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Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie

Themenauswertungen

Derzeit werden 4 Ableitungen aus dem Datenbestand angeboten:

Bodenkarte

Die Weinbergsbodenkarte von Hessen 1:5.000 stellt die oberste, belebte Verwitterungszone der Erdoberfläche dar, in der sich Lithosphäre, Hydrosphäre, Biosphäre und Atmosphäre durchdringen.


Sie veranschaulicht die Naturraumausstattung und das Ökopotenzial des oberflächennahen Untergrundes. Damit bildet sie eine Grundlage zur Bewertung des Standortes als weinbauliche Produktionsfläche und der Anbaueignung (Unterlagssortenwahl, Anbaumanagement) sowie für Fragen des vorsorgenden Umweltschutzes, welcher auf die Funktionen des Bodens als Lebensraum, Filter und Puffer, Regulator für Wasser- und Lufthaushalt zurückgreift.


Die bodenbildenden Faktoren (Klima, Gestein, Relief, Wasser, Pflanzen, Tiere, Mensch und Zeit) lösen im Boden physikalische und chemische Prozesse aus, die zu Umwandlungsprodukten mit charakteristischen Erscheinungsbildern und typischen Eigenschaften der Bodendecke führen. Die Vielfalt der Einwirkungen und ihr räumlich-zeitlicher Wandel bedingen die Heterogenität der Bodendecke. Weinbergsböden sind ganz wesentlich hervorzuheben, da sie ganz durch die Tätigkeit des Menschen verändert und geschaffen wurden.


Auf der Karte werden Areale ausgewiesen, in denen vergleichbare Bodenverhältnisse zu Bodeneinheiten zusammengefasst sind. In der Legende zur Bodenkarte sind die mit Farbkästchen und Beschreibung versehenen Bodeneinheiten weiterhin zu Bodenuntergruppen und Bodengruppen gruppiert.


Die vorliegende Bodenkarte repräsentiert für den Großteil der hessischen Weinbaugebiete einen Kartierungsstand Anfang der 60er Jahre. Bei der Interpretation der Karte sind dabei Veränderungen der oberen Bodendecke durch Flurbereinigung oder andere Maßnahmen zu berücksichtigen. Auf der Karte werden Areale ausgewiesen, in denen verschiedene, aber räumlich oder genetisch in enger Beziehung zueinander stehende und in ihren Eigenschaften ähnliche Böden zu Bodenformgruppen zusammengefasst sind. Diese sind als Bodeneinheiten in der Legende beschrieben.


Die Erläuterung zur Karte enthält eine erweiterte Beschreibung der Bodeneinheiten. Karte wie Erläuterung stellen einen thematischen Auszug der Bodenflächendatenbank dar, in der rechenfähige Datensätze vorgehalten werden.


Die Karten und Erläuterung können gegen eine Gebühr bei der Vertriebsstelle des HLNUG als Plot/Druck bezogen werden.

Calciumcarbonatgehalt

Kalk besteht aus Calciumcarbonat (CaCO3) und ist als wichtige gesteinsbildende Komponente in vielen Locker- und Festgesteinen wie Löss, Kalk- und Mergelgesteinen enthalten. Das Calciumcarbonat wirkt sich dabei in verschiedener Hinsicht auf die Standorteigenschaften eines Bodens aus. Zunächst sorgt es für den Erhalt einer guten Bodenstruktur und eines gesunden Bodenlebens. Der Kalkgehalt der Böden ist für das Pflanzenwachstum wichtig, da die meisten Kulturpflanzen einen ausgeglichenen Boden-pH-Wert im Bereich zwischen 6 bis 7,5 benötigen, um ausreichend Nährstoffe aufnehmen zu können. Der Carbonatgehalt beeinflusst dabei den pH-Wert direkt.


Schon Böden mit geringen Kalkgehalten sind basenreich, zeigen eine neutrale bis alkalische Bodenreaktion und sind gut gepuffert. Auf kalkreichen Böden kann es jedoch zu Mangelerscheinungen (beispielsweise Chlorose) durch die Behinderung der Aufnahme von Eisen, Magnesium, Mangan, Bor, Kupfer und Zink kommen.


Die Kalkempfindlichkeit einiger Edelreis- und Unterlagssorten stellt ein Problem bei der Wahl einer standortangepassten Rebe dar. Daher muss vor der Neuanpflanzung eines Weinberges geprüft werden, ob der Kalkgehalt des Standortes den Anbau einer bestimmten Edelreis- Unterlage- Kombination zulässt. Die Wahl der Unterlage orientiert sich dabei vor allem am so genannten Aktivkalkgehalt, der unmittelbaren Einfluss auf die Bodenreaktion nimmt. Er entspricht im Wesentlichen dem Kalkgehalt der Bodenfraktionen Schluff und Ton (< 0,06 mm) und beruht auf der im Vergleich zu den gröberen Bodenbestandteilen (Sand, Grobboden) höheren Reaktionsfähigkeit der feinen Bodenpartikel.


Zum Zwecke einer übersichtlichen Darstellung wird der Carbonatgehalt des Rigolhorizontes sowie des Untergrundes bei der Klassifikation berücksichtigt. Die Carbonatgehalte der einzelnen Bodenschichten sind nach folgender Tabelle eingestuft.

 

Bezeichnung des CarbonatgehaltsCarbonatgehalt (Vol.-%)
  carbonatfrei
carbonatfrei bis carbonatarm0-2
carbonathaltig2-8
carbonatreich8-20
sehr carbonatreich20-40
extrem carbonatreich>40

Aus der Kombination des Carbonatgehaltes von Rigolhorizonten und des Untergrundes ergeben sich die Carbonatgehaltsklassen der Bodeneinheiten.

 

Carbonatgehalt

 Rigolhorizont

 (%)

Carbonatgehalt

Untergrund

(%)

Bezeichnung der KlasseID der Klasse
0-20-2carbonatarm oder -frei1
0-2>2-8

carbonatarm oder -frei

über carbonathaltig

2
0-2>8

carbonatarm oder -frei

über carbonatreich

3
>2-8>2-8carbonathaltig4
>2-80-2

carbonathaltig über

carbonatarm oder -frei

5
>2-8>8

carbonathaltig über

carbonatreich

6
>8-20>8-20carbonatreich7
>8-200-2

carbonatreich über

carbonatarm oder -frei

8
>8-20>2-8

carbonatreich über

carbonathaltig

9
>20>20sehr carbonatreich10
>20>8-20

sehr carbonatreich über

carbonatreich

11
>200-2

sehr carbonatreich über

carbonatarm oder -frei

12

Die Karten zum Calciumcarbonatgehalt der Weinbergsböden können sie über die graphische Übersicht auswählen und einsehen/herunterladen. Die Karten können gegen eine Gebühr bei der Vertriebsstelle des HLNUG als Plot bezogen werden.

Wasserspeicherungsvermögen der Böden

Die Fähigkeit des Bodens, Wasser zu speichern und bei Bedarf an die Pflanzen abzugeben, stellt eine der wichtigsten Bodenfunktionen für den Weinbau dar. Dieses pflanzenverfügbare Wasser wird als nutzbare Feldkapazität (nFK) bezeichnet. Sie stellt den zentralen Kennwert zur Bewertung der potenziellen Wasserversorgung, da sie beschreibt, welche maximale Wassermenge der Rebe zur Verfügung steht (vgl. AG Bodenkunde 2005: 348).


Für die Weinbergsböden wurde die nFK aus den Wasserspeicherungskennwerten der Feinbodenart abzüglich des Volumen-%- Anteils der Grobbodenklasse schichtweise errechnet und dann entsprechend der Profilgründigkeit bis maximal 20 dm aufsummiert. Da sowohl für die Bodenart als auch für den Grobbodenanteil Spannweiten beschrieben sind, wird für jede Schicht getrennt eine minimale und maximale nFK berechnet. Dabei wird z. B. die Bodenart mit dem höheren nFK-Wert und dem niedrigeren Gehalt an Grobboden kombiniert. Aus den min- und maximalen nFK-Werten ergibt sich die nFK für die Bodeneinheit, die nach der Tabelle unten klassifiziert ist.


Beschreibung der Bodenart und zugeordnete Kennwerte der nutzbaren Feldkapazität


Bezeichnung der

Feinbodenart

Kurz-

bezeichnung

abschlämmbarer

Anteil

(Ø < 0,01 mm) in

%

nutzbare

Feldkapazität

(mm/dm)

SandS<109
anlehmiger SandSl10 - 1313
lehmiger SandlS14 - 1815
stark sandiger LehmSL19 - 2319
sandiger LehmsL24 - 2920
LehmL30 - 4423
toniger LehmtL45 - 5018
lehmiger TonlT51 - 6017

Einstufung der nFK bis 2 m Profiltiefe

nFK-KlasseBezeichnung der KlasseID der Klasse
≤ 60 mmsehr gering1
> 60 - 140 mmgering2
> 140 - 200 mmmittel3
> 200 - 300 mmhoch4
> 300 - 400 mmsehr hoch5
> 400 mmextrem hoch6

Da Reben Tiefwurzler sind, können diese darüber hinaus ggf. weitere Bodenwasserreserven bis hin zu Kluftgrundwasser erschließen. Mit der Bewertung der ersten 2 m Bodenraum wird aber der Hauptwurzelraum der Rebe abgedeckt.


Die Karten zum Wasserspeicherungsvermögen der Weinbergsböden können sie über die graphische Übersicht auswählen und einsehen/herunterladen. Die Karten können gegen eine Gebühr bei der Vertriebsstelle des HLNUG als Plot bezogen werden.

 

Grund- und Staunässeeinfluss der Weinbergsböden

Standorte mit Grund- und Staunässe sind durch eine länger andauernde Nassphase gekennzeichnet, während in der durchwurzelten Bodenzone durch die mit Wasser gefüllten Hohlräume Luftmangel auftritt. Eine Vernässung kann durch Grund-, Stau-, Hang- oder Haftwasser erfolgen. Böden, die regelmäßig durch Grundwasser oder Stauwasser vernässt sind, verändern ihre Morphologie. Dies drückt sich in den Bodenprofilen durch rote und graue Farbtöne aus, die das Resultat von Reduktions- und Oxidationsprozessen der im Boden vorhandenen Eisen- und Manganverbindungen sind. Daher werden die "hydromorphen" von den "terrestrischen" Böden unterschieden. 


Typische Böden mit Grundwassereinfluss sind Gleye, bei denen ein Teil des Bodens ganzjährig mit Wasser gesättigt ist. Sie bilden sich, wenn der Grundwasserspiegel nahe der Bodenoberfläche liegt. Dabei kann der Grundwasserstand im Jahresverlauf schwanken und bildet hierdurch charakteristische Bodenhorizonte mit Oxidations- und Reduktionsmerkmalen aus. Stauwasserböden sind durch meist tonige, dicht gelagerte Schichten im Unterboden gekennzeichnet. Hierdurch wird die Versickerung von Schmelz- oder Niederschlagswasser gehemmt. Bei hohen und länger anhaltenden Niederschlägen wird so der Bodenraum über der Stauschicht mit Wasser erfüllt. In der sommerlichen Trockenperiode hingegen trocknen diese Standorte aus. Bodensystematisch werden diese Böden als Staunässeböden (Pseudogleye) bezeichnet.


Reben vertragen zwar naturbedingt Vernässungen im Unterboden, dies ist aber der Trauben- und damit der Weinqualität nicht unbedingt zuträglich.


In der folgenden Tabelle sind die Kriterien zur Bildung der Klassen zusammen gestellt. Unterschieden werden hierbei Standorte mit Grund- und Staunässe in unterschiedlicher Intensität sowie potenzielle Überschwemmungsgebiete und Standorte mit verdichtetem Untergrund.


Kriterien zur Bildung der Klassen des Grund- und Staunässeeinflusses


Art der Angabe in den

Legendeneinheiten

Bezeichnung der KlasseID der Klasse
nicht staunass

nicht grund- oder

stauwasserbeeinflusst

1

staunass bzw. Einfluss durch

Hangwasser oder Verdichtung

stauwasserbeeinflusst2

schwach oder stellenweise

staunass; in ebener und muldiger Lage staunass bzw. vernässt

stellenweise oder zeitweise stauwasserbeeinflusst3

Vernässung durch

Grundwassereinfluss und/oder

Staunässe

grund- und stauwasserbeeinflusst4

Grundwasserstand zwischen 8 und

15 dm unter Geländeoberfläche

im Unterboden grundwasserbeeinflusst5

Grundwasserstand < 8 dm unter

Geländeoberfläche oder

stark schwankende

Grundwasseroberfläche

im Rigolhorizont grundwasserbeeinflusst6
zeitweise überschwemmtzeitweise überschwemmt7
Untergrund verdichtetUntergrund verdichtet8

Die Karten zu den Grund- und Staunässeeigenschaften der Weinbergsböden können sie über die graphische Übersicht auswählen und einsehen/herunterladen. Die Karten können gegen eine Gebühr bei der Vertriebsstelle des HLNUG als Plot bezogen werden.