungskarte ist Bestandteil des Berichtes "Hintergrundwerte von Spurenstoffen in hessischen Böden" (HLUG 2011, Maßstab 1:300.000). Sie kann zudem über den BodenViewer Hessen unter der Themenrubrik "mittelmaßstäbig (1:50.000)"/"Hintergrundwerte" angezeigt werden. Beim Abfragen einzelner Flächen werden die Spurenstoffgehalte visualisiert. Jeder Punkt kann dabei hinsichtlich der potenziellen Hintergrundwerte abgefragt werden. Für königswasserextrahierbare Gehalte werden Hintergrundwerte für das 50. und 90. Perzentil in einer Tabellle dargestellt. Weiterführende Informationen zur entsprechenden Substratgruppe und deren Hintergrundwerte stehen über einen Hyperlink zur Verfügung. 

Die mittelmaßstäbige Auswertung stellt eine regionale Gliederung der vorkommenden Substrate (Oberboden) mit den zugewiesenen Hintergrundwerten dar. Bei Verwendung der Daten für lokale Untersuchungen oder der Umsetzung von örtlichen Maßnahmen (z.B. Bodenbeaufschlagung) muss die lokale Substratausprägung vor Ort ermittelt bzw. verifiziert werden.

Bemerkung  

Substratgruppen:

Substrathauptgruppe Substratgruppe Beschreibung
Organogene SubstrateTorfe und Anmoor­substrateorganogene Substrate mit > 15 % organischer Substanz
Fluviatile SubstrateAuensandsubstrateAuensand (holozäne, fluviatile Sande)
AuenschluffsubstrateAuenschluff/-lehm (holozäne, fluviatile Schluffe und Lehme)
Auentonsubstrate Auenton (holozäne, fluviatile Tone)
FlusssedimentsubstrateTerrassen-/Flusssand (pleistozäne, fluviatile Sande und Kiese der Terrassenkörper)
Hochflutsubstrate Hochflutsedimente (pleistozäne, fluviatile Schluffe, Lehme und Tone)
Äolische SubstrateLösssubstrateLöss- und Lösslehmsubstrat (pleistozäne, äolische Substrate bzw. solifluktiv in LH und LM) mit einem Lössanteil ≥ 90 %
Sandlöss- und Lösssand­substrate Sandlöss- und Lösssandsubstrat (pleistozäne, äolische Substrate bzw. solifluktiv in LH und LM)
Flugsandsubstrate Flugsandsubstrat (pleistozäne, äolische Substrate bzw. solifluktiv in periglazialen Lagen)
TephrasubstrateBimsaschesubstrat (Alleröd), Bildungsprozesse: solifluktiv, fluviatil, äolisch, angeschwemmt, solimixtiv (in situ)
Kolluviale Substrate Kolluvialsubstrate mit heterogener Zusammen­setzung Kolluvialsubstrate (holozäne, kolluvial sowie anthro­po­gen gekippte und verschobene natürliche Boden­substrate) mit heterogener Zusammensetzung
Kolluvialsubstrate aus Löss­derivatenKolluvialsubstrate (holozäne, kolluvial sowie anthropogen gekippte und verschobene natürliche Bodensubstrate) aus Löss- und Sandlössderivaten
Bodensubstrate mit periglazialer Überprägung
Carbonatische Substrate Substrate aus Carbonaten Carbonatgesteine – Zechstein (Kalkstein, Dolomit­stein), Trias (Kalkstein), Muschelkalk (Kalkstein), Tertiär (Kalkstein)
lössarme substrate aus carbonatenPeriglaziale Lagen (v. a. LB) aus Carbonatgesteinen – Zech­stein (Kalkstein, Dolomitstein), Muschel­kalk (Kalkstein), Tertiär (Kalkstein) – mit einem Lössanteil von > 0 - 35 %
lössreiche Substrate mit Carbonaten Periglaziale Lagen (LH und LM) mit Carbonat­gesteinen – Devon (Carbonat-Festgestein), Zechstein (Kalk­stein), Muschelkalk (Kalkstein) – mit einem Lössanteil von ca. 35 bis < 90 %
Psammitische und psephitische Substrate (und metamorphe Äquivalente) Substrate aus Psammiten und Psephiten Grobklastische Gesteine – Devon (Grauwacke), Rot­lie­gend (Arkose, Konglomerat), Zechstein (Konglo­merat), Bunt­sand­stein (Fein-/Sandstein), Sand (Tertiär)
lössarme Substrate aus Psammiten und Psephiten Periglaziale Lagen (v. a. LB) aus grobklastischen Gesteinen – Paläozoikum (Grauwacke, Quarzit, Sand­stein), Devon (Grau­wacke, Quarzit), Rotliegend (Konglomerat, Arkose, Quarzit), Zechstein (Sand­stein), Buntsandstein (Sand­stein), Tertiär (Quar­zit), Pleistozän (Sand) – mit einem Lössanteil von > 0 - 35 %
lössreiche substrate mit psammiten und psephiten (über­wigend Sand)Sandige periglaziale Lagen (LH und LM) mit grob­klastischen Gesteinen – Paläozoikum (Grau­wacke), Rotliegend (Konglo­me­rat, Sandstein), Buntsand­stein (Sandstein), Tertiär (Quar­zit), Pleistozän (Sand) – mit einem Lössanteil von ca. 35 bis < 90 %
lössreiche Substrate mit Psammiten und Psephiten (über­wiegend Schluff) Sandig-schluffige periglaziale Lagen (LH und LM) mit grob­klastischen Gesteinen – Paläozoikum (Grau­wacke), Devon (Grauwacke, Quarzit), Rotliegend (Konglo­merat, Sandstein), Buntsandstein (Sandstein), Tertiär (Sand), Pleistozän (Sand) – mit einem Lössanteil von ca. 35 bis < 90 %
Pelitische Substrate(und metamorphe Äquivalente) Substrate aus Peliten Feinklastische Gesteine – Paläozoikum (Tonschiefer), Devon (Phyllit, Tonschiefer), Karbon (Schluff(Silt-)­stein, Tonschie­fer), Rotliegend (Ton), Buntsandstein (Ton­stein, Schluff(Silt-)stein), Tertiär (Ton, Schluff)
lössarme Substrate aus Peliten Periglaziale Lagen (v. a. LB) aus feinklastischen Gesteinen – Paläozoikum (Tonschiefer), Devon (Ton­schiefer, Phyllit), Karbon (Tonschiefer, Schluff(Silt-)­stein), Zech­stein (Tonstein), Buntsandstein (Tonstein, Schluff­stein), Tertiär (Ton, Ton­mergel), Pleistozän (Ton, Schluff) – mit einem Lössanteil von > 0 - 35 %
lössarme Substrate aus Peliten (überwiegend Schutte) Schuttreiche periglaziale Lagen (v. a. LB) aus fein­klastischen Gesteinen – Devon (Tonschiefer), Karbon (Ton­schiefer, Schluff­(Silt-)stein), Buntsandstein (Ton­stein, Schluff(Silt-)stein) – mit einem Lössanteil von > 0 - 35 %
lössreiche Substrate mit Peliten Periglaziale Lagen (LH und LM) mit feinklastischen Gestei­nen – Paläozoikum (Tonschiefer, Phyllit), Devon (Ton­schie­fer, Phyllit), Karbon (Tonschiefer, Schluff­(Silt-)­stein, Alaun­schiefer), Rotliegend (Tonstein), Buntsand­stein (Tonstein), Tertiär (Ton) – mit einem Lössanteil von ca. 35 bis < 90 %
Vulkanogene Substrate
(und metamorphe Äquivalente)
Substrate aus Vulkaniten Paläozoische Metavulkanite, tertiäre (quarz- bis foidfüh­rende) Vulkanite
lössarme Substrate aus Vulkaniten Periglaziale Lagen (v. a. LB) aus paläozoischen Meta­vulkaniten, tertiären (quarz- bis foidführenden) Vulkaniten mit einem Lössanteil von > 0 - 35 %
lössreiche Substrate mit Vulkaniten Periglaziale Lagen (LH und LM) mit paläozoischen Metavulkaniten, tertiären (quarz- bis foidführenden) Vulkaniten mit einem Lössanteil von ca.  35 bis < 90 %
Plutonitische Substrate
(und metamorphe Äquivalente)
Substrate aus Plutoniten Plutonite – quarz- bis foidführende bis quarzreiche Plutonite
lössarme Substrate aus Plutoniten Periglaziale Lagen (v. a. LB) aus Plutoniten – Paläo­zoikum (quarzreiche Plutonite, plutonische Gesteine, Gneis), Karbon (quarzreiche Plutonite), Silur (Glimmer­schiefer), ohne Angabe der Strati­graphie (Diorit) – mit einem Lössanteil von > 0 - 35 %
lössreiche Substrate mit Plutoniten Periglaziale Lagen (LH und LM) mit Plutoniten – Paläozoikum (plutonisches Gestein, quarzführender bis -reicher Plutonit, Ganggestein), Karbon (quarz­reicher Plutonit), Silur (Glimmer­schiefer), ohne Angabe der Stratigraphie (Diorit) – mit einem Lössanteil von ca. 35 bis < 90 %

Hintergrundwerte der Substratgruppen:

Den in ihrer flächenhaften Verbreitung dargestellten Substratgruppen sind die Hintergrundwerte für anorganische Spurenstoffe zugewiesen. Die Tabelle - wie auch die Abfrage im BodenViewer - zeigt die königswasserextrahierbare Gehalte (KW_) für die 50. und 90. Perzentile (50P oder 90P) in mg/kg TS an. Die Werte in Klammern kennzeichnen Datengruppen mit mindestens 10 aber weniger als 20 Werten und sind daher als unsicher einzustufen. Ein Minus-Zeichen weist auf geringe oder fehlende Datenbestände hin. Der Link im Feld Substratgruppe verweist auf die weiterführende Dokumentation im Bericht. Dort sind auch ammoniumnitratextrahierbare Gehalte sowie nutzungs- und gebietsdifferenzierte Hintergrundwerte zusammengestellt.

->zur Tabelle

Kartenbeispiel:

 

Legende: